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Emil Georg Bührle

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Emil G. Bührle (geb. 31. August 1890 in Pforzheim; gest. 26. November 1956 in Zürich) war ein Schweizer Industrieller deutscher Herkunft, Kunstsammler und Mäzen. Er war langjähriger Geschäftsführer und Mehrheitsaktionär der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon. Aus seiner Kunstsammlung ging die Stiftung Sammlung E. G. Bührle hervor.

Leben und Wirken

Frühes Leben

Der Pforzheimer Beamtensohn entdeckte seine Leidenschaft für moderne französische Malerei 1913 bei der Einweihung des Impressionistensaals in der Berliner Nationalgalerie. Nach dem Studium der Philosophie, Literaturgeschichte und Kunstgeschichte an den Universitäten Freiburg und München war Bührle von 1914 bis 1919 Kavallerieoffizier und nahm am Ersten Weltkrieg teil. Aus der 1920 in Magdeburg geschlossenen Ehe mit der Bankierstochter Charlotte Schalk gingen die Kinder Dieter (1921–2012) und Hortense (* 1926) hervor.

1919 trat er in die Magdeburger Werkzeugmaschinenfabrik ein und stieg bis zum Prokuristen auf. Die Magdeburger Werkzeugmaschinenfabrik kaufte 1923 die Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon, deren Geschäftsführer Bührle im Folgejahr wurde. Im selben Jahr erfolgte der Umzug nach Zürich. 1924 kaufte das Unternehmen auf Bührles Anraten die insolvente Maschinenfabrik Seebach hinzu und erlangte damit die Patente für eine 20-Millimeter-Kanone.[1] Von nun an wurden neben Werkzeugmaschinen auch Waffen produziert. Als das Magdeburger Mutterhaus 1927 selbst in finanzielle Schwierigkeiten geriet, erwarb Bührle mit Unterstützung seines Schwiegervaters 15 Prozent der Aktien und 1929 wurde er Mehrheitsaktionär der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon (später Oerlikon-Bührle Holding AG). 1937 nahm Bührle die Schweizer Staatsbürgerschaft an.

Bührle als Industrieller

1929 konnte Emil G. Bührle die chinesische Bürgerkriegsregierung Chiang Kaisheks mit 120 Kanonen beliefern, und fast gleichzeitig orderte auch Chinas Kriegsgegner Japan Waffen bei Bührle. Im Folgejahr wurden 45 Geschütze unter falschen Deklaration (der Versailler Vertrag verbot solche Geschäfte mit Deutschland) nach Deutschland geliefert. In den 1930er-Jahren stieg die Nachfrage nach Waffen weltweit, und die Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon erhielt unter anderem Aufträge aus Grossbritannien, Frankreich, Nord- und Südamerika, Finnland, Estland, Lettland, der Tschechoslowakei, der Türkei und der Sowjetunion.[1]

Der Hauptkunde im Zweiten Weltkrieg war das Deutsche Reich, welches zwischen 1941 und 1944 jährlich ein Auftragsvolumen von jeweils 120 bis 180 Millionen Schweizer Franken auslöste; die Alliierten dagegen konnten nicht beliefert werden, da die Schweiz in dieser Zeit vollständig von Kriegsgegnern der Alliierten umgeben war. Die USA und Grossbritannien produzierten die Oerlikon-Bührle-Geschütze aber in grosser Stückzahl auf Lizenzbasis.[1]

Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet Oerlikon-Bührle in die Verlustzone. Mit dem Aufkommen des Kalten Kriegs waren die Kanonen aber wieder gefragt. 1947 strichen die USA Bührle von der Schwarzen Liste, weil die Navy Flugabwehrraketen bei ihm ordern wollte.[1]

Würdigung

Emil Georg Bührles Rolle als Industrieller ist umstritten und wurde in den vergangenen Jahrzehnten unterschiedlich bewertet. Zum einen hat er die vor dem Konkurs stehende Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon in ein florierendes Unternehmen umgewandelt; zum anderen stehen Rüstungsproduktion und Rüstungsexport immer moralisch unter Druck. Die Unabhängige Expertenkommission Schweiz–Zweiter Weltkrieg hat hierzu detaillierte Untersuchungen angestellt und Bewertungen vorgenommen. So wurden vor dem Zweiten Weltkrieg das republikanische Spanien (also Francos Gegner) und das unabhängige Abessinien (im Kolonialkrieg gegen das faschistische Italien) genauso beliefert, wie die baltischen Länder, die Tschechoslowakei, Griechenland, China, die Türkei, Frankreich, die Niederlande und Grossbritannien.

Die Lieferung von Rüstungsgütern an das Deutsche Reich und Italien in der Zeit des Zweiten Weltkrieges erfolgte auf Anforderung der schweizerischen Regierung. Hierbei handelte es sich ausschliesslich um Flugabwehrkanonen und Zubehör. Von der unabhängigen Expertenkommission werden diese Waffenlieferungen als nicht kriegsentscheidend und nicht kriegsverlängernd eingestuft.

Spätes Leben

Um unabhängiger vom Rüstungsgeschäft zu werden, kaufte Bührle drei in finanzielle Schwierigkeiten geratene Textilbetriebe und begann mit dem Bau von Motoren und Eisenbahnbremsen. 1949 gründete Bührle die Industrie- und Handelsbank IHAG und schuf damit für seine industrielle Tätigkeit eine eigene Hausbank. Emil G. Bührle starb am 28. November 1956 während der Arbeit an einem Herzversagen. Sein Sohn Dieter Bührle[2][3] übernahm darauf die Leitung des Unternehmens.

