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Frieda Riess

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Frieda Gertrud Riess (geb. 21. Juni 1890 in Czarnikau, Westpreussen (heute Czarnków); gest. um 1955 in Paris), war eine deutsch-jüdische Fotografin. Sie galt als die „erfolgreichste Gesellschaftsfotografin der Weimarer Republik“ und wurde auch respektvoll „die Riess“ genannt.[1]

Leben

Frieda Riess stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie. Ihr Vater, Emil Riess, starb als sie acht Jahre alt war. In den 1890er Jahren zog ihre Mutter, Selma Riess (geb. Schreyer), samt den drei Kindern Alfred (*1882), Walter (*1884) und Frieda, aus der preußischen Provinz Posen nach Berlin. Dort nahm Frieda Riess erst Unterricht bei dem Bildhauer Hugo Lederer, wandte sich dann aber der Fotografie zu. Von 1913 bis 1915 absolvierte sie die zweijährige Ausbildung zur Fotografiegehilfin am 1890 errichteten Lette-Verein. Der Verein hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Erwerbsfähigkeit von Töchtern des mittleren und höheren Bürgertums zu fördern. Es ist jedoch nicht überliefert ob sie nach erfolgreich beendeter Ausbildung eine Anstellung erhalten hat. Kurt Pinthus schrieb, dass sie „zu keiner Zeit Schülerin eines großen Fotografen war“.[2].

Im Jahre 1917 eröffnete Frieda Riess ein Atelier am Kurfürstendamm 14/15, zwischen Joachimsthaler Straße und Gedächtniskirche, unweit des Romanischen Cafés und gegenüber der Berliner Sezession. Mit der Eröffnung des Ateliers gehörte Frieda Riess zu den ersten selbständigen Unternehmerinnen ihrer Generation. Der Kurfürstendamm gehörte schon damals zu den exklusiven Adressen in Berlin. Er stand für modernes Leben, Exklusivität, war Experimentierfeld der Moderne. Im Berlin der Goldenen Zwanziger Jahre trafen sich Literaten und Künstler in den Bars, Cafés und Kneipen und machten mit Drogen und billiger Unterhaltung die Nacht zum Tag. Ab 1922 umgab sich Frieda Riess täglich mit diesem Umfeld, denn zu dieser Zeit bezog sie im selben Haus eine Wohnung, in dem sich auch ihr Atelier befand. Durch ihre Ehe mit dem Juristen und Literaten Rudolf Leonhard, der sie in die Kreise prominenter Persönlichkeiten der Weimarer Republik einführte, erfuhr sie einen gesellschaftlichen Aufstieg. Zu den Menschen mit denen sie verkehrte gehörten bald Schauspieler, Tänzer, Sänger, Maler und Schriftsteller. Für die Literatur hegte die Riess auch privat großes Interesse. Ihre prominenten Modelle ermöglichten der Riess vom wirtschaftlichen Erfolg ihres Geschäftes leben zu können. Neben den Porträts machte sie aber auch Fotografien für Filme u.a. für Joe MaysDas indische Grabmal“, Ernst LubitschsDas Weib des Pharao“, für Richard Eichbergs „Monna Vanna“ und Carl Boeses „Maciste und die chinesische Truhe“. Die Aufnahmen waren für den Film-Kurier und die Schaukästen gedacht.[3] Der Verkauf von Aufnahmen an die Presse, für die sie des Öfteren arbeitete, wurde ab immer zweitrangiger. Bis dato wurden ihre Arbeiten u. a. in der Vogue, der Berliner Illustrirten Zeitung, Die Dame, Der Querschnitt und Uhu veröffentlicht.

Durch den renommierten Kunstsammler und Händler Alfred Flechtheim, der ihr 1925 die Möglichkeit einer Einzelausstellung mit 177 Fotografien gab, schaffte sie den endgültigen Durchbruch, auch über die Grenzen Berlins hinaus. Nun wurde sie gemeinhin nur noch als „Die Riess“ bezeichnet. Den Sommer 1928 verbringt sie auf dem, inzwischen lebensreformerisch geprägten, Monte Verità. Dort machte sie das bekannte Foto von Querschnitt-Herausgeber Hermann von Wedderkop im sogenannten „Luftkleid“.

Im Jahr 1929 porträtierte sie in Rom, durch Vermittlung von Margherita Sarfatti, Benito Mussolini, was sie selbst als bedeutendstes Ereignis in ihrem Leben bezeichnet hat.

