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Benutzer:Messina/Liste der Stadtarchitekten in Kaliningrad

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Stadtarchitekten

Architekten des Wiederaufbaus

Maksimow (1944-1945)

Maksimow [1] war der erste russische Chefarchitekt der Stadt. Seit Juni 1945 war er dafür verantwortlich, die Überreste der Stadt zu untersuchen und deren Wiederaufbau vorzubereiten. Er traf sich auch mit Dr. Alfred Rohde wegen Kulturgüter. Parallel zur der technischen Bestandsanalyse malte er das zerstörte Königsberg in Zeichnungen und Aquarellen. Ende 1945 kam zu ihm Willi Schedler ein Königsberger Architekt, der 1947 verstarb und anonoym am Ende der Aleksar-Nevskij-Straße begraben wurde.[2] Maksimow und Schedler suchten zusammen nach Überresten von Karten und Plänen der Königsberger Bauarchive. Aus der Zusammenarbeit resultierten die ersten Pläne der zerstörten Stadt. Zusammen mit Stadtarchitekt Nawachilin entstand der erste Wiederaufbauplan der Stadt 1949, der die Rekonstruktion des Königsberger Schlosses und des Postamts vorsah.[3] Zusammen mit Stadtarchitekt Chodakowski[4][5] wollte Maksimow im Jahre 1960 das Königsberger Schloss als Volkshaus oder Haus des Friedens wiederaufbauen.[6]

Timochin (1946)

P. Vladimir Timochin (russisch П. Владими́р Тимохин) war Chefarchitekt der Gebietskommunalwirtschaft und meinte 1946 die Altstadt zum Freilichtmuseum zu erklären. Ähnlich der Ruinen der Dresdner Frauenkirche, sollte das Königsberger Stadtschloss und die Bauten am Gesenicusplatz als Mahnmal erhalten bleiben:

„[…] das ehemalige Stadtzentrum soll so gelassen werden […] , wie es jetzt ist ,um es als Denkmal des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg 1941-1945 über den deutschen Faschismus zu erhalten.“[7]

In der unmittelbaren Nachkriegszeit wollte man das alte Stadtzentrum bewusst brachbleiben lassen. Das alte Stadtzentrum umfasste den alten Stadtkern innerhalb der Befestigungsanlagen des 19. Jahrhunderts. Das neue Stadtzentrum sollte laut Tichom auf dem Gelände der abgebrannten Ostmesse neu gebaut werden.

Tjan (1947-1948)

Neogotische Türme der Stadt 1919, Turm der Hauptpost (links), Kirchtturm der Altstädter Kirche (Mitte), Türme des Königsberger Schlosses (rechts).

Dimitri Tjan (russisch Дмитрий Тьян) war bis zur Schaffung des Amtes des Chefarchitekten der Stadt Kaliningrad der Hauptverantwortliche für den Wiederaufbau. In einer Analyse der Architektur in Opstpreußen und Kaliningrads, beschrieb er den „deutsch-teutonischen Stil“[8] der Stadt Königsberg.

„Die vorherrschenden Stile sind die Gotik [(Backsteingotik)], die modernisierte Gotik [(Neogotik)] und die Gotik im Konstruktivismus [(Expressionismus)] . ... der vorherrschende Stil Königsbergs war eine simplifizierte Gotik oder richtig eine gotische Verkleidung.[9]

Dimitri Tjan, sah im November 1947 einer der vorrangigsten Aufgaben des Wiederaufbaus in der Schaffung neuer Generalpläne für die Städte des Kaliningrader Gebietes.

Tjan meinte mit der „modernisierten Gotik“ und den „deutsch-teutonischen Stil“ das große neogotische Stadtensemble am Gesenkusplatz, bestehend aus den verschiedenen dort befindlichen Türmen, die an den Deutschen Orden erinnerten. Der Turm des Telegraphenamts von Heitmann, der Kirchturm der Altstädter Kirche von Schinkel und der Schlossturm von Stüler.

Die Beispiele für die „Gotik im Konstruktivismus“ (Expressionismus) waren das von Hanns Hopp erbaute Haus der Technik auf dem Gelände der Ostmesse und das Stadthaus gegenüber dem Nordbahnhof.

