Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

Deutsches Heer (Deutsches Kaiserreich)

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Deutsches ReichDeutsches Reich Deutsches Heer
300px
Stander
des Deutschen Kaisers
als Oberster Kriegsherr
Führung
Oberbefehlshaber
de jure:
Der Kaiser
zuletzt: Wilhelm II.
Oberbefehlshaber de facto: bis 1914: Chef des Generalstabes der Armee;
ab 1914: Chef der Obersten Heeresleitung (OHL)
zuletzt:
Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff
Militärische Führung: bis 1914: Großer Generalstab
ab 1914: Oberste Heeresleitung
Sitz des Hauptquartiers: Berlin
1914/18: Großes Hauptquartier
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 794.000
Stand: Jahr 1914
Wehrpflicht: Siehe Unterkapitel
Wehrtauglichkeitsalter: Vollendetes 17. Lebensjahr
Anteil der Soldaten an der Gesamtbevölkerung: Zwischen 1 % (Jahr 1890) und 1,20 % (Jahr 1914)
Haushalt
Militärbudget: 2.224 Millionen Mark
Stand: Jahr 1914
Geschichte
Gründung: 1871
Ablösung: 19. Januar 1919 (Friedensheer)
Datei:Cross-Pattee-Heraldry.svg
Eisernes Kreuz als Erkennungszeichen für deutsche und österreichisch/ungarische Flugzeuge sowie deutsche Panzer im Ersten Weltkrieg
Datei:Preussische Soldaten exerzieren.ogg
Ausbildung / Exerzieren 1912 (Reenactment im Freilichtmuseum Roscheider Hof, Konz)

Deutsches Heer war die offizielle Bezeichnung der Landstreitkräfte des Deutschen Kaiserreiches gemäß Art. 60 ff. der Verfassung des Deutschen Reiches von 1871. (Oftmals wird es auch fälschlicherweise als Kaiserliches Heer oder Kaiserliche Armee bezeichnet.)

Das Deutsche Heer stand im Krieg unter dem Oberbefehl des Kaisers. Es bestand aus den Heeren der Königreiche Preußen, Bayern, Sachsen und Württemberg. Die Truppenkontingente der anderen deutschen Bundesstaaten standen aufgrund von Militärkonventionen unter preußischem Kommando oder waren mit dem preußischen Heer verschmolzen.

Das bayerische, sächsische und württembergische Heer standen im Frieden unter dem Befehl ihrer Herrscher. Ihre Verwaltung unterstand eigenen Kriegsministerien. Das bayerische Heer war als eigenes nummeriertes Kontingent ins deutsche Heer eingegliedert, das sächsische und württembergische Heer bildeten in sich geschlossene Armeekorps innerhalb des deutschen Heeres. Auch die Kontingente der restlichen deutschen Staaten bildeten geschlossene Einheiten, zum Beispiel Regimenter oder wie beim Beispiel Fürstentum Lippe ein Bataillon. Württemberg stellte zu Ausbildungszwecken Offiziere zum preußischen Heer ab. Lediglich Bayern verfügte neben Preußen über eine eigene Kriegsakademie.

Unter ständigem Oberbefehl des Kaisers und der Verwaltung des Reichs standen die Schutztruppe und die Marine. Der Kaiser hatte auch im Frieden das Recht, die Präsenzstärke festzulegen, die Garnisonen zu bestimmen, Festungen anzulegen und das Recht und die Pflicht für einheitliche Organisation und Formation, Bewaffnung und Kommando sowie Ausbildung der Mannschaften und Qualifikation der Offiziere zu sorgen. Das Militärbudget wurde durch die Parlamente der einzelnen Bundesstaaten festgelegt.

Einleitendes

Das Heer und die Marine blieben nach der Verfassung weitgehend dem Oberbefehl des Kaisers unterstellt. Eine parlamentarische Kontrolle erfolgte durch die Bewilligung der finanziellen Mittel durch den Reichstag. Die Grenzen der absolutistisch anmutenden „Kommandogewalt“ waren dabei kaum definiert. Das Militär blieb von daher eine der zentralen Stützen der Monarchie. Unterhalb des „obersten Kriegsherren“ existierten mit dem Militärkabinett, dem preußischen Kriegsministerium und dem Generalstab drei Institutionen, die zeitweise untereinander um Kompetenzen stritten. Insbesondere der Generalstab – bereits unter Helmuth Karl Bernhard von Moltke und später Alfred von Waldersee – versuchte, Einfluss auch auf politische Entscheidungen zu nehmen. Dasselbe gilt für Alfred von Tirpitz in Marinefragen.[1]

Die enge Verbundenheit mit der Monarchie spiegelte sich im anfangs noch sehr stark adlig geprägten Offizierskorps wider. Auch später behielt der Adel eine starke Stellung insbesondere in den höheren Rängen, allerdings stieg mit der Vergrößerung der Armee und Flotte auch dort der bürgerliche Anteil immer mehr an. Die Vorbildfunktion des Adels sorgte neben der inneren Sozialisation im Militär dafür, dass sich das Selbstverständnis der bürgerlichen Gruppe kaum von dem der adeligen Offiziere unterschied.

Zwischen 1848 und den 1860er Jahren hat die Gesellschaft das Militär eher mit Misstrauen betrachtet. Dies änderte sich nach den Siegen in den deutschen Einigungskriegen von 1864 bis 1871 fundamental. Das Militär wurde zu einem zentralen Element des entstehenden Reichspatriotismus. Kritik am Militär galt als unziemlich. Dennoch unterstützten die Parteien eine Vergrößerung der Armee nicht unbegrenzt. So erreichte die bewaffnete Macht erst 1890 mit einer Friedenspräsenzstärke von fast 490.000 Mann ihre von der Verfassung vorgegebene Stärke von 1 Prozent der Bevölkerung (Zum Vergleich: vor der Wiedervereinigung betrug der Anteil der Bundeswehr rund 0,90 Prozent, der der Bewaffneten Organe der DDR rund 1,50 Prozent der Bevölkerung. Heute stellt er sich im wiedervereinigten Deutschland auf nur noch 0,30 Prozent). In den folgenden Jahren wurden die Landstreitkräfte weiter verstärkt. Zwischen 1898 und 1911 forderte die kostspielige Flottenrüstung Einschränkungen beim Landheer. Bemerkenswert ist, dass sich in dieser Zeit der Generalstab selbst gegen einen Ausbau der Truppenstärke gewandt hatte, weil er eine Verstärkung des bürgerlichen zu Lasten des adeligen Elements im Offizierskorps befürchtete. In dieser Zeit entstand mit dem Schlieffenplan das Konzept für einen möglichen Zwei-Fronten-Krieg gegen Frankreich und Russland unter Berücksichtigung einer Teilnahme Großbritanniens auf Seiten der Gegner. Nach 1911 wurde die Heeresrüstung intensiv vorangetrieben. Die für die Durchführung des Schlieffenplanes notwendige Truppenstärke wurde dabei letztlich nicht erreicht.

Das Heer gewann während des Kaiserreichs einen sehr starken gesellschaftlichen Nimbus. Das Offizierskorps galt den tonangebenden Teilen der Bevölkerung als „Erster Stand im Staate“. Dessen Weltbild war dabei geprägt von der Treue zur Monarchie und der Verteidigung der Königsrechte, es war konservativ, antisozialistisch und grundsätzlich antiparlamentarisch geprägt. Der militärische Verhaltens- und Ehrenkodex wirkte weit in die Gesellschaft hinein. Auch für viele Bürger wurde der Status eines Reserveoffiziers nunmehr zu einem erstrebenswerten Ziel.

Von Bedeutung war das Militär zweifellos auch für die innere Nationsbildung. Der gemeinsame Dienst verbesserte etwa die Integration der katholischen Bevölkerung in das protestantisch geprägte Reich. Selbst die Arbeiter blieben gegenüber der Ausstrahlung des Militärs nicht immun. Dabei spielte der lange Wehrdienst von zwei bzw. drei Jahren bei der sogenannten „Schule der Nation“, als welche man die Armee zu sehen begann, eine prägende Rolle.