Ab 1930 verband sie eine Liaison mit dem französischen Botschafter Pierre de Margiere. 1932 gab sie ihr Atelier in Berlin auf und folgt de Margiere, der als Pensionär nach Paris zurückkehrt. Hier hält sie regelmäßigen Kontakt zu Thea Sternheim sowie Klaus Mann, zu denen sie eine Freundschaft, noch aus Berliner Zeiten, hegte. Ab Mitte der 1930er Jahre werden die Lebensumstände Frieda Riess durch eine Krankheit, die die Bewegung einschränkt und zu Lähmungserscheinungen führt, erheblich eingeschränkt.[4] Nach dem Einmarsch Deutscher Truppen 1940 in Paris, nannte sich Frieda Riess nun Riess de Belsine um ihre jüdische Herkunft zu verschleiern. 1942 starb Pierre de Margiere, der ihr bisdahin Hilfe gegen die Verfolgung durch die Nationalsozialisten gewährt hatte. 1953 machte Frieda Riess, nach Thea Sternheims Angaben, Porträts von Gottfried Benn, die jedoch nach dem Tod Frieda Riess verloren gingen.

Werk

Frieda Riess stellte sich mit ihrer Arbeit in die Tradition von Nicola Perscheid. Diese klassische Portraitkunst paarte sie mit moderner Bildsprache. Ihren Stil kann man als weich und fließend charakterisieren; der Hintergrund der Fotos ist grau und leicht aufgehellt, das Licht kommt, fein dosiert, von vorn und hinten. So wird der Kopf und das Gesicht des Portraitierten modelliert. Ein weiterer Effekt der Lichtführung sind fließend wirkende Stoffe. Auf vielen Bildern gibt es auch eine gegenläufige Bewegung von Kopf und Körper. Die Fotos weisen außerdem, wegen ihrer malerischen Unschärfe, impressionistische Tendenzen auf. Mit ihrem Stil verschrieb sich Frieda Riess dem vorherrschendem Kundengeschmack der Zeit. Sie unternahm jedoch auch Ausflüge in die Aktfotografie und in die Expressionistische Fotografie. Somit kann man das Œuvre der Riess gemeinhin in drei Kategorien aufteilen; wobei die letzte Kategorie die wohl größte darstellt:

Aktfotografie

Expressionistische Fotografie

Gesellschaftsfotografie

2008 widmete ihr die Berlinische Galerie, auf Initiative des Verborgenen Museums, die erste Retrospektive auf ihr Lebenswerk.[1]

Ausstellungen (Auswahl)

  • 1921: „Berliner Photographie“, Kunstgewerbemuseum Berlin
  • 1922: Ausstellung bei Friedmann & Weber, Berlin
  • 1925: Galerie Alfred Flechtheim, Berlin
  • 1929: „Fotografie der Gegenwart“, Essen
  • 1930: „Gezeichnet oder geknipst“, Berlin
  • 1932: „1. Internationale Faschistische Fotografische Ausstellung“, Rom
  • 2008: „Die Riess“, Retrospektive, Berlinische Galerie

Literatur

  • Marion Beckers, Elisabeth Moortgat (Hrsg.): Die Riess. Fotografisches Atelier und Salon 1918–1932 in Berlin. = Die Riess. Photographic studio and salon in Berlin 1918–1932. Das Verborgene Museum, Berlin 2008, ISBN 978-3-8030-3326-0 (Ausstellungskatalog, Berlin, Landesmuseum für Moderne Kunst – Fotografie und Architektur, 6. Juni bis 20. Oktober 2008).
    • So voll Erkenntnis sind fast alle Porträtfotos der Riess. In: Museums Journal. 2, 2008, ISSN 0933-0593, S. 54.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Achim Drucks: Eine Frau verschwindet In: die tageszeitung, 14. Juni 2008 Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag. Der Name „taz08“ wurde mehrere Male mit einem unterschiedlichen Inhalt definiert.
  2. Kurt Pinthus: Die Rieß, in: 8-Uhr-Abendblatt vom 6. November 1925
  3. Marion Beckers; Elisabeth Moortgat (Hrg.): Die Riess. Fotografisches Atelier und Salon in Berlin 1918-1932. Katalog zur Ausstellung, Wasmuth Verlag, Berlin 2008, S. 197
  4. Beckers; Moortgat S. 199


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