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Benutzer:Michael Kühntopf/WP-Kreuzthematik

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Zur Kreuzthematik in der Wikipedia einige repräsentative jüdische Meinungsbekundungen und weitere Statements:


Stellungnahmen 2012

Björn Beck, Mitglied der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden, Landtagsreferent in Hessen, ehemals stellvertretender Vorsitzender LSU Bundesverband Lesben und Schwule in der Union, sagte auf einer Podiumsdiskussion in der Matthäuskirche Frankfurt am 25. März 2012:

„Mir ist noch etwas aufgefallen, das ich mit Unbehagen wahrgenommen habe. Bei Wikipedia gibt es eine ganze Liste von Rabbinern, jüdischen Philosophen und Persönlichkeiten, deren Todesdatum mit dem Kreuzsymbol markiert ist. Ich finde das bei einem Juden einfach unpassend, auch wenn die Leute, die das gemacht haben, sich sehr wahrscheinlich nichts dabei gedacht haben. Das Kreuz ist ein Symbol, das an dieser Stelle überhaupt nicht passt, wenn man es in einem jüdischen Kontext sieht. Es ist ein ganz schwieriger Diskussionspunkt zwischen Christen und Juden, wie man mit dem Kreuz umgeht.“

Antje Schrupp, Publizistin, Frankfurt am Main, 22. August 2012:

"Und zwar hat Björn Beck (der für die jüdische Gemeinde Wiesbaden mit auf dem Podium war), darauf hingewiesen, dass in Wikipedia die Todesdaten auch von Juden und Jüdinnen mit einem Kreuzessymbol dargestellt werden (zum Beispiel hier bei Regina Jonas). Und dass das aus jüdischer Sicht sehr problematisch sei. Problematisch nicht unbedingt deshalb, weil das Kreuz ein speziell christliches 'Logo' ist, sondern weil die Kreuzigung damals ein Symbol der Ausstoßung aus dem Volk Israel war. Einen Juden, eine Jüdin am Kreuz sterben zu lassen, war also nicht einfach nur eine Form der Hinrichtung, sondern 'eine unglaubliche Demütigung', wie Beck es sagte. Aus jüdischer Sicht ist es deshalb nicht möglich, das Kreuz einfach als neutrales Symbol zu sehen, denn es ist nicht 'fremd' und ein Symbol von anderen, das eine selbst nichts angeht (wie zum Beispiel für Buddhisten), sondern ein bereits mit einer anderen Bedeutung als der christlichen besetztes Symbol. Ich hatte das zwar mal irgendwann im Theologiestudium gelernt, aber mir die alltagsrelevanen Konsequenzen ehrlich gesagt gar nicht so klar gemacht. Jedenfalls finde ich, dass es wirklich nicht geht, zum Beispiel bei Rabbinerinnen in der Wikipedia das Todesdatum mit einem Kreuz zu markieren."

Stellungnahmen 2014 ff.

Anfragen von Michael Kühntopf

"Seit vielen Jahren gibt es in der deutschsprachigen Wikipedia Streit um die Kennzeichnung des Todesdatums jüdischer Persönlichkeiten, bei denen vor dem Sterbedatum ein christliches Kreuz (†) gesetzt wird (ob es das ist oder nicht, ist egal, es wird als solches überwiegend betrachtet).

Das führt natürlich vereinzelt zu Frustration und Zorn, weil es nicht möglich zu sein scheint, eine Ausnahme zu machen und etwa "gest." oder "gestorben" zu schreiben oder ein anderes Zeichen einzusetzen.

Soweit ich sehe, ist die deutschsprachige Wikipedia die einzige Wikipedia, die so verfährt und diese Regel auch mit Zwang brachial durchsetzt.

Allerdings scheint wieder etwas Bewegung in die Angelegenheit zu kommen, weil immer mehr Menschen begreifen, dass diese Praxis unpassend, unsensibel, wenn nicht gar unerträglich für jüdische Menschen ist.

