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Benutzer:Kopilot/Antisemitismus bei Wikipedia

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Auf dieser Seite wird eine Zusammenfassung verstreuter Wikipedia-Debatten von 2011/12 zu Antisemitismus im ANR und BNR erstellt. Sie soll eine gebündelte Übersicht und allgemeine Folgerungen für das Projekt ermöglichen. Anregungen, Mängelanzeigen und Sachkritik auf der zugehörigen Disku sind erwünscht. Kopilot (Diskussion) 12:20, 12. Jun. 2012 (CEST)

Bisheriger Umgang mit projektinternem Antisemitismus

Beispiele von angemeldeten Accounts aus 2006 und 2012
Projektseite Belegte Aussage(n) Entscheidung Overrule / SP
[1] [2] unbegrenzt gesperrt -
[3] u.a. [4] keine Sperre; abwarten -
[5] Version gelöscht 1 W Sperre -
[6] [7]: "Missbrauch von WP als Plattform für Antisemitismus" keine -
[8] Beitragsliste wg. wiederholter Löschung der Kategorie:Antisemitismus unbegrenzt gesperrt entsperrt
[9] Löschserie der Kat Antisemitismus bei laufender Löschdisku keine -
[10] Löschserie von Einträgen in Kat:Antisem befristete Artikelsperre -
[11] Beitragsliste Artikelsperre -
[12] Version gelöscht: "ein Faible für Leutchen hat, die mit antisemitischen Schimpfwörtern à la Oberjude um sich werfen" 14 T Sperre wg. wiederholtem PA -
[13] [14] "ärgert sich offenbar darüber, dass hierzulande bis heute auch in hochwissenschaftlichen Kreisen nur ein toter Jude ein guter Jude ist" 3 T Sperre -
[15] [16] "So ist das bei der Jungen Welt: Zur Natur des Juden zählt das Gefeilsche ;-) bzw. "...bedient das Wort feilscht in dem Zusammenhang das üble Stereotyp vom ewig feilschenden und schachernden Juden." kein PA, begründete Kritik einer Formulierung -
[17] ungeeigneter Benutzername und antisemitischer Umbenennungsvorschlag („Judenburg“ → „Zwirbelstadt“) wg. sonstiger unauffälliger Beiträge ungesperrt -
[18] „Islam in Europa (inzwischen von Antisemiten und Fundamentalisten entwertet"
(gewertet als Bezeichnung von WP-Mitarbeitern als „Antisemiten“ auf Benutzerseite)
als PA entfernt; Sperrandrohung und Kommentar:
"Ich bin der Ansicht, dass das Wort Antisemit unter Benutzern überhaupt nicht verwendet werden sollte und bin auch geneigt, in solchen Fällen den Sperrknopf zu drücken", jedoch nur bei zeitnaher VM, sonst BSV
-
[19] "Berufsjude" + Bildunterschrift „Wikifant mit Antisemitismuskeule“ 7 T Sperre wg. PA – für Angriffskontext Filmzitatvariante irrelevant -
[20] (3malige Meldung) Beitragsliste unbegrenzt gesperrt wg. ungeeigneter Benutzername + Metadiskussionssocke (kWzeZe) -
[21] [22]: „dieser Zinnober, nur um dem Verein ein paar Kröten herauszuziehen"
(gewertet als Vorwurf, mit Antisem Geld machen zu wollen)
1 T Sperre wg. PA -
[23] [24]: „Jetzt geht es erstmal darum, dass man sich von den 250.000 Kröten, die der Verein ausschütten wird (siehe 1.Satz), einen Teil sichert..." sanktionslos nach Entschuldigung und deren Annahme; Ermahnung wg. ablenkender PAs: "Fehlverhalten lässt sich nicht mit Fehlverhalten rechtfertigen; eine solche Liste hat höchstens den Effekt, alte und schwelende Konflikte weiter anzuheizen. Ich bitte deshalb alle Beteiligten, ihren Gegenübern nicht Tage und Wochen altes Fehlverhalten vorzuhalten..." -
BSV 11/2005 siehe Antragsbegründung und [25]: User stellte antijudaistische und antisemitische Meinungen als gleichrangigen POV in Artikeln dar; [26]: Nachfolgedebatten unbegrenzte Sperre -
BSV 3/2007 siehe Antragsbegründung: antisemitischer POV und antisemitische PAs gegen andere User unbegrenzte Sperre -
AN 6/2007 bekennender Nazi-Account Benutzersperre bestätigt -
AN 12/2007 erkennbarer Neonazi-Account unbegrenzt gesperrt -
AN 8/2010 [27]: "Alle Juden, die sich entschlossen, im deutschsprachigen Sprachraum zu sterben, wussten, dass sie in Lexika mit Kreuz und Stern versehen würden. Sie wussten, was sie taten." (gewertet als "skandalöser Kommentar") keine Sanktion, keine Löschung -
Beispiele von IPs
Projektseite Belegte Aussage(n) Entscheidung Overrule / SP
[28] [29]; [30] Kurzsperre (IP) -
[31] [32] keine -
[33] [34] Kurzsperre (IP) -
[35] [36] „Dreckiger Jude“ 6 h wg. Vandalismus -
[37] [38] 1 J Sperre (statische IP) -
[39] Löschung von Benutzerbeiträgen wie „da sie der Selbstdarstellung eines jüdischen Wikipedianers, der sich in dieser (Opfer-)Rolle gerne präsentiert und definiert, dient“ (gewertet als „sekundärer Antisem.“) Sperre der Melde-IP wg PA und Missbrauch von Funktionsseiten für persönlichen Konflikt (MBq) Wiederherstellung der gelöschten IP-Beiträge als nicht-antisemitische Benutzerkritik (Seth)
vorläufige Auswertung
  • sofern Diffs als antisemitisch gewertet werden, ist befristete oder unbegrenzte Benutzersperre üblich
  • sofern Antisemitismusvorwürfe als unberechtigt gewertet werden, auch
  • Edit- und Versionslöschungen erfolgen selten und uneinheitlich, hier ist kaum konsistente Regelanwendung erkennbar
  • Overruling-Fälle sind selten, zeigen aber unklare Entscheidungskriterien und Probleme mancher Admins, "Antisemitismus" in Benutzeredits zu erkennen.

