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Ewiges Leben

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Das ewige Leben ist ein Begriff aus der Religion und der Metaphysik. Es bezeichnet den Seins-Zustand, in dem ein Lebewesen nie stirbt bzw. durch den das Leben mit dem biologischen Tod nicht endet. Das ewige Leben kann als immerwährender unzeitiger (zumindest im und außerhalb des Menschen) oder als zeitverschobener Zustand, der sich erst als Leben nach dem Tod einstellt, benannt werden. Im ersteren Fall lebt der Mensch in zeitiger und unzeitiger Wirklichkeit zugleich. Das ewige Leben ist Glaubensinhalt praktisch aller Religionen. Kulturgeschichtlich kann diese Form des Lebens auch als ein uralter Menschheitstraum bezeichnet werden, der Ursache nach als Wunschdenken.

Ewiges Leben in den Religionen

Nahezu alle Religionen teilen den Glauben an ein ewiges Leben. Der Mensch in einer anderen Gestalt, ein nichtmaterieller Teil des Menschen, zumindest die Seele oder der Geist, lebt demnach nach dem Tod weiter. Über die Vorstellungen, in welcher Gestalt der Verstorbene weiter existiere, oder wie die Seele beschaffen sei und wie oder wo sie nach dem Tode des Individuums weiter bestehe, gibt es unterschiedliche Auffassungen, die von der Auferstehung, über die Wiedergeburt der Seelen bis zu speziellen Aufenthaltsorten (Paradies, Hölle) reichen. Im Christentum umfasst die Auferstehung nach dem irdischen Tod, ein ewiges Leben im Himmel in einem „verherrlichten Körper“, welches nicht lediglich auf einer automatisch weiterlebenden, gestaltlosen Seele basiere. Darüber hinaus ist im Christentum - im Sinne des Heiligen Geistes - das ewige Leben schon diesseitig im Menschen gegenwärtig, als zweite Wirklichkeit neben der leiblichen; es wird häufig auch im Eins-sein mit den Synonymen „Licht“ und Liebe Gottes gesehen.

Biblisches Verständnis

Nach der Bibel habe Gott den Menschen „die Ewigkeit in ihr Herz gelegt, ohne daß der Mensch das Werk, welches Gott gewirkt hat, von Anfang bis zu Ende zu erfassen vermag“ (Koh 3,11 ELB, nach der Elberfelder Bibel, Ausgabe 1871). Der präzise Begriff „ewiges Leben“ taucht im Alten Testament kaum auf, wird aber durch zahlreiche Metaphern verdeutlicht.

Im Neuen Testament ist dieser Begriff dann stark präsent, „ewiges Leben“ ist dort Leben als dem Tod nicht mehr unterworfenes ewiges Leben in Gott, d.h. im gleichzeitigen Verbundensein mit Gott (Vgl.[1]). Vor allem bei Johannes und Paulus gibt es dazu ausführliche Erläuterungen. Gott habe das ewige Leben gegeben und dieses Leben sei auch in seinem Sohn. Jesus Christus habe gemäß den Berichten der Evangelien allen Menschen, die an ihn oder seine Werke (Joh 10,38 EU) bzw. an Gott glauben, das ewige Leben im Himmelreich seines Vaters verheißen. Wobei er die Menschen nicht nur durch seine Gegenwart und Wunder sondern auch durch das Hören seiner Worte dazu einlud, sich in ihm, als Ebenbild Gottes, zu „spiegeln“ (1 Kor 13,12 EU), um sich so in sein Ebenbild, das letztlich das seines Vaters ist, zu verwandeln (2 Kor 3,18 EU), was schließlich der menschlichen Verinnerlichung des ewigen Lebens in Gott gleichkommt. Jesus hat dies seinen verschiedenen Zuhörern durch unterschiedliche Wortwahl verständlich gemacht, z.B.: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich (Joh 14,6 EU). Wer den Sohn habe, der habe das Leben; wer den Sohn Gottes nicht habe, der habe das Leben nicht (1 Joh 5,11-12 ELB). So äußerte er nach Joh 5,24 EU: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.

