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Benutzer:Michael Kühntopf/Felix Klein Januar 2019

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AfD = antisemitisch! Wirklich??

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat in einem Interview mit dem Deutschlandfunk schwere Vorwürfe gegen die Alternative für Deutschland erhoben.

So weit, so schlecht.

Schauen wir uns das also ein wenig näher an. Nur ein wenig näher.

Die Website des Deutschlandfunks beginnt mit der Überschrift:

„Antisemitismus-Beauftragter Klein: ‚Die AfD vertritt viele [sic!] antisemitische Positionen‘ “.

Die Überschrift ist blickfangmässig gestaltet in mindestens dreifacher Schriftgröße gegenüber dem Fließtext.

Lesen wir dann in den Text hinein, steht da: „Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, wirft der AfD teilweise [sic!] antisemitische und verfassungsfeindliche Positionen vor.

Aha, so muss man es machen. Aus „ist antisemitisch“ wird dann mal eben „kommt vor“ (in einer erst näher zu beziffernden Größenordnung). Aber die Überschrift, das hat erst einmal gesessen. Manche Menschen lesen übrigens NUR ÜBERSCHRIFTEN.

Über Antisemitismus in ALLEN ANDEREN politischen Parteien verliert Herr Klein kein Wort.

Angriffe der Partei auf die Erinnerungskultur in Deutschland würden zudem „sekundären Antisemitismus“ auslösen. Wenn sekundärer Antisemitismus Schuldabwehr und Scham bedeutet, gegen die man sich wehrt, braucht es dazu keine AfD. Es genügt ein Blick in Schulbücher, Geschichtsbücher, Wikipedia oder alle anderen sachlich angemessenen Informationsdarbietungen zum Thema Nationalsozialismus und Holocaust.

Überdies "greift die AfD nicht die Erinnerungskultur an" und will keinen Schlussstrich, sondern lediglich eine Neubewertung und angemessene Einordnung des Themas in historische Gesamtzusammenhänge. Genau das war mit „Fliegenschiss“ gemeint – wobei zugegeben werden soll, dass das eine SEHR unglückliche und missverständliche Formulierung war.

Zu den „antisemitischen Positionen“ der AfD zählten laut Klein die Forderung nach einem Verbot der Beschneidung und des rituellen Schächtens. Beides werde im Parteiprogramm der AfD gefordert. Das ist alles in mehrfacher Hinsicht falsch. Forderungen nach Beschneidungsverbot und einem Verbot betäubungslosen Schlachtens sind zunächst nicht automatisch antisemitisch, sondern können durchaus auch anders motiviert sein. AfD und JAfD haben zu beiden Themenkomplexen sehr differenziert und ausgewogen Stellung genommen.

Die Position der JAfD zum koscheren Schlachten in aller Kürze: Koscheres Schlachten gemäß strengen jüdischen Vorschriften ist an sich in keiner Weise quälender für das Tier als das Schlachten nach den sonst praktizierten Methoden. Die Ermöglichung koscheren Schlachtens ist für Juden in Deutschland wichtig, aber nicht überlebenswichtig. Deshalb sind wir hier zu Kompromissen bereit, vor allem vor dem Hintergrund der Tatsache, dass durch ein Komplettverbot des Schächtens höchstwahrscheinlich viele Stimmen für die AfD hinzugewonnen werden können. Ein Einverständnis der JAfD zu einem Schächtverbot setzt allerdings voraus, dass auf jegliches Importverbot für Koscherfleisch definitiv verzichtet wird.

Die Position der JAfD zur Knabenbeschneidung in aller Kürze: Knabenbeschneidung nach jüdischer Sitte ist erstens unabdingbar für ein jüdisches Leben in Deutschland, für jüdisches Leben überhaupt, und deshalb nicht verhandelbar; zweitens mit keinerlei gesundheitlichen oder auch nur psychischen Schäden oder Gefährdungen verbunden. Daraus folgt alles Weitere.

Klein sagte, er beobachte mit Interesse, wie die Verfassungsschutzbehörden mit der AfD umgingen. Zumindest einige Äußerungen von Funktionären der Partei halte er für verfassungsfeindlich. Dazu gehöre die Aussage eines Jugendfunktionärs, der die Männer und Frauen des Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944 als „Volksverräter“ dargestellt habe.

So sieht das also aus. Erst IST die AfD antisemitisch, dann KOMMT ANTISEMITISMUS VOR (nebenbei: er kommt überall vor, und deutlich häufiger woanders als in der AfD), dann kommt er vor bei Leuten, die keine Verantwortung tragen, für niemanden sprechen und von denen NIEMAND JE ETWAS GEHÖRT hat. Deren Aussagen werden dann ins Allgemeine gehoben. Das ist das Tuka-Tuka-Argument in der Anthropologie: Überall ist es so, aber auf Papua-Neuguinea gibt es ….

Über diese schiefe Argumentation liesse sich ganz einfach herleiten, dass z. B. alle Grünen antisemitisch wären. Denn da gab es einen Ulf Dunkel, immerhin Landtagskandidat in Niedersachsen, der nannte Juden und Muslime, die die Unverschämtheit besitzen, an der Knabenbeschneidung festhalten zu wollen, „religiöse Fanatiker“ und „Arschlöcher“. Und dann fing er zu allem Überdruss noch an zu dichten:

„Wetzt das Messer, singt ein Lied, ab die Vorhaut von dem Glied … „Bist du für ein intaktes Glied, so bist du gleich Antisemit.“

Zurück zu Herrn Klein, er sagte dann noch Folgendes:

„Die AfD hat sicher mit dazu beigetragen, den Antisemitismus salonfähiger zu machen und dass Meinungen, die eben über die Gräuel der Nationalsozialisten und auch über Juden immer vorhanden waren, jetzt auf einmal offensichtlich akzeptabler werden.“

Das ist einfach eine vollkommen beleg- und begründungslose Behauptung, dreist und unverschämt.

Ich behaupte jetzt mit derselben Überzeugungskraft: 3 x 3 = 10. Das ist hinsichtlich der Sinnlosigkeit identisch.

Über muslimischen Antisemitismus geht Herr Klein nonchalant hinweg und löst die Schwachsinns-Behauptung, 90 Prozent antisemitischer Straftaten wären „rechter“ Provenienz, nicht auf und faselt stattdessen etwas von einem "Nicht-Hierarchisieren-Wollen" von Antisemitismus“.

Ein Imbissbuden-Pächter im Wilden Westen wurde einmal gefragt, woraus sein Wildragout besteht. „Naja, es ist auch Pferdefleisch dabei“, gab er ehrlich zu. Und wieviel Pferdfleisch? „Halb und halb“, sagte daraufhin der Gastronom. „Ein Kaninchen und ein Pferd“.


https://afdkompakt.de/2019/01/28/afd-weist-unterstellungen-des-antisemitismusbeauftragten-zurueck/