Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten)

Fania Lewando

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Fania Lewando geb. Fiszelewicz (um 1888 in Włocławek; gestorben mutmaßlich 1941 auf der Flucht vor NS-Besatzungstruppen) war eine berühmte Köchin und verfasste das erste jüdisch-vegetarische Kochbuch.

Leben und Werk

Fania Fiszliewiczs Eltern waren der Fischhändler Haim Efraim Fiszliewicz (1865–1941), auch Hymen genannt, und Esther Malka geb. Stulzaft. Als ihr Vorname wird auch Feige bzw. Fogel angegeben. Sie hatte vier Schwestern, Becky, Golda (1892–1968), Rose (1894–?) und Deborah (um 1899–1943), sowie einen Bruder, Louis (1900–1989). Die Familie emigrierte 1901 nach England und änderte den Namen auf Fisher, doch Fania blieb in Polen. Sie heiratete den Eierhändler Lazar Lewando, auch Eliezer, geboren 1880 in Weißrussland. Zweimal konnte sie ihre Familie in England besuchen. Ihr Mann wurde von den Sowjets als Kapitalist und Bourgeois angesehen, er erlitt eine Verletzung am Fuss. Pläne der Emigration in die Vereinigten Staaten scheiterten. Das Paar übersiedelte nach Vilnius ins damals unabhängige Litauen und gemeinsam eröffneten sie dort in der Vokiečių-Straße 14 das jüdisch-vegetarische Luxusrestaurant Elaine’s, in welchem viele Intellektuelle und Künstler verkehrten, wie Marc Chagall oder Itzik Manger. Fania Lewando erarbeitete sich rasch den Status einer exzellenten Küchenchefin, gründete eine Kochschule, gab Vorträge und leitete zeitweise die Küche eines polnischen Kreuzfahrtschiffes.[1][2] Ihr gesundheitsbewußtes Konzept stand in eklatantem Widerspruch zur fleischlastigen Küche der Aschkenasim, die die Speisepläne der Zeit dominierte.[3] All dies spielte sich im zunehmend antisemitischen Klima von Vilnius ab.

1938 erschien ihr Buch „Vegetarisch-diätisches Rezeptbuch: 400 Gerichte, ausschließlich aus Gemüse zubereitet“, in welchem sie ihre wichtigsten Rezepte preisgab. Das Buch ist auf Jiddisch geschrieben und erlangte rasch Popularität. Auf dem Höhepunkt ihres Erfolges musste das Ehepaar 1941 vor den herannahenden NS-Truppen des Deutschen Reiches, die soeben Litauen besetzten, flüchten. Die Lewandos sollen von der Roten Armee aufgegriffen worden sein. Ihr weiteres Schicksal ist nicht bekannt.

Die meisten ihrer Verwandten konnten, weil bereits in England oder den USA, die Shoah überleben.

Das Kochbuch

Ihr Buch wurde von Wojciech Oleksiak als "revolutionär" beschrieben, da es einen vollständigen Verzicht auf Fleisch propagierte und dafür das Komplettprogramm von Vorspeisen und Suppen über Hauptspeisen bis zu Desserts auf ausschließlich vegetarischer Basis anbot. Das Buch enthält nicht nur klassisch-vegetarische Speisen der osteuropäisch-jüdischen Küche sondern auch eine Reihe von Innovationen und Eigenkreationen.

Anfang des 21. Jahrhunderts wurde Lewandos Kochbuch in Kursen am YIVO Institute for Jewish Research in New York vorgestellt. Die Teilnehmerinnen Barbara Mazur und Wendy Waxman waren von dem Kochbuch derart angetan, dass sie sich für eine Publikation in englischer Sprache einsetzten. Sie sammelten 20.000 US-Dollar, fanden eine Übersetzerin und überredeten die berühmte Kochbuchautorin Joan Nathan, ihr Exemplar zur Verfügung zu stellen. Damit fanden die beiden schließlich einen Verlag und erreichten im Jahr 2015 die Neuauflage in englischer Sprache. Das Buch enthält auch Auszüge aus dem Gästebuch des Restaurants, Anmerkungen der Übersetzerin und ein Vorwort von Joan Nathan.

Gedenken

Im August 2016 verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig zwei Stolpersteine für das Ehepaar Lewando in Vilnius.

Buchpublikationen

  • Vegetarisch-diätisches Rezeptbuch: 400 Gerichte, ausschließlich aus Gemüse zubereitet., in Jiddischer Sprache, Erstausgabe, Vilnius 1938
  • The Vilna Vegetarian Cookbook, Garden-Fresh Recipes Rediscovered and Adapted for Today's Kitchen, übersetzt von Eve Jochnowitz, Schocken 2015

Einzelnachweise

  1. Wojciech Oleksiak: The Vilna Vegetarian Cookbook - Fania Lewando, culture.pl, 25. Juni 2015, abgerufen am 14. Juli 2018 (engl.)
  2. Lithuanian Jewish Community: A Jewish Culinary Legend Reborn: Fania Lewando’s Vilnius, abgerufen am 14. Juli 2018 (engl.)
  3. Fania Lewando: The Vilna Vegetarian Cookbook: Garden-Fresh Recipes Rediscovered and Adapted for Today's Kitchen, Knopf Doubleday 2015


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Fania Lewando aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.