Sind antisemitische Äußerungen (k)ein Sperrgrund? (Juni 2007)

Diskussion 2007 auf WP:AN: [40].

A: "Antisemitische Äußerungen sind kein Sperrgrund. Wikipedia-Benutzer auf persönlicher Ebene anzugreifen und ihre Arbeit zu beleidigen allerdings schon."

B: "Antisemitische, rassistische o.ä. Aussagen in Diskussionen oder Artikeln sind auch dann sperrwürdig, wenn sie sich nicht persönlich gegen andere Benutzer richten."

Der konkrete Edit, der Anlass der Diskussion war, wurde überwiegend im Kontext anderer Edits desselben Users als sperrwürdig beurteilt. Die Position A fand fünf, die Position B fand 17 Zustimmungen. Nur B fand auch bei anderen Admins Zustimmung.

In Verbindung damit wurde auch das Projektprinzip des WP:NPOV diskutiert. Überwiegende Meinung war, dass die laut GG unantastbare Menschenwürde auch in WP gilt, gelten muss und darum keine neutrale Duldung extremistischer Äußerungen möglich sei: auch dann nicht, wenn diese sich nicht gegen bestimmte Personen richten. Eine Ergänzung der Richtlinien wurde nicht daraus abgeleitet. Ob eine einheitliche Definition von "Antisemitismus" für die Beurteilung antisemitischer Benutzer-Edits gegeben, erforderlich und anwendbar ist, wurde zwar gefragt, aber nicht weiter verfolgt.

