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Felsendom

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Der Felsendom, arabisch ‏قبة الصخرة‎ qubbat as-sachra, DMG qubbatu ʾṣ-ṣaḫra, ist ein prächtiger Sakralbau des Islams in Jerusalem.

Der Felsendom ist das wohl bekannteste Wahrzeichen Jerusalems und eines der Hauptheiligtümer des Islam. Er befindet sich auf dem Tempelberg im südöstlichen Teil der Altstadt von Jerusalem. Der Felsendom ist der älteste islamische Sakralbau und stellt ein Meisterwerk der islamischen Baukunst des frühen Umayyadenstils dar, in welchem die Übernahme des frühchristlich-byzantinischen Zentralbautyps zum Ausdruck kommt.[1]

Datei:Dome of the Rock Chain Dome.jpg
Ansicht des Felsendoms, davor: der Kettendom

Der Kuppelbau wurde über dem Felsen (Sachra) errichtet, auf welchem Abraham der biblischen Legende nach seinen Sohn Isaak[2] zu opfern bereit war und wo die Himmelfahrt Mohammeds stattgefunden haben soll. Er ist ursprünglich – und auch heute – nicht als Moschee, sondern als ein Schrein beziehungsweise eine Kuppel (‏قبّة ‎ qubba, ‚Kuppel‘) verstanden worden.

Das Bauwerk

Datei:CrossPatheeDome.jpg
Achteckiger Grundriss

Die Grundmauern sind aus unregelmäßigem Naturstein in mörtelloser Bauweise ausgeführt. Als Material ist wahrscheinlich Granodiorit, ein granitähnliches Material eingesetzt worden. Die Fundamente sind aus Betonquadern, die ebenfalls unregelmäßig dimensioniert sind. Das Flachdach hat eine versteckte Innenentwässerung, es befindet sich etwa einen halben Meter unter dem oberen Abschluss der Mauern. Die Mauern sind etwa 7–8 Meter hoch. Über dem Flachdach befindet sich ein runder Aufbau, der etwa 1/3 des Grundgebäudes beträgt und 5–6 Meter hoch ist. Darauf ist ein rundes Kuppeldach aus vergoldetem Blech befestigt. Ab etwa 3 Metern Höhe haben alle Mauern einen blauen Schmuck mit orientalischen Motiven. Das gesamte Gebäude ist rundum mit je 7 Rundbögen je Achteck-Seite ausgestattet. Diese sind ausgemauert und ebenfalls mit blauen Fliesenornamenten versehen.

Der achteckige Grundriss ist in einen Kreis mit knapp 55 Meter Durchmesser eingepasst. Der Durchmesser des Innenkreises beträgt 20,37 Meter. Die Kuppel besaß früher ein schwarzes Bleidach; erst 1963 bekam sie mit Blattgold behämmerte Aluminiumbronzeplatten. 1993 ließ König Ḥusain diese durch gold-galvanisierte Platten ersetzen.

In der Nähe des Felsendoms – ebenfalls auf dem Tempelberg – befindet sich die al-Aqsa-Moschee, die ebenfalls unter den Umayyaden errichtet wurde. Die irrtümlich verwendete Bezeichnung „Umar-Moschee“ geht auf Überlieferungen zurück, deren Authentizität fraglich ist. Danach soll der zweite Kalif Umar ibn al-Chattab nach der muslimischen Eroberung Jerusalems am Palmsonntag, dem 2. April 635, auf dem Tempelberg (oder am Mihrab Davids, heute als der Turm Davids am Jaffa-Tor bekannt) gebetet haben.[3]

Baugeschichte

Die Erbauung des Felsendoms wird in der neueren Forschung dem Kalifen ʿAbd al-Malik ibn Marwān (regierte 685–705) sowie dessen Sohn und Nachfolger al-Walīd ibn ʿAbd al-Malik (reg. 705–715), der auch den Bau der al-Aqsa-Moschee weitergeführt haben soll, zugeschrieben. Die Bauinschrift in archaischem kufischen Duktus, die über dem Kranzgesims an der Kuppel erhalten ist, dokumentiert nicht nur den Namen des Erbauers, sondern auch die ursprüngliche Bezeichnung der Anlage, die man lediglich als Kuppel (Qubba) verstanden hat; der hier in Klammern stehende Namensteil ist vom Abbasidenkalifen Al-Maʾmūn getilgt und durch seinen eigenen Namen ersetzt worden (Siehe unten: sakrale Inschriften):

„Erbaut hat diese Kuppel der Diener Gottes Abd [al-Malik], der Befehlshaber der Gläubigen, im Jahre zweiundsiebzig, möge ihn Gott zu Gnaden annehmen.“

Datei:Felsendom mit Olivenbaum.JPG
Der Felsendom mit altem Olivenbaum
Datei:Dehio 10 Dome of the Rock Section.jpg
Längsschnitt des Felsendoms
Datei:Sockel.JPG
Umayyadische Sockelverkleidung (Marmor): Khirbat al-Minya/Israel

Auf diese Änderung des Gründernamens hat erstmals der französische Reisende und Wissenschaftler, später Botschafter in Konstantinopel, Melchior de Vogüé im Jahre 1862 hingewiesen.[4]

Einige Forscher sind der Ansicht, dass ʿAbd al-Malik das Gebäude errichten ließ, um den Sieg der Araber über Byzanz und Persien zu feiern und den Triumph des Islam über Judentum und Christentum zu demonstrieren.[5] Anderen Ansichten zufolge war es bereits der Dynastiegründer Muʿāwiya (reg. 661–680), der als erster den Bau einer Moschee an dieser Stelle in Angriff nahm.[6] Den Beginn der Bauarbeiten verbinden andere mit dem Namen Kaiser Herakleios’ (reg. 610–641); der Bau sei mit der Rückführung der von den Persern im Jahre 614 geraubten Kreuzesreliquie in Verbindung zu bringen.[7] Anastasios Sinaites († nach 700), der gegen 660 Jerusalem besuchte, berichtet über Aufräumungs- und Reinigungsarbeiten ägyptischer Arbeiter auf dem Tempelberg, was auf die Interesse der Muslime bereits dreißig Jahre vor der Fertigstellung des Felsendoms schließen lässt.[8] Der gallische Bischof Arculf, der um 670 – also noch während des Kalifats von Muʿāwiya – Palästina bereist hatte, berichtet über ein viereckiges Gebetshaus auf dem Tempelberg und beschreibt es als einen über Trümmerresten mit dicken Balken und Brettern errichteten Bau. Ob es sich in dieser Beschreibung, die erst Adomnan, der Verfasser des Liber de locis sanctis, schriftlich niedergelegt hatte, in der Tat um einen Vorläufer des Felsendoms handelt, ist unklar.[9]

