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Erich Topf

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Erich Günther Topf (geb. 1904 in Magdeburg; gest. 1983[1]) war ein deutscher Jurist. Er war in der Zeit des Nationalsozialismus im Justizdienst tätig, sowie als Preiskommissar der Landesregierung Sachsen-Anhalt. Ab 1952 war Topf in seiner Funktion als Oberstaatsanwalt u. a. für die Sonderabteilung „Politische Strafsachen“ am Landgericht Celle tätig, an dem im Rahmen des Gesinnungsstrafrechts westdeutsche Kommunisten strafrechtlich verfolgt wurden.

Leben

Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an den Universitäten Berlin und Göttingen wurde er in den 1920er Jahren zum Dr. jur. promoviert. Von 1930 bis 1935 war er Gerichtsassessor bei den Staatsanwaltschaften in Erfurt, Torgau, Magdeburg, Naumburg, Halle, Kiel und Königsberg (Preußen) sowie bis 1939 bei der Staatsanwaltschaft in Kiel. Topf trat 1938 der NSDAP bei und war seit Mitte der 1930er Jahre Mitglied des Reichsbundes Deutscher Beamter, der NSV und des Reichsluftschutzbundes. Von 1936 bis 1939 war er zunächst Sturmmann und dann Rottenführer der SA.In den 1940er Jahren war er Oberregierungsrat beim Preiskommissar und der Landesregierung Sachsen-Anhalt.

Nach Kriegsende wurde er 1947 im Entnazifizierungsverfahren in die Gruppe V als entlastet eingereiht. 1947 folgte seine Ernennung als Staatsanwalt in Kiel auf Widerruf und ab April 1948 war er Erster Staatsanwalt in Kiel. Ab 1. März 1949 war er Oberstaatsanwalt in Braunschweig trotz zunächst ablehnender Haltung des Zonal Office of the Legal Adviser in Herford und des Regional Commissioner des Landes Niedersachsen. Nachdem sich jedoch der Generalstaatsanwalt in Kiel beim Zentral-Justizamt für Topfs Wiedereinstellung eingesetzt hatte, er zudem Fürsprache aus dem Justizministerium von Schleswig-Holstein erhielt und er beim Zentral-Justizamt in Hamburg vorgesprochen und dort erklärt hatte, dass die Parteimitgliedschaft rein nominell gewesen sei, wurde Topf am 16. Februar 1949 schließlich doch als Oberstaatsanwalt in Braunschweig eingesetzt.

Dienstrechtliche Ermittlungen

Als im November 1950 Zweifel an den von Topf in Bezug auf seine Parteimitgliedschaft und seiner Tätigkeit zur Zeit des Nationalsozialismus gemachten Angaben aufkamen, leitete sein Vorgesetzter, der amtierende Generalstaatsanwalt in Braunschweig, Fritz Bauer, dienstrechtliche Vorermittlungen ein. Nach nur wenigen Monaten beklagte Bauer gegenüber dem Niedersächsischen Justizministerium, dass für die Ermittlungen dringend benötigte Akten nicht eingesehen werden konnten. Die Einsicht in wichtige polizeiliche Akten aus dem Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidenten von Kiel war dem Braunschweiger Generalstaatsanwalt verweigert worden, da die polizeilichen Vorgänge ausschließlich für den innerdienstlichen Gebrauch bestimmt seien und das Schleswig-Holsteinische Innenministerium die Überlassung derartiger Akten an Justizbehörden untersagt habe. Im November 1951 gab Bauer die dienstrechtlichen Ermittlungen gegen Topf nach dessen Versetzung an die nun zuständigen Stellen in Lüneburg ab und bat um eine weitere Untersuchung der Frage von Tops Zugehörigkeit zur NSDAP uns seiner Tätigkeit als Staatsanwalt oder Richter im Rahmen der nationalsozialistischen Wehrmachtsgerichtsbarkeit im Krieg. Im April 1952 wurde das Verfahren durch den zuständigen ermittelnden Oberstaatsanwalt in Stade und den Generalstaatsanwalt in Celle eingestellt.