Das Sperrverfahren Michael Kühntopf (Juli 2011)

Michael Kühntopf (folgend: MK) hat als Autor zum Themenbereich Judentum Artikelbeiträge geleistet. Seine primär wegen Lizenz-Verstößen erfolgte unbegrenzte Sperre wurde durch ein nachträgliches BSV mehrheitlich bestätigt.

  • Unbelegte und pauschale Antisemitismus-Vorwürfe gegen andere Autoren war der achte der genannten Sperrantragsgründe. Er wurde mit dem Sperrlog belegt, also wurden zugleich bereits vollzogene Sanktionen belegt [41], die auch nach Sperrprüfungen in Kraft geblieben waren.
  • Regelmäßige Angriffe mit antisemitischen Formulierungen durch IPs und Sockenpuppen gesperrter Autoren, auf die der User emotional reagiert habe, war ein Argument dagegen (1.2, Punkt 9, ohne zugängliche Belege).
  • In der zugehörigen Diskussion wurden ab 13. Juli 2011 weitere wechselseitige Antisemitismusvorwürfe erhoben: WP habe ein "Antisemitismusproblem"; Benutzer, die ihre jüdische Herkunft erkennen ließen, gerieten häufiger ins Abseits; antisemitisches "Hounding" werde zu wenig und zu spät sanktioniert; es gebe auf die Person zielende Stimmbegründungen mit verdeckten antisemitischen Motiven. Dem stellten andere den Vorwurf „Einige User benutzen Antisemitismusvorwürfe für Eigeninteressen“ gegenüber.

