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Chełmno (Weichsel)

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Chełmno
POL Chełmno COA.svg
Chełmno (Polen)
Chełmno
Chełmno
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Kujawien-Pommern
Landkreis: Chełmno
Fläche: 13,9 km²
Geographische Lage: 53° 21′ N, 18° 25′ O53.3518.416666666667Koordinaten: 53° 21′ 0″ N, 18° 25′ 0″ O
Höhe: 75 m n.p.m
Einwohner:

19.605
(30. Jun. 2019)[1]

Postleitzahl: 86-200 bis 86-203
Telefonvorwahl: (+48) 56
Kfz-Kennzeichen: CCH
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DanzigToruń
Nächster int. Flughafen: Danzig
Bydgoszcz
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 13,9 km²
Einwohner:

19.605
(30. Jun. 2019) [2]

Bevölkerungsdichte: 1415 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0404011
Verwaltung (Stand: 2008)
Bürgermeister: Mariusz Arkadiusz Kędzierski
Adresse: ul. Dworcowa 1
86-200 Chełmno
Webpräsenz: www.chelmno.pl

Chełmno [ˈxɛwmnɔ] (deutsch Culm oder Kulm[3]) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern in Polen und liegt nahe dem rechten Ufer am Weichselknie etwa 30 Kilometer nordöstlich von Bydgoszcz (Bromberg). Chełmno ist Sitz des Landkreises Powiat Chełmiński und hat rund 20.000 Einwohner.

Rathaus und Marktplatz

Geschichte

Seit etwa dem 7. Jahrhundert sind menschliche Siedlungen auf dem Lorenzberg belegt. Im 9. Jahrhundert kam die Umgebung zusammen mit ganz Pomerellen unter polnische Oberherrschaft. Im frühen 11. Jahrhundert wurde eine Basilika in einer bedeutsamen Siedlung des Piastenstaates bei Kałdus erbaut. Im Jahr 1065 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. 1215 war er Sitz Christians, des ersten Bischofs von Preußen. 1220 wurde das Culmerland von Konrad von Masowien teilweise erobert[4] und dem ersten Bischof Christian von Preußen geschenkt; dieser wurde von den Prußen verjagt. 1226 wurde das Culmerland durch Kaiser Friedrich II. dem Deutschen Orden verliehen.[5] 1230 überließ Konrad von Masowien das umkämpfte Prußische Culmerland dem Deutschen Orden.

Im Jahr 1233 errichtete der Deutsche Orden den Ort Culm nahe einer altpreußischen Siedlung und gab Culm wie auch Thorn im selben Jahr das Stadtprivileg.[6] 1440 wurde der Preußische Bund gegründet, der sich 1453 der Krone Polens unterstellte. Von 1453 bis 1466 war die Zeit des Dreizehnjährigen Krieges zwischen dem Deutschordensstaat und dem Preußischem Bund (verbündet mit dem polnischen König). Mit dem Zweiten Frieden von Thorn 1466 wurde die Stadt Teil der autonomen Provinz Preußen Königlichen Anteils und blieb bis 1472 unter polnischer Hoheit. 1473 wurde das erste Gymnasium (Höhere Bürgerschule) eröffnet.[7][8] 1525 wurden nach der Reformation im Herzogtum Preußen auch die Städte im königlichen (= königlich-polnischen) Preußen größtenteils evangelisch. Mit der Lubliner Union 1569 kam das Preußen Königlichen Anteils zu Polen-Litauen. 1594 wurde das 1233 geschaffene Kulmer Recht zusammengefasst.

Culm an der Weichsel um die Mitte des 19. Jahrhunderts (Lithographie).

Mit der Ersten Teilung Polens 1772 fiel Culm an das Königreich Preußen. Friedrich der Große gründete 1775 das Kadettenhaus.[7] In der Zeit Napoleon Bonapartes zwischen 1807 und 1815 war Kulm Teil des Herzogtums Warschau. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde Culm dann wieder preußisch und blieb es bis 1920. In dieser Zeit wurde 1837 das zweite Gymnasium eröffnet.[7]

Seit ihrer Gründung stand die Stadt im Spannungsfeld zwischen (später überwiegend protestantischen) Deutschen und (katholischen) Polen. Dazu kamen die Juden, die in Kulm im 19. Jahrhundert zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung ausmachten.[9] Die Bevölkerung war gemischt mit allen darin enthaltenen Chancen und Konflikten. Im Jahr 1905 schätzte der Bürgermeister die Zahl der in der Stadt wohnenden Bevölkerungsgruppen. Er kam auf 5.131 Deutsche und 6.534 Polen.Beleg ? Er rechnete dafür die Zahlen der Volkszählung von 1905 gegeneinander. 3.876 Einwohner evangelischen Glaubens (deutsch), 284 Juden (deutsch) und von den 7.505 Katholiken gaben 971 an, ihre Muttersprache sei Deutsch. Allerdings wurden bei dieser Zählung deutsch-polnische Familien offiziell dem deutschen Bevölkerungsteil zugerechnet. Bei Reichstagswahlen setzten sich im Wahlkreis Thorn, Kulm wechselnd polnische und deutschen Wahlkreiskandidaten durch.[10]