Staatsanwaltschaft am Landgericht Lüneburg

Am 1. Mai 1952 wurde Erich Günther Topf als Oberstaatsanwalt in Lüneburg eingesetzt. [2] In Lüneburg unterstand Erich Topf in seiner Funktion als Oberstaatsanwalt u.a. das Sonderdezernat „Politische Strafsachen“, das sich in den 1950er und 1960er JAhren an die Spitze der justizförmigen Kommunistenverfolgung in Westdeutschland setzte. Nicht von ungefähr unter Ausformung derselben Feindbilder die auch schon in der Zeit des Nationalsozialismus gültigkeit hatten, so amtierten hier aufgrund ihrer vormaligen Tätigkeit in der NS-Judikatur politisch belastete ehemalige NS-Justizjuristen, wie der frühere Richter am Sondergericht Posen, Dr. Liebau, [3] und Staatsanwalt Karl Heinz Ottersbach, der bereits 1941 bis 1945 als Ankläger am Sondergericht Kattowitz insbesondere gegen die politischen Gegner des Nationalsozialismus vorgegangen und für eine Vielzahl von Todesurteilen verantwortlich gewesen war. In der Gedenkstätte in der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel - zur Zeit des Nationalsozialismus zentrale Hinrichtungsstätte in Norddeutschland – ist u.a. ein Fall dokumentiert, in dem Ottersbach nach einem am Sondergericht gegen einen beschuldigten Polen ergangenen Freispruch dessen Überstellung zur „Sonderbehandlung“ an die Gestapo und damit dessen faktische Liquidierung veranlasst hat. In Lüneburg konnte Ottersbach "unmittelbar an seine Ansichten aus der NS-Zeit anknüpfen".[4] Noch in einer Strafverhandlung am 13. Mai 1960 warf er einem angeklagten Kommunisten straferschwerend vor, dass er aus seinen Zuchthausstrafen von 1933 und 1940 wegen "Wehrkraftzersetzung" offenbar nichts gelernt habe. [5] Erst im Frühjahr 1965 wurde Ottersbach nach zahlreichen Protesten von Angeklagten vor der Staatsschutzkammer in Lüneburg in den vorzeitigen Ruhestand versetzt[6][7]

Literatur

  • Claudia Fröhlich: „Wider die Tabuisierung des Ungehorsams“: Fritz Bauers Widerstandsbegriff und die Aufarbeitung von NS-Verbrechen. Frankfurt/M., New York 2006.
  • Irmtrud Wojak: Fritz Bauer 1903-1968. Eine Biographie. Beck, München 2009.

Einzelnachweise

  1. Irmtrud Wojak: Fritz Bauer 1903-1968. Eine Biographie. Beck, München 2009, S. 266
  2. Claudia Fröhlich: „Wider die Tabuisierung des Ungehorsams“: Fritz Bauers Widerstandsbegriff und die Aufarbeitung von NS-Verbrechen. Frankfurt/M., New York 2006, S. 60ff. Irmtrud Wojak: Fritz Bauer 1903-1968. Eine Biographie. München 2009, S. 256.
  3. http://www.celle-im-nationalsozialismus.de/texte/goldene-jugendzeit
  4. Helmut Kramer: Entlastung als System. Zur strafrechtlichen Aufarbeitung der Justiz- und Verwaltungs-Verbrechen des Dritten Reichs. In: Martin Benhold (Hrsg.): Spuren des Unrechts. Recht und Nationalsozialismus. Beiträge zur historischen Kontinuität. Pahl-Rugenstein Verlag, Köln 1989, S. 101-130, hier S. 119.
  5. H. Kramer (1989) S. 119.
  6. Wilfried Knauer: Politische Strafjustiz im Kalten Krieg – Die Opfer der „Staatsschutzrechtsprechung“ im Strafgefängnis Wolfenbüttel in den 50er und 60er Jahren http://www.celle-im-nationalsozialismus.de/texte/goldene-jugendzeit
  7. bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu114/politische_Strafjustiz.rtf
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