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Beta Israel

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Äthiopisch-jüdische Mutter mit ihrem Sohn

Beta Israel (Haus Israel) sind äthiopische Juden. Andere Äthiopier bezeichnen sie unter dem vom Ge'ez abgeleiteten Wort Falascha, das soviel bedeutet wie die „Ausgewanderten“ oder die „Exilierten“ [1] und dem eine abwertende Konnotation beigemessen wird. Nach den Operationen Moses (1984) und Salomon (1991) leben sie größtenteils in Israel (etwa 120.000 im Jahr 2010)[2]. Nur eine Minderheit ist in Äthiopien verblieben.

Das jüdische Dorf Balankab in Äthiopien, von H. A. Stern, Wanderings Among the Falashas in Abyssinia London, 1862.

Ursprung der Falascha (Beta Israel)

Datei:Wolleka.jpg
Synagoge in Wolleka, Äthiopien
Datei:PikiWiki Israel 10703 Architecture of Israel.jpg
Moderne Synagoge der Beta Israel in Israel
Datei:Ethiopie-falasha.jpg
Siedlungsgebiet der äthiopischen Juden unmittelbar vor der Auswanderungswelle

Bisher gibt es keine Einigkeit unter den Historikern zum Ursprung der Falascha. Die verschiedenen Meinungen lassen sich unter zwei Grundpositionen zusammenfassen, die israelitische Einwanderungsthese und die christliche Ursprungsthese.

Israelitische Einwanderung

Nach der früher mehrheitlichen Auffassung der Beta Israel selbst sind ihre Vorfahren nach dem Zeugnis der äthiopischen Legende der Königin von Saba – in Äthiopien Makeda – aus Israel eingewandert. Das äthiopische Nationalepos Kebra Negast, die aus dem 14. Jahrhundert stammende schriftliche Fassung der Legende, beschreibt in der Tat, wie in der Generation nach der Königin Makeda deren Sohn Menelik aus Äthiopien kommend seinen Vater Salomon in Jerusalem besuchte. Bei seiner Rückkehr wurde er von einem zahlreichen Gefolge von israelitischen Erstgeborenen begleitet, als deren Nachkommen sich die Beta Israel betrachten.[3] Nach einer inzwischen vorherrschenden Meinung gehören die Beta Israel zu den verlorenen Stämmen Israels und sind Abkömmlinge des Stammes der Dan.[4] Diese Ansicht kann sich insbesondere auf rabbinische Quellen des Mittelalters und auf vor-jüdische israelitische Kultausübungen stützen.[5]

Abfall vom Christentum

Die aksumitischen Könige waren nachweislich Anhänger einer polytheistischen nicht-jüdischen Religion, bevor Ezana ca. 333 zum Christentum übertrat. Aufgrund fehlender zeitgenössischer Zeugnisse nehmen viele Historiker an, dass es zu dieser Zeit noch keine Beta Israel gab. Die Bildung dieser Religions- und Volksgruppe sei auf den späteren Abfall fundamentalistischer und königsuntreuer christlicher Gruppierungen zurückzuführen. Vertreter dieser Meinung stützen sich weiterhin auf die kuschitische Zugehörigkeit der vormals von den Beta Israel gesprochenen Agau-Sprachen Qwara und Kayla. [6] Zudem lassen DNA-Analysen keine besondere Nähe zu jüdischen Bevölkerungsgruppen erkennen.

Falascha in Äthiopien

Die Falascha kann man in drei Hauptgruppen unterteilen, die Falascha oder Beta Israel, die Kemant und die in Israel als Falaschmura bezeichneten den Falascha ähnlichen Äthiopier.

Eigentliche Falascha

Die Falascha sind Äthiopier israelitisch-jüdischen Glaubens, die sich als Nachkommen des Stammes Dan betrachten und eine archaische Form des Judentums praktizieren. Sie leben in den Regionen Begemder und Semien nördlich und nordöstlich des Tanasees und werden als Handwerkerkaste von den Amhara und Tigrai gemieden. Ihre Sprache, das Qwara, gehört zu den kuschitischen Sprachen und ihre Bibel ist in Ge'ez verfasst und identisch mit der der Christen Äthiopiens. In Nord-West-Äthiopien bestand bis zum Ende des 15. Jahrhunderts abseits des christlichen Reiches und zeitweilig ihm unterworfen ein Königreich der Falascha.[7]

Die Beta Israel feierten weder Purim noch Chanukka, da sie sich historisch bereits vom Zentrum des Judentums entfernt hatten, bevor diese Festtage aufkamen. Heute halten sich die meisten Mitglieder der israelischen Beta Israel Gemeinde an diese Feiertage. Sie besitzen ihr eigenes mündlich tradiertes Gesetz, das vielfach dem der Karäer ähnelt. Jedoch interpretieren ihre Ältesten oder die Priesterkaste, die sog. kessim oder qessotch, das biblische Gesetz des Tanach in einer nicht vollständig abweichenden Weise von dem, was andere rabbinisch-jüdische Gemeinden in anderen Teilen der Welt praktizieren. In diesem Sinn verfolgen die Beta Israel eine dem Talmud ähnliche Tradition, obgleich sie zuweilen im Gegensatz zu Lehre und Praxis anderer jüdischer Gemeinden weltweit steht. Heute sind sie eine Gemeinde im Fluss.

