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Ebolafieber

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Klassifikation nach ICD-10
A98.4 Ebola-Viruskrankheit
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Ebolafieber (nach ICD-10 Ebola-Viruskrankheit) ist eine Infektionskrankheit, die durch Viren der Gattung Ebolavirus hervorgerufen wird. Die Bezeichnung geht auf den Fluss Ebola in der Demokratischen Republik Kongo zurück, in dessen Nähe diese Viren 1976 den ersten allgemein bekannten großen Ausbruch verursacht hatten. Seit 2014 gibt es in Westafrika die bislang größte Ebolafieber-Epidemie, deren Entwicklung bislang nicht eingedämmt ist (Stand Mitte Januar 2015).

Das Ebolafieber verläuft je nach Virusart in etwa 25 bis 90 Prozent aller Fälle tödlich.[1] Als Therapie stehen bislang lediglich Maßnahmen zur Bekämpfung oder Linderung einzelner Krankheitssymptome zur Verfügung. In Deutschland, Österreich, der Schweiz und in vielen anderen Ländern besteht eine Meldepflicht bei Verdacht auf Ebolafieber, bei direktem oder indirektem Erregernachweis, bei Ausbruch der Erkrankung, beim hämorrhagischen Krankheitsverlauf oder bei Tod durch die Ebola-Virus-Krankheit.

Ursache

Hauptartikel: Ebolavirus
Elektronenmikroskopische Aufnahme von Ebolaviren
Elektronenmikroskop-Aufnahme eines Ebolavirus

Es werden fünf Arten in der Gattung Ebolavirus unterschieden: Zaire- (EBOV), Sudan- (SUDV), Reston- (RESTV), Taï-Forest- (TAFV, früher Elfenbeinküste- bzw. Côte-d’Ivoire-Ebolavirus) und Bundibugyo-Ebolavirus (BDBV). Außer dem Reston-Ebolavirus lösen alle anderen vier Arten beim Menschen hohes Fieber über 38,5 °C in Verbindung mit Blutungen (hämorrhagisches Fieber) aus. Die Sterblichkeit (Letalität) der Erkrankten durch Ebolafieber liegt bei 50 bis 90 % im Falle von EBOV, bei 41 bis 65 % im Falle von SUDV sowie bei 25 und 36 % bei den beiden bekannten Ausbrüchen des BDBV. Im Falle des TAFV und RESTV ist kein Toter unter den wenigen nachgewiesenen Erkrankungsfällen.[2] Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt eine case fatality rate (Letalitätsrate) von rund 50 % an, mit einer Spannweite von 25 bis 90 % bei den vergangenen Ausbrüchen.[1] Das Robert Koch-Institut nennt eine Letalität je nach Virusspezies von 30 bis 90 %.[3] Aufgrund der hohen Letalität und Infektionsgefahr wird der Erreger in die höchste Risikogruppe 4 nach der Biostoffverordnung eingeordnet (lediglich die Virusspezies RESTV ist der Risikogruppe 2 zugeordnet).

Das natürliche Reservoir des Virus – der Reservoirwirt – ist bislang unbekannt.[4] Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass als Hauptwirt Nilflughunde in Frage kommen. In jüngster Zeit konnten Forscher aus dem Centre International de recherches Médicales de Franceville in Gabun entweder Virusbruchstücke oder Virusantikörper in sechs selbst nicht erkrankten Flughundearten nachweisen. Es handelte sich dabei um die Flughundearten Epomops franqueti, Hammerkopf (Hypsignathus monstrosus), Schmalkragen-Flughund (Myonycteris torquata), Micropteropus pusillus, Mops condylurus und Nilflughund (Rousettus aegyptiacus) aus einer Gegend, in der zuvor Schimpansen und Gorillas an Ebolafieber verendet waren.[5] In Teilen West- und Zentralafrikas werden diese Tiere als „Buschfleisch“ verzehrt. Es wird hinsichtlich dieses rohen Fleisches daher vom ungeschützten Kontakt und Verzehr abgeraten.[6][7]

