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Berthold Simonsohn

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Berthold Simonsohn

Berthold Simonsohn (geb. 24. April 1912 in Bernburg (Saale); gest. 8. Januar 1978 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Jurist, Hochschullehrer und Leiter der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.

Leben

Simonsohn studierte nach dem Abschluss seiner Schullaufbahn von 1929 bis 1934 Jura und Staatswissenschaften an der Universität Halle und der Universität Leipzig. 1933 wurde er zum juristischen Staatsexamen als Jude nicht zugelassen, jedoch konnte er im Februar 1934 noch promovieren. Anschließend war er bis 1936 in der Papierwarenfabrik seines Vaters tätig.

Simonsohn war vor 1933 Mitglied der SAPD und engagierte sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten erfolgte Ende 1933 seine erste Verhaftung wegen des Verdachts des Hochverrats. Aus Mangel an Beweisen wurde er nach drei Tagen freigelassen.

Ab 1938 war er Bezirksfürsorger der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in Stettin. Nach den Novemberpogromen 1938 wurde er in das KZ Sachsenhausen eingewiesen. Nach seiner Entlassung zog er nach Hamburg, wo er als Bezirksfürsorger für Nordwestdeutschland der Reichsvereinigung der deutschen Juden beim Jüdischen Religionsverband e.V. beschäftigt war. Seine Tätigkeiten umfassten „die allgemeine Wohlfahrtspflege, die Wirtschaftshilfe, Berufsumschichtung für Jugendliche und die jüdische Winterhilfe sowie die stellvertretende Leitung der Bezirksstelle Nordwestdeutschland der Reichsvereinigung“.[1]

Am 19. Juli 1942 wurde er in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er Trude Gutmann (* 1921) kennenlernte, die er kurz vor der bevorstehenden Deportation nach Auschwitz rituell heiratete (die standesamtliche Trauung folgte 1949). Am 19. Oktober 1944 erfolgte die Deportation nach Auschwitz und am 25. Oktober 1944 deportierte man ihn in das Lager Kaufering III bei Augsburg, einem Außenlager des KZ Dachau. Von dort musste er am 26. April 1945 einen dreitägigen Marsch nach Dachau Allach antreten. Am 30. April 1945 befreiten die US-Armee das Lager. Seine Frau Trude Simonsohn überlebte im KZ Groß-Rosen.

Nach der Befreiung arbeitete er von September 1945 bis März 1946 im „Evidenz-Archiv des Repatriierungsamtes“, einer Abteilung des Sozialministeriums in Prag. Die Jahre 1946 bis 1950 verbrachte das Paar in der Schweiz. Dort leitete er zunächst das Sanatorium „Höhwald“, eine Einrichtung der jüdischen Flüchtlingshilfe Davos. Von Wintersemester 1947/48 bis 1950 studierte er Volkswirtschaft, Soziologie und Geschichte in Zürich.

Im August 1950 kehrte Simonsohn nach Hamburg zurück und übernahm die Stelle eines Rechtsdezernenten der Jüdischen Gemeinde Hamburg.

Am 20. August 1951 beschloss die Mitgliederversammlung des Zentralrats der Juden in Deutschland die Wiedergründung der von den Nationalsozialisten verbotenen Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Simonsohn wurde mit der Gründung und als erster Geschäftsführer mit dem Aufbau der jüdischen Wohlfahrtsorganisation beauftragt, die er bis zum 31. Dezember 1961 leitete. 1962 wurde er auf eine Professur für Sozialpädagogik und Jugendrecht an die Johann Wolfgang Goethe-Universität berufen. Er befasste sich insbesondere mit der Jugendrechtsreform und war Mitverfasser der Denkschrift der Arbeiterwohlfahrt „Vorschläge für ein erweitertes Jugendhilferecht“, Bonn 1970.

1977 wurde er emeritiert. Mit seiner Frau, die in der Jüdischen Gemeinde arbeitete, lebte er bis zum Lebensende in Frankfurt am Main.

Literatur

  • Wilma Aden-Grossmann: Berthold Simonsohn. Biographie eines jüdischen Sozialpädagogen und Juristen (1912–1978). Campus, Frankfurt am Main u. a. 2007, ISBN 978-3-593-38340-8 (Campus-Judaica 23).

Wilma Aden-Grossmann (Hrsg.): Berthold Simonsohn - Ausgewählte Schriften 1934 - 1977, Kassel 2012, ISBN 3-86219-254-0. kassel university press, S. 280

  • Beate Meyer: Simonsohn, Berthold. In: Institut für die Geschichte der Deutschen Juden (Hrsg): Das jüdische Hamburg: ein historisches Nachschlagewerk. Hrsg.. Wallstein, Göttingen 2006, ISBN 3-8353-0004-0 (mit Faltkarte Jüdische Stätten in Hamburg), S. 230

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Beate Meyer: Simonsohn, Berthold. In: Das Jüdische Hamburg. Ein historisches Nachschlagewerk


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Berthold Simonsohn aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.