Überall im Reich wurden die neuen Kriegervereine zu Trägern militärischer Wertvorstellungen bzw. einer militaristisch geprägten Weltsicht. Welche Breitenwirkung diese Gruppen entfalteten, zeigt die Mitgliederzahl von 2,9 Millionen im Kyffhäuserbund (1913). Der Bund war damit die stärkste Massenorganisation des Reiches. Die vom Staat geförderten Vereine sollten eine militärfromme, nationale und monarchische Gesinnung pflegen und die Mitglieder gegenüber der Sozialdemokratie immunisieren.[2]

Geschichte

Bereits die Verfassung des Norddeutschen Bundes, des unmittelbaren Vorläufers des Deutschen Reiches, brachte die Vereinheitlichung der Streitkräfte durch Eingliederung der Truppen der kleineren Bündnisstaaten in die preußische Armee. Lediglich das Königreich Sachsen hatte sich beim Beitritt zum Norddeutschen Bund Sonderrechte für seine Armee vorbehalten. Nach dem Sieg über Frankreich 1871 traten auch die süddeutschen Staaten, also die Großherzogtümer Baden und Hessen, sowie die Königreiche Bayern und Württemberg, dem Norddeutschen Bund bei. Die Königreiche Württemberg und Bayern behielten sich aber einige Reservatrechte vor, zu denen auch die Beibehaltung einer eigenen Heeresorganisation gehörte. Erst im Bündnisfall, also im Krieg, erfolgte die Unterstellung der bayerischen Truppen, während die württembergischen und sächsischen Truppen schon im Frieden dem Großen Generalstab unterstellt waren. Die Verwaltung der württembergischen und sächsischen Truppen erfolgte jedoch von Kriegsministerien in Stuttgart und Dresden aus.

Dieses Nebeneinander war zu Beginn des Ersten Weltkrieges Ursache für erhebliche organisatorische Schwierigkeiten, da die Kriegsministerien in Berlin, Stuttgart, München und Dresden ihr Beschaffungswesen nicht koordiniert hatten und die Ausrüstung der einzelnen Armeen teilweise erheblich voneinander abwich. Dies führte schließlich 1917 zur Errichtung des „Normenausschusses der deutschen Industrie“, Vorläufer des Deutschen Institutes für Normung und der bekannten „DIN-Normen“.

Juristische Grundlagen

Die Grundzüge für die Stärke und Organisation des deutschen Heeres waren insbesondere festgelegt durch:

  1. die Reichsverfassung vom 16. April 1871
  2. den Bündnisvertrag zwischen dem Norddeutschen Bund und Bayern vom 23. November 1870
  3. die Militärkonvention zwischen dem Norddeutschen Bund und Württemberg vom 21./25. November 1870[3]
  4. die Konventionen zwischen Preußen und Sachsen vom 7. Februar 1867
  5. die Konventionen zwischen Preußen und den sonstigen Bundesstaaten
  6. das Reichsmilitärgesetz vom 2. Mai 1874
  7. die Gesetze betreffend die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres.

Führungsprinzipien im deutschen Heer

Der israelische Militärhistoriker Martin van Creveld bemerkte hierzu: Im Gegensatz zu den weitverbreiteten Klischees vom „Kadavergehorsam“ und der „preußischen Disziplin“ hatte das deutsche Heer spätestens seit der Zeit des älteren Moltke immer die entscheidende Bedeutung der Eigeninitiative und Eigenverantwortlichkeit, selbst auf der untersten Ebene, betont.

Bereits seit Friedrich II. wurden die Offiziere konsequent zu selbständigem Handeln erzogen. Ein Ausspruch Friedrich II. hierzu:

„Ich habe ihn zum General gemacht, damit er weiß, wann er ungehorsam sein muß.“

Als Beispiel für die Auslegung preußischen Gehorsams kann eine Begebenheit aus der Schlacht von Zorndorf herangezogen werden. Seydlitz verweigerte mehrmals den Befehl des Königs, mit seinen Kavallerieeinheiten in die Schlacht einzugreifen, obwohl ihm gedroht wurde „er hafte mit seinem Kopf für den Ausgang der Schlacht“. Seydlitz griff erst dann an, als er durch einen Angriff in die Flanke die maximale Wirkung erzielen konnte. Dies trug zum siegreichen Ausgang der Schlacht maßgeblich bei. Seydlitz gehorchte dem Befehl seines Königs nicht dem Wort nach, sondern nach dem Sinn.

Eine beschleunigte Entwicklung setzte in Preußen ab 1806 ein, ab 1888 wurde die Auftragstaktik mit dem „Exerzierreglement für die Infanterie“ verbindlich für die preußische Armee und wurde durch die anderen deutschen Armeen übernommen und später durch die Reichswehr weiter ausgebaut.

Weitere Elemente sind die Grundsätze wie beispielsweise des „Führens von vorne“. Auch hier ist eine große Selbständigkeit und Verantwortungsbewußtsein der Soldaten Voraussetzung. Der höheren Flexibilität und Reaktionsmöglichkeiten stehen hier die Gefahr des Abgeschnittenwerdens des Führers und die hohe Zahl von Offiziersverlusten gegenüber. Trotz dieses Risikos war es ein fester Grundsatz im deutschen Heer.

Ein weiterer Grundsatz aus dem Exerzierreglement von 1888: „Unterlassen belastet schwerer als ein Fehlgreifen in der Wahl der Mittel“. Dahinter verbarg sich die Erkenntnis, dass zögerliches und abwartendes Verhalten im Zweifel immer schlimmer sind als ein, vielleicht auch nicht optimales, Handeln. Die preußisch/deutschen Soldaten wurden dazu erzogen, mit allen Mitteln die Initiative zu behalten. Eine englische Studie nach dem Deutsch-Französischen Kriege urteilte wie folgt: „Nirgends werden Unabhängigkeit des Urteils und Freiheit des Wollens, vom Kommandierenden General bis zum Unteroffizier, so gepflegt und gefördert wie in der deutschen Armee“. Verantwortungsfreude galt als wichtigste Führereigenschaft in der preußisch/deutschen Armee, verpönt war das Abschieben von Verantwortung.

Der SPD-Abgeordnete im württembergischen Landtag Hermann Mattutat 1914 in den Sozialistischen Monatsheften: „Die heutige Art der Kriegführung unterscheidet sich ganz gewaltig von derjenigen früherer Zeiten. Vor allem werden an die Persönlichkeit der Offiziere wie der Soldaten ganz beträchtliche Anforderungen gestellt. Ein Kadavergehorsam würde vollständig versagen, da er ohne fortgesetzte Antreiberei und Beaufsichtigung zu keinerlei aktiven Handlungen befähigt. Stattdessen werden heute von den Soldaten verlangt: Ausdauer, Selbständigkeit, gutes Orientierungsvermögen, schnelles Anpassen an die jeweilige Lage ... sowie weitgehende Initiative auch ohne Führung. Alles das sind Eigenschaften, die nur auf Grund einer sorgfältigen geistigen und körperlichen Ausbildung erworben werden können.“[4]

Derartige Führungsprinzipien hatten ihren Anteil an der evidenten operativen Überlegenheit der preußisch-deutschen Armeen des späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Die Bundeswehr und andere Streitkräfte werden bis heute nach diesem Beispiel geführt. Moderne Managementmethoden wie das Führen mit Zielen durch Treffen von Zielvereinbarungen sind auf diesen Grundsätzen aufgebaut.

Gliederung

In Friedenszeiten war die höchste Führungs-, Ausbildungs- und Verwaltungsebene das Armee-Korps. Die Überwachung aller Maßnahmen der Armee-Korps oblag den Armee-Inspizienten, die in Vertretung des Obersten Kriegsherrn ausschließlich Inspektionsrecht bis in die unterste Ebene, aber keinerlei Führungsaufgaben hatten. Insbesondere bei den jährlichen Manövern traten die Armee-Inspizienten in Erscheinung. Dafür wurde das Heer in Armee-Inspektionen mit zugeteilten Armee-Korps gegliedert. Ursprünglich waren fünf Inspektionen, 1914 dann acht Inspektionen vorhanden. Im Kriegsfall wurden diese Inspektionen in Armeen umgegliedert.[5] Der Stab bestand aus dem Armee-Inspizienten, einem Generalstabsoffizier sowie gegebenenfalls aus einem Adjutanten und einem weiteren Offizier; der Sitz war am jeweiligen Wohnort des Armee-Inspizienten.

Daneben existierten noch die General-Inspektionen und Inspektionen der Waffengattungen, die sich um waffengattungsspezifische Angelegenheiten (Ausrüstung, Remontierung etc.) zu kümmern hatten.

