Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten)

Flüchtlingslager Gmünd

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Flüchtlingslager Gmünd war ein Lager in Gmünd (Niederösterreich), das von 1914 bis 1919 bestand und überwiegend Flüchtlinge aus Galizien beherbergte.

Im Herbst 1914 drangen russische Truppen in Galizien ein und vertrieben die ansässige Bevölkerung. Noch 1914 wurde begonnen, in Gmünd ein Lager zu errichten. Mit Wohnbaracken für je 200 bis 250 Personen, sodass das Lager 30.000 Personen aufnehmen konnte, befand sich das Lager auf einem 550.000 m² großen Areal südwestlich des Stadtzentrums. 1916 wurde das Lager auf 50.000 Personen erweitert und verfügte über ein Spital, eine Wasserversorgung, Kanalisation, elektrisches Licht und eine Kirche. Von den ca. 200.000 Flüchtlingen, die überwiegend aus Galizien und der Bukowina stammten, starben viele an Entkräftung und an Krankheiten und wurden im Lager beigesetzt – man schätzt ihre Zahl auf etwa 40.000. Nach Kriegsende begaben sich viele Flüchtlinge wieder in ihre alte Heimat.

Nach der Auflösung des Lagers im Jahr 1919 war hier die "Kinderrepublik" von Otto Felix Kanitz untergebracht, ein Ferienprojekt der Kinderfreunde. Danach entwickelte sich auf diesem Gebiet der Stadtteil der Gmünder Neustadt, wobei auch viele nach dem Ersten Weltkrieg vertriebene Bewohner aus České Velenice und dem Umland hier sesshaft wurden. Am ehemaligen Exerzierplatz entstand die großzügig angelegte Hauptstraße, auch das Lagertor existiert noch, und ringsum entstanden Wohnbauten, Einfamilienhäuser und zahlreiche Gewerbebetriebe und Fabriken. Einer der damals größten Wohnkomplexe des Waldviertels, der sogenannte „Neubau“ mit insgesamt 130 Wohnungen, wurde zwischen 1926 und 1927 errichtet.

Literatur

  • Maria Ostheim-Dzerowycz: Gmünd: Ein Lager ukrainischer Flüchtlinge in Österreich während des Ersten Weltkrieges. In: Ilona Slawinski, Joseph P. Strelka (Herausgeber): Die Bukowina. Vergangenheit und Gegenwart Österreichisches Ost- und Südosteuropa-Institut, Wien 1995.

Weblinks

48.75920714.9757


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Flüchtlingslager Gmünd aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.