Nach dem gegenwärtigen Forschungsstand, den sowohl die islamischen Historiographen als auch die Lokalhistoriker Jerusalems bestätigen, war ʿAbd al-Malik der Erbauer der Kuppel über dem Felsen, wobei er sich der byzantinischen Architektur und Baukunst, ferner Baumeister griechischen Ursprungs bediente.[10] Die architektonische Gesamtkonzeption ähnelt San Vitale in Ravenna und der Grabeskirche in Jerusalem. Der Kuppelbau und der daneben stehende Kettendom (s. unten) waren ursprünglich z. T. offene Anlagen. Nur der Kuppelbau ist unter al-Maʾmūn durch eine achteckige Mauer erweitert worden, wobei der Abbasidenkalif auf der Innenseite der Arkaden neue Mosaikfliesen – nunmehr mit seinem Namen – anbringen ließ, ohne dabei das ursprüngliche Baudatum anzutasten. Von „einer betrügerischen Fälschung“ kann somit keine Rede sein, „auch nicht von einer damnatio memoriae eines verhaßten Vorgängers...vielmehr von einer geistigen Aneignung des Monumentes“.[11]

Den neusten Untersuchungen zufolge[12] gilt der Umayyadenkalif ʿAbd al-Malik ibn Marwān als Planer und Erbauer des gesamten Baukomplexes. Durch das Anbringen der Inschriften verlieh der Kalif dem Bau zweifelsfrei eine primär religiöse Bedeutung. Als Bestandteil der Gesamtanlage sind auch die im Jahre 1968 erstmals vorgelegten Ergebnisse von Ausgrabungen eines Umayyadenpalastes südlich des Tempelberges zu betrachten.

In seiner ursprünglichen Form sah der Felsendom so aus, wie der unmittelbar im SO daneben stehende Kettendom: ein offener Bau mit Kuppel. Im Jahre 846 wurde der Bau durch ein starkes Erdbeben beschädigt. Im Jahre 1016 stürzte die Kuppel während eines weiteren Erdbebens auf den Felsen herab; 1021 ließ sie der sechste Fatimiden-Herrscher Al-Hākim bi-amri ʾllāh (reg. 996–1021) neu errichten. Weitere Erneuerungsarbeiten sind im Innern auf den Fliesen mit dem Datum 418 (1027) dokumentiert.

Bei der Belagerung Jerusalems (1099) nahmen die Kreuzfahrer den Felsendom in Besitz: er wurde der Templum Domini – die Kirche der Kreuzritter. Auf dem Felsen wurde ein Marmoraltar, auf der Spitze der Kuppel ein goldenes Kreuz aufgestellt.[13] Im Jahre 1187, nach seinem Sieg über die Kreuzfahrer bei Hattin, zog Saladin in Jerusalem ein und ließ das goldene Kreuz auf der Kuppel und die Marmorverkleidung des Felsens samt Altar entfernen. Seine Erneuerungsarbeiten sind im Innern der Kuppel dokumentiert.[14]

Der Felsendom ist seit seinem Bau nicht wesentlich verändert worden; allerdings stammt die Verkleidung der Fassade mit den charakteristischen blauen Fliesen aus der Zeit des osmanischen Sultans Süleymans des Prächtigen. Nur die Verkleidung des Sockels mit verschiedenfarbigem Marmor stammt aus der Errichtungsphase.

Diese Sockelverkleidungen – siehe Foto rechts – aus der Zeit der Umayyaden sind auch an anderen Bauten aus jener Zeit wie beispielsweise in den Überresten ihrer (Khirba) Wüstenpaläste in Syrien-Palästina nachweisbar und baugeschichtlich dokumentiert.

Der Felsen ist ein geologisches Prachtstück aus einer der härtesten grauen Gesteinsschichten, die man auf der Hochebene Jerusalems findet. Unter dem Fels ist eine Höhle, maghāra / ‏ مغارة‎, wo sich, der Legende nach, der „Brunnen der Seelen“ biʾr al-arwāh / ‏بئر الأرواح ‎ / biʾru ʾl-arwāḥ befindet, wo sich die Seelen der Verstorbenen zweimal in der Woche versammeln. Der Boden ist mit Marmor ausgelegt; ein auffallendes, vorspringendes Felsstück nennt man hier „die Zunge des Felsens“ lisān as-sachra / ‏لسان الصخرة‎ / lisānu ʾṣ-ṣaḫra, da der Felsen den Kalifen ’Umar hier begrüßt haben soll. Neben dem Eingang zu dieser Höhle, unter einem einfach gearbeiteten kleinen Schrein, kann man den Fußabdruck und einige Barthaare des Propheten Mohammed sehen.

Die politisch-historischen Hintergründe

Bereits Ignaz Goldziher fragte sich in seinen Muhammedanischen Studien (1889/90), warum der Umayyadenkalif ʿAbd al-Malik in Jerusalem, an einem geschichtsträchtigen Ort, die „Kuppel“ (al-qubba) errichten ließ; unter Berufung auf z. T. relativ späte Quellen – vor allem nach den Historikern und Geographen al-Ya'qubi und Ibn al-Faqih al-Hamadani (beide wirkten im späten 9. Jahrhundert) – stellte er eine kausale Verbindung zwischen dem Gegenkalifat des Abdallah ibn az-Zubair in Mekka und der Errichtung des Felsendoms in Jerusalem her. Er schrieb:

„Als der ummejjadische Chalife 'Abdalmalik aus Besorgnis darüber, dass sein in Mekka herrschender Rivale ʿAbdallāh b. Zubejr die nach den heiligen Stätten im Ḥigāz pilgernden Syrer zwingen könnte, ihm den Huldigungseid zu leisten, die Wallfahrt nach Mekka hintanhalten wollte, da griff er zu dem Auskunftsmittel der Lehre vom stellvertretenden Hagg zur Kubbat al-sachra in Jerusalem.[15]