Inspektion Standort inspizierte Armeekorps
I. Armee-Inspektion Hannover,
ab 1900 Berlin,
ab 1914 Danzig
1871: I. Armee-Korps, II. Armee-Korps, IX. Armee-Korps, X. Armee-Korps
ab 1906: I. Armee-Korps, II. Armee-Korps, IX. Armee-Korps, X. Armee-Korps, XVII. Armee-Korps
ab 1914: I. Armee-Korps, II. Armee-Korps, XVII. Armee-Korps
II. Armee-Inspektion Dresden,
ab 1906 Meiningen,
ab 1914 Berlin
1871: V. Armee-Korps, VI. Armee-Korps, XII. Armee-Korps
ab 1906: V. Armee-Korps, VI. Armee-Korps, XII. Armee-Korps, XIX. Armee-Korps
ab 1914: Garde-Korps, XII. (1. Kgl. Sächsisches) Armee-Korps, XIX. (2. Kgl. Sächsisches) Armee-Korps
III. Armee-Inspektion Darmstadt,
ab 1906 Hannover
1871: VII. Armee-Korps, VIII. Armee-Korps, XI. Armee-Korps
ab 1906: VII. Armee-Korps, VIII. Armee-Korps, XI. Armee-Korps, XIII. Armee-Korps, XVIII. Armee-Korps
ab 1914: IX. Armee-Korps, X. Armee-Korps
IV. Armee-Inspektion Berlin,
ab 1906 München
1871: III. Armee-Korps, IV. Armee-Korps
zugeteilt I. Bayerisches Armee-Korps, II. Bayerisches Armee-Korps
ab 1906: III. Armee-Korps, IV. Armee-Korps
zugeteilt I. Bayerisches Armee-Korps, II. Bayerisches Armee-Korps
ab 1914 :III. Armee-Korps
zugeteilt I. Bayerisches Armee-Korps, II. Bayerisches Armee-Korps, III. Bayerisches Armee-Korps
V. Armee-Inspektion Karlsruhe 1871: XIV. Armee-Korps, XV. Armee-Korps
ab 1906: XIV. Armee-Korps ,XV. Armee-Korps, XVI. Armee-Korps
ab 1914: , IX. Armee-Korps, XV. Armee-Korps
ab 1908
VI. Armee-Inspektion
Stuttgart IV. Armee-Korps, XI. Armee-Korps, XIII. (Kgl. Württembergisches) Armee-Korps
ab 1913
VII. Armee-Inspektion
Saarbrücken XVI. Armee-Korps, XVII. Armee-Korps,

XXI. Armee-Korps

ab 1914
VIII. Armee-Inspektion
Berlin XI. Armee-Korps, XX. Armee-Korps, XVIII. Armee-Korps

Daneben bestand ab 1898 die Generalinspektion der Kavallerie, der die Kavalleriebrigaden der Divisionen jedoch nicht unterstellt waren.[6].

Inspektion Standort
Generalinspektion der Kavallerie Berlin
Kavallerieinspektion 1 Posen
Kavallerieinspektion 2 Stettin
Kavallerieinspektion 3 Straßburg
Kavallerieinspektion 4 Saarbrücken
Datei:Deutsche Korpsbereiche 1914.jpg
Deutsche Korpsbereiche 1914

Den 25 Armeekorps (davon drei bayerische mit separater Nummerierung, zwei sächsische und ein württembergisches) unterstanden in der Regel zwei Divisionen. Die Gesamtstärke eines Armeekorps betrug 1.554 Offiziere, 43.317 Mann, 16.934 Pferde, 2.933 Fahrzeuge.

Die Divisionen umfassten in der Regel zwei Infanteriebrigaden zu je zwei Regimentern, eine Kavalleriebrigade zu zwei Kavallerie-Regimentern und eine Feldartilleriebrigade zu zwei Regimentern. Ein Infanterie-Regiment bestand normalerweise aus drei Bataillonen zu je vier Kompanien, pro Regiment also zwölf Kompanien. Die Aufrüstung der Jahre 1912/1913 brachte für nahezu alle Regimenter die Aufstellung einer 13. (Maschinengewehr)Kompanie. Ein Kavallerie-Regiment bestand aus fünf Eskadronen (Bayern vier Eskadronen)

Daneben standen einem Armeekorps als Korpstruppen ein bis zwei Fußartillerieregimenter, ein Jägerbataillon, ein bis zwei Pionierbataillone, ein Trainbataillon sowie teilweise verschiedene weitere Verbände, wie beispielsweise ein Telegraphenbataillon, ein bis zwei Feldpionierkompanien, ein bis zwei Sanitätskompanien, Eisenbahnkompanien usw. zur Verfügung.

Ein Infanterieregiment hatte 1900 eine Friedensstärke von 69 Offizieren, sechs Ärzten, 1.977 Unteroffizieren und Mannschaften sowie sechs Militärbeamte, insgesamt also 2.058 Mann. Ein Kavallerieregiment kam auf 760 Mann und 702 Dienstpferde. Diese Stärke galt für Regimenter mit hohem Etat, Regimenter mit mittlerem oder niedrigerem Etat hatten eine geringere Stärke.

Eine Infanteriekompanie mit hohem Etat hatte fünf Offiziere und 159 Unteroffiziere und Mannschaften, mit niedrigerem Etat vier Offiziere und 141 Unteroffiziere und Mannschaften.

Bei der Kavallerie bestanden im Frieden keine Korps, nur eine Division, die Garde-Kavallerie-Division.
Bei der Mobilmachung zum Ersten Weltkrieg wurde die Kavallerie aufgeteilt in Heereskavallerie und Divisionskavallerie.

Das Reichsheer umfasste 1914:[7]

  • 651 Infanteriebataillone in 217 Regimentern zu drei Bataillonen
  • 18 Jäger-/Schützenbataillone
  • neun Unteroffiziersschulen, ein Lehr-Infanteriebataillon, eine Infanterie-Schießschule, eine Gewehr-Prüfungskommission
  • elf MG-Abteilungen, 233 MG-Kompanien, 15 Festungs-MG Abteilungen
  • 490 Kavallerieeskadronen in 98 Regimentern zu je fünf Eskadronen
  • 48 Kavallerieeskadronen in zwölf Regimentern zu je vier Eskadronen (nur Bayern)
  • 633 Feldartilleriebatterien in 100 Regimentern
  • eine Feldartillerieschießschule
  • eine Fußartillerieschießschule
  • 48 Fußartilleriebataillone in 24 Regimentern zu je zwei Bataillonen
  • 28 Pionierbataillone mit 26 Scheinwerferzügen
  • zwei Pionierregimenter (Nr. 23 und Nr. 30)
  • acht Eisenbahnbataillone
  • neun Telegrafenbataillone
  • fünf Luftschifferbataillone
  • fünf Fliegerbataillone
  • ein Kraftfahrbataillon
  • 25 Trainabteilungen
  • 317 Bezirkskommandos

Entwicklung der Mannstärke des deutschen Heeres zu ausgewählten Zeitpunkten:[7]

Jahr 1875 1888 1891 1893 1899 1902 1906 1908 1911 1913 1914
Soldaten 420.000 487.000 507.000 580.000 591.000 605.000 610.000 613.000 617.000 663.000 794.000

Truppengattungen

Neben den bisherigen klassischen Truppengattungen Infanterie, Kavallerie und Artillerie entstanden auf Grund der technischen Entwicklungen neue Truppengattungen, teilweise durch Vergrößerung schon früher bestehender kleinerer Einheiten (Pioniere, Train), teilweise durch Verwendung neuer technischer Geräte / Anwendungen durch die Armee.

Rüstungsausgaben

Die Rüstungsausgaben werden nachrichtlich auch für die Marinen dargestellt und zwecks besserer Einordnung auch die Rüstungsausgaben der wichtigsten anderen Staaten aufgeführt.