Der Subtyp Reston löst in Makaken (eine Affen-Gattung) die Krankheit aus. Eine Krankheitsauslösung beim Menschen wurde jedoch bislang nicht festgestellt.[8]

Krankheitsentstehung

Übertragung

Hauptartikel: Übertragung des Ebolavirus

Der Erreger kann von erkrankten Menschen (durch Körperflüssigkeiten), von Tieren (einschließlich des regional üblichen „Buschfleischs“) und von kontaminierten Gegenständen auf den Menschen übertragen werden. Grundsätzlich lassen sich diese Infektionswege primär durch Desinfektion von Gegenständen und Verzicht auf „Buschfleisch“, sekundär durch Isolierung der Erkrankten und Schutzkleidung für pflegende Angehörige und medizinisches Personal zuverlässig ausschalten. Nicht in allen Gegenden sind allerdings hierfür die nötigen Voraussetzungen erfüllt.

Faktoren der Pathogenese

Im Rahmen der Ebolafieber-Epidemie 2014 in Westafrika wurde auch die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass eine infizierte Person beispielsweise nach Europa einreist und erst dort erkrankt. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat wichtige Faktoren genannt, die bei der Pathogenese von Bedeutung sind. Das dazu verwendete Flussschema soll dem medizinischen Personal als Hilfestellung dienen, einen begründeten Verdacht auf einen importierten Ebolafieber-Fall schnell zu erkennen.[3][9] Ähnliche Zusammenfassungen wurden ebenso von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) angewendet.[10]

Demnach handelt es sich um einen begründeten Verdachtsfall, wenn

  • der Patient Fieber über 38,5 °C hat oder eine erhöhte Temperatur aufweist mit Begleitsymptomen wie Durchfall, Übelkeit, Erbrechen oder Hämorrhagien (vergleiche Symptome)

und in den 21 Tagen vor Erkrankungsbeginn

  • Kontakt mit einer Person hatte, die an Ebolafieber erkrankt, krankheitsverdächtig oder an der Infektion verstorben war, wobei der Kontakt zu der Person ein unterschiedliches Expositionsrisiko aufweisen kann,

oder

  • beruflich Kontakt mit Ebolaviren, erregerhaltigem Material oder infizierten Tieren hatte, der Kontakt kann im Inland oder Ausland erfolgt sein,

oder

  • Kontakt zu bestimmten Tieren, die Ebolaviren übertragen können (Flughunde, Fledermäuse, Primaten), oder Kontakt zu deren Ausscheidungen in einem von Ebolafieber-Ausbrüchen betroffenen Gebiet in Afrika oder Kontakt zu „Bushmeat“ aus diesen Gebieten hatte.

Inkubationszeit

Hinsichtlich der Inkubationszeit wurden verschiedene Angaben veröffentlicht.[11][12] Im Allgemeinen wird sie mit 2 bis 21 Tagen angegeben,[1][13] am häufigsten beträgt sie 8–10 Tage.[4] In 3 % aller Fälle sind es 22–42 Tage, über 2 % macht die WHO keine Aussagen.[14]

Klinische Erscheinungen

Bei vielen Patienten lassen sich zwei klinische Phasen der Erkrankung unterscheiden,[15] zwischen denen die Symptome über 24 bis 48 Stunden abklingen (Remission). In der ersten Phase treten Symptome wie bei einer beginnenden Grippe auf, die zweite Phase ist durch hämorrhagisches Fieber gekennzeichnet.[16]