Wie sehen Sie das?/Wie siehst Du das?" - Michael Kühntopf, Widen AG, 22. Februar 2014 (Datum der ersten Umfrage, später kamen gelegentlich anderer Gespräche weitere Statements hinzu)

Antworten

Jehoschua Ahrens, Rabbiner (Sofia, Zürich, Düsseldorf), Düsseldorf, 9. Dezember 2015:

"Lieber Michael, Im Prinzip ist das Kreuz hier nur Symbol. Natürlich ist es nicht schön und es wäre besser, wenn man ein anderes, neutrales Zeichen finden könnte und eine Abkürzung, aber wenn das nicht geht ist das nicht unbedingt ein Riesendrama. Es ist weniger eine halachische, als vielmehr eine "kulturelle"/"emotionale" Frage... "

Avichai Apel, Rabbiner, Vorstandsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland, Mitglied im Ständigen Komitee des Council of European Rabbis, Gründer und Vorstandsmitglied der Union Zionist Rabbis in Europe, Dortmund, 25. Februar 2014:

"Sehr geehrter Herr Kühntopf, Schalom Ich danke ihnen sehr, dass Sie es zu ihrem Anliegen genommen haben, den Kreuz weg vom Lebenslauf Jüdische Menschen zu nehmen. Ich bin sehr enttäuscht zu sehen, wie passiv wir darauf reagieren. Der Kreuz, mit der grossen Ehre zum Christentum, ist doch kein jüdisches Symbol und darf aus diesem Grund nicht als solches angenommen werden. Auf die Grabsteine jüdischer Personen sind bestimmte Buchstaben wie ז"ל um zu bezeichnen, dass jemand gestorben ist. Mann könnte evtl. dafür auch die Menora oder den Davidstern setzten, aber bitte lasst uns leben und sterben in der Begleitung von unseren Symbolen, und zwingt uns auch online nicht dazu, die für den Juden unpassende Symbole zu benutzen. Alles Gute"

Moshe Baumel, Rabbiner, Osnabrück, 23. Februar 2014:

"Meiner Meinung nach gibt es zwei große Probleme das Kreuz als Symbol für das Sterbedatum einer jüdischen Person, selbst in einem virtuellen Wikipedia Artikel, zu verwenden. 1. Das halachische Problem: Das Kreuz gilt heutzutage nach wie vor als das Symbol der christlichen Religion. Selbst, wenn es vielerorts als Schmuck getragen wird, so bleibt es weiterhin ein christliches Symbol, vor allem, wenn es im Kontext des Sterbedatums erscheint. Im Judentum ist es verboten dieses Zeichen zu verwenden, besonders wenn es mit dem Christentum assoziiert werden kann. Dies ist im wichtigsten jüdischen Gesetzbuch, dem Schulchan Aruch (Glossen des RaMa) deutlich kodifiziert (siehe Jore Dea 141:1 und die dortigen Kommentatoren). Das Kreuz erscheint gewöhnlich auf dem Grabstein eines christlichen Menschen. Das Kreuz gibt die Botschaft wieder: Hier liegt ein Christ begraben. Selbst eine Kirche, die für Respekt und Achtung steht, würde darauf achten den Grabstein eines Nicht-Christen ohne ein Kreuz zu versehen. Im ersten Weltkrieg haben die deutschen Streitkräfte darauf geachtet die Grabsteine gefallener deutsch-jüdischer Soldaten mit einem Davidstern zu kennzeichnen. Meiner Meinung ist ein Dokument oder ein Online-Artikel, in dem das Sterbedatum mit einem Kreuz gekennzeichnet wird mit einem Grabstein zu vergleichen und im Zusammenhang mit dem Tod einer jüdischen Person aus der Sicht des jüdischen Gesetzes nicht zu verwenden. 2. Das emotionale Problem: Für viele jüdische Menschen und ihre Verwandten ist es wichtig, dass diese auch nach dem Tod für die Nachwelt als Juden in Erinnerung bleiben, selbst für die Juden, die während ihres Lebens nicht unbedingt alle Gebote befolgt haben. Der Tod, ähnlich wie die Geburt, ist für viele zugleich auch ein religiöser Moment, der auch als solcher von der Verwandtschaft aufgefasst wird. Deshalb ist es auch so wichtig für einen jüdischen Menschen auf einem jüdischen Friedhof begraben zu werden. Das Kreuz hinter einen jüdischen Namen, selbst in einem Artikel, zu setzen, lässt den Anschein erwecken, dass es sich bei der Person um einen Nichtjuden gehandelt hat, was für die Verwandtschaft sehr problematisch ist und vor allem aber auch an der wissenschaftlichen Redlichkeit des Artikels Zweifel aufkommen lassen kann, da dieser eine Information wiedergibt, die vom Leser falsch aufgefasst werden könnte. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Entscheidung das christliche Kreuz als Sterbesymbol für eine jüdische Person zu verwenden, sowohl dem jüdischen Gesetz gegenüber, als auch der Person und ihrer Verwandtschaft, meiner Meinung nach, als respektlos gewertet werden kann. Das Argument der Vereinheitlichung von Zeichen ist an dieser Stelle überhaupt nicht zulässig, da dadurch die beiden oben erwähnten Problematiken deutlich übersehen werden. In einer Gesellschaft, in der Transparenz und Informationsvermittlung einen großen Stellenwert einnimmt, vor allem bei der Vermittlung von Wissen, was Wikipedia-Deutschland tagtäglich versucht erfolgreich umzusetzen, ist ein noch größeres Maß an Toleranz gefordert, denn wie soll man Toleranz und Aufklärung vermitteln, wenn man selber nicht bereit ist sich an diese im 21. Jahrhundert so wichtigen Prinzipien zu halten."