Ausgaben der Großmächte für Rüstung 1905–1913 (Auszüge; Stand: 1914) Erster Weltkrieg
Jahr Bevölkerung Armee Marine Bevölkerung Armee Marine
Insgesamt Insgesamt pro Kopf Insgesamt pro Kopf Insgesamt Insgesamt pro Kopf Insgesamt pro Kopf
in Millionen in Millionen Mark in Mark in Millionen Mark in Mark in Millionen in Millionen Mark in Mark in Millionen Mark in Mark
Deutsches Reich Österreich-Ungarn
1905 60,6 697 11,5 231 3,8 47,4 419 8,8 97 2
1910 64,9 831 12,8 426 6,6 51,5 407 7,9 57 1,1
1913 67,5 1009 14,9 467 6,9 52,7 496 9,4 155 3
Frankreich Vereinigtes Königreich
1905 39,2 603 15,3 254 6,5 43 581 13,5 676 15,7
1910 39,5 698 17,7 301 7,6 45 560 12,4 825 18,3
1913 39,7 766 19,3 412 10,4 46 576 12,5 945 20,5
Jahr Bevölkerung Armee Marine Bevölkerung Armee Marine
Insgesamt Insgesamt pro Kopf Insgesamt pro Kopf Insgesamt Insgesamt pro Kopf Insgesamt pro Kopf
in Millionen in Millionen Mark in Mark in Millionen Mark in Mark in Millionen in Millionen Mark in Mark in Millionen Mark in Mark
Japan Italien
1905 47,9 23 0,5 49 1 33,3 237 7,1 106 3,2
1910 52,4 180 3,4 158 3 34,5 381 11,1 192 5,6
1913 54,3 207 3,8 203 3,7 35,1 332 9,5 205 5,9
Russland Vereinigte Staaten von Amerika
1905 143 817 5,7 252 1,8 83,2 506 6,1 467 5,6
1910 151,5 1046 6,9 244 1,6 92,0. 673 7,3 504 5,5
1913 157,8 1254 8 498 3,2 96,8 422 4,4 595 6,1

Sowohl bei den absoluten Rüstungsausgaben lag Deutschland deutlich hinter Großbritannien und Russland, als auch bei den Rüstungsausgaben pro Kopf deutlich hinter Großbritannien und Frankreich. Obwohl Deutschland ja in einer exponierten Stellung in Mitteleuropa liegt und deshalb immer mit einem Zweifrontenkrieg rechnen musste, lagen die Rüstungsausgaben deutlich unter denen der meisten anderen europäischen Großmächte. Besonders deutlich wird dies, wenn man die späteren Mittelmächte der seit 1907 bestehenden Entente gegenüberstellt. Diesen Nachteil versuchte man auszugleichen durch bessere Organisation, Ausbildung und Führung. Im Verlauf des Ersten Weltkrieges zeigte sich aber, dass damit die quantitative Unterlegenheit nicht auszugleichen war.

Bewaffnung und Ausrüstung

Bewaffnung des einzelnen Soldaten

Die Bewaffnung der Infanterie bestand aus dem Gewehr 88, später Gewehr 98 (beide im Kaliber 7,92 × 57 mm, das Gewehr 88 bewährte sich nicht und wurde relativ schnell durch die leistungsfähigere Konstruktion des Gewehrs 98 ersetzt, welches in der Karabiner-Version als Standardwaffe Karabiner 98k noch im Zweiten Weltkrieg geführt wurde) und dem Seitengewehr. Portepee-Unteroffiziere hatten einen Revolver und das Offizier-Seitengewehr. Jäger trugen statt des Seitengewehres einen Hirschfänger. Bei der Kavallerie statt des Gewehres den Karabiner 88 bzw. Karabiner 98 und Degen, Portepee-Unteroffiziere stattdessen den Offizierssäbel. Dazu wurde auch noch die Lanze geführt.

Eisenbahntruppen

Die Eisenbahntruppen konnten nicht nur bestehende Bahnlinien betreiben, sondern auch neue Bahnlinien - besonders Feldbahnen - einschließlich erforderlicher Brücken bauen. Zu ihrer Ausbildung war der Armee die Verwaltung der Bahnlinie Berlin - Zossen - Jüterbog (Königlich Preußische Militär-Eisenbahn) übertragen worden.[8]

Flieger

Siehe: Luftstreitkräfte

Uniform

Zwar wurden die unterschiedlichen Kontingente des Heeres nach der Reichsgründung sukzessive nach einheitlichen Vorgaben ausgestattet, doch folgte man bei Kopfbedeckung sowie Farbgebung und Schnitt dem Grundsatz Vielfalt in der Einheitlichkeit.

Unterscheidungsmerkmale waren:

Beispiele:

Infanterie

Datei:Sec.Lt. 1.Ostpr.Rgt. Kronprinz 1864.jpg
Seconde-Leutnant des 1. Ostpreußischen Regiments Kronprinz, 2. Hälfte 19. Jh.

Die Grundfarbe der Uniformen war in Preußen Blau.

Die Kontingente der meisten deutschen Staaten waren bereits durch Militärkonventionen in der preußischen Armee aufgegangen oder ihr angegliedert und hatten nur noch kleine Reservatrechte, so den Anspruch auf eigene Kokarden an den Kopfbedeckungen, der unterschiedlichen Helmzier und sonstige Unterscheidungsmerkmale. Zu welchem Kontingent ein Soldat gehörte, konnte an der Landeskokarde der Kopfbedeckung, den Ärmelaufschlägen und den Schulterklappen erkannt werden. Im Jahre 1914 existierten insgesamt 272 verschiedene Variationen in der Uniformierung. Es handelte sich dabei zum Teil nur um Kleinigkeiten (zum Beispiel hatte einzig das Hessische Leibgarde-Infanterie-Regiment Nr. 115 die Knopfleisten der Gardelitzen nicht in der Grundfarbe der Ärmelaufschläge, sondern in Weiß unterlegt. Die fünf hessischen Infanterie-Regimenter trugen auf den Ärmelpatten nicht die Farbe ihres (XVIII.) Armeekorps, sondern jedes Regiment hatte eine andere Farbe, die jedoch eifersüchtig beachtet wurden). Die Landesfarben tauchten auch noch in anderen Bekleidungsstücken und Abzeichen auf, wie beispielsweise Schulterstücken, Feldbinden, Portepees, Einjährigenschnüren und den Auszeichnungsknöpfen für Unteroffiziere und Gefreite.

Größere Abweichungen in der Uniform gab es bei den sächsischen und bayerischen Kontingenten.

Sachsen hatte insbesondere folgende Abweichungen: die Schulterklappen waren eckig, der Vorstoß an der Vorderseite des Rockes wurde um die unteren Schoßkanten des Rockes herum geführt, Teile des sächsischen Kontingents trugen dunkelgrüne Waffenröcke. Die bayerischen Fußtruppen hatten hellblaue Uniformen, die Ulanen dunkelgrüne Waffenröcke.

Der Waffenrock war einreihig mit acht Knöpfen. Die Hosen waren schwarz, im Sommer wurden auch weiße Hosen getragen. Stiefel waren die so genannten Knobelbecher.

Der deutsche Soldat bekam einmal im Jahr eine neue Uniform, insgesamt gab es bis zu fünf Garnituren. Die erste Garnitur wurde zur Parade angelegt, die zweite als Ausgehuniform, die dritte und vierte Garnitur zum täglichen Dienst und die fünfte Garnitur, sofern vorhanden, lag für den Kriegsfall in der Kammer.

Datei:Musketier 5. Brandenburg IR 48 1900.jpg
Musketier des 5. Brandenburgischen Infanterie-Regiment Nr. 48, 2. Hälfte 19. Jh.

Die Kopfbedeckung war grundsätzlich die bekannte „Pickelhaube“, Jäger, Schützen und MG-Abteilungen trugen einen Tschako. Zur Parade trugen zwei preußische Garderegimenter Grenadiermützen in altpreußischem Stil. Für manche Anzugarten war die Schirmmütze oder für Mannschaften auch das „Krätzchen“ (Mütze ohne Schirm) vorgeschrieben.

Jäger und Schützen trugen einen dunkelgrünen Waffenrock. Die Artillerie trug einen dunkelblauen Waffenrock mit schwarzem Kragen. Die Helmspitze endete in einer Kugel. Die Soldaten des Trains trugen dunkelblaue Waffenröcke mit hellblauem Kragen und auch einen Tschako.

Die Uniformen blieben bis zum Kriegsausbruch weitgehend unverändert. Ab 1897 wurde neben der Landeskokarde nun auch die Reichskokarde getragen.

