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Erntedankfest

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Dieser Artikel behandelt die christliche Feier. Der Fernsehfilm der Tatort-Reihe ist unter Tatort: Erntedank e. V. zu finden.
Datei:Erntedank-Altenkirchen.jpg
Feldfrüchte und Erntekrone in der Pfarrkirche zu Altenkirchen (Rügen)

Das Erntedankfest (auch Erntedank, Erntefest) ist im Christentum eine traditionelle Feier nach der Ernte im Herbst, bei der die Gläubigen ihrem Gott für die Gaben der Ernte danken.

Allgemeines

Bei der Feier, die meist in einer Kirche, aber regional auch als Prozession veranstaltet wird, werden Feldfrüchte, Getreide und Obst dekorativ aufgestellt. Dazu kommen auch andere als Gaben bezeichnete Produkte von besonderer Naturnähe, wie Mehl, Honig oder Wein.

In manchen Orten gibt es eine aus Getreide oder Weinreben geflochtene „Erntekrone“ in der Kirche oder sie wird in einer Prozession durch das Gemeindegebiet getragen. In ländlichen volkskirchlichen Gemeinden kommen zu den Gottesdiensten zahlreiche Gemeindemitglieder zusammen. Mit dem Erntedankfest soll in Dankbarkeit an die Arbeit in Landwirtschaft und Gärten erinnert werden – und auch daran, dass es nicht allein in der Hand des Menschen liegt, über ausreichend Nahrung zu verfügen. Die Erntegaben werden nach dem Fest zuweilen an Bedürftige in der Gemeinde, in Obdachlosenheimen oder an karitative Einrichtungen verteilt.

Erntedank feiert man auch in anderen Kulturkreisen, wobei sich in Süd- und Ostasien die Tradition großer Volksfeste entwickelt hat, etwa das tamilische Pongal oder das japanische Matsuri. In vielen Regionen gibt es auch im Frühjahr und Sommer Feste, Riten und Gebete für eine gute Ernte oder günstiges Wetter.

Siehe auch: Erntegebet und Wettersegen

Geschichte

Datei:Treherz Pfarrkirche Erntedankteppich 2007.jpg
Erntedankteppich St Johann (Baptist), Treherz

Erntedankfeste gab es schon in vorchristlicher Zeit. Vergleichbare Riten sind aus Nordeuropa, Israel, Griechenland oder aus dem Römischen Reich bekannt. Im Judentum gab und gibt es das Schawuot, das Wochenfest, nach Beginn der Ernte, und das Sukkot, das Laubhüttenfest, im Herbst am Ende der Lese (2 Mos 23,16 EU).

In der römisch-katholischen Kirche ist ein Erntedankfest seit dem 3. Jahrhundert belegt. Da die Ernte je nach Klimazone zu verschiedenen Zeiten eingebracht wird, gab es nie einen einheitlichen Termin.

Nach der Reformation wurde das Erntedankfest am Michaelistag (29. September) oder an dem Sonntag davor oder danach gefeiert. Mit der Zeit bürgerte sich weit überwiegend der erste Sonntag nach Michaelis als Termin für das Erntedankfest ein. Diese Regelung geht u. a. auf einen Erlass des preußischen Königs aus dem Jahre 1773 zurück. Dies kann dazu führen, dass das Erntedankfest noch in den September fällt.

Deutschland

Die römisch-katholische deutsche Bischofskonferenz legte 1972 den ersten Sonntag im Oktober als Festtermin fest, ohne diese Festlegung für alle Gemeinden verbindlich auszusprechen. Offizieller Bestandteil des Kirchenjahres ist das Erntedankfest aber bis heute nicht, d. h. die Gemeinden sind nicht verpflichtet, das Fest zu feiern. „Das heilsgeschichtlich orientierte Jahr der Kirche kennt kein Ernte-Dankfest“.[1] Dennoch ist der Brauch des Dankes für eine gute Ernte seit langem auch in vielen römisch-katholischen Gemeinden üblich geworden, so dass neben Kräuterweihen am 15. August, Quatember, Erstlingsfrüchtesegnung in der römisch-katholischen Kirche die Eucharistie am ersten Oktobersonntag vielfach als „Dank für die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit“ auf dem von Erntedank-Gaben umgebenen Altar gefeiert wird.

