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Freistatt

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Freistatt (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Freistatt
Freistatt
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Freistatt hervorgehoben
52.6244444444448.652540
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Diepholz
Samtgemeinde: Kirchdorf
Höhe: 40 m ü. NN
Einwohner:

591 (31. Dez. 2013)[1]

Postleitzahl: 27259
Vorwahl: 05448
Kfz-Kennzeichen:
Gemeindeschlüssel: 03 2 51 018
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Rathausstr. 12
27245 Kirchdorf
Webpräsenz: www.kirchdorf.de
Bürgermeister: Gero Enders
Lage der Gemeinde Freistatt im Landkreis Diepholz
Karte

Freistatt ist eine Gemeinde im Landkreis Diepholz in Niedersachsen. Seit 1922 ist Freistatt eine selbständige politische Gemeinde, seit 1974 Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Kirchdorf. Allerdings wird die für alle evangelisch-lutherischen Freistätter zuständige Kirchengemeinde heute noch als „Anstaltsgemeinde“ bezeichnet aufgrund der vor den Anstalten der heutigen Diakonie Freistatt geprägten Geschichte.[2]

Geografie

Straße von Freistatt ins Moor mit Hinweisschildern
Baracke in Deckertau

Freistatt umfasst 12,53 km² Fläche, den größten Teil bildet das unter Naturschutz stehende Wietingsmoor.

Gemeindegliederung

Die meisten Einwohner leben im Kernbereich Freistatts in der Nähe der Bundesstraße 214; zu Freistatt gehören der etwa 6 km nördlich liegende Ortsteil Heimstatt mit unter anderem dem Altenheim, die Siedlung Sprekelshorst und die im Moor liegenden Einrichtung für Betreutes Wohnen Deckertau.

Geschichte

Ortseinfahrt Freistatt mit „Bethel im Norden“-Fahnen
Haus Moorhort 2015, Standort der Erinnerungsstätte „Freistatt Fuersorge“ von Bethel im Norden, die auf Anfrage besichtigt werden kann[3]
Haus Moorhort

Friedrich von Bodelschwingh gründete 1899 im Wietingsmoor die Betheler Zweiganstalt im Wietingsmoor. Bis 1901 wurden 1.010 ha Land angekauft. Friedrich von Bodelschwinghs Motto lautete „Arbeit statt Almosen“ – wer in Freistatt unterkommen wollte, musste sich unter anderem zu regelmäßiger Arbeit und Teilnahme am Gottesdienst verpflichten. Ziel der Beschäftigung war die Urbarmachung des Hochmoores, hierfür waren umfangreiche Arbeiten (unter anderem Entwässerung, Abtorfung, Bearbeitung, Düngung) notwendig. Verdiente Kolonisten sollten dann ein eigenes Stück Land erhalten, um dort selbstständig eine Familie gründen zu können. Dieses Ziel wurde jedoch nie erreicht.

Aus den in der Folge entstehenden Einrichtungen und Wirtschaftsbetrieben entwickelte sich die Diakonie Freistatt. Am Ort wohnte fast ausschließlich das Personal dieser Einrichtungen sowie die Zöglinge und Insassen.

1922 wurde das neue Gemeinwesen am Rande des Moores, in dem Menschen aus sozialen Randgruppen, ihre Betreuer und deren Familien wohnen konnten, aus der Gemeinde Wehrbleck ausgegliedert und zur selbständigen politischen Gemeinde Freistatt ernannt,[4] in der außer den genannten Gruppen überwiegend Landwirte lebten.

Aus den Bodelschwinghschen Anstalten ausscheidende Mitarbeiter konnten anfangs ihre Wohnung in Freistatt nicht behalten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es für Ruheständler möglich, in Freistatt wohnen zu bleiben, und seit 1965 können Mitarbeiter in Freistatt eigene Häuser bauen oder kaufen. 1999 wurden in dem Neubaugebiet Bäckerweide erstmals Grundstücke an Familien verkauft, die nicht zu den Mitarbeitern der Diakonie Freistatt gehören. Bis heute hat die politische Gemeinde Freistatt Probleme, als eigenständige Institution wahrgenommen zu werden. So schreibt etwa 2012 der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig im Auftrag der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag in einer postumen Laudatio aus Anlass des 75. Geburtstags des ehemaligen Abgeordneten Walter Link, der von 1968 bis 1978 als Diakon in Freistatt tätig war, dass dieser es als Bewohner der „Anstaltsgemeinde Freistatt, mit deren Ansehen es nicht zum Besten stand“, anfangs als Politiker schwer gehabt habe.[5]

Seit Anfang der 1990er Jahre wurde die konventionelle Landwirtschaft schrittweise eingeschränkt und auf die Bewirtschaftung im Rahmen des Naturschutzes umgestellt. 1995 wurde die Torfförderung eingestellt, das Freistätter Moor ist seit 1994 Naturschutzgebiet.