Nawachilin (1948-1955)

Plan 1949 mit rekonstruierten Altbauten wie Schloss, Postamt und Stadthalle. Ruinen der Altstädtischen Kirche, Steindammer Kirche und Dom.

Nawachilin kam 1947 nach Kaliningrad[10][11] und wurde 1948 Chefarchitekt der Stadt Kaliningrad bis 1955. Von 1955 bis 1957 war er Leiter der Gebietsverwaltung.[12] Kaliningrad bestand aus einem Kranz der ehemaligen Randbezirke Königsberg und das total zerstörte Zentrum. „Nawachilin sah das neue Stadtzentrum an der Stelle des alten entstehen“.[13]
Zusammen mit Maksimow schlug er vor die Struktur der alten Stadtblöcke beizubehalten. Der Nawalichin-Maksimow-Plan von 1949 sah vor, das Königsberger Schloss stehen zu lassen. Kneiphof mit Domruine und Altstadt sollten Grünanlagen ohne Bebauung werden. An der Nordseite des Königsberger Schlosses sollte ein großer Platz in Form eines Rechtecks entstehen. Flankiert wurde der neue große Platz von dem erhalten gebliebenen Post- und Telegraphenamt im Westen, im Osten von dem Neubau des Hauses der Räte und im Süden von dem stehen gebliebenen Schloss.[14]
Nawalichin wurde im Dezember 1949 im Kollegium der Verwaltung für Architektur in Moskau „stark dafür kritisiert“[15]. GIPROGOR – das staatliche Institut für Stadtplanung (russisch «Гипрогор» – Государственный институт проектирования городов) lehnte den von Maksimow und Nawalichin vorgelegten Plan ab und entwarf einen eigenen unter Leitung von Michail Naumov: „Das Schloss wurde [nun] durch eine Dreiflügelanlage eines Sowjetpalastes ersetzt“,[16] Giprogor sah den Sowjetpalast „auf dem Fundament des Schlosses emporwachsen“.[17]
Der Nawalichin-Plan von 1954, sah nun eine neue Stadtmitte vor. Diese wurde durch einen überdimensionierten Sowjetpalast auf den Fundamenten des Königsberger Schlosses nach Vorgaben Moskaus gebildet: „Im Detail sah er vor, dass an der Stelle des Schlosses das Haus der Räte entstehen sollte“.[18] 1958 kritisierte Nawalichin die Fassaden Königbergs aus der Zeit der Jahrhundertwende als „schwach und oberflächlich“[19] Das Neue Postamt gegenüber dem Schloss bezeichnete Nawachilin als Beispiel für Gebäude in „falscher Gotik“.[20] Das Schloss und der Dom blieben jedoch stehen. Während die Ruine der Schlosskirche 1968 gesprengt wurde, rekonstruierte man in den 1990er Jahren die Domruine auf dem Kneiphof. Unter Nawalichin entstanden nun folgende Bauten im sozialistischen Neoklassizismus:


Stadtarchitekten

Chrustalew (1957-1958)

K. Ja. Chrustalew (russisch Константи́нович Ярослав Хрусталев[21], wiss. Transliteration K. Ja. Chrustalev) war Stadtarchitekt Kaliningrads von 1957 bis 1958. Er beklagte die Herrschaft der regionalen Bauherren, die das Stadtzentrum nicht mit Gebäuden im Stil des sozialistischen Klassizismus bebauen wollten. Die Bauherren waren die Werft, die Zellstofffabrik und die Waggonbaufabrik, die Gebäude für ihre Arbeiter in der Nähe der Arbeitsorte, aber nicht im historischen Zentrum bauten.[22]

Der Chefarchitekt K. Chrustalew beschrieb in seinem Artikel „Zastroim central'nye magistrali goroda“[23] den beklagenswerten Zustand des historischen Stadtzentrums. Der Artikel erschien in der Kaliningradskaja Pravda am 2. Oktober 1957. Chrustalew erklärte, „dass alle Städte ein historisch gewachsenes Zentrum mit hohen, schönen Häusern besäßen, von dem aus alle Teile der Stadt gut erreichbar seien. Königsberg habe alle diese Merkmale gehabt, Kaliningrad aber besitze gegenwärtig überhaupt kein Zentrum“.[23]

Sehlenkowa (1958-1959)

