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Fritz Kahn (Autor)

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Fritz Kahn (geb. 29. September 1888 in Halle (Saale); gest. 14. Januar 1968 in Locarno, Schweiz) war ein Arzt und Autor populärwissenschaftlicher Bücher.

Leben

Fritz Kahn wird als Sohn von Arthur Kahn, Arzt und Schriftsteller, und Hedwig Kahn, geb. Schmuhl, geboren. Kurz nach Fritz Kahns Geburt emigrierte sein Vater in die USA und ließ sich in Hoboken (NJ) nieder. Als Arthur Kahn sich als Arzt etabliert hatte, holte er um 1893 Frau und Kinder nach, und Fritz Kahn wurde in Hoboken eingeschult. Später siedelte die Familie nach Manhattan über. 1895 kehrte Hedwig Kahn mit ihren drei Söhnen nach Deutschland zurück. Nach längeren Aufenthalten in Hamburg und Halle zog die Familie gemeinsam mit dem aus den USA zurückgekehrten Vater nach Bonn. Ein Zuhause fand die Familie 1905 schließlich in Berlin-Charlottenburg, wo Fritz Kahn bis zum Abitur das Sophiengymnasium besuchte. Als Abiturient lehrte er in Studentischen Arbeiter-Unterrichtskursen.

1907 begann Fritz Kahn an der Friedrich-Wilhelm-Universität sein Studium der Humanmedizin mit dem Schwerpunktfach Mikrobiologie. Nebenher studierte er verschiedene Natur- und Geisteswissenschaften, arbeitete an einem meteorologischen Institut und begann Zeitungsartikel zu schreiben. 1912/1913 schloss Fritz Kahn sein Studium mit dem Staatsexamen ab und wurde zum Dr. med. promoviert. Spezialisiert auf Gynäkologie und Geburtshilfe arbeitete er von 1914 bis 1922 als Chirurg und Geburtshelfer in einer Klinik.

Als Sanitätsarzt leistete Fritz Kahn von 1914 bis 1918 Militärdienst, unter anderem im Elsass, in den Vogesen und in Norditalien. Wegen Unterernährung und Überarbeitung wurde Fritz Kahn 1918 beurlaubt und von einer italienischen Bauernfamilie betreut. Nach Kriegsende reiste er zur Erholung nach Algerien.

Fritz Kahn, inzwischen wieder als Arzt in Berlin tätig, heiratete 1920 Irma Glogau. Um 1921 reiste er nach Palästina, wo er Grundstücke auf dem Karmel und in Jerusalem kaufte. 1922 eröffnete Kahn eine eigene gynäkologische Praxis. In den darauf folgenden Jahren stand Fritz Kahn als Erfolgsautor zunehmend in der Öffentlichkeit. Seine Bücher erzielten sechsstellige Auflagen und wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Er engagierte sich unter anderem für die Jüdische Altershilfe und gründete eine humanistische Loge. 1926 wurde Fritz Kahn als Berater der großen Ausstellung Düsseldorf 1926 für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen GeSoLei (Bereich „Die Hygiene der Juden“) angefragt und arbeitete an der Berliner Ausstellung „Die Ernährung“ mit. Um 1930 unternahm Fritz Kahn geologische Forschungsreisen nach Palästina und an den Polarkreis. Nach einer monatelangen Lungenentzündung reiste er 1932 zu Wüstenstudien in die Sahara.

Auf Grund der neuen antisemitischen Propaganda sah sich Fritz Kahn 1933 gezwungen, seine Praxis zu schließen. Seine Bücher wurden öffentlich verbrannt. Er emigrierte mit seiner Familie nach Palästina und ließ sich zunächst in Haifa, kurz darauf in Jerusalem nieder. Er schrieb Zeitungsartikel zu aktuellen Themen und zeigte 1934 in Jerusalem die Ausstellung „Die Hygiene des Schulkindes“. Nach der Scheidung von Irma Glogau heiratete Fritz Kahn 1937 die Sängerin und Musiklehrerin Erna Schnabel und zog nach Paris.

Kurz nach der so genannten „Reichskristallnacht“ wurden Fritz Kahns Bücher 1938 auf die „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ gesetzt. Das Buch „Unser Geschlechtsleben“ wurde außerdem polizeilich verboten, alle auffindbaren Exemplare wurden vernichtet.

Nach Kriegsausbruch flüchtete er von Paris nach Bordeaux. Wegen Spionageverdachts wurde Fritz Kahn 1940 in einem französischen Lager interniert. Seine Frau Erna bewirkte seine Freilassung und sie flohen nach Spanien und Portugal. Anfang 1941 konnten Fritz und Erna Kahn mit Hilfe von Albert Einstein in die USA emigrieren. Sie ließen sich in Manhattan nieder.

Kahn hielt sich in der Zeit von 1948 bis 1950 mehrmals in Europa auf, unter anderem in Ascona. Nachdem die Remigration nach Europa noch nicht möglich schien, verlegte Fritz Kahn um 1950 seinen Lebensmittelpunkt zurück nach New York. Er hatte ein Haus auf Long Island und ein Atelier in Manhattan.

Nachdem sich seine Frau Erna von ihm getrennt hatte, lebte Fritz Kahn mit seiner dänisch-amerikanischen Mitarbeiterin Ellen Fussing zusammen. Mit ihr kehrte er endgültig nach Europa zurück und wohnte bis 1960 überwiegend in der Schweiz, unter anderem in Lugano. Bei einem Urlaub in Agadir überlebte Fritz Kahn 1960 unverletzt ein schweres Erdbeben. Mit Ellen Fussing wurde er nach Dänemark ausgeflogen und ließ sich in Nordseeland nieder und eröffnete 1962 ein Studio in Kopenhagen.