Arie Folger, Oberrabbiner der Jüdischen Gemeinde Münchens, Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz, 22. Februar 2014:

"Ihre Anregung ist sehr gut. Ich bin einverstanden. Bei uns lässt so etwas einen bitteren Geschmack hinter. Es ist als ob man jemand mit diesen Symbolik posthum 'taufen' möchte, oder verkünden, in dieser Kultur muss man christliche Symbolik aufnehmen oder ausweichen."

Johannes Gerloff, Journalist und Theologe, Jerusalem, 24. Februar 2014:

"Lieber Herr Kühntopf, vielen Dank für Ihre Anfrage. Grundsätzlich wäre Wikipedia zu fragen, warum es bestimmte religiöse Prägungen (ganz gleich welche das im Einzelfall sind) derart für andere Kulturbereiche zwingend vorschreibt. Von einer Webseite, die international auftritt wäre mehr Kultursensibilität zu erwarten. Für Juden ist das Kreuz historisch das Zeichen schlimmster Verfolgung und Vernichtung, nicht nur zeitlich, sondern auch ewig. Gerade im Zusammenhang mit dem Tod kommen da unwillkürlich, aber vollkommen berechtigt aus jüdischer Sicht, Assoziationen auf, die daran erinnern, wie christliche Geistliche jüdischen Menschen noch im letzten Atemzug ein Kreuz aufgelegt haben, um ihn zu retten. Der ganze Zusammenhang der blutigen Alternative von Taufe oder Scheiterhaufen steht im Hintergrund - und wenn beim Sterbedatum eines Juden das Kreuzeszeichen steht, wird damit (bewusst oder unbewusst) verkündigt, wer das letzte Wort im christlich-jüdischen Dialog, der erst in allerjüngster Zeit gewaltlos und unblutig geführt wird, hatte. Dass man all dies Wikipedia erklären muss, lässt tief blicken. Mit freundlichem Gruß"

Pinchas Goldschmidt, unter anderem Oberrabbiner von Moskau, Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz, Moskau, 24. Februar 2014:

"Liebe Chawer Küntopf Gerne bestätige Ich Ihnen dass Sie richtig liegen und das Kreuz falsshc, unpassend ist. B. H."

Elisabeth Gross, Vorstand der WIZO Stuttgart, Mitglied der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, 23. Februar 2014:

"Es wird aller höchste Zeit, die Sensibiltät für dieses Thema in der Öffentlichkeit zu wecken. Es ist einfach diffamierend, ein Kreuz vor das Sterbedatum einer jüdischen Person zu setzen!"