Natalja Alexandrowna Sehlenkowa (russisch Наталья Александровна Зеленкова, wiss. Transliteration Natalya Aleksandrovna Zelenkova) war Stadtarchitektin Kaliningrads von 1958 bis 1959. Sie regte an das neogotische Postamt wiederaufzubauen und darin das Hauptpostamt unterzubringen.[24]Am 15. Mai 1959 erwähnte Sehlenkowa in einem Artikel für Kaliningradskaja Pravda das Stadtschloss nicht zu schleifen. Nachdem Sehlenkowa das Amt abgab, wurde das neogotische Postamt im Jahre 1960 gesprengt.[25]

Iljuchin (1959-1961)

Leonid Iljuchin (russisch Леони́д Илью́хин, wiss. Transliteration L. Iljuchin) war Stadtarchitekt Kaliningrads von 1959 bis 1961. Er meinte 1960 in der Kaliningradskaja Pravda dass man Ruinen „ im ursprünglichen Zustand wiederaufbauen, rekonstruieren“[26] könne.

Chodakowski (1961-1965)

Wladimir Wassiljewitsch Chodakowski war Stadtarchitekt Kaliningrads von 1961 bis 1965.[27][28][29]

Im April 1960 auf einer Versammlung der KOSA schlug Chodakowski vor, das Schloss zu retten. Maksimow, der den Navachilin-Maksimov-Plan von 1949 entworfen hatte, erklärte auf dieser Versammlung, dass das Königsberger Schloss als Volkshaus oder Haus des Friedens wiederaufzubauen.[30] Chodakowski führte das Lager der Befürworter des Schlosses an. In den Jahren zwischen 1960 und 1965 kämpften Teile der Bevölkerung Kaliningrads um den Erhalt des Schlosses.[31] Eine Rekonstruktion des Schlosses befürwortete auch Leo Alexandrowitsch Soskin [32] [33][34], der von 1964 bis 1967 Chefarchitekt des „Kaliningrader Projektierungsinstitut für ziviles Bauen und die Planung und Errichtung von Städten und Siedlungen“[35] (Kaliningradgrazhdanproekt; russisch Калининградгражданпроект) war.[36] Leonid Breschnew selbst befürwortete die Sprengung, anschließend trat Chodakowski ab. Ende 1965 erfolgten die ersten Sprengungen.[37]

Pokrowski (1965-1967)

Stadtarchitekt Pokrovskij versuchte die Domruine zu sprengen.

Juri Pokrowski (russisch Юрий Покровский, wiss. Transliteration Jurij Pokrovskij) war Stadtarchitekt Kaliningrads von 1965 bis 1967.[38][39]

1967 beschloss Pokrowski anstelle der Domruine ein zentrales Massengrab zu erstellen. Cygankov erklärte das Kant-Grab zu „einem der Ecksteine der marxistisch-leninistischen Lehre.“[40] Daraufhin wurden die Arbeiten zur Sprengung eingestellt.

Britan (1992-1998)

Baldur Köster nennt den Stadtarchitekten (russisch Василий Британ). [41][42]

Gorbatsch (1998–2002)

Baldur Köster nennt den Stadtarchitekten Pawel Michailowitsch Gorbatsch (russisch Павел Михайлович Горбач) [43][44]

Kondakowa (2002-2005)

Tatjana Kondakowa (russisch Татьяна Кондакова, wiss. Transliteration Tat'jana Kondakova) war Stadtarchitekt Kaliningrads von 2002 bis 2005. Kondakowa wurde 1978 in Vladikavkaz (Ordzonikidze) in Nordossetien beboren und hatte in Leningrad an der Kunstakademie bei Aleksandr Žuk studiert.[45] [46]

Baschin (2006-2008)

