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Felix Blumenfeld (Mediziner)

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Felix Blumenfeld (geb. 2. Mai 1873 in Gießen; gest. 25. Januar 1942 in Kassel) war ein deutscher Kinderarzt und erster Chefarzt des späteren Kinderkrankenhaus Park Schönfeld.

Leben und Wirken

Felix Blumenfeld verlor früh seine Eltern und wuchs daher bis zum Abitur bei seiner Tante auf. Er studierte in Marburg und München Medizin. Nach dem Studium arbeitete er als Schiffsarzt bevor er als Volontärassistent nach Berlin ging. 1901 ließ er sich schließlich in Kassel als Kinderarzt nieder. Angeregt durch die hohe Säuglingssterblichkeit von Kindern armer Eltern begann er seine Position als Arzt zu nutzen und sich sozial zu engagieren. Auf seine Anregung hin wurden Milchküchen errichtet in denen hygienisch einwandfreie Milch-Getreide-Mischungen als Säuglingsnahrung hergestellt und über ein Pfandflaschensystem verkauft wurde. Dabei wurden die Produkte durchaus auch kostenlos an Mittellose abgeben. Diese Milchküchen dienten anderen Städten als Vorbild und viele Leiter derartiger Einrichtungen wurden zur Ausbildung nach Kassel geschickt.

Im Jahr 1906 wurde unter anderem auch auf Initiative von Blumenfeld das Kinder- und Säuglingsheim des evangelischen Frauenbundes gegründet. In dem Heim wurden Kinder von alleinerziehenden Müttern aufgenommen. Blumenfeld wurde ehrenamtlich der ärztliche Betreuer der Einrichtung. Nachdem die zehn Plätze binnen kürzester Zeit belegt waren wurde vom Träger 1909 ein Neubau mit 80 Betten in der Frankfurter Straße 167, in der Nähe des Park Schönfeld, errichtet. Blumenfeld wurde neben seiner Praxistätigkeit der ärztlicher Leiter des Kinderheims. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Heim zu einem Kinderkrankenhaus.

Stolperstein vor dessem letzten Wohnsitz
Stolperstein vor dem ehemaligen Kinderkrankenhaus Park Schönfeld

Blumenfeld war neben seinem sozialen und humanitären Engagement auch gesellschaftlich und kulturell tätig. Er war Mitglied in zwei Freimaurerlogen und vertrat kommunalpolitisch vier Jahre lang die Deutsche Demokratische Partei in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung.

Bereits wenige Wochen nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, am 1. April 1933, wurde ihm als Juden die Leitung des Kinderkrankenhauses entzogen und er erhielt Berufsverbot und musste seine Wohnung und die Praxis im Nahlschen Haus, in der Oberen Königsstraße 41, aufgeben. Sein Vermögen und seine Bibliothek wurden beschlagnahmt und der Tatsache geschuldet, dass seine Frau Leni keine Jüdin war, durfte er vorerst in seinem Sommerhaus in der Fürstenstraße 21 (heute Hugo-Preuss-Straße 35) wohnen. Er wurde zu Hilfs- und Straßenbauarbeiten gezwungen und musste auf dem städtischen Schrottabladeplatz Lumpen und Schrott sammeln. Dabei war er andauernden Diskriminierungen und Überwachungen seitens der Gestapo ausgesetzt.

Um der Deportation zu entgehen und seine Frau vor Repressalien zu schützen beging Felix Blumenfeld am 25. Januar 1942 Suizid. In seinem Abschiedsbrief schrieb er:[1][2]

„Der Tod erscheint mir unter diesen Umständen begehrenswerter als ein Dasein mit immer neuen Qualen. Ich gehe deshalb aus dieser Welt der Gemeinheit, Niedertracht und Unmenschlichkeit, um einzuziehen in den ewigen Frieden, und den Pfad suchend, der aus dem Dunkel zum Licht führt.“

„Wer weiß, wie lange dieser Krieg dauert, und was bis dahin für die Juden in Deutschland passiert, ist kaum auszudenken“

„Man wird vor keinem Mittel der Vernichtung zurückschrecken. Da ist es hoffentlich auch im Sinne meiner Söhne ehrbarer und charaktervoller von der Bildfläche zu verschwinden, und lieber freiwillig als ein Toter das Haus zu verlassen, als von den Schergen der Gestapo hinausgejagt zu werden.“

Er ist auf dem jüdischen Friedhof in Kassel-Bettenhausen bestattet.

Seine beiden Söhne, Gerd und Edgar, konnten 1938 aus Deutschland fliehen und haben den Krieg und die Verfolgung überlebt. Sie haben in den USA den Namen Bloomfield angenommen.

Ehrungen

  • Felix-Blumenfeld-Straße im Kasseler Stadtteil Harleshausen
  • Zwei Stolpersteine (Hugo-Preuß-Straße 35 und vor dem ehemaligen Kinderkrankenhaus Park Schönfeld)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. HNA: Stolperstein-Aktion fördert Abschiedsbrief von NS-Opfer zutage
  2. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. zur Verlegung der Stolpersteine


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Felix Blumenfeld (Mediziner) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.