1907 wurde versuchsweise die erste feldgraue Uniform eingeführt, die nur im Kriegsfalle angelegt werden sollte, aber bereits seit 1909/1910 bei Manövern verwendet wurde. Bis Kriegsbeginn und während des Krieges erfuhr die feldgraue Uniform noch einige Änderungen; so wurde die Farbe beispielsweise eher graugrün, der Name „Feldgrau“ aber beibehalten. Im Weltkrieg wurde ausschließlich eine feldgraue Uniform getragen, anfangs die „Pickelhaube“ mit Überzug, ab Mitte des Krieges wurde flächendeckend der Stahlhelm M1916 eingeführt.

Kavallerie

Siehe auch Hauptartikel Kavallerie

Husaren

Die Husaren trugen eine Attila in Regimentsfarben mit Schnurbesatz und Achselschnüren. Einige Regimenter trugen dazu einen Pelz.

Dragoner

Waffenrock der Dragoner ähnelte dem der Infanterie aus kornblumenblauem Tuch mit je nach Regiment verschiedenenfarbigen Kragen, Aufschlägen und Schulterklappen. Helm für Berittene mit Spitze (ähnlich dem der Infanterie). Die beiden hessischen Dragoner-Regimenter trugen dunkelgrüne Uniformen.

Ulanen

Ulanka aus dunkelblauem Tuch mit Epauletten und je nach Regiment verschiedenenfarbigen Kragen, Aufschlägen und Vorstößen. Als Kopfbedeckung wurde eine Tschapka getragen. Zur Parade legten die Ulanen eine sogenannte Paraderabatte an. Diese war in der Regimentsfarbe gehalten und wurde auf der Brust eingeknöpft. Am Tschapkahals wurde ebenfalls eine Paraderabatte angebracht.

Kürassiere

Koller aus weißem Kirsey mit gleichfarbigem Kragen und Schulterklappen, je nach Regiment mit verschiedenenfarbenen Ärmelaufschlägen, Borten, Vorstößen und Kragenpatten. Kopfbedeckung der Kürassiere war ein Stahlhelm (Kürassierhelm).

Schwere Reiter

In Sachsen und Bayern gab es keine Kürassiere, sondern stattdessen die schweren Reiter. In Bayern wurden die Kürassiere 1879 und in Sachsen 1876 umbenannt. Die sächsischen schweren Reiter hatten nahezu die gleiche Uniform wie die preußischen Kürassiere. Die bayerischen schweren Reiter hatten abweichend den Lederhelm für Berittene. Im Jahre 1909 wurde ein feldgrauer Waffenrock im Schnitt der Infanterie eingeführt.

Chevaulegers

Chevaulegers gab es nur in Bayern. Die Uniform ähnelte derjenigen der Ulanen, hatte aber z. B. eckige Schulterklappen. Als Helm trugen sie keine Tschapka, sondern den Helm für Berittene mit Spitze.

Jäger zu Pferde

Jäger zu Pferde trugen Koller und Waffenrock aus graugrünem Tuch. Schulterklappen und Aufschläge waren hellgrün und mit farbigen Paspeln abgesetzt. Die Regimenter Nr. 1 bis Nr. 6 trugen geschwärzte Kürassierhelme und Kürassierstiefel. Bei den Regimentern Nr. 7 bis Nr. 13 waren nur die Offiziere so ausgestattet, die Unteroffiziere und Mannschaften waren mit Dragonerhelmen und Dragonerstiefeln ausgerüstet. (Die Nachrüstung mit den Kürassierhelmen erfolgte erst 1915, bis dahin hatten diese Helme noch nicht zur Verfügung gestanden.)

Beispiele für Truppenfahnen der Kontingente

 Commons: Fahnen und Standarten im Kaiserreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Dienstgrade

Siehe Hauptartikel Dienstgrad

Dienstgradgruppen

Im deutschen Heer gab es sechs Dienstgradgruppen:

  1. Mannschaften (Gemeine)
  2. Unteroffiziere (mit und ohne Portepee)
  3. Subalternoffiziere,
  4. Hauptleute,
  5. Stabsoffiziere und
  6. Generale.

Die Dienstgrade der preußischen Armee bildeten die Grundlage für die Dienstgrade des deutschen Heeres bis zur heutigen Bundeswehr.

Fußtruppen Kavallerie Artillerie Beschreibung
Mannschaften
Grenadier, Füsilier, Jäger, Musketier, Gardist, Infanterist, Soldat, Pionier Dragoner, Husar, Jäger, Kürassier, Ulan, Reiter, Chevauleger Kanonier, Fahrer Keine Befehlsgewalt. Der dienstgradlose Soldat wurde auch Gemeiner genannt.
Gefreiter Gefreiter Gefreiter Der Gefreite war der Stellvertreter des Corporals.
nicht vorhanden nicht vorhanden Obergefreiter / Bombardier Der Obergefreite ersetzte in der preußischen Fußartillerie 1859 die Unteroffizierscharge Bombardier. Beide Ränge zeichneten gewöhnlich die Richtschützen aus.
Unteroffiziere ohne Portepee
Unteroffizier / Corporal Unteroffizier / Corporal Unteroffizier / Corporal Der Corporal kommandierte eine bis zu 30 Mann starke „Korporalschaft“. Drei pro Kompanie. Bei den Jägern hieß der Unteroffizier Oberjäger.
Sergeant Sergeant Sergeant Gleich dem Unteroffizier stand der Sergeant einer Korporalschaft vor.
Unteroffiziere mit Portepee
Vizefeldwebel/

Vice-Feldwebel

Vizewachtmeister/

Vice-Wachtmeister

Vizewachtmeister/

Vice-Wachtmeister

Der Rang wurde 1873 im gesamten Heer eingeführt. In Kompanien mit nicht mehr als zwei Offizieren fungierten Vizefeldwebel als Zugführer – eine Dienststellung, die allgemein einem Leutnant oder Oberleutnant oblag.
Feldwebel Wachtmeister Wachtmeister Höchster Unteroffiziersrang. Der Feldwebel war mit dem inneren Dienst und Verwaltungsaufgaben betraut und arbeitete eng mit dem Kompaniechef zusammen.
Offizierstellvertreter Offizierstellvertreter Offizierstellvertreter Die Dienststellung wurde 1887 geschaffen. Dazu konnten aktive Vizefeldwebel und Feldwebel nach mindestens vier Jahren tadelsfreier Führung ernannt werden. Im Ersten Weltkrieg wurden zwei Planstellen pro Kompanie eingerichtet. Nach Kriegsende oder bei Entlassung war die Rückstufung in den alten Dienstgrad vorgesehen. Anrede war stets „Vizefeldwebel“ oder „Feldwebel“.
Fähnrich Fähnrich Fähnrich Offiziersanwärter im Unteroffiziersrang.
Subalternoffiziere
Feldwebelleutnant Feldwebelleutnant Feldwebelleutnant Seit 1877 der unterste Offiziersdienstgrad. Der Feldwebelleutnant hatte zwar den Rang eines Leutnants inne, rangierte jedoch stets hinter dem Inhaber des „wirklichen“ Dienstgrads, da er kein Offizierspatent besaß. Zwitterstellung zwischen Unteroffizier und Offizier. Zur Beförderung vorgesehen waren die Unteroffiziere des Beurlaubtenstandes (Reserve), nicht aber die „aktiven“ (d.h. die Berufs-)Unteroffiziere, die - allerdings nur im Kriegsfall - zu regulären Offizieren aufsteigen konnten.
Leutnant / Secondelieutenant Leutnant / Secondelieutenant Leutnant /

Feuerwerksleutnant

Stellvertreter des Hauptmanns, Kontrolle des praktischen Dienstes und der Unteroffiziere.
Oberleutnant /