Die Deutsche Reichsbahn bzw. Deutsche Bundesbahn betrieb vom 1. Oktober 1923 bis zum 25. September 1966 einen Personenzugbetrieb auf dem westlichen Abschnitt der Bahnstrecke Nienburg–Diepholz.[6] Freistatt war (bei km 42,0) ein Haltepunkt auf dieser Strecke. Die Bedeutung der Strecke für den Personennahverkehr war die gesamte Betriebszeit hindurch eher gering: 1927 und 1963 wurden zwischen Sulingen und Diepholz vier Zugpaare eingesetzt. Als Fahrzeug wurden stets Uerdinger Schienenbusse eingesetzt. Nach der Schließung der Strecke für den Personenverkehr wurde die Strecke vorwiegend von Diesellok-bespannten Kesselwagen-Ganzzügen befahren, die das in der Region geförderte Erdöl und Erdölprodukte abtransportierten. Heute fahren auf der Strecke noch Öl- und Schwefel-Tankzüge der DB Cargo Deutschland. Beim ehemaligen Torfwerk in Freistatt befinden sich heute noch die Überreste einer Laderampe und verrottende Anschlussgleise der Freistätter Moorbahn.

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat setzt sich aus 9 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen (Alle Unabhängige Wählergemeinschaft – UWG Freistatt). (Stand: Kommunalwahl am 11. September 2016).

Bürgermeister

Seit 2006 ist Gero Enders ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Freistatt. Gemeindedirektor war von 1974 bis 2004 Armin Tiemann.

Bisherige Amtsinhaber:

  • bis 1976: Karl-Heinz Hügel
  • 1976–2006: Wilhelm Kolwei
  • seit 2006: Gero Enders

Wappen

Blasonierung: Das Wappen der Gemeinde Freistatt zeigt in Silber auf grünem Boden einen grünen krummgewachsenen Eichbaum, der mit 3 goldenen Bändern an einem links stehenden roten Pfahl befestigt ist.

Wirtschaft und Infrastruktur

Den Bürgern stehen ein Supermarkt, Café, Arztpraxen, Gemeindebüro, Handwerksbetriebe, Sporthalle, ein Minigolfplatz und ein Kleintiergehege zur Verfügung. Ferner befindet sich ein Hochseilgarten in der Gemeinde.

Freistätter Feldbahn

Überregional bekannt ist Freistatt für die noch funktionstüchtige Moorbahn (Feldbahn), die früher zum Transport des Torfes von den Abstichstellen zum Torfwerk diente.[7]

Seit 2010 bietet Freistatt vermehrt touristische Ausflugsziele: Auf der Gemeindeverbindungsstraße Freistatt-Heimstatt befindet sich ein Planetenweg, der auf ca. 5 km maßstabsgetreu die Entfernungen der einzelnen Planeten zur Sonne darstellt.[8]

Im Sinnesgarten gibt es für die Kleinen einen Spielplatz, Wasserspiele und viel zu entdecken.[9] Regelmäßig finden Veranstaltungen wie z. B. gemeinsames Brotbacken oder das „Feldbahn-Diplom“ statt. Diese Attraktionen sind durch Arbeitsqualifizierungsmaßnahmen entstanden und wurden u. a. durch die EU und das Land Niedersachsen gefördert.

Im Wietingsmoor an der Straße zum Ortsteil Heimstatt entstand eine Aussichtsstelle mit Parkplatz zu Vogelbeobachtung, da besonders dieser Bereich des Moores jedes Jahr von vielen Kranichen auf ihrem Zug zu einem Zwischenstopp genutzt wird.

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • Wilhelm Ehmann (1904–1989), deutscher Musikwissenschaftler und Kirchenmusiker. Er wurde als Sohn eines im Haus Moorstatt tätigen Diakons geboren.

Persönlichkeiten

  • Walter Link (1937–2010), Diakon und Diplom-Sportlehrer, Landtags- und Bundestagsabgeordneter der CDU, wohnte früher in Freistatt.
  • Gustav von Bodelschwingh (1872–1944), von 1910 bis 1912 als Pastor und theologischer Anstaltsleiter in Freistatt tätig.

Sonstiges

Bürgerschaftliches Engagement gibt es im Sportverein, bei der Freiwilligen Feuerwehr, in der Kirchengemeinde, im Kirchen- und im Posaunenchor.

Weblinks

 Commons: Freistatt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Freistatt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.