Er sprach von zwei Wirklichkeiten in sich, der sterblichen (Welt) und der ewigen (Gottes), wenn er sagte: es kommt der Herrscher der Welt. Über mich hat er keine Macht (Joh 14,30 EU). In Offb 1,17 ELB sagt Jesus Christus, dass er der Lebendige sei, dass er tot gewesen sei und lebendig sei von Ewigkeit zu Ewigkeit, und die Schlüssel des Todes und der Hölle habe.

In Offenbarung Kapitel 21 und 22 wird das Neue Jerusalem unter Verwendung zahlreicher Gleichnisse, Synonyme und Metaphern geschildert, z.B.: Die Stadt bestehe aus kostbaren Materialien (Perlen, Edelsteine, durchsichtiges Gold) und darin fließe ein Strom lebendigen Wassers. So heißt es dort (22,3-5 LU): „Und es wird nichts Verfluchtes mehr sein. Und der Thron Gottes und des Lammes wird in der Stadt sein, und seine Knechte werden ihm dienen und sein Angesicht sehen, und sein Name wird an ihren Stirnen sein. Und es wird keine Nacht mehr sein, und sie bedürfen keiner Leuchte und nicht des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird sie erleuchten, und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ (nach einer Auslegung stehen hier die kostbaren Materialien für die „Schönheit“, das lebendige Wasser für die „Gottesliebe“, das Verfluchte für die „Welt“/„Natur“, das neue Jerusalem/die Stadt für das „Himmelreich“, das Angesicht/der Name auf der Stirn für die „verinnerlichte Verherrlichung in Gott“, das Erleuchten für die „Erstrahlen des Menschen in himmlischer Gestalt“, und die Ewigkeit für die „Unzeitigkeit des ewigen Lebens“).

Im Unterschied zu anderen Religionen, insbesondere asiatische Traditionen, kann man sich das ewige Leben als Christ nicht durch wiederholtes Leben auf Erden aufschieben und erarbeiten, wie zum Beispiel im Hinduismus durch fortgesetzte Reinkarnation, je nachdem, wie viel gutes oder schlechtes Karma man im jeweils vorherigen irdschen Leben angehäuft hat. Für die große Mehrheit der Gläubigen aller Weltreligionen werden die „gerechten Menschen“ schon nach ihrem (ersten) Tod in das ewige Leben aufsteigen.

Theologische Reflexion

In der römisch-katholischen Kirche richtet sich die Hoffnung der Gläubigen darauf, im Jüngsten Gericht zu bestehen und in aller Ewigkeit mit Gott im Himmel zu wohnen. Das kirchlicherseits vermittelte Bild von jener zukünftigen Seins-Wirklichkeit wird durch liturgirische Formeln zum Ausdruck gebracht, u.a. durch das Totengebet, bei dem Gott angerufen wird, für alle Verstorbenen, unabhängig von ihren jeweiligen irdischen Lebensweise und ihrer individuellen Gläubigkeit, Gnade für sie walten zu lassen: „Herr, gib ... allen Verstorbenen die ewige Ruhe.“

Im Wandel der Zeit können Begriffe eine geänderte Bedeutung erfahren und einen geänderten Sprachgebrauch zur Folge haben. Heute wird mancherorts bezüglich „ewiges Leben“ z.B. auch von „ewiger Lebendigkeit“ [2], oder von „himmlischer Erlebniswelt“ gesprochen.[3]