Der deutsche Orientalist Werner Caskel wies darauf hin, dass die ersten Umayyadenkalifen bestrebt gewesen seien, in Syrien-Palästina ein religiös-geistiges Zentrum zu errichten. Diese Forschungshypothesen scheinen die nunmehr im Druck vorliegenden Werke islamischer Lokalhistoriker über die Vorzüge Jerusalems in mancher Hinsicht zu bestätigen; der Felsen, unter dem Flüsse des Paradieses fließen, ist der Ort, der dem Himmel am nächsten liegt. Und in Sure 50, 41, in der es heißt

„Und lausche am Tag, da einer (der Rufer) aus der Nähe ruft (sodass jeder es deutlich hört)!“

identifiziert man die Stelle „aus der Nähe“ (min makānin qarībin) mit dem Felsen, wo am Tage der Auferstehung der Erzengel Israfilاسرافيل‎ / Isrāfīl stehen wird. Den Höhepunkt der Wallfahrtszeremonien von Mekka, den Tag von Arafat, hat man unter den Umayyaden auch am Felsendom gefeiert. Neue Forschungsergebnisse, die auf bisher nicht benutzte Quellen zurückgehen, bestätigen, dass man in der Regierungszeit des Kalifen ʿAbd al-Malik um den Bau den Umlauf (tawaf) genauso vollzog, wie um die Kaaba in Mekka. Auch das Opferfest als Abschluss der Wallfahrtszeremonien begingen die Muslime der Region am Felsendom. Der Historiker Ibn Kathīr (1300–1373) gibt nach seiner Quelle Sibt ibn al-Dschauzi (1186–1256) eine detailliertere Darstellung dieser Riten am Felsendom als sein Vorgänger Yaʿqubi und sieht sie im historischen Zusammenhang mit der Besetzung des mekkanischen Heiligtums durch seinen Rivalen ʿAbdallah ibn az-Zubair.[16]

Eidleistungen an diesem Ort hatten die gleiche Bedeutung wie an der Kaaba von Mekka oder an der Kanzel (minbar) des Propheten in Medina. Bereits zu Beginn des 8. Jahrhunderts war vor allem unter den Muslimen von Syrien-Palästina Sitte, die Pilgerfahrt nach Mekka mit einem Besuch des Felsendoms zu verbinden und in den Weihezustand bereits hier einzutreten.[17]

Sakrale Inschriften

Die Baudaten ergeben sich aus Inschriften, Papyrusurkunden und den Berichten arabischer Historiographen: at-Tabarī, Ibn Kathīr, al-Balādhurī und anderer. Die Fertigstellung des Felsendoms ist mit der auf das muslimische Jahr 72 (691–692) datierten Bauinschrift eindeutig belegt. Als Bauherr nennt sich an dieser Stelle allerdings der Abbasidenkalif al-Maʾmūn, der es offenbar übersehen hat, bei der Tilgung des Namen des Umayyadenkalifen ʿAbd al-Malik auch das ursprüngliche Baudatum abzuändern. Die geänderte Stelle – hier in Klammern – ist in einem vom Original abweichenden Duktus geschrieben.[18] Dort heißt es:

„Errichtet hat diese Kuppel der Diener Gottes ʿAbd (Allāh, der Imām al-Maʾmūn, der Befehlshaber) der Gläubigen.“

Das 240m lange Inschriftenband ist aus einer Reihe von Koranzitaten – auch in paraphrasierter Form – zusammengesetzt. Auf der Außenseite des inneren Oktogons beginnen die Abschnitte mit der Basmala nebst Glaubensbekenntnis (Schahāda). Auf der Innenseite des inneren Oktogons steht dann die Fortsetzung: Basmala, Glaubensbekenntnis, in der aber als Zusatz die christliche Lehre von der göttlichen Natur Jesu durch Koranverse (Sure 4, Vers 171–172, durch die Paraphrase von Sure 19, Vers 33 und durch Sure 3, Vers 18–20) zurückgewiesen wird. Weiter heißt es:

„Er (Gott) hat die Herrschaft über Himmel und Erde. Er macht lebendig und lässt sterben und hat zu allem Macht.“

– Sure 57, Vers 2

gefolgt von einer Aussage über Jesus – als Paraphrase von Sure 19, 33:

„Heil sei über ihn am Tage, da er geboren wurde, am Tage, da er stirbt und am Tage, da er wieder zum Leben erweckt wird.“

Die Innendekorationen des Felsendoms zeigen Darstellungen des Paradieses; sowohl diese als auch die Inschriften erklärt die zeitgenössische Forschung mit dem ursprünglichen Vorhaben des Bauherrn Abd al-Malik: der Bau hat von Anfang an religiöse Bedeutung,[19] die der antichristlichen Polemik nicht entbehrt. Im inneren Teil des Oktogons, dem heiligen Fels gegenüber, steht eine Passage aus der Sure 4, Vers 171:

„Christus (al-masih) Jesus, der Sohn der Maria, ist nur der Gesandte Gottes und sein Wort, das er der Maria entboten hat ...“

„Religionspolitisches Ziel der Inschriften ist es, den vor Ort als Gottessohn verehrten Jesus auf seine koranische Dimension eines bloßen Gottesdieners zurückzustufen und ihm den Propheten des Islam auf gleicher Höhe, als einen im Himmel und auf Erden hochgeehrten Propheten - als den ihn der in der Inschrift mehrmals zitierte Vers Q 33:56[20] darstellt-, zur Seite zu stellen.“

Angelika Neuwirth (2010), S. 252

In diesem Sinne wird Muḥammad in der Inschrift mehrfach als „Diener Gottes“ und als „Gesandter Gottes“ genannt. Um jene Zeit, im ausgehenden 7. Jahrhundert, war es auch den Christen bekannt, dass die Muslime ihren Propheten als „großen Gesandten (Gottes)“ bezeichneten. Der Archidiakon Georgius, der gegen 720 in Ägypten wirkte, berichtet, dass ʿAbd al-ʿAzīz ibn Marwān, Statthalter in Ägypten und Bruder des Kalifen ʿAbd al-Malik ibn Marwān, an den Kirchentoren Ägyptens Aufschriften anbringen ließ, auf denen Muḥammad als der große Gesandte Gottes genannt wurde.[21]