Bührle als Kunstsammler und Mäzen

Spenden

1941 wiesen Theatermacher eine Zuwendung Bührles in Höhe von zwei Millionen Schweizer Franken an das Zürcher Schauspielhaus zurück: Die Belegschaft, die zu einem großen Teil aus Nazi-Deutschland immigriert war, wollte kein «Blutgeld», wie sie es ausdrückten, annehmen.[1] Folgende Stiftungen sind auf Bührle zurückzuführen: die Emil-Bührle-Stiftung für das Schweizerische Schrifttum (1943) und die Goethe-Stiftung für Kunst und Wissenschaft (1944) und die Stiftung des Anbaus des Kunsthauses Zürich (1954).

Kunstsammlung

Datei:Paul Cézanne, Jeune garçon au gilet rouge (1888-89).jpg
Paul Cézanne, Der Knabe mit der roten Weste

Bührles erste Erwerbungen waren 1920 zwei Aquarelle von Erich Heckel, denen 1924 ein Bild von Maurice de Vlaminck folgte. Der eigentliche Aufbau der Sammlung Bührle begann ab 1936, als die finanziellen Voraussetzungen geschaffen waren. Den grössten Teil seiner Sammlung (etwa 75 Prozent) erwarb der Sammler in der Zeit von 1951 bis 1956. Beraten wurde Bührle unter anderem vom Galeristen Fritz Nathan und einem kleinen Kreis internationaler Händler in Paris, London und New York, zu denen neben Georges Wildenstein und Paul Rosenberg auch Max Kaganovitch und Frank Lloyd von der Marlborough Gallery gehörten. Die Sammlung umfasst neben mittelalterlichen Plastiken und Gemälden alter Meister vor allem Bilder des französischen Impressionismus und der klassischen Moderne, darunter Meisterwerke von Paul Cézanne (Der Knabe mit der roten Weste), Pierre-Auguste Renoir (La petite Irène) und Vincent van Gogh (Sämann).

Bührle stand in der Tradition von Sammlern in Deutschland, Skandinavien, Grossbritannien und den USA, die vor dem Ersten Weltkrieg und in den Zwischenkriegsjahren die französische Moderne ins Zentrum ihres Interesses gerückt hatten. Diese Vorliebe prägte auch viele Sammlungen in der Schweiz, wie etwa ein Vergleich mit der nach 1920 entstandenen Sammlung «Am Römerholz» von Oskar Reinhart im benachbarten Winterthur zeigt.

Drei Fünftel der Sammlung Bührles wurden 1960 von den Erben in die Stiftung Sammlung E. G. Bührle eingebracht und sind seitdem der Öffentlichkeit zugänglich.[4] Auch die im Familienbesitz verbliebenen Kunstwerke wurden immer wieder in Ausstellungen gezeigt. Bei einer Ausstellung mit Werken der Sammlung 1990 in Washington D.C. kam es zu Protesten und Diskussionen in den Medien wegen Bührles Rolle als Waffenexporteur im Zweiten Weltkrieg und der teilweise nicht vollständig geklärten Herkunft der Bilder aus vormals jüdischem Besitz. Auch diese Frage untersuchte die Unabhängige Expertenkommission Schweiz–Zweiter Weltkrieg. Bührle musste dreizehn Gemälde aus französisch-jüdischem Besitz nach dem Zweiten Weltkrieg an die Alteigentümer zurückgeben oder von diesen ein zweites Mal erwerben.

Literatur

  • Daniel Heller: Zwischen Unternehmertum, Politik und Überleben. Emil G. Bührle und die Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon, Bührle & Co. 1924–1945. Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2002, ISBN 3-7193-1277-1.
  • Ruedi Christen: Die Bührle-Saga. Zürich 1981, ISBN 3-85791-033-X.
  • Alex Capus: Patriarchen: Zehn Portraits. Albrecht Knaus-Verlag, München 2006, ISBN 3-8135-0273-2.
  • Peter Hug: Schweizer Rüstungsindustrie und Kriegsmaterialhandel zur Zeit des Nationalsozialismus: Unternehmensstrategien – Marktentwicklung – politische Überwachung. Zürich 2002, ISBN 3-0340-0611-X.
  • Esther Tisa Francini, Anja Heuss, Georg Kreis: Fluchtgut – Raubgut. Der Transfer von Kulturgütern in und über die Schweiz 1933–1945 und die Frage der Restitution. Zürich 2001, ISBN 3-0340-0601-2.
  • Emil Georg Bührle im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Alex Capus, Patriarchen: Zehn Portraits. Albrecht Knaus-Verlag, München 2006.
  2. Ueli Müller: Bührle, Dieter im Historischen Lexikon der Schweiz
  3. Unternehmer Dieter Bührle ist tot. In: Schweizer Fernsehen vom 12. November 2012
  4. Angaben zur Aufteilung der Sammlung auf der Internetpräsenz der Stiftung Sammlung E. G. Bührle

Weblinks

 Commons: Sammlung E. G. Bührle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Emil Georg Bührle aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.