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und mit dem Versailler Vertrag kam Kulm zusammen mit dem ganzen polnischen Korridor ohne Volksabstimmung und mit Wirkung vom 22. Januar 1920 zur Republik Polen. Ein großer Teil der deutschsprachigen Bevölkerung verließ in den nachfolgenden Jahren das Land Richtung Deutschland, zum Teil freiwillig, zum Teil auf Druck der neuen polnischen Obrigkeit.[11]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1772 1.644 in 257 Haushalten (Feuerstellen)[12]
1782 2.454 mit der Garnison (336 Angehörige zweier Kompanien eines Infanterie-Regiments)[13]
1831 5.006[14]
1837 5.394[12]
1875 9.628 [15]
1880 9.937[12]
1890 9.762 darunter 3.450 Protestanten und 470 Juden[16]
1900 11.079 mit der Garnison, darunter 3.530 Protestanten und 339 Juden[17]
1905 11.665 darunter 3.845 Evangelische und 284 Juden[12]
1921 11.700 darunter 1.060 Deutsche[18]
1943 13.117[12]
1969 18.000 [19]
2012 20.815 Stand 30. Juni 2012[20]
Panorama der Altstadt

Stadt Kulm, Kulmerland und Kulmer Recht

Kulm wurde 1232 von Hermann von Balk vom Deutschen Orden als Stadt gegründet.[21] Nach Thorn war es damit die zweite Stadtgründung des Ordens und war ursprünglich als Hauptstadt des gesamten Ordensstaates vorgesehen. Die später auch als „Rothenburg des Ostens“ bezeichnete Stadt verfügte deshalb über einen ausgreifenden Marktplatz und sieben Kirchen innerhalb des Stadtgebietes.

Die Stadt Kulm gab auch dem Kulmerland seinen Namen. Nach der Stadt Kulm benannt wurde ebenfalls das Kulmer Recht für das ganze Land Preußen.

Die Kulmer Handfeste standardisierte Maße und Münzwesen und bildete das Vorbild für alle weiteren Stadtgründungen des Deutschen Ordens:

„... im ganzen lande preussen soll vermoege culmischer handfeste einerley culmische muenze seyn, von klarem und reinem silber, dergestalt, das 60 schillinge 1 mark waegen sollen 1594 Culm.“

Chełmno hat mehrere backsteingotische Kirchen, hier die ehem. Franziskanerkirche

Ehemaliges Nonnenkloster

1267 und auch noch 1337 wird in Kulm ein Zisterzienser-Nonnenkloster erwähnt.[22]Die Nonnen hatten zur Gründungszeit über vier Gehöfte verfügt.[23] Ein Nonnenkloster scheint in Kulm noch im 16. Jahrhundert bestanden zu haben, denn nachdem das Kloster Zarnowitz (wenige Kilometer westlich der Halbinsel Hela gelegen) 1590 aufgelöst worden war, soll die Klosteranlage von Benediktiner-Nonnen aus Kulm aufgekauft worden sein.

Sehenswürdigkeiten

  • Renaissance-Rathaus
  • Pfarrkirche St. Marien (Reliquie des hl. Valentin)
  • Graudenzer Tor
  • Klosteranlage mit Johanniskirche
  • Mittelalterliche Wehrmauern (fast vollständig erhalten)
  • Kulmer Akademie
  • Dominikanerkirche
  • Heilig-Geist-Kirche
  • Sankt-Martins-Kapelle
  • Garnisonskirche

Im April 2005 ist die Altstadt von Chełmno in die Liste der Geschichtsdenkmäler des Präsidenten der Republik Polen aufgenommen worden.

Gmina

Die Landgemeinde Chełmno, zu welcher die Stadt Chełmno selbst nicht gehört, hat eine Fläche von 114,05 km², auf welcher (Stand: 30. Juni 2019) 6084 Menschen leben. Sie besteht aus folgenden Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name
(1815–1920)
deutscher Name
(1939–1945)
Bieńkówka Bienkowko 1939–1942 Bienkowko
1942–1945 Benkau
Borówno Borowno 1939–1942 Borowno
1942–1945 Kulmischborau
Dolne Wymiary Niederausmaß Niederausmaß
Dorposz Chełmiński Kulmisch Dorposch 1939–1942 Kulmisch Dorposch
1942–1945 Dorrenbusch
Górne Wymiary Oberausmaß Oberausmaß
Kałdus Kaldus 1939–1942 Kaldus
1942–1945 Kalthaus
Klamry Klammer Klammer
Kolno Kölln Kölln
Łęg Neusaß Neusaß
Małe Łunawy Klein Lunau Kleinlunau
Nowa Wieś Chełmińska Kulmisch Neudorf Kulmischneudorf
Nowe Dobra Neuguth
1903–1920 Neugut
Neugut
Osnowo Osnowo 1939–1942 Osnowo
1942–1945 Kulmischosnau
Ostrów Świecki Ostrower Kämpe
1873–1920 Ehrenthal
Ehrental
Podwiesk Podwitz Podwitz
Różnowo Rosenau 1939–1942 Rosenau
1942–1945 Kulmischrosenau
Starogród Althausen Althausen
Wielkie Łunawy Groß Lunau Großlunau