Der Historiker und Biograph adh-Dhahabī († 1348) berichtet in seinem umfassenden Werk „Geschichte des Islam“ (Taʾrīḫ al-islām), dass der Gründer des Felsendoms ʿAbd al-Malik ibn Marwān neue Geldstücke mit dem in der Inschrift wiederholten Koranzitat „Sag: Er ist Gott, ein Einziger“ (Sure 112, Vers 1) und am Rand der Münze mit „Muḥammad ist der Gesandte Gottes“ prägen ließ.[22]

Die Koranzitate stellen die ältesten schriftlichen Dokumente des Korans im kufischen Duktus aus dem Jahr 692 dar, in denen schon – wenn auch nicht durchgehend – diakritische Punkte des Arabischen verwendet worden sind.[23]

Die Inschrift

Datei:Inschrift 1.png
Originalinschrift der Innenfassade

Innenfassade: Süd - Südost - Ost - Nordost - Nord - Nordwest - West - Südwest:

  • bi-smi llāhi r-raḥmāni r-raḥīmi lā ilāha illā llāhu waḥda-hu lā šarīka la-hu la-hu l-mulku wa-la-hu l-ḥamdu yuḥyī wa-yumītu wa-huwa ʿalā kulli š-šayʾin qadīrun (Sure 64, 1 und 57, 2)

Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. Es gibt keinen Gott außer Gott allein. Er hat keinen Teilhaber (an der Herrschaft). Er hat die Herrschaft (über die ganze Welt). Ihm sei Lob! Er macht lebendig und läßt sterben und hat zu allem die Macht.[24]

  • Muḥammadun ʿabdu llāhi wa-rasūlu-hu

Muḥammad ist der Diener Gottes und sein Gesandter

  • inna llāha wa-malāʾikata-hu yuṣallūna ʿalā n-nabiyyi yā ayyu-hā llaḏīna āmanū ṣallū ʿalai-hi wa-sallimū taslīman (Sure 33, 56)

Gott und seine Engel sprechen den Segen über den Propheten. Ihr Gläubigen! Sprecht (auch ihr) den Segen über ihn und grüßt (ihn), wie es sich gehört!

  • ṣallā llāhu ʿalai-hi wa-s-salāmu ʿalai-hi wa-raḥmatu llāhi

Möge Gott über ihn den Segen sprechen. Heil sei über ihm und die Barmherzigkeit Gottes.

  • yā ahla l-kitābi lā taġlū fī dīni-kum wa-lā taqūlū ʿalā llāhi illā l-ḥaqqa (Sure 4, 171)

Ihr Leute der Schrift! Treibt es in eurer Religion nicht zu weit und sagt gegen Gott nichts aus, als die Wahrheit![25]

  • inna-mā l-masīḥu ʿĪsā bnu Maryama rasūlu llāhi wa-kalimatu-hu alqā-hā ilā Maryama wa-rūhun min-hu fa-āminū bi-llāhi wa-rusuli-hi wa-lā taqūlū ṯalāṯatun ʾintahū ḫairan la-kum innamā llāhu ilāhun wāḥidun subḥāna-hu an yakūna la-hu waladun la-hu mā fī s-samawāti wa-mā fī l-arḍi wa-kafā bi-llāhi wakīlan lan yastankifa l-masīhū an yakūna ʿabdan li-llāhi wa-lā l-malāʾikatu l-muqarrabūn wa-man yastankif ʿan ʿibādati-hi wa-yastakbir fa-sa-yaḥšuru-hum ilai-hi ǧamīʿan (Sure 4, 171-172)

Christus Jesus, der Sohn der Maria, ist nur der Gesandte Gottes und sein Wort, das er der Maria entboten hat, und Geist von ihm. Darum glaubt an Gott und seine Gesandten und sagt nicht (von Gott, daß er in einem) drei (sei)! Hört auf (so etwas zu sagen)! Das ist besser für euch. Gott ist nur ein einziger Gott. Gepriesen sei er! (Er ist darüber erhaben) ein Kind zu haben. Ihm gehört (vielmehr alles), was im Himmel und auf der Erde ist. Und Gott genügt als Sachwalter. Christus wird es nicht verschmähen, ein (bloßer) Diener Gottes zu sein, auch nicht die (Gott) nahestehenden Engel. Und wenn einer es verschmäht, Gott (w. ihm) zu dienen und (zu) hochmütig (dazu) ist (hat das nichts zu bedeuten). Er wird sie (d.h. die Menschen) (dereinst) alle zu sich versammeln.

  • Allāhumma ṣalli ʿalā rasūli-ka wa-ʿabdi-ka ʿĪsā bni Maryama wa-s-salāmu ʿalai-hi yauma wulida wa-yauma yamūtu wa-yauma yubʿaṯu ḥayyan (Sure 19,15)[26]

Herr, sprich den Segen über Deinen Gesandten und Diener Jesus dem Sohn der Maria. Heil sei über ihm am Tag, da er geboren wurde, am Tag, da er stirbt, und am Tag, da er (wieder) zum Leben auferweckt wird!

  • ḏālika ʿĪsā bnu Maryama qaulu l-ḥaqqi llaḏī fī-hi yamtarūna mā kāna li-llāhi an yattaḫiḏa min waladin subḥāna-hu iḏā qaḍā amran fa-inna-mā yaqūlu la-hu kun fa-yakūn inna llāha rabbī wa-rabbu-kum fa-ʾbudū-hu hāḏa sirāṭun mustaqīmun (Sure 19, 34)

Dies ist Jesus, der Sohn der Maria - um die Wahrheit zu sagen, über die sie (d.h. die Ungläubigen (unter den Christen?) (immer noch) im Zweifel sind. Es steht Gott nicht an, sich irgendein Kind zuzulegen. Gepriesen sei er! Wenn er eine Sache beschlossen hat, sagt er zu ihr nur: sei!, dann ist sie. Gott ist mein und euer Herr. Dienet ihm! Das ist ein gerader Weg.

