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Fritz Hahn (SA-Führer)

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Fritz Eugen Hahn (geb. 11. Januar 1907 in Berlin; gest. unbekannt, nach 1937) war ein deutscher SA-Führer.

Leben und Wirken

Hahn war der Sohn des Majors Eugen Hahn. In seiner Jugend besuchte er ein Realymnasium, an dem er die Primareife erwarb. Nach dem Schulbesuch durchlief Hahn eine Ausbildung im Bankfach. Seit dem 5. April 1923 war er als Bankangestellter bei der Commerzbank in Berlin angestellt.

In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Hahn verschiedenen rechtsnationalistischen Wehrverbänden an, in der er eine nachhaltige paramilitärische Prägung erfuhr: Von 1919 bis 1920 gehörte er dem Deutschnationalen Jugendbund an, dann war er vom 2. Juni 1922 an Mitglied der Deutschnationalen Schutz- und Trutzbund; von Juli bis August 1923 gehörte er einer Ersatzformation der Schwarzen Reichswehr im Fort Hahneberg an, während er von Anfang 1923 bis Mitte 1924 im nationalen Wehrverband der Turnerschaft Ulrich von Hutten aktiv war; in der Zeit vom Januar bis August 1924 betätigte Hahn sich im Bismarckorden.

Von Mitte 1924 bis Anfang 1926 tat Hahn in dem als Auffangorganisation für die nach dem Hitler-Putsch verbotene SA fungierenden Frontbann - bzw. in dessen Berliner Sektion Frontbann-Nord - Dienst, zuletzt in der Funktion eines Kompanieführers. In späteren Jahren gehörte er, seit dem 1. Januar 1928, auch dem Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband an.

Anfang 1926 schloss Hahn sich mit dem Gros der Berliner Frontbann-Leute der zu diesem Zeitunkt erstmals in Berlin aufgestellten SA an, zu deren Gründungsmitgliedern er zählte. Sein offizielles Eintrittsdatum in die SA wurde als 1. Februar 1926 verzeichnet. In die NSDAP trat er am 23. September 1926 ein.

Zum 1. Februar 1928 wurde Hahn durch Gau-SA-Führerbefehl zum Führer der Charlottenburger SA im Rang eines SA-Sturmführers ernannt, die zu dieser Zeit im Sturm 33 zusammengefasst war. Zusammen mit seinem Adlatus Hans Maikowski gelang es Hahn in den folgenden Jahren die Charlottenburger SA in starkem Maße auszubauen: Von 20 Mitgliedern 1928 stieg die Zahl der Charlottenbruger SA-Angehörigen bis 1931 auf über 300. In den Reihen seiner Leute genoss Hahn nach dem Urteil von Reichard aufgrund seiner ungewöhnlich hohen Bildung und beruflichen Stellung sowie seiner engen Beziehungskorps von NSDAP und SA große Autorität. Das organisatorische Zentrum des Sturms etablierte Hahn dabei in den Sturmlokalen Altstad in der Hebbelstraße, Heim am Tegler Weg und in einem Lokal in der Röntgenstraße. Das überaus gewalttätige und brutale Vorgehen das Hahns SA-Leute bei ihren Einsätzen an den Tag legten brachte dem Charlottenburger Sturm in der Berliner Bevölkerung und Presse ab 1931 den Spitznamen „Mördersturm“ ein und machten auch Hahn zu einer in der Hauptstadt berüchtigten Figur.

In den späten 1920er und frühen 1930er Jahren galt Hahn als eine der wichtigsten Figuren der NS-Bewegung in Berlin: So stand er unter anderem in enger Fühlung mit Kurt Daluege - der ihn als „einen meiner ältesten und besten SA-Führer“ bezeichnete - und Joseph Goebbels und wurde er auch mindestens einmal von Adolf Hitler persönlich zu einer Geheimbesprechung aufgesucht.

Als energischer Aktivist führte Hahn die Anschläge seiner SA-Leute auf politisch Andersdenkende häufig selbst an: Öffentliches Aufsehen erregten die von Hahn kommandierten Angriff des Sturms 33 auf die sozialdemokratischen Brüder Erich und Robert Riemenschneider am 1. Januar 1931, bei dem beide durch Messerstiche und Schläge (Hahn schlug mit einem schweren eichernen Gehstock auf die Männer ein) schwer verletzt wurden, sowie der Angriff auf den Kommunisten Otto Grüneberg, der - angeblich von Hahn selbst - am 1. Februar 1931 erschossen wurde. Nachdem Hahn am 2. Februar 1931 wegen des Falls Riemenschneider wegen Landfriedensbruch kurzzeitig in Untersuchungshaft genommen worden war, ging er nach seiner Freilassung Ende Februar 1931 in den Untergrund. Noch während seiner Haft war er am 10. Februar 1931 zum Sturmbannführer des Sturmbannes II/1 ernannt worden.

Nachdem er sich im April 1931 an der Niederschlagung der Stennes-Revolte beteiligt hatte floh Hahn in die Niederlande. Als im August 1931 ein Schwurgericht wegen des Angriffs auf die Brüder Riemenschneider eröffnet wurde wurde das Verfahren gegen Hahn wegen dessen Unauffindbarkeit vom Verfahren abgetrennt. Hahn blieb vom Juni 1931 bis zur Weihnachtsamnestie vom Dezember 1932, mit der das Verfahren gegen ihn niedergschlagen wurde, auf der Flucht.

Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde Hahn, der nach dem Urteil Reichardts „von und für die SA“ lebte, am 9. November 1933 zum SA-Standartenführer befördert und mit dem Kommando über die SA-Standarte 1 betraut.

1938 wurde Hahn wegen einer Unterschlagungs- und Veruntreuungsaffäre durch ein Urteil des SA-Disziplinargericht aus der SA ausgeschlossen.

Literatur

  • Knut Bergbauer: Denkmalsfigur. Biographische Annäherung an Hans Litten, 1903-1938, 2008.
  • Sven Reichardt: Das Beispiel Friedrich Eugen Hahn, in: Ders.: Faschistische Kampfbünde. Gewalt und Gemeinschaft im italienischen Squadrismus und in der deutschen SA, 2009, S. 490-493.


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