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Das Wesen des Christentums (Feuerbach)

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Das Wesen des Christentums ist eine Schrift des deutschen Philosophen Ludwig Feuerbach aus dem Jahre 1841. Sie gilt als das zentrale Werk seiner Religionskritik. In diesem Werk begründet Feuerbach seine Projektionstheorie.

Inhalt

  • Tiere haben keine Religion.
  • Der Unterschied zwischen Tier und Mensch ist das Bewusstsein, nicht im Sinne des Selbstgefühls, sondern die Fähigkeit, sich selbst im Verhältnis zur Gattung zu sehen. Das Tier hat nur ein inneres Wesen, der Mensch hingegen ein inneres und ein äußeres. Das innere Leben des Menschen ist das Leben im Verhältnis zu seiner Gattung.
  • Der Mensch kann die Gattungsfunktionen Denken und Sprechen ohne einen anderen verrichten. Der Mensch ist zugleich Ich und Du, er kann sich selbst an die Stelle eines anderen setzen.
  • Beschränktes Bewusstsein ist kein Bewusstsein. Das Bewusstsein einer Raupe zum Beispiel, die auf bestimmten Pflanzen lebt, denkt nicht über diese Pflanzen hinaus. Sie kann nur diese Pflanzen von anderen unterscheiden. Ein solch beschränktes Bewusstsein ist nur Instinkt. Echtes Bewusstsein ist unendlich.
  • Zu einem vollkommenen Menschen gehört die Kraft des Denkens, die Kraft des Willens und die Kraft des Herzens. Der Mensch ist, um zu erkennen, um zu lieben, um zu wollen. Vernunft, Wille und Liebe sind nichts, was der Mensch hat, sondern was er ist. Ohne sie ist der Mensch nichts.
  • Merkur, Venus und Mars haben die gleiche Sonne. Jedem Planeten erscheint sie aber anders. Wie die Sonne den Uranus erleuchtet, hat keine Bedeutung auf der Erde. Wie die Sonne für die Erde ist, ist eine Selbstaussage der Erde, denn wie die Sonne die Erde bescheint, sagt etwas über die Entfernung der Erde zur Sonne. Das Bewusstsein der Sonne ist somit das Selbstbewusstsein der Erde.
  • Ebenso wird der Mensch an dem Gegenstand seiner selbst bewusst: Das Bewusstsein des Gegenstandes ist das Selbstbewusstsein des Menschen. Wie der Mensch etwas sieht, zeigt ihm sein eigenes Wesen. Was für eines Gegenstandes wir uns daher auch nur immer bewusst werden: wir werden stets zugleich unseres eigenen Wesens bewusst.
  • Die Raupe, die über ihre Welt hinaus nichts kennt, kann sich nicht als endlich erkennen. Das Blatt, auf dem die Raupe lebt, ist für sie eine Welt, ein unendlicher Raum, weil sie darüber hinaus nichts kennt. Einem beschränkten Wesen ist sein beschränkter Verstand keine Schranke, es ist vielmehr vollkommen glücklich und befriedigt.
  • Der Mensch erkennt sich im Wissen des Unendlichen der Gattung als endliches Wesen.
  • Der Mensch neigt jedoch dazu, seine eigenen Schranken zu Schranken der Gattung zu erklären. Was einem selbst unbegreiflich ist, muss auch den anderen Menschen unbegreiflich sein: so muss ich mich nicht schämen, weil mein Begreifen endlich ist.
  • Musik ist ein Monolog des Gefühls. Wenn ich in mir kein Gefühl für Musik habe, kann ich Musik nicht als solche erkennen, sie ist für mich nur Geräusch.
  • Dasselbe gilt für das religiöse Gefühl. Wenn ich kein religiöses Gefühl in mir habe, kann ich nichts Religiöses erkennen. Also ist Religion nur ein Gefühl in mir selbst. Das Religiöse entsteht in mir selbst, somit ist der Gegenstand, der in mir das religiöse Gefühl auslöst, außerhalb von mir variabel. Das Gefühl ist atheistisch im Sinne des orthodoxen Glaubens, als welcher Religion an einem äußeren Gegenstand anknüpft; es leugnet einen gegenständlichen Gott – er ist sich selbst Gott.
  • Dieselbe Bewandtnis wie mit dem Gefühl hat es mit jeder anderen Kraft, Fähigkeit, Potenz, Realität, Tätigkeit.