Tamara Guggenheim, jüdische Religionslehrerin, Jüdische Gemeinde Mannheim, Mannheim, 22. Februar 2014:

"Ich kann das absolut bestätigen und es stört mich auch",

Chajm Guski, Publizist und Autor zu jüdischen Themen, Gelsenkirchen, 22. Februar 2014:

"Hi und Gute Woche! Hört sich fast nach einem Blog-Artikel an. Das ist ein Thema, welches mich schon immer sehr genervt hat. Aber man hat es Deutsch gelöst: Stell Dich nicht so an - hieß es immer. Wo muss man unterschreiben? Beste Grüße Chajm"
"Die gefeierte Intelligenz der Massen! Die deutschsprachige Wikipedia ist so erfolgreich wie ihre anderssprachigen Schwesterprojekte, aber in vielerlei Hinsicht unterbindet die Schwarmintelligenz nicht, dass man nicht zu unvernünftigen Ergebnissen kommt und sich verhält wie der Mainstream in der Offline-Welt. So haben Muhammad/Mohammed, Regina Jonas und Ariel Scharon in der Wikipedia eine Gemeinsamkeit: Ihr Sterbedatum wurde mit einem genealogischen Zeichen versehen, welches den Todestag einer Person markiert. Dummerweise ist dieses Symbol ein Kreuz. Immer wieder sind einzelne Nutzer der deutschsprachigen Wikipedia dagegen Sturm gelaufen (siehe hier oder hier). Gefüllte Bildschirmkilometer. Der Ausgang und der Tenor waren aber klar: »Stellt Euch nicht so an. Mag sein, dass ihr das nicht mögt, euer Problem« Zuletzt kam es zu diesen Auseinandersetzungen wohl zum Tod von Ariel Scharon. Auch sein Sterbedatum wurde mit dem Symbol des Kreuzes versehen. Also einem, das für Juden nicht gerade unbelastet ist. So ist es ja nicht nur das Symbol des Christentums, also einer anderen Religion, sondern steht auch für Zwangstaufen und Verfolgungsdruck. Es ist also reichlich perfide, genau so ein Zeichen den Personendaten verstorbener Juden (oder Muslime) hinzuzufügen. Der Mob argumentiert formalistisch: Es sähe zwar aus, wie ein Kreuz, das genealogische Zeichen (†) sei aber gar kein Kreuz und damit sei (und ist) die Diskussion zu Ende. In anderen Sprachvarianten der Wikipedia ist das kein Thema, hier hat man die Symbole vermieden. Besonders dumm ist aber das Argument derjenigen, die lediglich ihre kulturelle Hegemonialität zeigen wollen und sich hinter Formalien verstecken, wenn man einen Blick in den Wikipedia-Artikel (der Griff der Axt kommt aus dem Wald) Genealogische Zeichen wirft. Dort werden auch entsprechende Symbole für Juden, Muslime und Buddhisten gelistet. 2012 hat das eine evangelische Theologin ebenfalls schon beobachtet (siehe hier). Seitdem ist nicht viel passiert. Aber wir haben gelernt, dass 100 Ignoranten nicht notwendigerweise zu weiseren Entscheidungen kommen, als 1 Ignorant." Link zum Originaltext: Chajms Sicht

Peter Honigmann, Leiter des Zentralarchivs zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland, Straßburg, 25. Februar 2014:

"Natürlich ist das Kreuz vor dem Todesdatum des Chatam Sofer in dem ihm gewidmeten Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia absurd. Warum lassen sie es nicht zu, wie es etwa in der französischen Version gemacht wird, daß man "geboren" und "gestorben" ausschreibt ? Ich fürchte, da ist wieder mal der Standardisierungswahn am Werke. Bei der sich so offen und flexibel gebenden Wikipedia muß das allerdings verwundern."

Stephan J. Kramer, Ex-Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, 23. Februar 2014:

"Sehe ich auch so. Viel Erfolg!"

