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Franz Xaver Reichhart

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Franz Xaver Reichhart (geb. 17. Januar 1851 in Mühlthal in der Oberpfalz, heute zu Falkenstein; gest. 1934 in München) war ein bayerischer beamteter Scharfrichter. Er war von 1894 bis 1924 vorwiegend im Münchner Gefängnis Stadelheim tätig.

Franz Xaver Reichhart war ein Sohn des Wasenmeisters Thomas Reichhart und dessen Ehefrau Theresa, geb. Ritzer. Ehe er als Scharfrichter verpflichtet wurde, war er zunächst Nachrichtergehilfe und wohnte in Landshut. Seit dem 26. November 1895 war Reichhart dann in München ansässig. Die erste Ehe wurde am 6. Mai 1876 mit Maria Kisslinger (geb. 20. April 1826 in Warth, Landkreis Dingolfing-Landau), die zweite Ehe am 13. Oktober 1904 mit Anna Ehringer (geb. 26. Mai 1856) geschlossen.[1]

Franz Xaver Reichhart war ein Onkel des späteren Scharfrichters Johann Reichhart und zudem verschwägert mit Lorenz Schellerer, ebenfalls Scharfrichter, der in Bayern die letzte Hinrichtung mit dem Schwert vollzog, und zwar am 11. Mai 1854 in München an dem 19-jährigen ledigen Sattlergesellen Christian Hussendörfer aus dem Landgericht Greding wegen Raubmords.[2]

Reichhart war der einzige Scharfrichter Bayerns im Beamtenstatus. Bekannt wurde er u. a. auch dadurch, dass er als „Nachrichter“ den legendären Räuber Kneißl am 21. Februar 1902 mit der Guillotine richtete. Diese Maschine war die gänzlich aus Eisen gefertigte badische Fallschwertmaschine.

Am 23. Mai 1908 wurde der 36 Jahre alte Tagelöhner Josef Weinmann aus Weißensulz in Böhmen um 6 Uhr im Hof des Landgerichtsgefängnisses in Straubing (Königreich Bayern) durch Scharfrichter Franz Xaver Reichhart mit der Guillotine enthauptet.[3]

Eine Marmortafel in der Ölbergkapelle bei Falkenstein berichtet, dass „der Kgl. Nachrichter Franz Xaver Reichhart“ diese Kapelle 1913 erbaut habe, nachdem er in 40-jähriger Dienstzeit zahlreiche Todeskandidaten in die Ewigkeit habe befördern müssen.[4] Reichhart wird dann erwähnt in den Kriegsranglisten und -stammrollen des Königreichs Bayern, 1. Weltkrieg 1914–1918.[5]

Nachdem sich sein Neffe Michael geweigert hatte, sein Nachfolger zu werden, lernte Franz Xaver Reichhart im Rentenalter seinen zweiten Neffen Johann zum Scharfrichter an, der dieses Amt am 27. März 1924 übernahm.

Franz Xaver Reichhart starb im Jahre 1934 im Alter von 83 Jahren. Sein Vermögen hatte er zuvor der Kirche vermacht.[6]

Literatur

  • Johann Dachs: Tod durch das Fallbeil. Mittelbayerische Druck- und Verlags-Gesellschaft, Regensburg 1996, ISBN 3-927529-74-5
  • Mit den Nerven herunter. In: Der Spiegel. Nr. 17, 1949, S. 9 (23. April 1949, online).
  • Bayerische Staatszeitung vom 23. März 2007 [1]
  • Münchner Merkur Online, 2. Juni 2008, [2]
  • Roland Ernst: Ein Mann für jede Saison. In: FAZ. Nr. 21, 25. Januar 2014, S. 9 (online, abgerufen am 27. Januar 2014).

Einzelnachweise

  1. Nowosadtko, Jutta: Scharfrichter und Abdecker – Der Alltag zweier „unehrlicher Berufe“ in der Frühen Neuzeit. Schöningh, Paderborn (u. a.) 1994, S. 373.
  2. Vgl. Metgen, Sigrid: Die Letzte Reise: Sterben, Tod und Trauersitten in Oberbayern, Hugendubel, München 1984, S. 169, ISBN 3-88034247-4. Lorenz Scheller (1785–1880), seit 1829 im Amt, musste diesmal mehrfach zuschlagen, ehe der Kopf fiel. „Scharfrichter Schellerer, dessen Tüchtigkeit zu seinem traurigen Amte wenigstens erprobt schien, mußte heute sieben Hiebe gegen den Delinquenten führen, bis sich dessen Kopf vom Rumpfe trennte“, schrieb die „Landshuter Zeitung“ am 13. Mai 1854. Die aufgebrachte Menschenmenge musste damals mit Gewalt zurückgedrängt werden. Scheller bediente danach die ausschließlich zum Einsatz gekommen Guillotine und starb nach 72 selbst vorgenommenen Enthauptungen Ende August 1880 in der Psychiatrie, in die er wegen Verfolgungswahns eingeliefert worden war. (Wöchentliche Anzeigen für das Fürstenthum Ratzeburg v. 10. September 1880.)
  3. www.todesstrafe.de.
  4. www.vorderer-bayerischer-wald.de.
  5. search.ancestry.de.
  6. „Mit den Nerven herunter“, in: Der Spiegel, 17/1949, S. 45.


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