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Franz Josef Kallmann

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Franz Josef Kallmann (geb. 24. Juli 1897 in Neumarkt / Schlesien; gest. 12. Mai 1965 in New York City) wurde als Sohn von Marie (geb. Mordze / Modrey) und Bruno Kallmann, einem Chirurgen, geboren. Kallmann war ein deutsch-amerikanischer Psychiater.

Leben

Kallmann war Soldat im 1. Weltkrieg. Er erwarb seinen Doktortitel an der Universität Breslau im Jahr 1919 und bildete sich zum Facharzt für Psychiatrie unter Karl Bonhoeffer und in Neuropathologie unter Hans-Gerhard Creutzfeldt in Berlin fort. 1928 wurde er Abteilungsarzt und Prosektor an der Berliner Heil- und Pflegeanstalt Herzberge und gleichzeitig an der Anstalt Berlin-Wuhlgarten. Nach seiner Konvertierung zum Christentum zog er nach München und arbeitete an einem psychiatrischen Forschungsinstitut unter der Leitung von Ernst Rüdin, das später den Namen Max-Planck-Institut für Psychiatrie erhielt. Er leistete einen wichtigen Beitrag in der Grundlagenarbeit in der psychiatrischen Genetik durch Einsatz der Zwillingsforschung. An diesem Institut erforschte er jahrelang das familiäre Auftreten der Schizophrenie.[1]

Kallmann arbeitete von 1931 bis 1935 eng mit Rüdin zusammen, der nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 Kommissar des Reichsinnenministeriums für Rassenhygiene und Rassenpolitik wurde.[2] Rüdin war bei der Ausarbeitung des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14. Juli 1933, mit dem „biologisch minderwertiges Erbgut“ durch Zwangssterilisation ausgeschaltet werden sollte, maßgeblich beteiligt. 1934 wurde Rüdin Richter am Erbobergesundheitsgericht.[2] Im Jahr 1936 emigrierte Kallmann wegen seiner jüdischen Herkunft in die USA.[3][4] Rüdin half ihm, Deutschland zu verlassen und einen Job in den USA zu finden. Rüdins Assistent, Theo Lang, sandte ihm seine Forschungsdaten nach New York. Nach 1945 half Kallmann Rüdin bei dessen Entnazifizierung. Rüdin hatte bereits erneut mit Lang zusammengearbeitet.[5] Zunächst arbeitete er in der psychologischen Abteilung des New York State Psychiatric Institute. Später gründete er das erste Research Department in Psychiatric Genetics in den USA.[6]

Kallmann veröffentlichte seine Forschungsergebnisse im Jahre 1938 in New York.[7]

Im Jahre 1944 beschrieb Kallmann den Hypogonadismus mit Anosmie, der nach ihm als Kallmann-Syndrom benannt ist. Im Jahr 1948 war er einer der Gründer der American Society of Human Genetics.

Veröffentlichungen

  • F. J. Kallmann, A. Falek u. a.: The development aspects of children with two schizophrenic parents. In: Psychiatric research reports. Band 19, Dezember 1964, S. 136–148, ISSN 0555-5434. PMID 14232650.
  • F. J. Kallmann, J. D. Rainer: The genetic approach to schizophrenia: Clinical, demographic and family guidance problems. In: International psychiatry clinics. Band 1, Oktober 1964, S. 799–820, ISSN 0020-8426. PMID 14276077.
  • F. J. Kallmann, B. Roth: Genetic aspects of preadolescent schizophrenia. In: The American journal of psychiatry. Band 112, Nummer 8, Februar 1956, S. 599–606, ISSN 0002-953X. PMID 13292546.
  • F. J. Kallmann:, Reisner FJ. Twin studies on the significance of genetic factors in tuberculosis. The American Review of Tuberculosis 47, s. 549 (1943)
  • F. J. Kallmann: The genetic aspects of primary eunocchoidism (1944)
  • F. J. Kallmann: The genetic theory of schizophrenia. An analysis of 691 schizophrenic twin index families. (1946) In: The American journal of psychiatry. Band 151, Nummer 6 Suppl, Juni 1994, S. 188–198, ISSN 0002-953X. PMID 8192198.
  • F. J. Kallmann: Modern concepts of genetics in relation to mental health and abnormal personality development. Psychiatric Quarterly 21, 4, 535-553 (1947) doi:10.1007/BF01654317
  • F. J. Kallmann: The genetics of psychoses; an analysis of 1,232 twin index families. American Journal of Human Genetics 4, ss. 385–390 (1950)
  • F. J. Kallmann: Heredity in Health and Mental Disorder (1953)

Einzelnachweise

  1. Elliot S. Gershon: The historical context of Franz Kallmann and psychiatric genetics. In: Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten. 229, 1981, S. 273–276, doi:10.1007/BF01833156.
  2. 2,0 2,1 Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 513.
  3. The person behind the syndrome. Springer 15 June 1997, ISBN 978-3-540-76044-3
  4. Jakob Fränkel Family Genealogy
  5. F. Mildenberger: [On the track of "scientific pursuit". Franz Josef Kallmann (1897-1965) and genetic racial research]. In: Medizinhistorisches Journal. Band 37, Nummer 2, 2002, S. 183–200, ISSN 0025-8431. PMID 12522917
  6. G. Bettendorf, Zur Geschichte der Endokrinologie und Reproduktionsmedizin (1995), S. 287-288 ISBN 978-3-642-79153-6
  7. F. J. Kallmann: The genetics of schizophrenia; a study of heredity and reproduction of the families of 1,087 schizophrenics. New York: JJ Augustin, 1938. 291 ss

Weblinks


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