Michael Daniel Kröner, halachischer Jude, Mitglied der Jüdischen Gemeinde Brandenburg an der Havel, Brandenburg an der Havel, 23. Februar 2014:

"Dieses unselige Kreuzzeichen vor unseren jüdischen Toten bei Wikipedia beleidigt uns persönlich. Unter dem Zeichen des Kreuzes wurden Millionen unserer Vorfahren hingeschlachtet, ermordet, erschossen, vergast. Während der Inquisition, der Pogrome in Russland, Polen, der Ukraine und in der Shoah. Ehret unsere Toten, indem ihr dieses Kreuz weglasst. Bei anderssprachigen Wikepedia klappt es auch. Ausgerechnet das deutschsprachige verweigert sich."

Ari Lipinski, unter anderem Mitglied des Vorstands der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Stuttgart & Mittlerer Neckar, Korntal bei Ludwigsburg, 23. Februar 2014:

"Geschmacklos, grenzt an Beleidigung."

Aron Müller, orthodoxer Rabbiner, Baden AG, 22. Februar 2014:

"Keine Frage, Herr Kühntopf: Kreuzzeichen sind unpassend."

Dr. Naftali Neugebauer, Autor, Vorstandsvorsitzender Mesusa (Wien), Fundraiser der Moses-Mendelssohn-Synagogem, Berlin, Wien, 23. Februar 2014:

"Lieber Michael, gerne ein Statement, welches hoffentlich brauchbar ist für Dich: Das Kreuz ist schlicht und ergreifend sachlich falsch gesetzt. Die Debatte darüber ist so als ob man die Debatte weiterführen möchte, ob die Erde eine Scheibe und keine Kugel sei. Die Frage ist entschieden. Darum auch kein Kreuz."

Walter Joshua Pannbacker, Vorbeter, Religionslehrer und Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Kiel, 22. Februar 2014:

"Das Kreuz ist, trotz aller Fortschritte im christlich-jüdischen Verhältnis, für viele Juden immer noch das Zeichen, unter dem sie ungefähr 1.500 Jahre verfolgt und ermordet wurden. Daher ist die Verwendung eines Kreuzes für den Tod eines Juden in doppelter Hinsicht unpassend, da es darüber hinaus auch noch seine jüdische Identität posthum verleugnet. Es ist tatsächlich auch ein deutsch(sprachiges) Phänomen; im englischsprachigen Raum schreibt man zum Beispiel nur b. 1924 d. 2014 für 'born' und 'died'. Übrigens hat der Wikipedia-Artikel über genealogische Zeichen selbst den Davidstern für 'gestorben' bei Juden in der Liste. Habe ich aber, ehrlich gesagt, selbst noch nie so verwendet ... "

Avrohom Yitzchok Radbil, Rabbiner, Osnabrück, 5. März 2014:

"Lieber Herr Kühntopf, die jüdische Religion benutzt keine christlichen Symbole. Aus diesem Grund ist die Benutzung eines Kreuzes als ein Zeichen des Ablebens einer jüdischen Persönlichkeit nicht angebracht. Es ist auch unsensibel und sogar respektlos dieses Symbol neben dem Sterbedatum rabbinischer Persönlichkeiten zu benutzen, insbesondere da viele von ihnen zu Opfern der christlichen Verfolgungen und der Kreuzzügen geworden sind, und den Tod eines Märtyrers wählten um nicht getauft zu werden. Mit freundlichen Grüßen"

Jalda Rebling, Chasan, Ohel HaChidusch Berlin, Berlin, 25. Februar 2014

"Ein Kreuz mit einem Kreuz? Warum ist es so schwer die Gefühle derjenigen zu achten für die das Kreuz immer ein Zeichen der Verfolgung und keines der Versöhnung sein wird? Warum ist es nicht möglich in einer weltoffenen westlichen Welt in einer digitalen Welt auch internationale Standards zu respektieren? Bis tief in unsere moderne Alltagssprache hinein haben wir internationales übernommen: wir skypen und chatten oder shoppen. Warum können wir Lebensdaten nicht durch einen einfachen Bindestrich verbinden, wie es jeder andere auch macht? Ignoranz? Besserwisserei? Dummheit? Respekt voreinander beginnt im Detail, in den kleinen Dingen des Alltags, der alltäglichen Begegnung. Ein kleiner Bindestrich könnte so viel Mißverständnis aus der Welt schaffen."