Nach Ablauf der Inkubationszeit treten zunächst grippeähnliche Symptome auf, mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Muskelschmerz, hinzu kommen Übelkeit und Erbrechen oder auch Durchfall.[15] Weitere Symptome, die während der Epidemie in Mosango (Demokratische Republik Kongo) 1995 dokumentiert wurden, sind Kraftlosigkeit, Schmerz im Unterleib, Appetitlosigkeit, Gelenkschmerz, Rötung der Schleimhäute in der Mundhöhle, Schluckstörung und Bindehautentzündung.[16] Darüber hinaus wurden bei der Epidemie 2014 im Kenema-Staatskrankenhaus (Sierra Leone) noch Schwindelanfälle, Halsschmerzen und Ödeme als Symptome dokumentiert.[17] Ein Hautausschlag entwickelt sich in rund einem Viertel bis der Hälfte der Patienten.[15] Nach wenigen Tagen der symptomatischen Erkrankung weisen einige Patienten Blutungen auf. Diese beschränken sich meist auf Hautblutungen wie Petechien, Ekchymosen, Konjunktivalblutungen (Blutungen in der Bindehaut des Auges) oder Blutungen nach Nadeleinstichen, wie bei Injektionen.[15]

Die Dokumentation der Symptome von Ebolafieber-Patienten im Kenema-Staatskrankenhaus in Sierra Leone während der Epidemie 2014 ermöglicht Aussagen über die Häufigkeit der Symptome, dabei ist jedoch zu beachten, dass nur die Daten von 44 Patienten erfasst wurden. Hiernach weisen viele Erkrankte Fieber (89 % der Patienten), Kopfschmerz (80 %), Kraftlosigkeit (66 %), Schwindelanfälle (60 %) und Durchfall (51 %) auf. Weniger häufig auftretende Symptome sind Unterleibsschmerz (40 %), Halsschmerz (34 %), Erbrechen (34 %) und Konjunktivitis (31 %). Bei nur einem Patienten wurden Blutungen dokumentiert, so dass für die Epidemie 2014 hämorrhagische Symptome als selten angesehen werden. Allerdings können diese bei den verbleibenden 43 Patienten nicht ausgeschlossen werden, da eingeschränkt protokolliert wurde.[17]

Die zweite Phase der Erkrankung ist durch hämorrhagisches Fieber gekennzeichnet, hohes Fieber mit > 38,5 °C in Verbindung mit Blutungen.[16] Die Patienten weisen in diesem späteren und schwereren Krankheitsverlauf Schleimhautblutungen vor allem aus dem Magen-Darm-Trakt auf,[15] aber auch aus anderen Organen, z. B. der Niere,[16] was sich durch blutigen Stuhl und Urin äußert. Bei den Patienten zeigen sich Schockzustände und Kreislaufzusammenbrüche.[15] Die Beeinträchtigung der Nieren führt zu Oligurie und schließlich zum Nierenversagen.[16] Auch über neuropsychiatrische Auffälligkeiten wurde berichtet, bei dem Ausbruch von 1995 wurden Krämpfe (Konvulsionen) und Delirium diagnostiziert.[16] Während der Epidemie 2014 wurde außerdem von Verwirrtheit und Hörverlust berichtet.[17] Bei tödlichen Verläufen wird der Tod durch eine Form des septischen Schocks mit multiplem Organversagen hervorgerufen. Durch Obduktionen lassen sich Schädigungen (Nekrosen) an verschiedenen Organsystemen nachweisen, ohne dass sich im Regelfall eine einzelne pathologische Veränderung als Todesursache bestimmen lässt.[15]

Untersuchungsmethoden

Klinisch ist eine Ebolainfektion in ihrem Erscheinungsbild nicht eindeutig von einer Infektion mit dem Marburg-Virus oder anderen Viren, die hämorrhagisches Fieber auslösen, unterscheidbar.

Diagnose

Das Virus kann nur durch Labordiagnostik im Blut, im Urin oder im Speichel zweifelsfrei nachgewiesen werden. Als Standardverfahren hat sich die Reverse Transkriptase-PCR etabliert, bei der bereits sehr wenige Viruskopien für einen sicheren Nachweis ausreichen. Auch ein Nachweis der speziellen Antikörper ist möglich, allerdings werden diese häufig erst im späteren Verlauf der Erkrankung gebildet, ihre Abwesenheit kann daher nicht als Ausschlusskriterium einer akuten Infektion gelten.[1][3] Der Umgang mit Ebolaviren darf nur in Hochsicherheitslaboren der Schutzstufe 4 erfolgen.