Im Bereich der evangelischen Kirchen ergab sich seit 1985 (mit dem In-Kraft-Treten des neuen Perikopenbuchs) eine Änderung. Diese führt dazu, dass der erste Sonntag im Oktober den Gemeinden als Erntedank-Termin empfohlen wird. Auch wenn der 30. September ein Sonntag ist, soll in der Regel am ersten Oktobersonntag gefeiert werden. 2006 wurde durch die beiden Zusammenschlüsse VELKD und UEK in der EKD ein Liturgisches Kalendarium beschlossen, das den Erntedanktag auf den ersten Sonntag nach Michaelis festlegt, wenn das Michaelisfest nicht auf einen Sonnabend fällt. Damit findet er nun immer am ersten Sonntag im Oktober statt, außer im Jahr 2007, wo er am 30. September stattfand.

Die evangelischen Freikirchen feiern das Fest in der Regel am ersten Sonntag nach Michaelis. Die Neuapostolische Kirche begeht in Deutschland am 1. Sonntag im Oktober den Erntedank-Tag.

Mancherorts sind andere Termine üblich. So begehen die Moselgemeinden das Fest nach der Weinlese am zweiten November-Sonntag.

1933 verfügte Adolf Hitler zunächst, dass das Erntedankfest zentral am ersten Sonntag im Oktober gefeiert werden sollte. Mit dem Gesetz über die Feiertage vom 27. Februar 1934 wurde der Erntedanktag am ersten Sonntag nach dem 29. September (Michaelis) gesetzlicher Feiertag. An diesem Tag würdigte das NS-Regime auf der Grundlage der Blut-und-Boden-Ideologie besonders die Bedeutung der Bauernschaft für das Reich. Zentrale Veranstaltung war das Reichserntedankfest, mit dessen Organisation das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda beauftragt war.

Ein in Deutschland weit verbreitetes Lied zu Erntedank ist Wir pflügen und wir streuen von Matthias Claudius.

In vielen Gemeinden Deutschlands finden zwischen Mitte September und Anfang Oktober Festzüge mit Motivwagen, Fußgruppen und Spielmannszügen statt. Dabei wird die Darstellung von (historischen) Erntesituationen angereichert mit Motiven, die an Karnevalsumzüge erinnern. Die für den Wagenschmuck eingesetzten Blumen sind in aller Regel echt.

Bekannte Erntedankumzüge (mit mindestens 50 Gruppen):

Österreich

In Österreich wird Erntedank überwiegend – je nach Region und vorherrschender Art der Landwirtschaft – im September oder Oktober gefeiert. Die katholische Kirche bevorzugt in städtischen Gebieten den ersten Sonntag im Oktober.

Pfarren in Landgemeinden feiern eher Ende September, woran auch die Landjugend – obwohl überkonfessionell – stark beteiligt ist. Einzelne Gemeinden kennen den Brauch einer Erntedank- Wallfahrt oder von Umnzügen , unter anderem in Tirol. So wallfahrtet Reit im Winkl am Samstag vor Erntedank nach Maria Kirchental, und Nassereith ist für seine farbenprächtigen Prozessionen bekannt.

Nordamerika

Hauptartikel: Thanksgiving
Datei:Massasoit1.jpg
Erstes Erntedankfest in Neuengland mit den Wampanoag, romantisierendes Historiengemälde von Jean Leon Jerome Ferris.

In den USA wird der „Thanksgiving Day“ am vierten Donnerstag im November gefeiert und ist ein staatlicher Feiertag. Das Fest erinnert an das erste Erntedankfest der Pilgerväter. Traditionell wird dazu im Familienkreis ein Truthahn verspeist. Anders als dies in deutschen Medien meist dargestellt wird, ist Thanksgiving aber nicht einfach die amerikanische Version des Erntedankfestes, sondern es ist – zumindest in den USA – ein Dankfest für alles Gute und allen Erfolg. Die Pilgerväter sowie alle Präsidenten von Washington bis Obama haben Dank an Gott proklamiert.[7] Obama: „We lift up our hearts in gratitude to God for our many blessings, for one another, and for our Nation“.[8] Deutsch: „Zu Gott richten wir unsere Herzen empor aus Dankbarkeit für unsere vielen Segnungen, füreinander und für unsere Nation.“ Aufgrund seiner familiären und sozialen Bedeutung wird der Tag jedoch auch von vielen Atheisten gefeiert.[9]

