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Beyoğlu

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Beyoğlu
Wappen von Beyoğlu
Beyoğlu (Türkei)
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Basisdaten
Provinz (il): İstanbul
Koordinaten: 41° 2′ N, 28° 59′ O41.03694444444428.9775Koordinaten: 41° 2′ 13″ N, 28° 58′ 39″ O
Telefonvorwahl: (+90) 212 (europäischer Teil)
(+90) 216 (asiatischer Teil)
Postleitzahl: 34 xxx
Kfz-Kennzeichen: 34
Struktur und Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeister: Ahmet Misbah Demircan (AKP)
Webpräsenz:
Landkreis Beyoğlu
Einwohner: 245.064[1] (2008)
Kaymakam: Hasan Şenses
Webpräsenz (Kaymakam):
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Beyoğlu ist die Hauptstadt des gleichnamigen Landkreises der türkischen Provinz İstanbul sowie ein Stadtteil auf der europäischen Seite von İstanbul. Beyoğlu hat laut der Volkszählung Ende Dezember 2008 245.064 Einwohner.

Geschichte

Karte von Pera im 16. Jahrhundert

Beyoğlu wurde im 13. Jahrhundert als genuesische Handelskolonie gegründet. Bekannt wurde es unter seinem griechischen Namen Pera. Im 14. Jahrhundert wurde der Stadtteil umfriedet. Als letzte Spur des Festungswalls ist der Galataturm erhalten.

Das Gebiet, des heutigen Stadtteils Beyoğlu wurde seit Jahrtausenden am nördlichen Ufer des Goldenen Horns bewohnt. Pera wurde bereits im 5. Jahrhundert ein Vorort von Byzanz. Der Name Galata ist möglicherweise vom griechischen Wort Gálaktos abgeleitet, das so viel wie „aus der Milch“ bedeutet. Die Italiener, die auf der anderen Seite des Goldenen Horns ihr Territorium hatten, glaubten dass der Name aus Calata, ins Deutsche „die Abdachung“, abstamme. Der italienische Name lehnt sich an die Kolonie der Genueser an, da ihre Festung auf einer Anhöhe lag, die nach unten zum Meer abgeneigt war. Die Gallier dagegen glaubten, dass der Name keltischen Ursprungs sei.

Pera wurde ein wichtiger Knotenpunkt der europäischen Händler, vor allem aus Genua und Venedig. Nach dem vierten Kreuzzug 1204 und während des lateinischen Kaiserreichs von Konstantinopel (1204-1261) wuchs die Zahl der Venezianer in Pera sehr stark an. Die Dominikanerkirche St. Paul (1233), heute bekannt als Arap Camii (dt. Arabische Moschee), ist aus dieser Zeit. Nach dem vierten Kreuzzug und der Plünderung Konstantinopels wurde Pera 1273 durch den byzantinischen Kaiser Michael VIII. in die Republik Genua eingegliedert. Pera entwickelte sich durch einen Podestà zu einer blühenden Handelskolonie. Der Genueser-Palast (ital. Palazzo del Comune) wurde 1316 von Montano de Marinis, dem Podestà von Pera, erbaut. Der Palast steht heute noch zusammen mit seinen angrenzenden Gebäuden der Genueser von 1300 in Trümmern im Bankalar Caddesi in Galata. 1348 bauten die Genueser den berühmten Galataturm, eines der bekanntesten Wahrzeichen Istanbuls. Pera blieb bis zur Belagerung Konstantinopels 1453 unter Kontrolle der genuesischen Kolonie, als es mit dem Rest der Stadt von den Osmanen erobert wurde.