Differenzialdiagnose

In der Differenzialdiagnose sind andere Tropenkrankheiten auszuschließen, die sich auch durch Fieber äußern können. Dies trifft häufig auf Malaria zu. Weiterhin muss abgeklärt werden, ob es sich nicht um einen Fall von viral hervorgerufenem hämorrhagischen Fieber jenseits von Ebolafieber handelt. Dies ist beispielsweise Denguefieber (verursacht durch das Dengue-Virus), Gelbfieber (verursacht durch das Gelbfieber-Virus), Krim-Kongo-Fieber (verursacht durch das Krim-Kongo-Hämorrhagisches-Fieber-Virus), Lassafieber (verursacht durch das Lassa-Virus), Marburgfieber (verursacht durch das Marburg-Virus) oder Infektionskrankheiten verursacht durch Hantaviren oder das Hepatitis-A-Virus. Ebenso müssen bakterielle Erkrankungen ausgeschlossen werden, wie beispielsweise Typhus abdominalis, Pest, Rickettsiose, Meningokokken-Sepsis oder andere Sepsisformen, Leptospirose, Bakterienruhr oder hämorrhagische Formen des Rückfallfiebers.[3]

Behandlung

Therapie

Zur Behandlung wird eine symptomatische Therapie durchgeführt. Im Frühstadium gibt es vereinzelt Erfolge mit Rekonvaleszentenserum. Ein wirksames Virostatikum ist bisher nicht bekannt, Ribavirin zeigt gegen Filoviren keine Wirkung. Die Isolierung der Patienten ist von großer Bedeutung, um eine Infektion des medizinischen Personals oder anderer Patienten zu verhindern. Die symptomatische Therapie beinhaltet eine intensivmedizinische Betreuung, bei der fiebersenkende Maßnahmen, Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes sowie Regulierung des Glucosehaushalts im Mittelpunkt stehen.[3]

Im Zuge der Ebolaepidemie 2014 erfolgte erstmals die Behandlung von zwei US-amerikanischen Infizierten mit einem experimentellen Antikörper. Der Name des nicht zugelassenen Medikaments der Firma Mapp Biopharmaceutical aus San Diego lautet ZMapp. Es wurde erfolgreich an einigen Affen getestet und zeigte bei den beiden US-Amerikanern deutliche Verbesserungen innerhalb weniger Stunden.[18]

Mit Ebola-Virus infizierte Rhesusaffen und Makaken konnten noch bis zu 5 Tagen nach der Infektion durch den Einsatz stabiler gegen das L-Protein der RNA-Polymerase, das Virusprotein 24 und das Virusprotein 35 des Ebola-Virus gerichteter kurzer eingreifender Ribonukleinsäuremoleküle, sogenannter small interfering RNA (siRNA), gerettet werden. Von den mit siRNA behandelten 3 Rhesusaffen überlebten 2, von den 7 Makaken überlebten alle.[19][20]

Behandlungseinrichtungen

Isolationsgerät für Ebola-Infizierte 1976 in Zaire

An folgenden deutschen Kliniken werden Sonderisolierstationen für hochinfektiöse Patienten vorgehalten:[21]

In Österreich verfügt das Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien über eine Sonderisolierstation.[22]

Im Rahmen der Ebolafieber-Epidemie 2014 wurden Infizierte am UKE in Hamburg, am Universitätsklinikum in Frankfurt am Main und am Klinikum St. Georg in Leipzig behandelt. Nach Angaben des Universitätsklinikums in Hamburg-Eppendorf können dort bis zu sechs Patienten gleichzeitig auf der Sonderisolierstation behandelt werden. Für die Betreuung des infizierten Senegalesen wurden 50 Pflegekräfte und 30 Ärzte geschult.[23] Auch das Frankfurter Klinikum gab an, bis zu sechs Patienten gleichzeitig auf der Sonderisolierstation aufnehmen zu können.[24]