In Kanada wird „Thanksgiving“ am zweiten Montag im Oktober gefeiert (was dem Columbus Day-Feiertag in den USA entspricht). Wie in den Vereinigten Staaten ist das kanadische Thanksgiving ein staatlicher Feiertag auf Bundesebene und in allen Provinzen und Territorien außer Prince Edward Island, Newfoundland and Labrador, New Brunswick und Nova Scotia (in welchen Provinzen das Fest dennoch gefeiert wird).[10] Das kanadische Thanksgiving ist insofern eng mit seinem christlichen Hintergrund verknüpft, als es auch in den christlichen Kirchen als liturgisches Fest gilt. In diesem Sinne entspricht es stärker europäischen Erntedankfest-Bräuchen als das US-amerikanische Fest. Dennoch geht auch das kanadische Thanksgiving über ein bloßes Dankfest für die Ernte hinaus.

Japan

In Japan gab es ein altes kaiserliche Erntedankfest 新嘗祭 (niinamesai „Kosten des neuen Reises“), ein shintōistisches Ritual, bei welchem den Göttern durch den Kaiser frisch geernteter Reis geopfert wird. Im ersten Jahr nach der Thronbesteigung des Kaisers wird das Fest als daijôsai (dt. „Großes Kosten“) begangen. Eine erste Erwähnung dieses Rituals, dessen Ursprung noch früher vermutet wird, findet sich im Geschichtswerk Nihonshoki aus dem Jahre 720. Dort wird von einer Zeremonie aus dem Jahr 678 berichtet. Aus dem Erntedankfest hat sich ein gesetzlicher Feiertag entwickelt, der am 23. November begangen wird, und der Tag des Dankes für die Arbeit heißt..[11]

Literatur

  • Philipp Beyhl: Erntedank – ein mögliches Fest. Neue Aspekte zu einem beliebten und doch schwierigen Fest. Dissertation. Heidelberg 2007.
  • Leopold Teufelsbauer: Erntedankfest. Mit einem Liederanhang (= Liturgische Praxis, hg. v. Pius Parsch, Heft 9). Klosterneuburg b. Wien 1933.
  • Hans-Jürgen Tast: Bewaffnete Festtage. „Stadt und Land – Hand in Hand“. In: Das Archiv. Nr. 4, 2009, Dez. 2009, ISSN 1611-0838, S. 40–44.
  • Hans-Jürgen Tast: Erntedank. Ein Fest im Schatten deutscher Geschichte. In: Philatelie. Das Magazin des Bundes Deutscher Philatelisten 62, 2010, ISSN 1619-5892
    • Teil 1: Nr. 400, Okt. 2010, S. 1, 66–69,
    • Teil 2: Nr. 401, Nov. 2010, S. 56–59.

Weblinks

 Commons: Erntedankfest – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Rupert Berger: Ernte, Erntedankfest. II. Liturgisch. In: Lexikon für Theologie und Kirche.3 Bd 3. Freiburg 1993ff., Sp. 821. ISBN 3-451-22100-4
  2. Bayerischer Rundfunk: Erntedank und Volksfest. Fürths „königliche“ Kirchweih. Siehe auch Artikel des BR vom 14. Oktober 2012 und die Homepage der Fürther Michaelis-Kirchweih
  3. Erntedankgemeinschaft Clarholz-Sundern
  4. Verbandsgemeinde Heidesheim am Rhein: Erntedankfest 2011 – Festzugfolge (pdf; 15 kB)
  5. Wiebke Schwirten: Erntedankfest – 30.000 Gäste feiern – Danke für den großartigen Ernteumzug; Bergedorfer Zeitung, 3. Oktober 2011
  6. Neue Osnabrücker Zeitung: Erntedankumzug am Obenende in Papenburg
  7. Light of Sinai; Editorial der The New York Sun vom 23. November 2010
  8. Barack Obama: Presidential Proclamation--Thanksgiving Day 2010; whitehouse.gov, 23. November 2010
  9. Kristen Moulton: Thanksgiving: A Holiday For Believers and Non-Believers; Artikel im Huffington Post, 19. November 2010
  10. WorkRights.ca: Statutory Holidays; Artikel vom 17. Januar 2007
  11. Botschaft von Japan: Feature: Japanische Feiertage im November. Abgerufen am 22. November 2012.
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