Das „ewige Leben“ Gottes wird manchmal auch als eins im heiligen Geist gesehen, und es beginnt - aus dieser Sicht - deshalb bereits bei jeder Zeugung im Leben zu existieren. Im Bewusstsein, dass beide Wirklichkeiten im Menschen zugleich existieren, das ewige Leben (Heiliger Geist/Gottesliebe, usw.) und die sterbliche Natur, stärkt sich für viele der religiöse Glaube. Die besondere Qualität eines Lebens in dieser „Doppelaspektivität“, wird etwa in der bewussten Wahrnehmung der eigenen „Gottes-Kindschaft“ (im Heiligen Geist) und in der gesicherten Erkenntnis von Gut und Böse gesehen. Dies gibt dem Menschen die gesteigerte Freiheit, wann und wo immer er will oder er darum bittet, in die unendliche Liebe Gottes „einzutauchen“, z.B. durch Erreichen höherer „Bewusstseinszustände“ im Gebet, eine Form von Meditation. Die volle Wahrnehmung des ewigen Lebens als „höchste Stufe“ des Seins-Zustandes wird nach christlicher Vorstellung durch Erleuchtung/Verklärung (vergleiche auch Pfingstwunder) erreicht, die mit der Gabe des „Geistes der Wahrheit“ verbunden ist (siehe Joh 14,30 EU; Beispiele dafür: Paulus von Tarsus, Ignatius von Loyola, Niklaus von Flüe, Hildegard von Bingen und Thomas von Kempen).

In der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

In der Lehre der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wird klar zwischen Unsterblichkeit und ewigem Leben unterschieden. Unsterblichkeit erlangen ausnahmslos alle Menschen aus Gnade durch das Sühnopfer Jesu Christi am Kreuz, das heißt sie werden für immer als bewusstes Individuum existieren. Ewiges Leben heißt hingegen, als Familie in der unmittelbaren Nähe Gottes im celestialen Reich zu leben und Geistkinder hervorzubringen.[4]

Umfragen

Laut einer Meldung in der Osterausgabe der Wochenzeitung Zeit aus dem Jahr 2004 glauben etwa 48 Prozent aller Deutschen an ein Weiterleben nach dem Tod, die überwiegende Mehrheit der anderen schließt es zumindest nicht aus.

Zitate

  • Ich kenne unzählige Menschen, die nach dem ewigen Leben dürsten, aber mit einem verregneten Sonntagnachmittag nichts anzufangen wissen. (Johannes Gross, ehemaliger Chefredakteur der Zeitschrift Capital)
  • Denn so hat Gott der Welt seine Liebe gezeigt: Er gab seinen einzigen Sohn dafür, dass jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern ewiges Leben hat. (Joh 3,16 EU, hier nach der neuen evangelistischen Übersetzung)
  • An ein Leben nach dem Tod, eine zentrale Glaubenswahrheit des Christentums, glauben nur knapp zwei Drittel aller Katholiken und sogar kaum die Hälfte der Protestanten (in Deutschland).[5]

Siehe auch

Literatur

  • Joseph Ratzinger: Eschatologie - Tod und ewiges Leben (Kleine Katholische Dogmatik; IX). Regensburg 1977: Friedrich Pustet.
  • Hans Küng: Ewiges Leben? – München 1982: R. Piper & Co Verlag, ISBN 3-492-02806-3
  • Jürgen Hübner: Vorstellungen vom ewigen Leben. In: Theologische Realenzyklopädie 20 (1990) S. 546-555.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde, Bd. 2. Wuppertal, Zürich 1993, S. 1217f: Leben, Ewiges.
  2. Hans Weder: Gegenwart und Gottesherrschaft. Überlegungen zum Zeitverständnis bei Jesus und im frühen Christentum (Biblisch-Theologische Studien; 20). Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 1993, S. 86-88.
  3. Franz Graf-Stuhlhofer: Basis predigen. Grundlagen des christlichen Glaubens in Predigten, dazu eine didaktische Homiletik für Fortgeschrittene. VTR, Nürnberg 2010, S. 29-38.
  4. Grundbegriffe des Evangeliums, herausgegeben von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Salt Lake City, 1978 und 2009, Kapitel 47, Erhöhung (S. 309-3015), im Internet auf der Website der Kirche
  5. Glauben als Patchwork. In: Der Spiegel. Nr. 2005, 33 (Titelgeschichte zu Christen in Deutschland, online).


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