Aus gesundheitlichen Gründen reiste Kahn im Herbst 1967 nach Ascona. Am 14. Januar 1968 starb er in einer Klinik in Locarno.

Leistung

Mit außergewöhnlichen Metaphern in Wort und Bild gelang es Fritz Kahn, komplexe Prinzipien in Natur und Technik allgemeinverständlich darzustellen. Der Berliner beschrieb den Menschen als „leistungsfähigste Maschine der Welt“ und spiegelte die technische und kulturelle Entwicklung der Weimarer Republik. Einen Großteil der Illustrationen ließ er nach seinen Vorgaben von Zeichnern anfertigen, in Berlin, New York und Kopenhagen leitete er eigene Ateliers. Durch seine Buchreihe „Das Leben des Menschen“ wurde Kahn zum internationalen Bestsellerautor. Nach seiner Emigration geriet sein Werk in Deutschland weitgehend in Vergessenheit. Im Exil publizierte er weiterhin erfolgreich und wurde Mitte der fünfziger Jahre im US-amerikanischen Who's Who geführt.

Rezeption

Etliche Künstler, darunter der Bauhaus-Grafiker Herbert Bayer und Eduardo Paolozzi, haben sich zu Interpretationen von Fritz Kahns Mensch-Maschine-Analogien anregen lassen. In der kreativen Szene wurden diese Motive auch in jüngster Zeit mehrfach als Inspirationsquelle für eigene künstlerische Umsetzungen genutzt, so für einen Trailer des Sundance Film Festivals 2007 oder zur Bewerbung der Musiksendung „Vamos Falar de Música“ auf MTV Brasil.[1] Im Jahr 2009 stieß eine Animation des Designers Henning Lederer auf internetweite Aufmerksamkeit, bei der er Kahns berühmtes Motiv „Der Mensch als Industriepalast“ im Rahmen einer studentischen Abschlussarbeit in Bewegung versetzte.[2] Kahns Bildwerk, eine Pionierleistung des modernen Informationsdesigns, wurde mit der Veröffentlichung der Monografie „Fritz Kahn – Man Machine / Maschine Mensch“ durch die Geschwister Uta und Thilo von Debschitz im Jahre 2009 wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und ist Gegenstand verschiedener Forschungsprojekte der Wissenschafts-, Kunst- und Kulturgeschichte.

Die weltweit erste Ausstellung zu Fritz Kahn wurde am 22. Januar 2010 im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité eröffnet, Schirmherrin war die ehemalige Bundesministerin für Gesundheit Ulla Schmidt.[3]

Schriften

  • Die Milchstraße, Kosmos, Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1914
  • Die Zelle, Kosmos, Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1919
  • Die Juden als Rasse und Kulturvolk, Welt-Verlag, Berlin 1920
  • Das Leben des Menschen I, Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1922
  • Das Leben des Menschen II, Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1924
  • Das Leben des Menschen III, Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1926
  • Das Leben des Menschen IV, Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1929
  • Das Leben des Menschen V, Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1931
  • Unser Geschlechtsleben – ein Führer und Berater für jedermann, Albert Müller, Rüschlikon-Zürich 1937
  • Der Mensch gesund und krank I–II, Albert Müller, Zürich-Leipzig 1939
  • Der Mensch, Bau und Funktionen unseres Körpers, Albert Müller, Rüschlikon-Zürich 1940
  • First Aid – Popular, Friedrich Krause, New York 1942
  • Man in Structure and Function I–II, Alfred Knopf, New York 1943
  • Das Atom – endlich verständlich, Albert Müller, Zürich 1949
  • Das Buch der Natur I–II, Albert Müller, Rüschlikon-Zürich 1952
  • Design of the Universe: The Heavens and the Earth, Crown Publishers, New York 1954
  • Die Weltuhr – aus der Geschichte des Erdballs, Lux Lesebogen Nr. 209, Murnau 1955
  • Vogelvolk – vom Ur-Vogel bis zum Adler, Lux Lesebogen Nr. 219, Murnau 1956
  • Muss Liebe blind sein – Schule des Liebes- und Eheglücks, Albert Müller, Rüschlikon-Zürich 1957
  • Sternenrätsel – von der Arbeit des Astronomen, Lux Lesebogen Nr. 237, Murnau 1957
  • Die neun Planeten – Kinder der Sonne, Lux Lesebogen Nr. 247, Murnau 1957
  • Kräfte der Natur – Winde, Wolken, Wüsten, Lux Lesebogen Nr. 262, Murnau 1958
  • The Human Body, Random House, New York 1965
  • Knaurs Buch vom menschlichen Körper (dt. Bearbeitung von Otfrid Butenandt, Vorwort Peter Bamm), Droemer/Knaur, München 1967/1969/1973

Literatur

  • Uta von Debschitz, Thilo von Debschitz: Fritz Kahn – Man Machine / Maschine Mensch. Wien 2009, ISBN 978-3-211-99181-7.
  • Leo Baeck Institute New York: Arthur and Fritz Kahn Collection
  • Zentralbibliothek Zürich: Nachlass Fritz Kahn

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Estudio Fine Tuning: Trailer für MTV-Sendung „Vamos Falar de Música“ Video auf YouTube, abgerufen am 9. November 2011
  2. Henning Lederer: Der Mensch als Industriepalast Video auf Vimeo, abgerufen am 9. November 2011
  3. Fritz Kahn – Maschine Mensch — Körperbilder der Moderne


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