Alexander Baschin (russisch Александр Башин , wiss. Transliteration Aleksandr Bašin) war Stadtarchitekt Kaliningrads von 2006 bis 2008. Baschin entwickelte ein neues Projekt. Er wollte das alte Königsberg rekonstruieren, darunter das Alte Schloss. Unter Baschin wurden zur Jubiläumsfeier der Stadt historische Gebäude restauriert und rekonstruiert, darunter das Friedrichs- und Königstor mit sämtlichen historischen Standbildern und Wappen. Und auch die alte Königsbrücke. Zudem der ehemalige Königsberger Hauptbahnhof. Er wird heute aufgrund der Verlegung des Stadtzentrums in den Nordwesten "Südbahnhof" genannt. Restauriert wurde das Glasdach, das nach dem Zweiten Weltkrieg nur notdürftig mit Holzbrettern ausgebessert worden war. Erneuert wurde auch die Vorhalle, die mit neuem Granit-Fußboden, Kronleuchtern und Springbrunnen ausgestattet wurde. Innerhalb der Bahnsteighalle wurden historisierende gusseiserne Laternen errichtet. Die Bahnsteige wurden erhöht und mit Fliesen ausgestattet. Es fahren Züge über Gdynia nach Berlin, nach Moskau, nach Sankt Petersburg sowie nach Sotschi.[47]

  1. vgl. Podehl, S. 84.
  2. vgl. Podehl, S. 102.
  3. Арсений Владимирович Максимов (1912; Петроград), архитектор russisch
  4. vgl. Podehl, S. 253.
  5. Hoppe, S. 127ff.
  6. Hoppe, S. 130.
  7. Hoppe, S. 55.
  8. Hoppe, S. 50.
  9. Hoppe, S. 48.
  10. vgl. Podehl, S. 93.
  11. vgl. Podehl, S. 100.
  12. Sofern nicht anders ausgewiesen, folgt der Abschnitt Stadtarchitekt Nawalichin (1947-1955) und Wiederaufbau der Altstadt dem Werk von Podehl, ab S. 100: Planungen für Kaliningrad unter dem Stadtarchitekten Nachilin.
  13. Podehl, S. 102.
  14. vgl. Podehl, S. 102.
  15. Podehl, S. 106.
  16. Podehl, ab S. 106.
  17. Podehl, S. 104.
  18. Podehl, S. 108.
  19. Hoppe, S. 127.
  20. Hoppe, S. 128.
  21. К. Я. Хрусталев, который в то время занимал должность главного архитектора города Übersetzung:Der Projektleiter wurde KY Chrustalew, der zu dieser Zeit als Chefarchitekt der Stadt tätig war.
  22. Hoppe, S. 81, 98.
  23. 23,0 23,1 Hoppe, S. 103, Anmerkung in der Fußnote 117.
  24. Hoppe, S. 128.
  25. Blick auf das ehemalige Postamt heute auf streetview.de
  26. Hoppe, S. 102: L. Iljuchin: Protiv besplanovosti v zastrojke Kaliningrada. In: Kaliningradskaja Pravda, 2. Februar 1960. [Против Бесплановости разработке Калининграда = gegen die planlose Entwicklung Kaliningrads]
  27. vgl. Podehl, S. 253.
  28. Hoppe, S. 79, 94, 102, 130-135, 143f.
  29. Biographie des Architekten Wladimir Chodakowski (russisch Владимир Ходаковский) auf rynokzhilia.ru
  30. Hoppe, S. 130.
  31. Podehl, S. 248.
  32. vgl. Podehl, S. 84.
  33. Podehl, S. 329-330
  34. Biographie des Architekten Lev Soskin (*1934) auf gako2006
  35. Hoppe, S. 138.
  36. (Kaliningradskij proektnyi institut grazdankogo stroitel'stva planirovki i zatsrojk gordov i posoelkov; russisch КАЛИНИНГРАДСКИЙ ПРОЕКТНЫЙ ИНСТИТУТ ГРАЖДАНСКОГО СТРОИТЕЛЬСТВА, ПЛАНИРОВКИ И ЗАСТРОЙКИ ГОРОДОВ И ПОСЕЛКОВ ; dt.: Kaliningrader Projektierungsinstitut für ziviles Bauen und die Planung und Errichtung von Städten und Siedlungen)
  37. Podehl, S. 253.
  38. Podehl, S. 263.
  39. Hoppe, S. 145ff.
  40. Hoppe, S. 146.
  41. Köster, S. 9.
  42. Архитектор Василий Британ, в 1992-1998 годах являвшийся главным архитектором Калининграда, раскритиковал концепцию [1]
  43. Köster, S. 9.
  44. Горбач Павел Михайлович (1942; Киевская обл. ... мэрии Калининграда, главный архитектор Калининграда (1998–2002)[2]
  45. Podehl, S. 368.
  46. Podehl, S. 310.
  47. Podehl, S. 375f.