  • šahida llāhu anna-hu lā ilāha illā huwa wa-l-malāʾikatu ulū l-ʿilm qāʾiman bil-qisṭi (Sure 3, 18)

Gott bezeugt, daß es keinen Gott gibt außer ihn. Desgleichen die Engel und diejenigen, die das (Offenbarungs)wissen besitzen.

  • lā ilāha illā huwa l-ʿazīzu l-ḥakīmu (Sur. 3, 6)[27]

Es gibt keinen Gott außer ihm. Er ist der Mächtige und Weise.

  • inna d-dīn ʿinda llāhi l-islāmu wa-mā ʾḫtalafa llaḏīna ūtū l-kitāba illā min baʿdi mā ǧāʾa-humu l-ʿilmu baġyan baina-hum wa-man yakfuru bi-āyāti llāhi fa-inna llāha sarīʿu l-ḥisābi (Sure 3, 19)

Als (einzig wahre) Religion gilt bei Gott der Islam. Und diejenigen, die die Schrift erhalten haben, wurden - in gegenseitiger Auflehnung - erst uneins, nachdem das Wissen zu ihnen gekommen war. Wenn aber einer nicht an die Zeichen Gottes glaubt, ist Gott schnell im Abrechnen.

Außenfassade: Süd - Südwest - West - Nordwest - Nord - Nordost - Ost - Südost:

Datei:Inschrift 2.png
Originalinschrift der Außenfassade
  • bi-smi llāhi r-raḥmāni r-raḥīmi lā ilāha illā llāhu waḥda-hu lā šarīka la-hu qul huwa llāhu aḥadun llāhu ṣ-ṣamadu lam yalid wa-lam yūlad wa-lam yakun la-hu kufuwan aḥadun (Sure 112, 1-4)

Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. Es gibt keinen Gott außer Gott allein. Er hat keinen Teilhaber (an der Herrschaft). Sag: Er ist Gott, ein Einziger. Gott, der, an den man sich (mit seinen Nöten und Sorgen) wendet. Er hat weder gezeugt, noch ist er gezeugt worden. Und keiner ist ihm ebenbürtig.

  • Muḥammadun rasūlu llāhi ṣallā llāhu ʿalaihi

Muḥammad ist der Gesandte Gottes, möge Gott über ihn den Segen sprechen.

  • bi-smi llāhi r-raḥmāni r-raḥīmi lā ilāha illā llāhu waḥda-hu lā šarīka la-hu

Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. Es gibt keinen Gott außer Gott allein. Er hat keinen Teilhaber (an der Herrschaft).

  • Muḥammadun rasūlu llāhi

Muḥammad ist der Gesandte Gottes.

  • inna llāha wa-malāʾikata-hu yuṣallūna ʿalā n-nabiyyi yā ayyu-hā llaḏīna āmanū ṣallū ʿalai-hi wa-sallimū taslīman (Sure 33, 56)

Gott und seine Engel sprechen den Segen über den Propheten. Ihr Gläubigen! Sprecht (auch ihr) den Segen über ihn und grüßt (ihn), wie es sich gehört!

  • bi-smi llāhi r-raḥmāni r-raḥīmi lā ilāha illā llāhu waḥda-hu

Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. Es gibt keinen Gott außer Gott allein.

  • al-ḥamdu li-llāhi llaḏī lam yattaḫiḏ waladan wa-lam yakun la-hu šarīkun fī l-mulki wa-lam yakun la-hu waliyun mina ḏ-ḏulli wa-kabbir-hu takbīran (Sure 17, 111)

Lob sei Gott, der sich kein Kind (oder: keine Kinder) zugelegt hat, und der keinen Teilhaber an der Herrschaft hat, und keinen Freund (der ihn) vor Erniedrigung (schützen müßte)! Und preise ihn allenthalben!

  • Muḥammadun rasūlu llāhi ṣallā llāhu ʿalai-hi wa-malāʾikatu-hu wa-rusulu-hu wa-s-salāmu ʿalaihi wa-raḥmatu llāhi

Muḥammad ist der Gesandte Gottes. Möge Gott und seine Engel und seine Gesandten über ihm den Segen sprechen. Und Heil sei über ihm und Gottes Barmherzigkeit.

  • bi-smi llāhi r-raḥmāni r-raḥīm lā ilāha illā llāhu waḥda-hu lā šarīka la-hu la-hu l-mulku wa-la-hu l-ḥamdu yuḥyī wa-yumītu wa-huwa ʿalā kulli š-šayʾin qadīrun (Sure 64,1 und 57, 2)

Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. Es gibt keinen Gott außer Gott allein. Er hat keinen Teilhaber (an der Herrschaft). Er hat die Herrschaft (über die ganze Welt). Ihm sei Lob! Er macht lebendig und lässt sterben und hat zu allem die Macht.

  • Muḥammadun rasūlu llāhi ṣallā llāhu ʿalai-hi wa-yaqbalu šafāʿata-hu yauma l-qiyāma fī ummati-hi

Muḥammad ist der Gesandte Gottes, möge Gott über ihn den Segen sprechen und er (wird) seine Fürbitte für sein Volk am Tage der Auferstehung annehmen.

  • bi-smi llāhi r-raḥmāni r-raḥīmi lā ilāha illā llāhu waḥda-hu lā šarīka la-hu Muḥammadun rasūlu llāhi ṣallā llāhu ʿalai-hi
  • banā hāḏihi l-qubbata ʿabdu Allāhi ʿAbd [Allāh al-imām al-Maʾmūn amīru] al-muʾminīna fī sanati iṯnatain wa-sabʿīna yaqbalu llāhu min-hu wa-raḍiya ʿan-hu āmīn rabbu l-ʿālamīna li-llāhi l-ḥamdu

Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. Es gibt keinen Gott außer Gott allein. Muḥammad ist der Gesandte Gottes, möge Gott über ihn den Segen sprechen. Erbaut hat diese Kuppel der Diener Gottes ʿAbd [Allāh der Imām al-Maʾmūn, der Befehlshaber] der Gläubigen, im Jahre zwei und siebzig. Möge Gott (es) von ihm annehmen und an ihm Wohlgefallen haben. Amen, Herr der Menschen in aller Welt. Gott gebührt Lob.[28]