Heilungsaussicht

Prognose

Ebolafieber verläuft oft tödlich. Die Todesrate variierte je nach Ausbruch und Virusvariante zwischen 25 und 90 %[1] (siehe Ursache). Ein laborchemischer Prädiktor ist die Menge der durch PCR im Blut nachgewiesenen Virus-RNA. Bei Patienten, welche schließlich an der Krankheit verstarben, war diese um den Faktor 100 (rund 2 Log-Stufen) höher.[25][17] An der Spezies Zaire-Ebolavirus konnte nachgewiesen werden, dass bei Überlebenden des Virus eine gut regulierte Immunantwort auf das Virus stattfindet, während bei Todesopfern eine defiziente Immunantwort mit einer Überaktivierung an Makrophagen und Monozyten vorherrscht. Als Marker für das Überleben wurden Interleukin-1β (IL-1β) und Interleukin-6 (IL-6) identifiziert. Als Marker für eine defiziente Immunantwort konnten Interleukin-10 (IL-10), IL1RA und Neopterin identifiziert werden.[26] Bezüglich der klinischen Erscheinungen ist das Auftreten von Fieber und die Höhe der Körpertemperatur nicht für die Vorhersage des Krankheitsverlaufs geeignet.[17]

Zeitlicher Verlauf

Während der Epidemie 2014 wurden am Kenema-Staatskrankenhaus in Sierra Leone Daten zum zeitlichen Verlauf der Krankheit aufgezeichnet. Dabei handelt es sich um eine kleine Gruppe von Patienten, je nach Art des Aufzeichnungszeitpunktes zwischen 39 und 63 Patienten. Die Angaben erfolgen als Mittelwert plus bzw. minus Standardfehler. Demnach vergingen 5,7 ± 0,5 Tage vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Einweisung bzw. Aufnahme im Krankenhaus. Bei Patienten, bei denen die Ebola-Viruskrankheit tödlich verlief, lagen 9,8 ± 0,7 Tage zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und dem Tod. Bei den Patienten, die die Krankheit überlebten, vergingen 21,3 ± 2,6 Tage zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und der Entlassung aus dem Krankenhaus.[17][27]

Folgeerkrankungen

Wird die Erkrankung überlebt, können in der Rekonvaleszenz Komplikationen auftreten – beschrieben wurden Psychosen, Myelitis (Rückenmarksentzündung), Hepatitis (Leberentzündung) und Uveitis (Regenbogenhautentzündung).[28] Die Rückenmarksentzündung kann wiederum zu einer Querschnittlähmung führen.

Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen

Präventionsmaßnahmen während der Behandlung

Begleitend zur Behandlung infizierter Patienten sind auch Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen anzuwenden, um die Übertragung durch kontaminierte Gegenstände und Oberflächen zu unterbinden. Dies dient dem Schutz des medizinischen Personals oder der Angehörigen. Das Robert Koch-Institut empfiehlt für die Desinfektion von Oberflächen wie auch für die Händedesinfektion Mittel mit dem Wirkungsbereich „begrenzt viruzid“ bzw. „viruzid“.[3] Listen mit geeigneten Desinfektionsmitteln sind beim RKI[29] oder beim Verbund für Angewandte Hygiene (VAH)[30] erhältlich. Für den Fall eines möglichen Kontakts mit dem Virus sind zur postexpositionellen Prophylaxe (PEP) Maßnahmen zur Haut- und Schleimhautdesinfektion nötig. Nach Angaben des RKI sollte analog der Deutsch-Österreichischen Leitlinien zur HIV-PEP vorgegangen werden.[3][31] Ebenso muss das medizinische Personal über eine persönliche Schutzausrüstung verfügen (siehe Übertragung des Ebolavirus).[3]

