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Christian Fürchtegott Gellert

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Christian Gottfried Gellert, Gemälde von Gottfried Hempel, 1752, Gleimhaus Halberstadt
Christian Fürchtegott Gellert, Porträt von Anton Graff
Rathaus und Gellert-Denkmal in Hainichen
Originale Grabplatte der Gebrüder Gellert (seit 2009 an einer Wand im Hof des Leipziger Grassimuseums)
Die neue Grabplatte auf dem Südfriedhof Leipzig
Gellert-Denkmal in Neubrandenburg

Christian Fürchtegott Gellert (geb. 4. Juli 1715 in Hainichen; gest. 13. Dezember 1769 in Leipzig) war ein deutscher Dichter und Moralphilosoph der Aufklärung und galt zu Lebzeiten neben Christian Felix Weiße als meistgelesener deutscher Schriftsteller.

Leben

Gellert wuchs als fünfter Sohn einer Pastorenfamilie in ärmlichen Verhältnissen in Hainichen in Sachsen auf, besuchte aber ab 1729 die Fürstenschule St. Afra in Meißen. Sein älterer Bruder Christlieb Ehregott Gellert wurde als Metallurge und Mineraloge bekannt. 1734 nahm Gellert an der Universität Leipzig sein Studium der Theologie und Philosophie auf, das er 1739 aber aus Geldmangel für ein Jahr unterbrechen musste. Bereits im Vorjahr war ein erster Versuch, als Prediger aufzutreten, an seiner Schüchternheit gescheitert. In der Folge hielt er sich mit Privatstunden und der Erziehung junger Adliger über Wasser und machte sich mit französischer und englischer Literatur vertraut. Auch arbeitete er an der Übersetzung der Enzyklopädie Bayles mit, die Johann Christoph Gottsched in Angriff genommen hatte. Er schloss sein Studium 1744 mit einer Dissertation über Theorie und Geschichte der Fabel ab. Während der Schul- und Studienzeit lernte er unter anderem Karl Christian Gärtner, Johann Andreas Cramer (Theologe), Johann Adolf Schlegel, Johann Arnold Ebert, Nikolaus Dietrich Giseke und Friedrich Gottlieb Klopstock kennen und wirkte als Herausgeber an den Bremer Beiträgen mit.

Seine Gesundheit war bereits seit längerer Zeit angeschlagen, hinzu kam eine ausgeprägte Hypochondrie. Seit 1745 hielt er in Leipzig Vorlesungen über Poesie, Beredsamkeit und Moral, 1751 wurde er zum außerordentlichen Professor für Philosophie ernannt und war seitdem als Hochschullehrer tätig.

Während des Siebenjährigen Krieges versuchte er seine traumatischen Erlebnisse in den Geistlichen Liedern und Oden (1757) zu verarbeiten. Weder Kuren noch Ausflüge nach Berlin, Karlsbad und Dresden konnten seine Stimmung bessern. 1761 schlug er aus Sorge um seine Gesundheit einen ordentlichen Philosophie-Lehrstuhl aus. Seine Vorlesungen über Moral erregten bei den Zeitgenossen großes Aufsehen. So bezeichnete Goethe seine Morallehre als „Fundament der deutschen sittlichen Kultur“.

Noch während der Korrekturarbeiten an seiner Moral verschlechterte sich sein Gesundheitszustand entscheidend; er starb im Alter von 54 Jahren. Gellert wurde gemeinsam mit seinem Bruder, dem Oberpostkommissar Friedrich Lebrecht (* 10. November 1711; † 8. Januar 1770), der nur einen Monat nach ihm starb, auf dem Alten Johannisfriedhof in Leipzig beigesetzt. Im Jahr 1900 wurden die Gebeine der beiden Brüder in die Gruft der Johanniskirche umgebettet. Nach deren Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurden sie 1949 in die Universitätskirche überführt. Nach deren Sprengung 1968 fanden sie ihre letzte Ruhestätte auf dem Leipziger Südfriedhof (I. Abteilung).

Werke

Gellert begann mit der Publikation seiner literarischen Werke bereits während seiner Studienzeit. Einen Höhepunkt erreichte sein Schaffen in den Jahren 1740–1750. Seine Werke – besonders seine Fabeln – zählten in der Übergangszeit zwischen Aufklärung, Empfindsamkeit und Sturm und Drang zu den meistgelesenen in Deutschland.