Eskalierende Faktoren

  • MKs Stellungnahme zum BSV bekräftigte, dass er sich als Opfer von Wikihounding sah, die Sperrantragsgründe nicht einsah, einzelne Kontrahenten persönlich anzugreifen bereit war und kein Interesse mehr an Mitarbeit bei WP hatte. Damit leitete er eine ausschließende Gruppendynamik beim BSV ein oder verstärkte diese.
  • Mit dem Verweis auf Vorgänge in einem anderen Wiki hier uferte das BSV weit über eine Abstimmung und Diskussion der Sperrantragsgründe zu einer typischen "Schlammschlacht" aus.
  • Dem Off-topic ohne direkte Relevanz für die zu prüfenden Sperrgründe wurde vier volle Tage lang freier Lauf gelassen. Eine Reihe Admins beteiligte sich mit starken Emotionsäußerungen daran; administrative Versuche, das Abdriften rechtzeitig und unaufgefordert zu unterbinden, blieben aus.
  • Externe Vorgänge und Aussagen verschiedener Autoren wurden mit dem BSV verknüpft und direkt dem WP-Account MK angelastet.
  • Sie wurden personalisiert, pauschalisiert, emotionalisiert und dramatisiert. Beispiele: "will sich ein Denkmal setzen", "darf man dort Löschanträge stellen, ohne gleich als Antisemit verunglimpft zu werden?", "Suhlen in Selbstmitleid und die Vorbereitung einer „Märtyrerseite“", "tut dem Judentum sicher keinen Gefallen", "fragen darf man doch, oder ist man gleich wieder ein Anti...", "Immerhin bekommt das MK-Wiki zunehmend mehr Aufmerksamkeit. Ein Schuft, wer böses dabei denkt :-)", "weinerliche Glorifizierung", "Adrenalin im Blut" usw.
  • Damit wurde nicht nur der Ton gesetzt, sondern auch ein Konfrontationsbild etabliert:
"Einzelner Jude will mit fremdem geistigen Eigentum Geld verdienen und provoziert aus egoistischen Motiven die Gemeinschaft mit Antisemitismusvorwürfen von außen."
  • Weder der mehrfache Hinweis auf Irrelevanz externer Vorgänge für interne Sperrprüfung noch MKs externe Sperre eines Jewiki-Users, der alle Sperrbefürworter auf WP zu Antisemiten erklärte, bremsten die Empörungswelle.
  • Leise Warnungen wurden sofort wieder gegen MK gedeutet. Auf "Bei aller berechtigten Kritik an MK nimmt das inzwischen schon leichte Züge einer Hexenjagd an" folgte: "Das scheint ja durchaus in MKs Interesse zu sein"; "Ohnmachtszeugnis".
  • Freud als bis dahin fast einziger Verteidiger MKs eskalierte mit, indem er Editoren von sachfremden, aber harmlosen Beiträgen ohne erkennbaren Grund persönlich angriff ("Deinen unfaßlich wichtigen Beitrag...", Link auf "Egozentrismus").
  • Im Folgethread wurde MKs Verteidigungsrede beim BSV einleitend wie folgt kommentiert: "Dem Gesamtkunstwerk setzt Michaels arrogante Stellungnahme die Krone auf."
  • Sie wurde mit Pauschalangriffen anderer User ("judenreine WP", "Entjudung", "Leserbrief-Ecke vom Stürmer") in eine Reihe gestellt.
  • Dabei wurden Differenzen eingeebnet. So hatte MK im Unterschied zu den zuerst Zitierten nur vom Antisemitismus eines einzelnen "üblen Hetzers" gesprochen, für den Juden "andersartige Antennen" hätten als Nichtjuden, und anderen Sperrantragstellern (nicht Abstimmenden) vorgeworfen, sie seien demgegenüber "blind". Dies konnte als Aufforderung, sich Motive und Gesamtverhalten des gemeinten Antragstellers genauer anzuschauen, gedeutet werden.
  • Aus der Zusammenstellung externer Aussagen Anderer mit MKs interner BSV-Stellungnahme wurde jedoch gefolgert:
Hier wird jeder Kritiker aufs deutlichste in die Neonazi-Ecke gestellt, kombiniert mit der Prangerseite wirklich ein unakzeptables Verfahren, Kritiker mundtot zu machen...Wer den Umgang Michaels mit seinen Mitstreitern und den fehlenden Respekt vor der geistigen Leistung anderer nicht akzeptabel findet, der muss nun Antisemit und Nazi sein, am besten beides. Natürlich: Als Idioten merken wir davon selber nichts.
  • Diese Deutung wurde danach von niemand überprüft: MK hatte nirgends von Neonazis gesprochen, nirgends alle Sperrbefürworter zu Antisemiten oder Idioten erklärt und Antisemitismusvorwurf nicht mit Nazivorwurf kombiniert. Der Tenor seiner Stellungnahme konnte auch als resigniert und frustriert aufgefasst werden. So blieb unbedacht und weitgehend unbemerkt, dass hier möglicherweise ein User, der sich schon explizit vom Projekt verabschiedet und den BSV-Ausgang für sich als egal erklärt hatte, nachträglich ohne Not in ein fixes "Er-gegen-uns"-Konstrukt gepresst und zusätzlich auf Verhalten anderer festgenagelt wurde. Und das, obwohl einzelnen Wikipedianern, zumal Sperrkandidaten, ein "Mundtot-machen" ja offensichtlich gar nicht möglich war.