Der Kettendom

Datei:Felsendom photo-2.JPG
Der Felsendom mit dem Kettendom. Stereoskopie aus dem späten 19. Jhd.
Datei:Felsendom mit Kettendom 2006.JPG
Der Felsendom mit dem Kettendom 2006

Der Kettendom qubbat al-silsila / ‏ قبة السلسلة‎ / qubbatu ʾs-silsila steht in unmittelbarer Nähe an der Ostseite des Felsendoms. Das Baudatum ist genauso wenig bekannt wie die ursprüngliche Funktion des Baus. Aber schon der andalusische Geschichtsschreiber und Jurist ʿAbd al-Malik b. Habib († 852) erwähnt, dass der Kettendom vom Kalifen ʿAbd al-Malik errichtet wurde; somit muss die kleine Anlage um seine Zeit, als er den islamischen Osten bereiste, bereits vorhanden gewesen sein. Spätere muslimische Autoren und Geographen wie der Andalusier Ibn ʿAbd Rabbihi und der Perser Naser Khosrow knüpfen bei der Beschreibung der Funktion dieses kleinen Baus an die biblische Tradition an: in der Zeit der Kinder Israels hätten hier die Ketten herabgehangen, wo Recht gesprochen wurde. Es war der islamischen Überlieferung nach David, der die Ketten aufgehängt hatte, die nur rechtschaffene Menschen mit den Händen fassen konnten. Der arabische Geograph al-Idrisi, der sich während der Kreuzzüge im Jahre 1154 in Jerusalem aufhielt, beschreibt die Stelle als „das Heilige unter den heiligen (Stätten)“. Anderen Berichten zufolge stand hier angeblich die Schatzkammer (bait al-māl), wo ʿAbd al-Malik die Gelder für den Bau des Doms hinterlegt haben soll.[29]

Archäologische Untersuchungen ergaben, dass die Fundamente des Kettendoms in der Höhe des Felsendoms liegen und die Säulensockel mit denen des Felsendoms identisch sind. Der Bau war – wie es Naser Khosrow ausdrücklich erwähnt – zu keinem Zeitpunkt mit einer Mauer umgeben; vielmehr stand dort eine Kanzel (mihrab), die in der Achse auf die Kanzel der gegenüberliegenden al-Aqsa-Moschee ausgerichtet war. Der Kettendom selbst entstand nach der baulichen Vorlage des Felsendoms in Kleinformat und ist in Richtung der Qibla in Mekka positioniert. Es wird auch angenommen, dass der Bau ursprünglich als Modell, eine Art Vorlage, für die Errichtung des Felsendoms gedacht war. [30]

Al-Mawazin

Datei:Al-mawazin.JPG
Al-Mawazin mit dem Felsendom von der Aqsa-Moschee aus gesehen

Die acht auf die Plattform der Gesamtanlage hinaufführenden Stufen enden in byzantinischen Säulen in der Form einer Arkade, die al-mawazin / ‏الموازين‎ / al-mawāzīn /‚die Waagschalen‘ genannt werden; denn am Tage der Auferstehung, so die islamische Tradition, werden hier alle Dinge, Taten und Sünden des Menschen auf den Waagschalen der Gerechtigkeit Gottes abgewogen. Die Bezeichnung ist koranischen Ursprungs, denn es heißt in Sure 23, Vers 102–103:

„Denen, die dann schwere Waagschalen haben, wird es wohl ergehen. Diejenigen aber, die leichte Waagschalen haben, sind dann ihrer selbst verlustig gegangen.“

Und in Sure 21, Vers 47 heißt es:

„Und für den Tag (oder: am Tag) der Auferstehung stellen wir die gerechten Waagen auf. Und dann wird niemand (im mindesten) Unrecht getan. Wenn es (auch nur) das Gewicht eines Senfkorns ist, bringen wir es bei. Wir rechnen (genau) genug ab.“

Übersetzung: Rudi Paret

Aufgrund dieser Koranverse, die dann die Hadith-Literatur mit weiteren, auf den Propheten zurückgeführten Aussagen anzureichern und diese am Tempelberg zu lokalisieren vermochte, ist diese Stätte (al-haram asch-scharif) in der islamischen Welt von besonderer Bedeutung.

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Al-Mawazin mit Blick auf die Aqsa-Moschee

Der Überlieferung (Hadith) zufolge ist es der Erzengel Gabriel, der am Tage der Auferstehung die Waagschalen besitzt: sahib al-mawazin / ‏ صاحب الموازين‎ / ṣāḥibu ʾl-mawāzīn /‚der Besitzer der Waagschalen‘. Durch diese Bezeichnung der Zugänge zum Felsendom wird dessen zentrale Bedeutung im religiösem Leben der Muslime demonstriert. In den eschatologischen Glaubensvorstellungen der Muslime wird die gesamte Anlage mit dem Felsen unter der Kuppel in Hadithen thematisiert. Selbst die Fortführung der jüdischen Tradition im islamisch-eschatologischen Denken, das eng mit dem Ort verbunden ist, kann im arabischen Schrifttum spätestens im 11–12. Jahrhundert beobachtet werden. Der Historiker Ibn al-Muradschdscha, von dem man nur weiß, dass er gegen 1130 bis 1140 in Jerusalem wirkte, erwähnt in seinem Werk über die Vorzüge von Jerusalem, Hebron und Syrien einen interessanten Bericht, der auf Ka’b al-Ahbar, einen zum Islam konvertierten Juden in der Zeit Mohammads zurückgeht:

„Ka'b al-Ahbar fiel unter den Büchern eine Schrift in die Hände, in der es hieß:
Īrūšalāyim, das heißt Jerusalem, der Felsen, den man Altar (haikal) nennt: ich werde zu dir meinen Diener Abd al-Malik entsenden, der dich dann aufbauen und reichlich verzieren wird. Wahrlich, ich werde nach Jerusalem seinen ersten König zurückführen und ihn mit Gold, Silber und Perlen krönen. Wahrlich werde ich zu Dir meine Schöpfung entsenden und auf dem Felsen meinen Thron aufstellen, denn ich bin Gott, der Herr und David ist der König der Söhne Israels.[31]