Durch seine breite Wirkung trug er zur Bildung eines allgemeinen Lesepublikums in Deutschland bei und ebnete so den Weg für die Dichter der folgenden Generationen. Seine Lustspiele brachten erstmals bürgerliche Figuren und deren Milieu auf die Bühnen; der Roman Leben der schwedischen Gräfin von G*** hatte die Ethik bürgerlicher Moral zum Gegenstand und war Wegbereiter des Romans in Deutschland.[1] Lessing lobte besonders den Stil seines Briefwechsels, Wieland erhob ihn zu seinem „Liebling“. Die Geistlichen Lieder und Oden wurden später von Carl Philipp Emanuel Bach, Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven (Sechs Gellert-Lieder Op. 48) vertont.

Gellert war zu seinen Lebzeiten als Professor und als Dichter außerordentlich beliebt und kaum irgendwelcher Kritik ausgesetzt. Dies änderte sich sehr bald nach seinem Tod. Die Autoren des Sturm und Drang wollten ihn zu einem „mittelmäßigen“, moralinsauren Dichter „für Landpastorentöchter“ herabsetzen, wie sich 1771/1772 Jakob Mauvillon und Ludwig A. Unzer im fiktiven Briefwechsel Über den Werth einiger deutscher Dichter äußerten.[2]

Neben zahlreichen Fabeln, die in zwei Bänden 1746 und 1748 erschienen, Erzählungen, Abhandlungen, Reden und Vorlesungen veröffentlichte er:

  • Die Betschwester (Lustspiel, 1745)
  • Das Los in der Lotterie (Lustspiel, 1746)
  • Die zärtlichen Schwestern (Lustspiel, 1747)
  • Das Leben der Schwedischen Gräfin von G*** (Roman, 2 Teile, 1747/48)
  • Briefe, nebst einer praktischen Abhandlung von dem guten Geschmacke in Briefen (1751)
  • Geistliche Oden und Lieder (1757)
  • Die Biene und die Henne (Fabel, 1769)

Lieder

Zu den bekanntesten Liedern Gellerts zählen:

  • Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre (u. A. von Beethoven vertont);
  • Dies ist der Tag, den Gott gemacht (Weihnachtslied, EG 42)
  • Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken (Passionslied, EG 91)
  • Jesus lebt, mit ihm auch ich (Osterlied, EG 115)
  • Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht (EG 506)
  • Mein erst Gefühl sei Preis und Dank (Morgenlied, EG 451)
  • Gott ist mein Lied (EG, Regionalausgabe Nordelbien 536)

Gedenktag

13. Dezember im Evangelischen Namenkalender.[3]

Literatur

  • Rafael Arto-Haumacher: Gellerts Briefpraxis und Brieflehre: der Anfang einer neuen Briefkultur. Wiesbaden 1995.
  • Friedrich Koch: Christian Fürchtegott Gellert. Poet und Pädagoge der Aufklärung. Weinheim 1992.
  • Kurt May: Das Weltbild in Gellerts Dichtung. Frankfurt 1928.
  • Alessandro Pellegrini: Die Krise der Aufklärung. Das dichterische Werk Christian Fürchtegott Gellerts und die Gesellschaft seiner Zeit. In: Literaturwissenschaftliches Jahrbuch. Neue Folge 7/1966, S. 37 ff.
  • Carsten Schlingmann: Gellert. Eine literaturhistorische Revision. Bad Homburg v.d,.H./Berlin/Zürich 1967.
  • Erich Schmidt: Gellert, Christian Fürchtegott. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 8, Duncker & Humblot, Leipzig 1878, S. 544–549.
  • Sikander Singh: Christian Fürchtegott Gellert. Wehrhahn, Hannover 2010.
  • Bernd Witte (Hrsg.): Ein Lehrer der ganzen Nation. Leben und Werk Christian Fürchtegott Gellerts. München 1990.
  • Friedemann Steiger: Christian Fürchtegott Gellert. Reflexionen zu den Geistlichen Oden und Lieder von 1757 sowie der Entwurf eines Drehbuchs zu seinem Leben. Leicht übertragen, ergänzt, kommentiert, angefragt, durchgeknetet, erlitten, erklärt, gesungen und gebetet. Leipzig 2006

Weblinks

 Commons: Christian Fürchtegott Gellert – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Wikisource: Christian Fürchtegott Gellert – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Vgl. Sophie von La Roche: Geschichte des Fräuleins von Sternheim.
  2. Susanne Paesel: Zur Fabel „Das Pferd und die Bremse“ von Christian Fürchtegott Gellert. Grin-Verlag, 2002, ISBN 3-638-74759-X, S. 4.
  3. Christian Fürchtegott Gellert im Ökumenischen Heiligenlexikon


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