Kemant

Die Kemant besiedeln das Gebiet nördlich des Tanasees und sind historisch und ethnisch eng mit den Beta Israel verwandt. Wie die Falascha sind sie als eine Handwerkerkaste zu betrachten, doch ihre Spezialität ist der Bau von Papyrusbooten auf dem Tanasee. Ihre vormalige heidnisch-hebräische Religion haben sie heutzutage zugunsten des äthiopischen Christentums aufgegeben.[8] Sie sind vom Aussterben bedroht und sind heutzutage auf eine Gemeinschaft von weniger als 300 Mitgliedern geschmolzen.

Falaschmura

Die Falaschmura gehören nicht zu den eigentlichen Falascha, werden aber von dem israelischen Oberrabbinat als zwangschristianisierte Äthiopier ursprünglich jüdischen Glaubens betrachtet. Sie sind verschiedenen Ursprungs, behaupten aber letztlich von den Beta Israel abzustammen. Zu ihnen gehören insbesondere die über die Provinz Schoa verstreuten Tabiban (Schmiede).[9] Da der israelische Staat nur begrenzt deren Einwanderung erlaubt, gab es 2010 noch 8.000 Falaschmura, die in Äthiopien auf die Auswanderung nach Israel warteten.

Rückführung der Falascha nach Israel

Voraussetzungen

Die äthiopischen Beta Israel oder Falascha wurden 1975 nach einer Entscheidung des sephardischen Rabbi Ovadja Josef von der israelischen Regierung als „amtliche“ Juden anerkannt.[10] Man betrachtete sie als Nachkommen der zehn verlorenen Stämme Israels und insbesondere des Stammes Dan.

Praktische Durchführung

In der Regierungszeit Menachem Begins wurden viele Falascha per Luftbrücke nach Israel transportiert. Die Alijawellen von 1984 und 1991 wurden als die Operationen Moses und Salomon bekannt. Diese spektakuläre Einwanderungsaktion wird im 21. Jahrhundert fortgesetzt.

Falascha in Israel

Formale Konversion zum Judentum

Rabbi Yosef verfügte eine pro forma Konversion zum Judentum aller Beta Israel nach ihrer Ankunft im Staat Israel und eine Unterwerfungserklärung unter die Lebensweise der Halacha, bzw. Lehre und Praxis des orthodoxen rabbinischen Judentums. Zahlreiche rabbinische Behörden sehen die Konversion zum Judentum nicht als pro forma sondern real an. Die Praxis der Beta Israel unterscheidet sich in bestimmten Bereichen erheblich von denen anderer Formen des Judentums, da in Äthiopien die Beta Israel Gemeinde zumeist in Unkenntnis des Talmud gelebt hatte. Heute leben mehr als 100.000 äthiopische Juden in Israel, die meisten von ihnen in den Städten Netanya, Haifa, Jerusalem, Be'er Scheva, Rechovot, Aschdod, Aschkelon und Kirjat Mal'achi.

Zwei verschiedene Lebensstile

Einige der nach Israel eingewanderten jugendlichen Falascha passten sich der in Israel herrschenden Form des orthodoxen Judentums an, während sich andere am weltlichen Lebensstil in Israel orientierten. Ältere Falasche und besonders die kessim bestehen trotz der formellen Übernahme des „normativen“ Judentums weiterhin auf der Beibehaltung ihrer eigenen Form des Judentums, wie sie in Äthiopien und in Eritrea geübt wird.

Siehe auch

Literatur

  • Beckwith, Carol & Angela Fisher, Graham Hancock: African Ark - Peoples of the Horn, London 1990 (Chapter II: The Heavenly World Gondar: the Falasha and Amahara), London 1990.
  • Budge, E. A. Wallis, The Queen of Sheba and her only son Menelik, London 1932.
  • Friedmann, Daniel:, Les enfants de la reine de Saba, Paris 1994.
  • Gamst, Frederic C.: The Qumant: A Pagan-Hebraic Peasantry of Ethiopia, New York 1969.
  • Heyer, Friedrich: "Die Falascha in Israel", In: Kirche und Schule in Äthiopien, 50 (1997), S. 10.
  • Kaplan, Steven: The Beta Israel (Falasha) in Ethiopia, New York 1992.
  • Kessler, David: The Falashas: A Short History of the Ethiopian Jews, 2nd ed., London 1996.
  • Krempel, V.: Die soziale und wirtschaftliche Stellung der Falascha in der christlich-amharischen Gesellschaft Äthiopiens, Berlin 1972.
  • Leslau, Wolf, Comparative Dictionary of Ge'ez, Wiesbaden 1991.
  • Ochs, Edith und Bernard Nantet:, À la découverte des Falasha, la tribu retrouvée, Payot, 10/198.
  • Parfitt, Tudor, und Emanuela Trevisan Semi:, The Jews of Ethiopia, The Birth of an Elite, London, Routledge 2004.
  • Schneider, Richard Chaim, Esaias Baitel: Der vergessene Stamm. Die äthiopischen Juden und ihre Geschichte, Wien 1995.
  • Rathjens, Carl: Die Juden in Abessinien, Hamburg 1921.

Einzelnachweise

  1. Leslau, Dictionary, 160.
  2. Israelisches Zentralbüro für Statistik: The Ethiopian Community in Israel.
  3. Budge, Queen of Sheba, n° 38-55.
  4. Kessler, Falaschas, 9-57.
  5. Kaplan, Beta Israel, 24-26; Kessler, Falashas, XXI-XXIV, 74, 85, 161.
  6. Kaplan, Beta Israel, 14-32.
  7. Kaplan, Beta Israel, 63-65, 77-78.
  8. Gamst, Qemant, 29-43.
  9. Ratjens, Juden, 92.
  10. Kessler, Falashas, 22.

Filme

Weblinks

 Commons: Beta Israel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Falasche – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Beta Israel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.