Während der byzantinischen Periode schlossen sich die Genueser Podestà mit den Byzantinern zusammen. Nach der osmanischen Belagerung Konstantinopels 1453, waren die Genueser auf der Seite der Byzantiner und verteidigten mit ihnen gemeinsam die Stadt. Der osmanische Sultan Mehmed II. erlaubte den Genuesen, die in die Ägäis zu ihren Kolonien Lesbos und Chios geflohen waren, wieder zurück nach Konstantinopel zu kommen. Die Republik Venedig kam nicht in Gelegenheit die Kontrolle über die strategische Zitadelle von Galata, da sie 1261 von den Byzantinern zurückerobert wurden und das Ende des lateinischen Kaiserreichs vom 41. venezianischen Dogen Enrico Dandolo eingeführt wurde. Die Republik Venedig ging mit dem Osmanischen Reich in politische und wirtschaftliche Beziehungen ein und ein venezianischer Bailo wurde Peras politischer und wirtschaftlicher Botschafter, wie die Rolle der genuesischen Podestà während der byzantinischen Periode. Die Venezianer schickten Gentile Bellini nach Konstantinopel, der das berühmte Gemälde von Sultan Mehmed II. porträtierte, das sich heute in der National Portrait Gallery in London befindet. Den Venezianern wurde vom Sultan Bayezid II. vorgeschlagen, Leonardo da Vinci die Skizzen und Zeichnungen zum Bau einer Brücke über das Goldene Horn illustrieren zu lassen, die Leonardo 1502 mit der Galatabrücke verwirklichte. Die Skizzen und Zeichnungen befinden sich heute im Nationalmuseum der Wissenschaft und Technik (ital. Museo Nazionale della Scienza e della Tecnologia) in Mailand. Der Bailo-Sitz des venezianischen Palastes war bis 1923 die italienische Botschaft und ist heute das italienische Konsulat. Beyoğlu, der türkische Name von Pera, stammt aus der türkisierten Form des italienischen Wortes Bailo, dessen Palast ein großartiges Bauwerk im Viertel darstellte. Der Name stammt von Bey Oğlu (dt. Sohn des Offiziers) und wurde besonders von den Osmanen für Luigi Giritti verwendet, da er während der Regierungszeit von Sultan Süleyman I. der venezanianische Bailo in Pera war. Luigis Wohngebäude war in der Nähe des heutigen Taksim-Platzes. Auch wenn das osmanische Reich und die Republik Venedig schon öfters Kriege und Schlachten geführt hatten, hatten sie intensive Beziehungen zueinander. Die Venezianer waren schon vor der Schlacht vor Wien 1683 die ersten Europäer, die den Geschmack osmanischer Köstlichkeiten wie Kaffee probierten. Dies kann als Beginn der heutigen reichen Kaffeekultur in Venedig und später im gesamten Italien angesehen werden.

Stadtgliederung

Beyoğlu gliedert sich in 45 Stadtteile (Mahalle), darunter auch die berühmten Viertel Cihangir, Galata, Kasımpaşa und Taksim, das mit dem Taksim-Platz fast identisch ist.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Der Taksim-Platz vom Etap Marmara Hotel aus

Beyoğlu ist das Zentrum des westlich geprägten Istanbul, was sich auch in den zahlreichen Gebäuden aus der Wende zum 20. Jahrhundert zeigt, die im Jugendstil oder dem des Historismus errichtet wurden, nachdem 1870 die meisten der bis dahin üblichen Holzhäuser durch einen Großbrand vernichtet worden waren. Vom höchsten Punkt, dem Taksim-Platz im gleichnamigen Viertel Taksim, führt ein moderner Einkaufsboulevard mit Kaufhäusern und internationalen Geschäften, die İstiklâl Caddesi, zum Tünel-Platz hinunter. Sie ist seit Anfang der 1990er Jahre für den Straßenverkehr gesperrt, wird aber seitdem wieder von einer historischen Straßenbahn befahren. In den Straßen um die İstiklâl Caddesi herum gibt es zahllose Fachgeschäfte, Restaurants, Imbisse, christliche Kirchen und einen Basar. Im traditionsreichen Pera Palace Hotel stiegen Berühmtheiten wie Agatha Christie, Greta Garbo, Mata Hari, Sarah Bernhardt und Mustafa Kemal Atatürk ab. Auf halber Strecke zwischen Tünel- und Taksim-Platz ist der Galatasaray-Platz, in dem die berühmte Istanbuler Eliteschule, das Galatasaray-Gymnasium, steht. In unmittelbarer Nähe befinden sich das britische Konsulat und das Goethe-Institut.