Für die Muslime im 11.–12. Jahrhundert, als der genannte Historiker wirkte, war der Tempel Salomons und dessen Altar (haikal) mit dem Felsendom identisch.[32]

Die obere Plattform, auf der sich der Felsendom befindet, ist nur durch diese Stufen mit den abschließenden Arkaden, die im 7.–8. Jahrhundert entstanden sind, erreichbar. Der arabische Geograph Ibn al-Faqih al-Hamadani berichtet im 10. Jahrhundert nur von sechs Treppenzugängen; wann die zwei weiteren hinzugefügt worden sind, ist unbekannt. Die ursprüngliche Gesamtkonzeption der Treppen ist auf jeden Fall Teil der umayyadischen Architektur.[33]

Tourismus

Der Zugang zum Tempelberg ist für Touristen seit (2006) nur vom Dungtor – Endstation der Buslinie 1 – aus, das auch zur Klagemauer führt, möglich. Die anderen Tore zum Tempelberg dürfen nur Muslime benutzen. Die Kontrolle wird an jedem Tor von den israelischen Behörden durchgeführt. Eintrittskarten für den Tempelberg sind entfallen. Dafür ist der Eintritt in die Aqsa-Moschee, wo seit 2005–2006 umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt werden, und in den Felsendom nur mit schriftlicher Genehmigung der Waqf-Administration (am Bab al-Nazir) möglich. Der Tempelberg wird – auch auf dem Innenhof – von israelischen Sicherheitskräften bewacht, die uneingeschränkten Zugang zu diesem Gebiet haben. Touristen können nur beim Verlassen des Tempelberges die anderen Tore benutzen.

Am 14. Mai 2009 betrat Papst Benedikt XVI. als erstes Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche den Felsendom.

