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Gabriel Cohn-Bendit

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Jean-Gabriel Cohn-Bendit (* 1936 in Paris) ist ein französischer Reformpädagoge.

Leben

Gabriel Cohn-Bendit wurde 1936 als Sohn des deutsch-jüdischen Rechtsanwalts Erich Cohn-Bendit (1902–1959) und dessen Frau Herta Cohn-Bendit im französischen Exil geboren. Anders als sein Bruder Daniel Cohn-Bendit (* 1945), späterer Studentenführer und Grünen-Politiker, wurde er französischer Staatsbürger.

Er studierte an der Sorbonne in Paris.[1] Cohn-Bendit trat 1956 in die Kommunistische Partei Frankreichs[1] (PCF) ein, verließ diese aber später wieder und schloss sich - nach kurzer Sympathie für trotzkistische Strömungen[1] - der Socialisme ou barbarie[1] und der Vereinigten Sozialistischen Partei (PSU) an.[2] In der Zeit der 68er-Bewegung verkehrte er in linksextremen Kreisen. 1979 offenbarte er der Tageszeitung Libération seine libertäre linke politische Gesinnung und berichtete dabei über die Einflüsse des Trotzkismus.[3] Heute ist er Mitglied der grünen Partei Frankreichs Europe Écologie-Les Verts.

Ab 1979 unterstützte er gemeinsam mit Éric Delcroix, Claude Karnoouh, Vincent Monteil und Jean-Louis Tristani in einer umstrittenen Publikation (1981) den Holocaustleugner Robert Faurisson in seinem Ansinnen auf freie Meinungsäußerung, was u.a. zum Konflikt mit der Ligue Internationale Contre le Racisme et l’Antisémitisme führte.

Cohn-Bendit war bis 1987 als Deutschlehrer in der Gemeinde Saint-Nazaire tätig und gründete ebendort die reformpädagogische Schule Lycée expérimental de Saint-Nazaire. Außerdem lehrte er von 1987 bis 1988 in Ouagadougou, Burkina Faso. Mehrmals schrieb er Offene Briefe an das Bildungsministerium, worin er zu Reformen aufrief.[4][5] Im Jahr 2001 engagierte er sich im Conseil national de l’innovation pour la réussite scolaire und gründete 2003 die Réseau Éducation Pour Tous en Afrique.[6]

2002 diffamierten er und sein Bruder Daniel in einem Artikel in Libération u.a. die trotzkistische Partei Lutte Ouvrière und deren Vorsitzende Arlette Laguiller.[7] Dafür wurde Gabriel 2005 von einem Berufungsgericht zu einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilt.[8]

Bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich 2012 rief er öffentlich zur Wahl François Hollandes auf.[9]

Schriften (Auswahl)

  • mit Daniel Cohn-Bendit: Linksradikalismus, Gewaltkur gegen die Alterskrankheit des Kommunismus. Aus dem Französischen übersetzt von Wolfgang Brokmeier. Rowohlt, Reinbek 1968.
  • mit Éric Delcroix, Claude Karnoouh, Vincent Monteil und Jean-Louis Tristani: Intolérable intolérance. Éditions de la Différence, Paris 1981, ISBN 2-7291-0093-8.
  • Nous sommes en marche. Flammarion, Paris 1999, ISBN 2-08-067744-6.
  • L’école doit éduquer à la désobéissance: le lycée expérimental de Saint-Nazaire éd. L’Harmattan, Paris 2001.
  • Lettre ouverte à tous ceux qui n’aiment pas l’école. Éditions Little big man, Paris 2003, ISBN 2-915347-22-0.
  • A bas le Parti Vert! Vive l’écologie! Éditions Mordicus (= collection Coups de colère), Paris 2011, ISBN 978-2-918414-48-3.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Ingrid Gilcher-Holtey: Die Phantasie an die Macht: Mai 68 in Frankreich. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-518-28780-X, S. 85.
  2. Arno Guillou, Matthew Fox: Gabriel Cohn-Bendit, L'œil électrique, abgerufen am 4. September 2013.
  3. Gabriel Cohn-Bendit: Question de principe, in: Libération, 5. März 1979.
  4. Saint-Nazaire: l’expérience reconnue à la marge, in: Le Monde de l’Éducation, März 2007.
  5. La lettre ouverte de 2000, écoles, collèges & lycées différents, abgerufen am 4. September 2013.
  6. Historique (PDF), abgerufen am 4. September 2013.
  7. Daniel Cohn-Bendit, Gabriel Cohn-Bendit: Arlette n’est pas une sainte, in: Libération, 4. April 2002.
  8. Gabriel Cohn-Bendit et Libé condamnés, in: Le Nouvel Observateur, 14. Oktober 2005.
  9. Gabriel Cohn-Bendit votera Hollande. in: Le Figaro, 26. März 2012.


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