Umgang mit Erkrankten und Krankheitsverdächtigen

Bei Patienten, die möglicherweise an Ebolafieber erkrankt sind, ist umgehend zu prüfen, ob es sich um einen begründeten Verdachtsfall handelt (siehe Abschnitt Faktoren der Pathogenese). Das Robert Koch-Institut empfiehlt, den Patienten bis zur Entscheidung im derzeitigen Umfeld zu belassen, weitere Personen (medizinisches Personal oder Angehörige) sollen einen Mindestabstand von einem Meter einhalten oder Schutzkleidung tragen. Sobald klar ist, dass es sich um einen begründeten Verdachtsfall handelt, soll die Isolierung des Patienten in einem dafür eingerichteten Behandlungszentrum erfolgen. Die Infektion ist durch eine Labordiagnostik zu bestätigen. Falls der Zustand des Patienten eine sofortige Behandlung erfordert, darf er in ein Krankenhaus der Regelversorgung eingewiesen werden, unter Beachtung der Regeln des Barrier Nursing (übersetzt etwa „Krankenpflege mit Absperrung“).[3] Das Prinzip des „Barrier Nursing“ ist die Beachtung von drei Zonen beim Umgang mit hoch kontagiösen Krankheitserregern. Im ersten Bereich erfolgt die Behandlung des Patienten, hier muss Schutzkleidung getragen werden. Das Zimmer oder die Station ist nur über einen Schleusenbereich zu betreten. In dieser zweiten Zone erfolgt die Dekontamination der Schutzkleidung nach Verlassen des Behandlungsraums, um Infektionen zu vermeiden. Im dritten Bereich findet die Unterstützung des medizinischen Personals statt.[32] Bei Transportfähigkeit ist die Verlegung in ein Kompetenz- und Behandlungszentrum anzustreben.[3]

Weiterhin müssen alle Kontaktpersonen gefunden werden, die direkten Kontakt mit dem Erkrankten hatten oder mit infektiösem Material des Erkrankten in Kontakt gekommen sind. Das Gesundheitsamt ermittelt die Kontaktpersonen und übernimmt eine Einschätzung ihres Expositionsrisiko.[3] Nach dem deutschen Infektionsschutzgesetz (IfSG) kann dabei unter anderem eine Beobachtung (§ 29 IfSG) oder eine Quarantäne (§ 30 IfSG) angeordnet werden. Durch diese Schutzmaßnahmen (§ 28 IfSG) soll die Verbreitung übertragbarer Krankheiten verhindert werden, sie stellen einen Eingriff in die im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland festgelegten Grundrechte (z. B. Freiheit der Person) dar. Nach den Empfehlungen des RKI soll bei Kontaktpersonen 21 Tage (Inkubationszeit) lang regelmäßig überwacht werden, ob klinische Erscheinungen (insbesondere Fieber) oder unspezifische Symptome auftreten. Wenn dies der Fall ist, gelten die für begründete Verdachtsfälle beschriebenen Maßnahmen.[3]

Maßnahmen im Umfeld

Das Umfeld der Patienten ist bei Bestätigung eines Ebolafieberfalls zu desinfizieren, dies gilt beispielsweise für die Wohnung der Person oder Bereiche, in denen die Behandlung stattgefunden hat.[3] Die Rechtsgrundlage in Deutschland für diese „besonderen Maßnahmen“ ist § 17 IfSG. Für den Umgang mit Haustieren von an Ebolafieber Erkrankten gibt es zurzeit keine Empfehlung des RKI. Für die USA wurden im Rahmen der Ebolafieber-Epidemie 2014 Empfehlungen durch die CDC veröffentlicht.[33] Im Fall der in Spanien im Oktober 2014 infizierten Krankenschwester wurde ihr Hund vorsorglich getötet.[34]

Das Robert Koch-Institut hat ein Merkblatt mit detaillierten Informationen über Desinfektionsmaßnahmen bei einem begründeten Ebolafieber-Verdachtsfall veröffentlicht. Darin wird unter anderem auch die Wäschedesinfektion beschrieben. Während der Behandlung der Patienten sollte Einmalwäsche verwendet werden. Diese, aber auch Kleidungsstücke und sonstige Wäsche des Erkrankten, die möglicherweise kontaminiert sind, müssen einer geeigneten Abfallentsorgung zugeführt werden.[35]