Premierlieutenant

Oberleutnant /

Premierlieutenant

Oberleutnant /

Feuerwerksoberleutnant

Stellvertreter des Hauptmanns, Kontrolle des praktischen Dienstes und der Unteroffiziere.
Hauptleute und Rittmeister
Hauptmann / Kapitän Rittmeister Hauptmann / Kapitän Kompaniechef
Stabsoffiziere
Major Major Major Bataillonskommandeur
Oberstleutnant Oberstleutnant Oberstleutnant Vertreter des Regimentskommandeurs
Oberst Oberst Oberst Kommandeur eines Regiments
Generäle
Generalmajor Generalmajor Generalmajor Führer eines aus 3–6 taktischen Einheiten bestehenden Verbandes, Brigadekommandeur.
Generalleutnant Generalleutnant Generalleutnant Kommandeur eines Flügels bzw. einer Division, mit Anspruch auf Anrede „Exzellenz“.
General der Infanterie General der Kavallerie General der Artillerie Befehlshaber eines Treffens (Teil einer in Schlachtordnung aufgestellten Armee, normalerweise zwei Treffen in einer Schlacht) bzw. Kommandierender General eines Armeekorps (größter militärischer Verband in Friedenszeiten).
Generaloberst Generaloberst Generaloberst Seit 1854, Generaloberst war die Bezeichnung des höchsten regulär erreichbaren Generalsranges in der preußischen Armee. Oberbefehlshaber einer Armee (im Kriege) bzw. Inspekteur einer Armee-Inspektion (im Frieden).
Generaloberst (mit dem Rang als Generalfeldmarschall) Generaloberst (mit dem Rang als Generalfeldmarschall) Generaloberst (mit dem Rang als Generalfeldmarschall) Seit 1911, Verleihung ehrenhalber. Ersetzte den bis dahin verliehenen Titel "charakterisierter Generalfeldmarschall".
Generalfeldmarschall Generalfeldmarschall Generalfeldmarschall Titel für besondere Verdienste, z. B. eine gewonnene Schlacht, eine erstürmte Festung oder einen erfolgreichen Feldzug.

Dienstgradabzeichen

Mannschaften

Die Gefreiten tragen an jeder Kragenseite einen Auszeichnungsknopf (der sog. Gefreitenknopf). Die Obergefreiten tragen an jeder Kragenseite den größeren Auszeichnungsknopf der Feldwebel und Sergeanten, außerdem die Säbeltroddel der Unteroffiziere.

Unteroffiziere ohne Portepee

Goldene oder silberne Tresse am Kragen und den Aufschlägen des Waffenrocks. Säbeltroddel oder Faustriemen mit einem in der Landesfarbe gemischten Quast.

Datei:Epauletten.jpg
Schulterstücke der Offiziere

Die Sergeanten tragen dazu einen großen Auszeichnungsknopf.

Unteroffiziere mit Portepee

Uniform wie Sergeant. Feldwebel, Wachtmeister, Vizefeldwebel und Vizewachtmeister tragen dazu das Offiziersseitengewehr mit Portepee, Feldwebel außerdem eine zweite Metalltresse über den Ärmelaufschlägen ("Kolbenringe").

Offizierstellvertreter

Sie tragen die Abzeichen der Vizefeldwebel bzw. Vizewachtmeister mit dem Unterschnallkoppel der Offiziere und die Schulterklappen haben eine Tresseneinfassung in Knopffarbe.

Feldwebelleutnants

tragen die Uniform der Vizefeldwebel, dazu aber die Schulterstücke der Leutnante.

Leutnante und Oberleutnante

tragen Schulterstücke (Achselstücke) aus mehreren nebeneinander liegenden silbernen Pattschnüren. Diese sind mit dünnen Fäden in den Landesfarben durchwirkt (Preußen: schwarz, Bayern: blau, Sachsen: grün, Württemberg: schwarz-rot, Hessen: rot, Mecklenburg: blau-gelb-rot usw.). Darauf aus Metall geprägt die Nummern oder Namenszüge, die auch die Mannschaften tragen. Leutnant ohne Stern, Oberleutnant ein goldener Stern unterhalb der Nummern/Namenszüge. Die Epaulettenfelder und die Unterlagen der Schulterstücke (Vorstöße) haben in den meisten Fällen die Farbe der Schulterklappen der Mannschaften. Die Monde der Epauletten in Knopffarbe. Keine Fransen.

Hauptleute bzw. Rittmeister

Wie Oberleutnante, jedoch zwei Rangsterne. Einer oberhalb und einer unterhalb der Nummern/Namenszüge auf den Schulterstücken. Auf den Epauletten links und rechts davon.

Stabsoffiziere

Geflochtene silberne, mit Landesfarben durchzogene Schnüre. Major ohne Stern, Oberstleutnant ein goldener Stern unterhalb, Oberst je ein goldener Stern unter- und oberhalb der Nummern/Namenszüge. Auf den Epauletten jedoch links und rechts davon. Epauletts mit silbernen Fransen, sonst wie Leutnante und Hauptleute.

Generale

Am Kragen und den Aufschlägen eine Eichenlaubstickerei. Schulterstücke: Geflochtene goldene runde Schnüre mit einer silbernen Kantschnur dazwischen. Diese mit dünnen Fäden in den Landesfarben durchwirkt. Generalmajor ohne Stern, Generalleutnant ein Stern (mittig), General der Infanterie/Kavallerie/Artillerie zwei Sterne (übereinander), Generaloberst drei Sterne (unten zwei nebeneinander, oben einer), Generaloberst mit dem Rang als Generalfeldmarschall vier Sterne (jeweils zwei nebeneinander oben und unten) und der Generalfeldmarschall zwei gekreuzte Kommandostäbe (hochkant). Die Rangsterne und Kommandostäbe sind auf den Schulterstücken silbern und auf den Epauletts golden. Epauletten: Die Rangsterne des Generals der Inf. usw. liegen nebeneinander. Beim Generaloberst sind sie im Dreieck angeordnet. Beim Generaloberst mit dem Rang als Generalfeldmarschall sind sie trapezförmig verteilt. Die Kommandostäbe des Generalfeldmarschalls liegen quer auf dem Epaulettenfeld. Die Monde sind silbern, ebenso die Felder. Dicke steife silberne Kantillen (Fransen).

Lebensverhältnisse im deutschen Heer

Verdienst und Unterhalt (um 1900)

Das Einkommen (Löhnung) der Mannschaften und Unteroffiziere bestand aus der alle zehn Tage im Voraus gezahlten Löhnung sowie dem Brotgeld, dem Beköstigungsgeld und der Bekleidung und Wohnung mit Heizung, Beleuchtung usw. In besonderen Fällen wurde hierfür eine finanzielle Entschädigung gezahlt. Dazu kostenlose ärztliche Behandlung und Arzneien. Verheiratete Unteroffiziere bekamen auch für ihre Familie kostenlose ärztliche Behandlung und Arzneien.[10]

Einige Unteroffiziere (wie z. B. Wallmeister, Zeugfeldwebel) bekamen ähnlich den Offizieren ein monatliches Gehalt.

Dienstgrad Gehalt oder Löhnung Beköstigungsgeld bzw. Servis Wohnungsgeldzuschuß
Mannschaften und Unteroffiziere - Löhnung monatlich in Mark
Gemeine 6,60 * ca. 9,-- Unterkunft wird gestellt
Gefreiter 8,10 ca. 9,-- Unterkunft wird gestellt
Unteroffizier 21,60 ca. 13,-- Unterkunft wird gestellt
Sergeant 32,10 ca. 13,-- Unterkunft wird gestellt
Vizefeldwebel 41,10 ca. 13,-- Unterkunft wird gestellt
Feldwebel 56,10 ca. 13,-- Unterkunft wird gestellt
Offiziere - Gehalt jährlich in Mark
Zeugfeldwebel
(kein Offizier, aber Gehaltsempfänger)
1.104,-- bis 1.404,-- 300,-- Dienstwohnung
Leutnant 900,-- bis 1.188,-- 288,-- bis 420,-- 216,-- bis 420,-- (unverheiratete Leutnante
6,-- Tischgeld)
Hauptleute und Rittmeister II. Klasse 3.900,-- 432,-- bis 972,-- 360,-- bis 900,--
Hauptleute und Rittmeister I. Klasse 5.850,-- 432,-- bis 972,-- 360,-- bis 900,--
Stabsoffiziere
(kein Regimentskommandeur)
5.850,-- 594,-- bis 1.314,-- 540,-- bis 1.200,--
Stabsoffiziere
(als Regimentskommandeur)
7.800,-- 594,-- bis 1.314,-- 600,-- bis 1.500,--
Kommandierender General 12.000,-- 1.188,-- bis 2.520,-- Dienstwohnung mit Einrichtung

Dazu im Vergleich: 1910 verdiente ein Metallarbeiter (Dreher, Schlosser, Eisenbieger, Schleifer usw.) wöchentlich zwischen M 20,-- bis M 40,--[11], das sind M 1040,-- bis M 2080,-- im Jahr.