In Beyoğlu haben seit seinem Beginn als genuesische Handelskolonie traditionell die Europäer Istanbuls gelebt, ein beliebtes Wohnquartier für Europäer ist auch heute noch der Doğan-Apartmanı-Komplex, in dem bereits vor dem Ersten Weltkrieg zahlreiche europäische Führungskräfte in Wirtschaft und Medien lebten. Das Viertel ist – neben Ortaköy – auch Zentrum des Nachtlebens mit Kneipen, Bars, Clubs und Diskotheken. Es gibt dort zu Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Geschäftspassagen, z. B. die Markiz-Passage. Östlich der İstiklâl Caddesi entsteht in einem ehemaligen Wohnhaus in der Dalgiç Çıkması Orhan Pamuks „Museum der Unschuld“, eine fiktive Dokumentation des Lebens der Protagonisten des gleichnamigen Romans anhand von Alltagsgegenständen.

Das größte Gotteshaus der Juden in der Türkei, die Neve-Schalom-Synagoge sowie das einzige jüdische Museum (türk. Türk Musevileri Müzesi) in der Türkei befindet sich in Beyoğlu. Nach einer zweijährigen Bauzeit wurde die Synagoge am 25. März 1951 fertiggestellt und ihrer Bestimmung übergeben. Das Museum für Kunst der Gegenwart, Istanbul Modern, befindet sich ebenso in Beyoğlu im Viertel Karaköy.

Sport

Der 17-fache türkische Rekordmeister, UEFA-Pokal- und Supercup-Sieger, Galatasaray Istanbul kommt aus Beyoğlu aus dem namensgebenden Viertel Galata. Jedoch befand sich die Heimstätte des Fußball-Traditionsclubs Aslanlar („Die Löwen“), das Ali-Sami-Yen-Stadion, bis Januar 2011 im benachbarten Stadtteil Şişli im Viertel Mecidiyeköy. Die neue Heimstätte, die im Januar 2011 eröffnete "Türk Telekom-Arena", liegt im noch weiter außerhalb des Stadtzentrums gelegenen Maslak.

Der Fußballclub Kasımpaşaspor ist in Beyoğlu im gleichnamigen Viertel Kasımpaşa beheimatet. Die Heimstätte des Vereins, das Recep-Tayyip-Erdoğan-Stadion, liegt ebenfalls in Kasımpaşa. Die Arena wurde nach dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan benannt, da er seine Jugend in Kasımpaşa verbrachte.

Wirtschaft und Infrastruktur

Datei:Tranvia Estambul.jpg
Die historische Straßenbahn auf der İstiklal Caddesi
Zug der Standseilbahn Füniküler Kabataş–Taksim in der Bergstation Taksim

Vom Tünel-Platz führt eine der ältesten U-Bahnen der Welt hinunter zur Galatabrücke, die in die Altstadt führt. Die Tünel genannte Standseilbahn wurde 1875 eröffnet und überwindet mit zwei durch ein Stahlseil verbundenen Wagen einen Höhenunterschied von 62 m. Anfangs wurden die Bahn mit einer Dampfmaschine, deren Schornstein man noch gegenüber der "Bergstation" sieht, betrieben, heute – einem Sessellift vergleichbar – elektrisch über das Rad in der Bergstation, das von dem Stahlseil umwunden wird. Die Fahrt zwischen den beiden etwa 500 m auseinanderliegenden Stationen dauert nur gut eine Minute. Außerdem befindet sich auf der Istiklâl Caddesi eine historische Straßenbahn, die vom Taksim-Platz bis zur Tünel-Station fährt. Viele Stadtbusse halten ebenso am Taksim-Platz.

Im Viertel Galata, der westlich des Tünel-Platzes liegt, reicht bis in den alten Hafen am Goldenen Horn, befinden sich in enger Folge meist Großhandels-Geschäfte für neue Werkzeuge, Eisenwaren, Elektro- und Haushaltsgeräte, Baumaterial, Fischerei- und Anglerbedarf.

Nordwestlich der İstiklâl Caddesi, jenseits der verkehrsreichen Parallelstraße Tarlabaşı Bulvarı, befinden sich einige der ärmsten Viertel Istanbuls, Dolapdere, Kasımpaşa und Halıcıoğlu.

Literatur

Weblinks

 Commons: Beyoğlu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Türkisches Institut für Statistik, abgerufen 17. November 2009

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Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Beyoğlu aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.