  • Die Wesen anderer, höherer Art, die sich der Mensch vorstellt, sind immer mit Wesensbestimmungen ausgestattet, die er aus seinem eigenen Wesen schöpft, Bestimmungen, in denen er nur sich selbst abbildet.
  • Der Gegenstand des Menschen ist nichts anderes als sein gegenständliches Wesen selbst. Wie der Mensch denkt, wie er gesinnt ist, so ist sein Gott. Die Erkenntnis Gottes ist deshalb die Selbsterkenntnis des Menschen. Der Mensch ist sich dessen jedoch nicht bewusst. Er verlegt sein Wesen zuerst außer sich, ehe er es in sich findet. Der Mensch vergegenständlicht sein Wesen und betet es in Form eines Gegenstandes an.
  • Die Religion gesteht ein, dass die Wesenmerkmale Gottes menschlich sind. Dies sagt jedoch nichts über Gott aus. Der Mensch kann sich unter Gott nur das vorstellen, was Gott ist. Deshalb ist das Gottesbild menschenähnlich, was nicht bedeutet, dass Gott so ist.
  • Der Mensch geht dennoch davon aus, dass seine Vorstellung von Gott der Realität Gottes entspricht. Würde der Mensch diesen Anspruch an sein Gottesbild nicht haben, wäre der Glaube beliebig.
  • Wer an der Wahrheit seines Gottesbildes zweifelt, muss auch an der Existenz Gottes überhaupt zweifeln.
  • Das Höchste für den Menschen ist das Existieren. Daher ist für ihn Gott ein existierender Gott.
  • Gott ist das Größte, was man sich vorstellen kann. Würde ein Vogel sich Gott vorstellen, so hätte sein Gott Flügel, denn für einen Vogel gibt es nichts Größeres als Flügel zu haben.
  • Die Götter der Menschen entsprechen ihnen selbst. Einen Gott, der in einem Tempel wohnt, gibt es erst, seitdem der Mensch in Häusern wohnt. Für die alten Germanen war die Tugend des Krieges ihre höchste Tugend. Daher war ihr höchster Gott der Kriegsgott – Odin.
  • Ein wahrer Atheist ist daher nur der, dem diese Prädikate wie Liebe, Weisheit, Gerechtigkeit nichts bedeuten.
  • Das Prädikat ist das eigentliche Subjekt der menschlichen Verehrung. Das ist durch die Verbindung mehrerer Prädikate in einem göttlichen Subjekt vergessen worden.
  • Die Religionen rechtfertigen die Parallelität von menschlich geschätzten und göttlichen Prädikaten damit, dass dies nur die Auswahl der göttlichen Prädikate sei, die der Mensch erkennt. Gott habe darüber hinaus unendlich viele mehr.
  • Der Religion sind die Anthropomorphismen (Zusprechen menschlicher Eigenschaften auf Götter) keine Anthropomorphismen.
  • Eine Qualität ist nicht göttlich, weil Gott sie hat, sondern Gott hat sie, weil sie selbst göttlich ist, weil Gott ohne sie ein mangelhaftes Wesen ist.
  • Die Mönche kompensierten ihre Keuschheit mit der Jungfrau Maria. Sie wurde ihnen so wichtig, dass sie fast die Stelle Gottes einnahm.
  • Im Spiegel des unendlich guten Gottes erkennt der Mensch sich als begrenzt. Zur Verehrung Gottes macht der Mensch sich klein und gesteht sich ein, dass er, im Gegensatz zu Gott, nur begrenzt gut, liebend, weise etc. ist. Durch Gott erkennt der Mensch, was er selbst nicht ist, aber sein soll, und somit sein kann. Denn ein Sollen ohne Können wäre lächerlich.
  • Solange der Mensch Gott als das Gute verehrt, sieht er sich selbst als gut, da Gott ja nur die nach außen getragenen Eigenschaften des Menschen ist.
  • Der Israelit überließ es Gott, alle Entscheidungen für ihn zu treffen. Im Gesetz war alles bis dahin geregelt, wie er sich zu waschen und was er zu essen habe. Der Christ hingegen entscheidet diese Äußerlichkeiten selbst. Der Christ setzt in sich selbst, was der Israelit außer sich in Gott setzte. So verändert sich in der Geschichte Gott, je nachdem, was der Mensch in sich selbst behält oder aus sich selbst heraus auf ein der Phantasie entsprungenes Subjekt überträgt.

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