  • * Mannschaften bekamen einen Tagessold von 22 Pfennig. Diese 22 Pfennige werden auch in dem volkstümlichen Text des Präsentiermarsches Friedrich Wilhelms III. besungen. Soldaten der Garde erhielten 1 Pfennig Gardezulage und kamen so auf 23 Pfennige.

Lebensumstände der Offiziere

Die finanziellen Verhältnisse der unteren Offiziersdienstgrade waren ausgesprochen karg. Die Leutnante waren auf Zulagen von zu Hause angewiesen. Je nach Exklusivität des Regiments und des daraus resultierenden Lebensstiles, waren Zulagen von M 50,-- bis M 200,-- monatlich nötig. Von seinem Gehalt konnte ein Leutnant nicht leben. Dies sorgte natürlich auch für eine soziale Auswahl. Die angehenden Offiziere stammten in der Regel aus Familien, die zur finanziellen Unterstützung ihrer Söhne in der Lage waren.

Im Regelfall vergingen bis zur Beförderung zum Hauptmann rund zehn Jahre, die nächste Beförderung zum Major dauerte dann noch einmal rund 15 Jahre. Die wenigsten Offiziere schafften es bis zum Stabsoffizier. Die meisten verließen vorher das Heer, was jederzeit problemlos möglich war. Feste Verpflichtungszeiten gab es nicht.

Für eine Ehe wurde ein Jahreseinkommen von wenigstens M 4000,-- als notwendig angesehen, was erst der ältere Hauptmann erreichte. Vorher konnte der Offizier nur heiraten, wenn die Braut genügend Geld mit in die Ehe brachte. Für die Eheschließung musste eine vom Vorgesetzten erteilte "Heiratserlaubnis" vorliegen. Die finanzielle Lage war bei der Erteilung dieser Erlaubnis sehr wichtig, ebenso die "standesgemäße" Herkunft der Braut.

Erst ab dem Hauptmann aufwärts wurden die Offiziersgehälter denen der höheren Beamten vergleichbar.[12]

Militärische Ausbildung, Alltag und Rekrutierung

Allgemeines

Jedes Armeekorps hatte seinen eigenen Ersatzbezirk, aus dem der Personalbedarf zum allergrößten Teil gedeckt wurde. Die allgemeine Wehrpflicht war aus heutiger Sicht in dem sich rapide modernisierenden deutschen Kaiserreich ein wichtiger Integrationsfaktor. Bei rund 200.000 bis 300.000 jährlich eingezogenen Männern wurden längst nicht alle Wehrpflichtigen gezogen; Rekruten vom Land waren deutlich bevorzugt. Die Einziehungsquote von "Großstädtern" oder Arbeitern war dagegen deutlich niedriger. Die jungen Männer erlebten eine Organisation mit strenger Disziplin, in der versucht wurde, Gerechtigkeit zu praktizieren. Die Anforderungen und Bedingungen des Dienstes waren im Allgemeinen hart. Missstände und Übergriffe gegen Wehrpflichtige wurden aber zunehmend von der Presse aufgegriffen und teilweise sogar im Reichstag diskutiert. Die obere Führung sah sich veranlasst, den gröbsten Fehlentwicklungen gegen zu steuern. Der Dienst im Heer wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts deutlich attraktiver und so meldeten sich 1912 bereits 64.000 Männer freiwillig.[13]

Die Masse der Unteroffiziere ging aus den Reihen der Kapitulanten hervor, Wehrpflichtige, die ihren zweijährigen Wehrdienst freiwillig um ein Jahr verlängert hatten. Ein Aufstieg zum Offizier war so gut wie ausgeschlossen. So dienten die meisten zwölf Jahre und wurden dann als sogenannte "Militäranwärter" vorrangig in der gesamten unteren zivilen Verwaltung, bei Post und Eisenbahn usw. untergebracht.

Beim Offiziersnachwuchs musste immer mehr auf nichtadlige Bevölkerungsschichten zurückgegriffen werden. Voraussetzung war in Preußen für den Offiziersbewerber die Primareife, in Bayern das Abitur, vor dem Ersten Weltkrieg hatten aber bereits 2/3 der Offiziersbewerber das Abitur. 1913 waren 70 Prozent der Offiziere Bürgerliche.

Das Offizierskorps hatte vor allem in Preußen eine herausragende gesellschaftliche Stellung inne, weniger in den süddeutschen Bundesstaaten. So war in Preußen bereits der Leutnant hoffähig, in Bayern erst der Stabsoffizier. Das Renommée des Offiziers war hoch, beispielsweise wegen der großen Bedeutung der durch das Militär erkämpften Einheit Deutschlands. Dementsprechend stand in bürgerlichen Kreisen eine Reserveoffizierslaufbahn hoch im Kurs.

Wilhelm II. hatte nachdrücklich betont, dass die Reserveoffiziere nur den sogenannten "offizierfähigen Schichten" entnommen werden sollten.[14]Juden zählten aufgrund eines ungeschriebenen Gesetzes nicht dazu. Nur in der bayerischen Armee waren es ihnen möglich, Reserveoffizier zu werden.

Jeder Offizier war verpflichtet, die Standesehre zu wahren und zu verteidigen. Sie war nicht nur etwas Persönliches und Individuelles, sondern Gemeingut des gesamten Korps. Die Standesehre beinhaltete Treue gegenüber dem Monarchen und Volk und Vaterland, das „preußische“ Pflichtbewusstsein unter dem Überbegriff des „Dienens“, aber auch Treue nach unten, eine persönliche Fürsorgepflicht für seine Untergebenen. Dieser Ehrbegriff führte zu einem homogenen Offizierskorps, welches über einheitliche Normen und Wertvorstellungen verfügte.[13]

Wehrpflicht

Jeder Deutsche, sofern tauglich und nicht wegen entehrender Strafen ausgeschlossen, war vom vollendeten 17. bis zum vollendeten 45. Lebensjahr wehrpflichtig. Jeder Wehrpflichtige konnte vom 20. bis zum 39. Lebensjahr zum Dienst im Heer oder der Marine herangezogen werden.

Die Dienstpflicht gliederte sich in:

  1. die aktive Dienstpflicht
  2. die Reservepflicht
  3. die Landwehrpflicht
  4. die Ersatz-Reserve-Pflicht.

Wer keiner dieser Kategorien angehörte, gehörte zum Landsturm.

Aktive Dienstpflicht

Sie dauerte seit 1893 bei der Infanterie und allen übrigen Fußtruppen zwei Jahre, bei der Kavallerie und der reitenden Artillerie drei Jahre, beim Train ein oder zwei Jahre und bei der Marine drei Jahre.

Einjährig-Freiwillige

Junge Männer, die eine wissenschaftliche Befähigung (zum Beispiel Zeugnis nach einjährigem Besuch der Untersekunda, Reifezeugnis) nachweisen konnten oder die Einjährigen-Prüfung bestanden hatten, sowie finanziell in der Lage waren, sich selbst einzukleiden, konnten ihrer Dienstpflicht als sogenannte Einjährig-Freiwillige genügen. Sie mussten sich zwischen dem vollendeten 17. und 20. Lebensjahr freiwillig melden. Die Prüfung erstreckte sich auf drei Sprachen (Deutsch und zwei Fremdsprachen) sowie Geographie, Geschichte, Literatur, Mathematik, Physik und Chemie. Die Einstellung erfolgte zum 1. Oktober eines jeden Jahres, ausnahmsweise auch zum 1. April eines Jahres. Die Einjährig-Freiwilligen durften, sofern möglich, sich den Truppenteil selbst aussuchen und dienten ein Jahr. Nach sechs Monaten aktiver Dienstzeit konnten sie zum Gefreiten befördert werden.

Die Einjährig-Freiwilligen wurden, sofern sie sich eigneten, zu Offizieren der Reserve und der Landwehr ausgebildet, ansonsten zu Unteroffizieren der Reserve und Landwehr.

Reservepflicht

Die aus dem aktiven Dienst Entlassenen traten zur Reserve über. Die Reservepflicht dauerte so lange, bis zusammen mit der aktiven Dienstpflicht sieben Jahre erreicht waren. Reservisten waren zur Teilnahme an Übungen von acht Wochen Dauer verpflichtet.