Alle Abfälle, welche bei der Versorgung eines begründeten Ebolafieber-Verdachtsfalls anfallen, müssen durch eine fachgerechte Abfallentsorgung inaktiviert werden.[35] Neben dem Infektionsschutzgesetz sind auch die Vorgaben der Biostoffverordnung (BioStoffV) zu beachten, insbesondere die in Anhang II BioStoffV festgelegten Schutzmaßnahmen für die Schutzstufen 2, 3 und 4. Diese Schutzmaßnahmen sind für Einrichtungen des Gesundheitsdienstes zwar nicht direkt vorgeschrieben, der Arbeitgeber hat jedoch geeignete Maßnahmen daraus auszuwählen, um Beschäftigte und andere Personen zu schützen (§ 11 BioStoffV). Üblicherweise sind kontaminierte feste und flüssige Abfälle vor der endgültigen Entsorgung durch physikalische oder chemische Verfahren zu inaktivieren (Anhang II 1 zur BioStoffVVorlage:§§/Wartung/juris-seite).

In den USA wurde berechnet, dass in einem amerikanischen Krankenhaus pro Patient Abfall mit einem Volumen von acht Fässern mit 55 Gallonen Fassungsvermögen täglich entsteht.[36] Das entspricht etwa 2 m³.

Maßnahmen bei Todesfällen

Auch für den Fall, dass ein an Ebolafieber Erkrankter stirbt, existieren RKI-Empfehlungen. Wenn eine Obduktion erforderlich ist, soll sie nur unter Bedingungen der Schutzstufe 4 durch besonders qualifiziertes Personal erfolgen. Der Leichnam wird in eine flüssigkeitsdichte Plastikhülle überführt, die in einen verschließbaren und von außen desinfizierten Sarg gelegt wird. Dessen Aufbewahrung muss in einem gesicherten und entsprechend gekennzeichneten Bereich, vorzugsweise einem Kühlraum, erfolgen. Die Bestatter sind über das Infektionsrisiko bei ungeschütztem Kontakt mit dem Leichnam zu informieren. Eine Feuerbestattung (Kremation) wird empfohlen.[3]

Immunität

Eine serologische Untersuchung von 4.349 Menschen in Gabun zeigt eine hohe Prävalenz von Antikörpern gegen die Virusspezies Zaire Ebolavirus (früher als ZEBOV, aktuell als EBOV abgekürzt). Mit Hilfe des ELISA-Verfahrens wurden Blutproben untersucht, und bei 15,3 % der Proben wurde ein gegen EBOV gerichtetes Immunglobulin G (IgG) nachgewiesen. Weitere Untersuchungen zeigen, dass es sich um eine humorale und eine zelluläre Immunantwort handelt. Die untersuchten Personen leben sowohl in Gebieten, in denen es bereits Ausbrüche von Ebolafieber gab, wie auch in Gebieten, in denen bisher keine Erkrankungen registriert wurden. Eine Schlussfolgerung der Studie ist, dass sie durch Kontakt mit dem Virus eine Immunität erlangt haben, ohne dass bei ihnen die Infektionskrankheit Ebolafieber diagnostizierbar ist. Der Kontakt zu Wildtieren als Wirt ist eine Möglichkeit für einen Kontakt mit dem Ebolavirus, erklärt jedoch nicht die hohe Prävalenz. Stattdessen wird angenommen, dass die Personen über Früchte, die mit dem Speichel der entsprechenden Tiere, wie z. B. Fledermäusen kontaminiert waren, mit dem Virus in Berührung gekommen sind. Die Frage, ob ein Mensch durch eine überstandene Ebolafieber-Erkrankung zumindest gegen die infektionsauslösende Ebolavirus-Spezies immun ist, wird durch die Studie nicht geklärt.[37]

Impfung

Spätestens seit 2012 wird an der Entwicklung von Ebola-Impfstoffen gearbeitet; manche haben sich im Tierversuch sogar bei der Gabe zwei bis drei Tage nach der Infektion noch bewährt und zu einer Heilung geführt.[38]