Städtepartnerschaft

Chełmno unterhält seit 1992 eine Städtepartnerschaft mit Hann. Münden, Niedersachsen.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Weitere Persönlichkeiten

  • Grzegorz Gerwazy Gorczycki (≈1664/1667–1734), Komponist, Priester und Pädagoge, wirkte zwei Jahre als Pädagoge in Kulm
  • Johann von Buddenbrock (1707–1781), unter seiner Leitung entstand die Kulmer Kadettenanstalt
  • Ludwik von Rydygier (1850–1920), Chirurg und Hochschullehrer; Gründer einer Privatklinik in Kulm mit bedeutender Lehr- und Forschungstätigkeit
  • Paul Goesch (1885–1940), Maler und Architekt, von 1915 bis 1917 Regierungsbaumeister in Kulm

Verweise

Literatur

  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 30-35, Nr. 2) (Online, Google).
  • Horand Henatsch (Hrsg.): Kulm an der Weichsel. Stadt und Land im Wechsel der Geschichte 1232–1982. Bremervörde, 1982.
  • Gerold Schmidt, Oscar Binseel (1839–1905), Gründungsherausgeber des "Preußischen/Deutschen Verwaltungsblatts, " in: DVBl. 100.(Jubiläums-) Jahrgang. 1985, S. 1344–1347.
  • Halmhuber: Das Elocations-Wesen in Culm. In: Preußische Provinzialblätter, Band 15, Königsberg 1836, S. 56-65 (Online, Google).

Weblinks

 Commons: Chełmno – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  3. zur Entwicklung der Schreibweise seit 1815 siehe Darstellung auf www.territorial.de
  4. 1220 von Konrad erobert
  5. 1226 von Kaiser Friedrich II. an Deutschen Orden
  6. Emil Steffenhagen: Aus Altpreußens Rechtsgeschichte. III. Der Kulmer Oberhof. IV. Lübische Rechtsweisungen. In: Altpreußische Monatsschrift, Band 3, Königsberg 1866, S. 229-256.
  7. 7,0 7,1 7,2 L. Wiese: Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung. Berlin 1864, S. 78-81
  8. Dr. Łoźyński: Die Culmer Academie im Jahre 1554. Ein Beitrag zur Geschichte dieser Anstalt. In: Programm des Königl. kathol. Gymnasiums Culm für das Schuljahr 1856–1857. Culm 1857, S. 1-20
  9. Kazimierz Wajda: Die Juden im südlichen Westpreußen (Regierungsbezirk Marienwerder) im 19. Jahrhundert: Zahl und soziale Schichtung. In: Michael Brocke, Margret Heitmann, Harald Lordick (Hrsg.): Zur Geschichte und Kultur der Juden in Ost- und Westpreußen. Georg Olms Verlag Hildesheim. 2000, ISBN 3-487-11026-1
  10. Carl Wilhem Reibel: Handbuch der Reichstagswahlen 1890–1918. Bd. 1, S. 93 ff., Droste-Verlag Düsseldorf 2007,ISBN 978-3-7700-5284-4
  11. Richard Blanke: Orphans of Versailles: The Germans in western Poland 1918-1939. The University Press of Kentucky 1993. ISBN 0-8131-1803-4
  12. 12,0 12,1 12,2 12,3 12,4 Ernst Bahr: Kulm. In: Handbuch der historischen Stätten, Ost- und Westpreußen. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 111-113.
  13. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 30-35, Nr. 2.)
  14. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 416–419, Nr. 32.
  15. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Westpreußen, Landkreis Culm (1906)
  16. Brockhaus Konversations-Lexikon. 14. Auflage, Band 4, Berlin und Wien 1892, S. 624-625.
  17. Meyers Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 11, Leipzig und Wien1908, S. 785-786.
  18. Der Große Brockhaus. 15. Auflage, Band 4, Leipzig 1929, S. 297-298.
  19. Meyers Enzyklopädisches Lexikon. 9. Auflage, Band 6, Mannheim Wien Zürich 1972, S. 122.
  20. http://www.stat.gov.pl/cps/rde/xbcr/gus/l_ludnosc_stan_struktura_30062012.pdf
  21. Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 679.
  22. Heinrich Friedrich Jacobson: Beitrag zur Geschichte der preußischen Klöster.In: Neues allgemeines Archiv für die Geschichte des Preußischen Staats. Band 2, Berlin Posen Bromberg 1836, S. 38-40 online
  23. Franz Winter: Die Zisterzienser des nordöstlichen Deutschlands. Band 2, Gotha 1871, S. 118 ff..
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