Landwehrpflicht

Es gab bei der Landwehr das erste und das zweite Aufgebot. Nach der Reservezeit trat man zum ersten Aufgebot über. Bei bis zu zweijährigem aktivem Dienst dauerte die Dienstpflicht fünf Jahre. Männer mit mindestens dreijährigem Aktivdienst verblieben nur drei Jahre im ersten Aufgebot. Die Männer des ersten Aufgebotes konnten zu Übungen herangezogen werden.

Landwehrleute gehörten bis zum 31. März des Jahres, in welchem sie das 39. Lebensjahr vollendeten, zum zweiten Aufgebot. Für diejenigen, die vor dem 20. Lebensjahr mit dem Dienst begonnen hatten, endete die Dienstpflicht entsprechend früher.

Ersatz-Reserve-Pflicht

Männer, die zwar tauglich gemustert, aber nicht zum aktiven Wehrdienst herangezogen worden waren, wurden, soweit Bedarf vorlag, zur Ersatz-Reserve überwiesen. Diese Mannschaften waren zur Ergänzung des Heeres im Kriegsfalle bestimmt. Der Personenkreis war sehr umfangreich, denn 1914 war fast die Hälfte aller Tauglichen jedes Jahrgangs nicht zum Aktivdienst einberufen worden. Die Ersatzreservepflicht dauerte zwölf Jahre, vom 20. bis zum 32. Lebensjahr.

Landsturm

Alle Personen vom 17. bis zum vollendeten 45.Lebensjahr, welche nicht zu den obigen Gruppen gehörten und wehrwürdig und -fähig waren, gehörten zum Landsturm. Außerdem wurden die Angehörigen der Landwehr nach vollendetem 39. Lebensjahr und die ungeübten Ersatzreservisten nach vollendetem 32. Lebensjahr dem Landsturm überwiesen (§§ 14, 20 der Deutschen Wehrordnung vom 22. November 1888). Übungen gab es in Friedenszeiten nicht.

Ersatzbezirke

Jedes Armeekorps hatte einen eigenen Ersatzbezirk, aus welchem die korpsangehörigen Truppen in erster Linie ergänzt wurden. Die Korpsbezirke waren weiter untergliedert in Landwehrbezirke, geführt von einem Bezirkskommando. Die Landwehrbezirke wiederum setzten sich aus mehreren unteren Verwaltungsbezirken (preußischen Landkreisen, bayerischen Bezirksämtern, sächsischen Amtshauptmannschaften usw.) zusammen. Darüber hinaus waren Meldeämter und Hauptmeldeämter zur Überwachung der Wehrpflichtigen eingerichtet. Das Gardekorps hatten keinen eigenen Korpsbezirk, der ausgesuchte Mannschaftsersatz der preußischen Garde kam aus ganz Preußen und den weiteren Bundesstaaten Nord- und Mitteldeutschlands.

Beginn des Wehrdienstes und Vereidigung

Der Wehrdienst begann im Oktober eines jeden Jahres. Die Vereidigung erfolgte, nach dem Verlesen der Kriegsartikel und Vorbereitung durch Geistliche, konfessionsweise in den Kirchen und Synagogen, mit der Hand auf der Fahne oder bei der Artillerie auf der Kanone. Jeder Bundesstaat hatte eine eigene Eidesformel. Die Vereidigung erfolgte auf den jeweiligen Landesherrn und den Kaiser. Elsässer und Lothringer wurden nur auf den Kaiser vereidigt. Leisteten Wehrpflichtige in einem anderen Bundesstaat ihren Wehrdienst ab, leisteten sie den Eid ihres eigenen Bundesstaates mit Belehrung, dem Landesherrn ihres Truppenteiles ebenfalls verpflichtet zu sein.

Freiwilliger Dienst

Es gab die Möglichkeit, sich freiwillig zu zwei-, drei- oder vierjährigem aktiven Dienst zu melden - mit dem Vorteil, die bevorzugte Waffengattung wählen zu dürfen, anstatt zugeteilt zu werden. Auch konnte der Wehrdienst freiwillig verlängert werden, diese Freiwilligen hießen dann Kapitulanten, aus ihnen wurden bevorzugt die Unteroffiziere rekrutiert.

Zivilversorgung ausgedienter Unteroffiziere

Unteroffiziere, die nach 12-jähriger Dienstzeit ausschieden, erhielten einen Zivilversorgungsschein, der ihnen eine bevorzugte Einstellung im Staatsdienst ermöglichte. Darüber hinaus erhielten Verabschiedete eine Dienstprämie (Unteroffiziersprämie) von (1911) 1000 Mark.

Literatur

  • Curt Jany: Geschichte der preußischen Armee vom 15. Jahrhundert bis 1914. Biblio Verlag, Osnabrück 1967.
  • Hans Meier-Welcker (Hrsg.): Handbuch zur deutschen Militärgeschichte 1648-1939. (Band 2, 3), München 1979.
  • Albert Benary: Das deutsche Heer. Etthofen Verlag Berlin 1932
  • Neugebauer/Ostertag: Grundzüge der deutschen Militärgeschichte. Band 1 und 2: Arbeits- und Quellenbuch, Rombachverlag, Freiburg 1993, 1. Auflage, ISBN 3-7930-0602-6.
  • Heinrich Dietz: Handwörterbuch des Militärrechts. Greiser, Rastatt, 1912.
  • B. Friedag: Führer durch Heer und Flotte. 11. Jahrgang 1914 (Neudruck der 2. verb. Auflage 1913, Biblio Verlag Osnabrück 1993), ISBN 3-7648-1239-7.
  • Hein: Das kleine Buch vom Deutschen Heere. Verlag Lipsius & Tischer , Kiel und Leipzig, 1901; Reprint Weltbildverlag, Augsburg, 1998, ISBN 978-3-8289-0271-8
  • Ralf Raths: Vom Massensturm zur Stoßtrupptaktik. Die deutsche Landkriegtaktik im Spiegel von Dienstvorschriften und Publizistik 1906 bis 1918. Freiburg 2009, ISBN 978-3-7930-9559-0
  • Alfred Satter: Die deutsche Kavallerie im Ersten Weltkrieg, Books on Demand GmbH Norderstedt, 1944, ISBN 3-8334-1564-9 [1]
  • Deutsche Wehrordnung, Berlin 1888, ISBN 978-3-941919-23-5, eBook (Faksimilie) oder Reprint, Potsdam 2009

Weblinks

 Commons: Deutsches Heer (bis 1919) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Wehler, Gesellschaftsgeschichte Bd.3, S. 877 f.
  2. Wehler, Gesellschaftsgeschichte Bd. 3, S. 873–885, S. 1109–1138, Nipperdey, Machtstaat, S. 230–238.
  3. Vertrag zwischen dem Norddeutschen Bunde, Baden und Hessen einerseits und Württemberg andererseits, betreffend den Beitritt Württembergs zur Verfassung des Deutschen Bundes
  4. Hermann Mattutat, Jugendwehr und Arbeiterbewegung, 1914 veröffentlicht in den Sozialistischen Monatsheften
  5. Das kleine Buch vom deutschen Heere, Verlag von Lipsius & Tischler, Kiel und Leipzig 1901, Seite 24 ff.
  6. Sattler, S. 24
  7. 7,0 7,1 Neugebauer/Ostertag: Grundzüge der deutschen Militärgeschichte, Band 2: Arbeits- und Quellenbuch, Rombachverlag, Freiburg 1993, 1. Auflage, Seite 212.
  8. Das kleine Buch vom deutschen Heere, Verlag von Lipsius & Tischler, Kiel und Leipzig 1901, Seite 203.
  9. In dieser Farbkombination nur bei diesem einen Regiment
  10. Das kleine Buch vom deutschen Heere, Verlag von Lipsius & Tischler, Kiel und Leipzig 1901, Seite 124 ff.
  11. Quelle: Adolf Levenstein, Die Arbeiterfrage mit besonderer Berücksichtigung der sozialpsychologischen Seite des modernen Großbetriebes und der psychophysischen Einwirkungen auf die Arbeiter, München, 1912 S. 68-75.
  12. Karl-Volker Neugebauer, Grundzüge der deutschen Militärgeschichte Band 1, Rombach Verlag Freiburg, 1993 S. 223-224
  13. 13,0 13,1 Karl-Volker Neugebauer, Grundzüge der deutschen Militärgeschichte, Rombach Verlag, Freiburg 1993, Seite 220 ff.
  14. Kabinettsorder vom 29. März 1890


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Deutsches Heer (Deutsches Kaiserreich) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.