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Benutzer:Michael Kühntopf/Antwort Wagner, JMB

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Von: <Thomas.Wagner@bkm.bund.de>

Datum: 31. Januar 2019 um 16:00:12 MEZ

An: <abramovych@j-afd.org>

Betreff: WG: Kritik an JMB-Akademie

Sehr geehrter Herr Abramovych,

ich danke Ihnen für Ihre Email an Frau Kulturstaatsministerin Professor Monika Grütters MdB vom 10. Dezember 2018. Frau Professor Grütters hat mich als für das Jüdische Museum Berlin (JMB) zuständigen Referatsleiter gebeten, Ihnen zu antworten.

Ihre Kritik am JMB und der W. Michael Blumenthal Akademie habe ich zur Kenntnis genommen. Ich teile sie nicht. Die Arbeit der Stiftung Jüdisches Museum wird seit ihrer Gründung vom Zentralrat der Juden begleitet, der als Mitglied des Stiftungsrats über das Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm mitentscheidet und die von Ihnen eingenommene Position nicht vorgetragen hat.

Ihre Vorwürfe, das JMB lenke insbesondere mit der Arbeit der Akademie vom Problem des Antisemitismus in Deutschland ab, weise ich entschieden zurück. Es wird Sie interessieren, dass der Axel Springer Verlag ganz ähnliche, in der „Welt“ veröffentlichte Vorhaltungen im Dezember 2018 mit einer Gegendarstellung zurücknehmen musste. Diese Gegendarstellung finden Sie hier:

https://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article186124488/Gegendarstellung.html

Zu Ihren weiterführenden Vorwürfen einzelne Veranstaltungen des JMB und seiner Akademie betreffend möchte ich Sie darauf hinweisen, dass das JMB die Aufgabe hat, jüdisches Leben in Berlin und in Deutschland, die von hier ausgehenden Einflüsse auf das europäische und das außereuropäische Ausland sowie die Wechselbeziehungen zwischen jüdischer und nichtjüdischer Kultur zu erforschen und darzustellen. Das JMB hat per Errichtungsgesetz auch den Auftrag, einen Ort der Begegnung zu schaffen. Bei Erfüllung dieser Aufgabe kann und muss sich die Stiftung darauf verlassen, dass für ihre Arbeit die Grundsätze der freien Meinungsäußerung sowie der Kunst- und Wissenschaftsfreiheit gelten. Es ist nicht Aufgabe und auch nicht Ziel der Bundesregierung, das JMB bei der Wahl und Umsetzung seiner Ausstellungsvorhaben oder bei der Durchführung von Diskussionsveranstaltungen derart zu beeinflussen, wie Sie sich dies offenbar wünschen.

Was die Haltung des JMB zur BDS-Bewegung betrifft, so hat sich der Direktor der Stiftung am 1. Oktober 2018 in einem Namensartikel im Berliner Tagesspiegel unmissverständlich positioniert. Er schrieb: Es ist „selbstverständlich, dass wir Aktivisten jedweder politischen Richtung kein Forum bieten, was insbesondere auch für Unterstützer oder Aktivisten der BDS-Kampagne (Boycott, Divestment, Sanctions) gilt, wobei die Einschätzung der BDS-Nähe immer nur von Fall zu Fall getroffen werden kann. Es entspricht nicht der Haltung des Jüdischen Museums Berlin, bei unseren Referenten im Vorfeld Gesinnungstests im Sinne einer Überprüfung ihrer politischen Anschauungen vorzunehmen, und wir beobachten die zunehmende Ausbreitung einer ‚Kultur des Verdachts‘ mit Sorge.“ Dieser Haltung möchte ich mich anschließen.

https://www.tagesspiegel.de/kultur/juedisches-museum-berlin-produktive-unruhe-in-die-gesellschaft-tragen/23132572.html

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Thomas Wagner

Referatsleiter K 41

Grundsatzfragen zur Geschichte und Erinnerung; Historische Museen; Politikergedenkstiftungen

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien

Graurheindorfer Straße 198, 53117 Bonn

Telefon: 0228 99 681 - 13634

Fax: 0228 99 681 - 5 - 13634

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Internet: www.kulturstaatsministerin.de