Roger Reiss, Schriftsteller, ehemaliger Banker, Genf, 22. Februar 2014:

"In einem Wort, das Kreuz stört mich schon immer. Magen David ist auch schwierig, denn dann musst du 100 % sicher sein, dass der Verstorbene Jude war, am Liebsten einfach nichts ..."

Hanna Rheinz, Publizistin, Psychologin, Bayern, Deutschland, 24. Februar 2014:

"Lieber Michael, hier mein Statement: Posthumes Christianisieren vs Prämortales Entjudaisieren In einer Zeit der zunehmenden Religionsfeindseligkeit wundert mich, daß Wikipedia überhaupt religiöse Symbole verwendet bzw. Symbole, die einen so starken Bezug zur Religion haben, daß sie sogleich als zentrale Symbole einer Religion erkannt werden, wie es das Kreuz nun mal ist. Gut nur, daß offenbar (noch) nicht die universale Mehrheitsreligion das Entscheidungskriterium ist, da wir andernfalls demnächst alle mit islamischen Symbolen bestückt würden ... Wie konfus diese ganze Symbolzuordnung auf der Grundlage der säkulären Orientierung ist, wird an folgendem Beispiel deutlich. Wikipedia hat bei früheren Bezeichnungen "deutsch-jüdischer Autor/in" das "jüdisch" entfernt, um mögliche Ungleichbehandlungen zu verhindern, und den säkulären Charakter der Gesellschaft und der Kultur zu betonen, auf der anderen Seite jedoch wird ein zutiefst religiöses Symbol als universelles Zeichen des Sterbedatums akzeptiert. Mir erscheint dies als Bruch der Logik, der dringend einer Diskussion bei Wikipedia selbst bedarf. Ich persönlich empfinde es als zutiefst beunruhigend und belastend, mir als Tote ein Kreuz aufzwingen lassen zu müssen. Tote können sich bekanntlich nicht mehr wehren. Tote, die keine Verwandte mehr haben, die ggfs Richtigstellungen veranlassen könnten, um zu verhindern, daß der Verstorbene dem Christentum zugeschlagen wird, haben schlechte Karten. Es ist ein Elend, daß manches mit dem Tod eben gerade nicht aufhört, auch wenn es dem Leichnam vermutlich egal ist. Nur, wer weiß das schon? Vielleicht grämt man sich, kalt und bleich und dann noch mit Kreuz - und leidet wie ein ...(toter) Hund - und zwar auf ewig? Miserable Aussichten. Und zwar für jeden! Das sollte also dringend geändert werden. Ebenso irritierend wie das posthume Christianisieren jedoch ist, - und diese Frage würde ich gerne auch an Herrn Stephan Kramer weiterreichen - , das prämortale Entjudaisieren: Wie es möglich ist, daß ein Jude, der von einem Bundesland in ein anderes umzieht, und sich mal eben so ummelden will, trotz aktiver Gemeindemitgliedschaft und dort vorhandener Dokumente - von der Gemeindemitgliedschaft in der anderen Gemeinde des anderen Bundeslandes ausgeschlossen werden kann? Bedarf es da etwa gewisser Transferleistungen, Spenden etc. um es mal ganz dezent zu fragen? Dieses prämortale Entjudaisieren empfinde ich als mindestens ebenso empörend, zumal die Repräsentanten bei jeder Gelegenheit die Vorzüge der Einheitsgemeinde loben. Wie ist das möglich? Wieso kann ein Jude nicht von A nach B umziehen innerhalb des Einheitsgemeindelandes? Welche Machtrituale werden da - ohne öffentliche Wahrnehmung (!) zelebriert? Lieber Michael, es könnte also statt "das Kreuz mit dem Kreuz" genauso gut heißen, "das Kreuz mit dem Judentum" ... es grüßt herzlich Hanna Rheinz, Dr. phil., Autorin und Dissidentin, in Vorbereitung: "On Poverty - The Violation of Human Rights in Germany", u.a. YouTube (PS ad Titel und Thema "Definitions-Macht" . Bei Frauen werden sie systematisch weggelassen, daher ... )."