Seit September 2014 wurde erstmals ein Impfstoff gegen das Ebolavirus vom National Institutes of Health der Vereinigten Staaten auf seine Verträglichkeit an zwanzig gesunden Probanden geprüft. Der Impfstoff besteht aus einem Schimpansen-Adenovirus, dem zusätzlich gentechnisch ein Ebola-Virusprotein eingepflanzt wurde, das eine Immunantwort auslöst. Das Schimpansen-Adenovirus wurde als Vehikel für das Ebola-Virusprotein ausgewählt, da es normalerweise keine Erkrankung beim Menschen auslöst. Der Impfstoff wurde von der schweizerisch-italienischen Biotechfirma Okairos entwickelt, die im Jahr 2013 vom Pharmakonzern GlaxoSmithKline übernommen wurde.[39]

In Kanada wird ebenfalls an der Entwicklung eines Impfstoffs gearbeitet. Das experimentelle Präparates namens VSV-EBOV, einem Präparat aus Vesicular stomatitis virus mit Ebola-Antigenen wurde im staatlichen Canadian National Microbiology Laboratory entwickelt und bereits erfolgreich an Affen getestet.[40] Im Oktober 2014 begannen Tests an Menschen, in der Versuchsphase wird das Mittel 40 gesunden, freiwilligen Probanden in den USA verabreicht. Außerdem stellte die kanadische Regierung den experimentellen Impfstoff der WHO zur Verfügung.[41]

Forschung

Wissenschaftlern des USAMRIID gelang es im Jahre 2003, Mäuse durch Injektion von virusähnlichen Partikeln zu immunisieren. Anfang 2005 entdeckten Forscher um Steven Jones und Heinz Feldmann (University of Manitoba, Winnipeg, Kanada) eine erfolgreiche Impfung (aktive Immunisierung) bei Javaneraffen (Macaca fascicularis) mit einem abgeschwächten, lebenden, rekombinanten Vesiculären-Stomatitis-Virus (VSV), das auf seiner Oberfläche ein so genanntes Glycoprotein des Zaire-Ebolavirus-Stammes „Kikwit“ produziert. Nunmehr erhofft man sich eine baldige vorbeugende Impfmöglichkeit auch beim Menschen.

Forscher des US-Militärs haben 2010 ein Medikament, das die Virusreplikation hemmt, indem es sich an die RNA des Virus bindet, erfolgreich an Affen getestet. Dabei überlebten 60 % der Rhesusaffen und 100 % der vorher infizierten Makaken.[42]

2011 verkündeten Forscher des Scripps Research Institute Erfolge mit einem von ihnen entwickelten Antikörper. „Forscher haben erstmals einen Antikörper entdeckt, der den tödlichen Sudan-Stamm des Ebolavirus außer Gefecht setzt." Der Antikörper verhindert, dass das Virus in das Innere der Zellen gelangt. Das eröffne eine Möglichkeit, einen Impfstoff gegen die Krankheit zu entwickeln, berichten Forscher im Fachmagazin Nature Structural & Molecular Biology.“[43]

Die Estrogenrezeptormodulatoren Clomifen und Toremifen hemmen die Ebolaerkrankung in infizierten Mäusen.[44] Laut einer Studie aus dem Jahr 2014 verhindert das Herzmittel Amiodaron das Eindringen von Ebolaviren in Zellen zumindest im Reagenzglas.[45][46]

Experimentelle Impfstoffe und Wirkstoffe sind z. B. ZMapp, VSV-EBOV, cAd3-ZEBOV, TKM-Ebola, Favipiravir, Brincidofovir, JK-05, FGI-106 und BCX4430.

Ausbrüche

Dokumentiertes Auftreten und Epidemien der Ebola-Viruskrankheit

  • Ebolavirus-Epidemie in Westafrika 2014, betroffene Länder und Zahl der infizierten Personen bzw. Zahl der Todesfälle (inkl. Verdachtsfälle)