Literatur

  • Max van Berchem: Matériaux pour un Corpus Inscriptionum Arabicarum: Jerusalem: Ville. II/2. Kairo (o. D.)
  • C. Graf v. Bothmer: Zur architekturgeschichtlichen Interpretation des Felsendoms in Jerusalem. In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (ZDMG), Supplementband III,2 (1975), S. 1568-1573
  • H. Busse: Die arabischen Inschriften im und am Felsendom in Jerusalem. In: Das Heilige Land. 109 (1997), S. 8–24
  • H. Busse: 'Omar b. al-Hattab in Jerusalem. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam. 5 (1984), S. 73–119
  • H. Busse: 'Omar’s image as the conqueror of Jerusalem. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam. 8 (1986), S. 149–169
  • H. Busse: Zur Geschichte und Deutung der frühislamischen Ḥarambauten in Jerusalem. In: Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins (ZDPV), Bd. 107 (1991), S. 144–154
  • Werner Caskel: Der Felsendom und die Wallfahrt nach Jerusalem. Westdeutscher Verlag, Köln/Opladen 1963.
  • K. A. C. Creswell: Early Muslim Architecture. Oxford 1932, Teil I. S. 42–94
  • Amikam Elad: Medieval Jerusalem and Islamic Worship; Holy Places, Ceremonies, Pilgrimage. Brill, Leiden 1995
  • Richard Ettinghausen, Oleg Grabar, Marilyn Jenkins-Madina: Islamic Art and Architecture 650-1250. Yake University Press 2001. S. 15-20
  • Christian Ewert und Jens-Peter Wisshak: Forschungen zur almohadischen Moschee. Lief. 1, Vorstufen : hierarchische Gliederungen westislamischer Betsäle des 8. bis 11. Jahrhunderts: die Hauptmoscheen von Qairawan und Córdoba und ihr Bannkreis. Madrider Beiträge, Bd. 9. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1981. ISBN 3-8053-0471-4
  • S. D. Goitein: The Historical Background of the Erection of th Dome of the Rock. In: Journal of the American Oriental Society (JAOS). 70 (1950), S. 104–108
  • S. D. Goitein: Jerusalem in the Arab Period (638–1099). In: The Jerusalem Chatedra. 2 (1982), S. 168–196
  • Oleg Grabar: The Umayyad Dome of the Rock of Jerusalem. In: Ars Orientalis. 3 (1959), S. 33–62
  • Oleg Grabar: Art. Ḳubbat al-Ṣakhra, in: The Encyclopaedia of Islam, 2. A., Brill, Leiden, Bd. 5 (1986), S. 298f.
  • Oleg Grabar: The Dome of the Rock. Harvard University Press, 2006
  • Georg Graf: Wie ist das Wort Al-Masīḥ zu übersetzen? In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (ZDMG) 104 (1954), S. 119ff.
  • Richard Hartmann: Der Felsendom in Jerusalem und seine Geschichte. Straßburg 1905
  • Jacob Lassner: Muslims on the sanctity of Jerusalem. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam. 31 (2006), S. 164–195
  • D.S. Margoliouth: Cairo, Jerusalem & Damascus. Three chief cities of the Egyptian Sultans. With illustartions in colour by W. S. S. Tyrwhitt. London 1907. S. 175–227 (mit Abbildungen)
  • Ibn al-Murajjā: Faḍāʾil Bayt al-Maqdis wa-al-Khalīl wa-Faḍāʾil al-Sha’m (The Merits of Jerusalem, Hebron and Syria). Ed. Ofer Livne-Kafri, Shfaram 1995
  • Angelika Neuwirth: Der Koran als Text der Spätantike. Ein europäischer Zugang. Verlag der Weltreligionen. Insel Verlag Berlin 2010. S. 249-253
  • Myriam Rosen-Ayalon: The Early Islamic Monuments of al-Ḥaram al-sharīf. An Iconographic Study. In: Qedem. Monographs of the Institute of Archaeology. 23. The Hebrew University. Jerusalem 1989
  • Guy Le Strange: Palestine und the Moslems. A description of Syria and the Holy Land from A.D. 630 to 1300. Cosimo Classics 2010 (Nachdruck der Erstausgabe von 1890). S. 114ff.
  • J. Walker: Ḳubbat aṣ-Ṣakhra. In: A. J. Weninck und J. H. Kramers (Hrsg.): Handwörterbuch des Islam. Brill, Leiden 1941. S. 333-336
 Commons: Felsendom – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Christian Ewert (1981): „So wie der Felsendom durch die Übernahme des frühchristlich-byzantinischen Zentralbautyps die geistige Landnahme im ehemals christlichen Osten vor Augen rückt, könnte Qairawan … usw. “ – dort mit weiteren Quellenangaben
  2. Thomas Eich: Vorlesung: Einführung in die Geschichte und Kulturen des Nahen Ostens II. SoSe 2008, 8. Stunde, Universität Tübingen, 10. Juni 2008. Minute 0:00 bis 6:13. Der islamischen Tradition und Koranexegese zufolge war es Ismael, der hätte geopfert werden sollen
  3. H. Busse (1986), S. 160 und 166–167
  4. In seinem Le Temple de Jérusalem. Paris 1864; siehe O. Frabae (2006), S. 60
  5. Oleg Grabar (1959), S. 33-62; ders. (2006), S. 59ff.
  6. Busse (1991), S. 146 mit Hinweis auf Olge Grabar: The Meaning of the Dome of the Rock, in dem der Verfasser seine 1959 vorgelegte Theorie revidiert
  7. H. Busse (1991), S. 145–146
  8. Robert G. Hoyland: The earliest Christian writings on Muḥammad: an appraisal. In: Harald Motzki (Hrsg.): The Biography of Muḥammad. The issue of sources. Brill, Leiden 2000. S. 276-297; hier: S. 289 und Anm. 54
  9. H. Busse: Die ʿUmar-Moschee im östlichen Atrium der Grabeskirche. In: Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins. Bd. 109 (1993), S. 74–75; Herbert Donner: Pilgerfahrt ins Heilige Land. Stuttgart 1979, S. 315ff. mit deutscher Übersetzung und Kommentar
  10. Siehe O. Grabar in: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Bd. 5, S. 298
  11. Christian Ewert, S. 50
  12. Myriam Rosen-Ayalon (1989)
  13. J. Walker in: A. J. Wensinck und J. H. Kramers (Hrsg.): Handwörterbuch des Islams, S. 344 mit weiteren Quellenangaben.[1]
  14. Oleg Grabar: The Umayyad Dome of the Rock in Jerusalem In: Ars Orientalist, Bd. 3, S. 33ff.
  15. Muhammedanische Studien. Bd. II. S. 35
  16. Amikam Elad: The History and Topography of Jerusalem During the Early Islamic Period: The Historical Value of Faḍāʾil al-Quds Literature: A Reconsideration. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam 14 (1991), S. 56–62
  17. Amikam Elad, a.a.O.64–67 mit weiteren Quellenangaben
  18. Siehe Guy Le Strange (1890), S. 119
  19. H. Busse (1991), S. 150 und ders. (1997), S. 8ff.
  20. „Gott und seine Engel sprechen den Segen über den Propheten. Ihr Gläubigen! Sprecht (auch ihr) den Segen über ihn und grüßt (ihn), wie es sich gehört!“
  21. Robert G. Hoyland: The earliest christian writings on Muḥammad: an appraisal. In: Harald Motzki (Hrsg.): The biography of Muḥammad. The issue of the sources. Brill, Leiden 2000. S. 285
  22. adh-Dhahabi: Siyar aʿlām an-nubalāʾ. Band 4. S. 248. Anm. 4 des Herausgebers mit Hinweis auf das genannte Werk, Band 3. S. 279; siehe auch: Oleg Grabar (2006), S. 117
  23. Siehe:[2]; Rayan Shani: The Iconography of the Dome of the Rock. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam (JSAI) 23 (1999), S. 158ff; hier: S. 187; Abb. 2a und 2b; Christel Kessler: Abd al-Malik's Inscription in the Dome of the Rock. A Reconsideration. In: Journal of the Royal Asiatic Society (JRAS), 1 (1970), 2-64
  24. Die Übersetzung der Koranverse nach: Rudi Paret: Der Koran
  25. Christian Luxenberg: Neudeutung der arabischen Inschrift im Felsendom zu Jerusalem. In: Karl-Heinz Ohlig /Gerd-R. Puin (Hrsg.): Die dunklen Anfänge. 3. Auflage. Berlin 2007. S. 127 liest und übersetzt entsprechend die Koranstelle falsch: lā taʿlū - anstatt lā taġlū
  26. Im Koran steht allerdings salāmun anstatt as-salāmu. Eine vergleichbare Konstruktion steht im Vers 33 derselben Sure, nunmehr determiniert und als direkte Rede am Versanfang: wa-s-salāmu ʿalayya yauma wulidtu wa-yauma amūtu wa-yauma ubʿaṯu ḥayyan: Heil sei über mir am Tag, da ich geboren wurde, am Tag, da ich sterbe, und am Tag, da ich (wieder) zum Leben auferweckt werde!
  27. Auch Sure 3, 18 und mehrfach in dieser Kombination. Siehe im Koran in der Kombination: al-ʿaziz al-ḥakīm bei: Muḥammad Fuʾād ʿAbd al-Bāqī: al-Muʿǧam al-mufahras li-alfāẓ al-Qurʾān al-karīm S. 459 sub. al-ʿazīz
  28. Siehe die Abschrift in arabischer Sprache vom Original in der Anm. 15;H. Busse: Monotheismus und islamische Christologie in der Bauinschrift des Felsendoms in Jerusalem.In: Theologische Quartalschrift 161 (1981), S. 168-1978; Fred M. Donner: Muhammad and the Believers: at the Origins of Islam. Harvard University Press 2010. S. 233-236; (Appendix B); Olge Grabar (2006), S. 91-92
  29. H. Busse (1991), S. 147; M. Rosen-Ayalon (1989), S. 25–29
  30. Guy Le Strange (1890), S. 153
  31. Quelle:Ofer Livne-Kafri(ed.): The Merits of Jerusalem, Hebron and Syria. Almashreq Ltd. Shfaram 1995.Siehe auch: Ofer Livne-Kafri: A Note on Some Traditions of Faḍāʾil al-Quds. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam 14 (1991),S.71ff bes. S.82-83
  32. Heribert Busse:Bāb Ḥiṭṭa: Qurʾān 2:58 and the Entry into Jerusalem. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam. Bd.22 (1998), S. 9 und Anm. 50.
  33. M. Rosen-Ayalon (1989), S. 30–32
31.77805555555635.235277777778


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