Ulrich W. Sahm, Journalist und Nahostkorrespondent, Jerusalem, 6. März 2014:

"Allein die deutsche Wikipedia besteht darauf, bei Juden wie Moslems, bei Ariel Scharon wie bei Jassir Arafat, das Todesdatum mit einem Kreuzzeichen zu versehen. Michael Kühntopf, Erfinder und Betreiber des jüdischen Wikipedia in deutscher Sprache, jewiki.net, läuft gegen diese „Unsitte“ Sturm. Er hat eine Umfrage unter Rabbinern und prominenten Juden vor allem in Deutschland gestartet. In den Antworten wird das Kreuz als typisches christliches Symbol bezeichnet, was bei vielen Juden Zorn, Frustration und Abscheu verursacht, wenn es im Nachruf oder der Darstellung des Lebens einer jüdischen Persönlichkeit verwendet werde. Die Diskussion um das Kreuzzeichen bei Artikeln über Juden bei der deutschsprachigen Wikipedia läuft schon seit mindestens 8 Jahren, doch die Wikipedia-Community weigert sich, auf die Argumente einzugehen, und hat schon mehrere Teilnehmer an der Diskussion gesperrt oder auf “nur Lesen” geschaltet. Die Diskussion entfachte sich erneut nach dem Tod des israelischen Politikers Ariel Scharon, der nun ebenfalls für die deutschen Benutzer von Wikipedia “im Zeichen des Kreuzes” gestorben ist."

Melody Sucharewicz, Politik-Beraterin und ehemalige Sonderbotschafterin Israels, 4. März 2014:

"Lieber Michael, die Nutzung des Kreuz-Symbols in Wiki-Eintraegen zu juedischen Biographien ist so seltsam wie unsensibel - eine vielleicht unbeabsichtigte, aber daher nicht weniger unakzeptable Verzerrung der religioesen Identitaet der Person. Ich unterstuetze selbstverstaendlich jede Initiative, die damit Schluss macht."

Yehuda Teichtal, Vorsitzender des Chabad Jüdischen Bildungszentrums in Berlin und Gemeinderabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Berlin, 24. Februar 2014:

"Sehr geehrter Herr Kühntopf Rabbiner Yehuda Teichtal bestätigt, dass das Kreuzzeichen als Sterbezeichen für einen Verstorbenen jüdischen Glaubens unpassend ist, weil das Kreuzsymbol ein christliches Symbol ist MfG Avraham Golovacheov."

Shneur Trebnik, Rabbiner der IRGW-Gemeinde Ulm, Ulm, 13. März 2014

"Lieber Herr Kühntopf, ehrlich gesagt verstehe ich die Frage mit den Kreuz nicht... es ist keine jüdishces simbol sonders vom andere Religion und past nicht an Grabstein, Totes datum, Synagoge usw. warum sollen Juden nicht Jüdsche simbole verwenden (besonders Religiöse..und noch solche die was ganz anders als judentum simbolisierne."

Dr. Andreas Verhülsdonk, Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bereich Glaube und Bildung, Geschäftsführer der Kommission für Erziehung und Schule, Trier, 1. April 2014:

"Sehr geehrter Herr Kühntopf, im Auftrag von Kardinal Reinhard Marx [Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz] danke ich Ihnen für Ihre Mail zur Verwendung genealogischer Zeichen in der deutschsprachigen Fassung von Wikipedia. Ich bitte Sie um Verständnis, dass die Deutsche Bischofskonferenz zu dieser Frage keine Stellung nimmt. Davon abgesehen ist es schwer verständlich, warum die deutsche Ausgabe des Internet-Lexikons nicht die Bezeichnungen für „geboren“ und „gestorben“ übernimmt, die in den anderssprachigen Ausgaben üblich sind. Mit freundlichen Grüßen Im Auftrag Andreas Verhülsdonk."