  • Viele Benutzer forderten zwar ein Ignorieren der externen Vorgänge, kommentierten diese gleichzeitig aber ständig selbst (gemäß der bekannten Autofahrerweisheit "wir sind nicht der Stau, wir stehen nur drin").
  • Auch Benutzer, die betonten, sie hätten mit MK nie Streit gehabt und würden ihn persönlich nicht kennen, deuteten die nicht von MK erstellte externe "Prangerseite" nun als sein intolerables "Totschlagargument" gegen interne Kritik.
  • Freuds Gegenvorwurf "ein Jude nach dem anderen fliegt bei WP raus" hob erneut auf Judesein ab und wurde nicht belegt; ebensowenig seine Behauptung: "Hier findet ein Scherbengericht statt, und viele der Pro-Infinit-Stimmer machen keinen Hehl daraus, daß es ihnen um die Person, um den Menschen geht. Das ist in der Summe schlichtweg widerlich zu lesen." Damit kehrte er spiegelbildlich das summarische Bild "BSV-Sperrgründe werden von außen pauschal als Antisemitismus denunziert und so abgeblockt" in das Bild "viele Prostimmer lehnen einen Juden als Person (Juden) ab" um.
  • Wieder blieb die sachliche Prüfung des Vorwurfs aus: Von 135 bis dahin (13. Juli 2011, 21:17) abgegebenen Stimmen für infinite Sperre hatten 63 (weniger als 50%) einen inhaltlichen Kommentar abgegeben. Die meisten bezogen sich auf PAs, auch unter dem Label "Diskussionsstil", Uneinsichtigkeit bezüglich der URV-Vorwürfe und die Jewiki-Seite, also auf überprüfbares konkretes Verhalten (allerdings gab niemand außer Asgard - hinter Nr. 30, Stimme ungültig - dazu einen Diff an.). Viele bezogen sich nicht auf die Hauptantragsgründe (URV und Lizenzverstöße), sondern auf MKs Diskussionsverhalten insgesamt. Einige Abstimmende bemühten sich um Differenzierung (etwa: schon sanktionierte PAs seien kein ausreichender Sperrgrund, MK sei ein wertvoller Mitarbeiter, Sperre sei bedauerlich, er komme hoffentlich wieder etc.). Sieben erwähnten explizit MKs Antisemitismusvorwürfe als Mitgrund ihres Votums. Nur zwei Stimmen (Nr. 74, 110) ließen explizit auf die Person zielende "ewige" Ausschlusswünsche erkennen. Kein Stimmenkommentar bezog sich auf MKs Judesein.
  • Freud unterschied offen und verdeckt antisemitische Sperrvoten, betonte zugleich aber: "Kann man sagen: der ist verdeckt antisemitisch, der aber nicht? Nein. Aber wenn der Anteil derer, die mit derartig persönlichen Kommentaren auf einen Menschen einhacken, doch sehr hoch ist - dann ist es keine Unsinnigkeit, den Eindruck zu erhalten: hier ist etwas faul." Die naheliegende Frage, welchen Sinn die nicht feststellbare Unterscheidung für die laufende Sperrantragsprüfung und auch sonst haben sollte, stellte er nicht; sie wurde ihm auch nicht gestellt. Nach einigen weiteren Beiträgen, darunter auch PA-nahe Polemik ("geh zum Psychologen"), ging Freud seinerseits ins pauschale Lagerdenken über: "Hier bei der Minderheit zu stehen, ist ehrenvoll. Und Ehrensache."
  • Ein Gipfel der Emotionalisierung war der Vorwurf der Holocaust-Instrumentalisierung ("dieses miese Verhalten [wird] auf dem Grab von Millionen Menschen getanzt"), ein als Zitat unterstellter Überlegenheitsanspruch MKs ("Ich bin Jude, darum bin ich moralisch immer auf der richtigen Seite"), ausgedehnt zur Erörterung des jüdischen Glaubens ("Wie soll ein Glaube oder Nichtglaube überhaupt in eine moralische Überlegenheit (oder Unterlegenheit) führen können?"), abschließend die Behauptung: "das Nazi-Vokabular nutzt nur die Seite, die angeblich genau das Gegenteil möchte".
  • Der folgenden Zustimmung ließ sich entnehmen: Je krasser und totaler die Vorwürfe, umso mehr Beifall bewirken sie ("verwerflich", "Schande", "widerlich"). Nur ein einziger User widersprach hier und stellte fest, dass die MK zugeschriebenen Aussagen unbelegt seien und erst dieser Betrachter Arroganz mit Judesein verknüpft habe.

Zusammengefasst kann man hier typische Eskalationsfaktoren beobachten:

  1. Sperrantragsbegründung verknüpfte konkrete URV- und Lizenzverstöße mit bereits geahndeten PAs zu einem "Gesamteindruck" des Benutzerverhaltens.
  2. Regelvorgaben und individuelle Bereitschaft fehlten, die Sperrdiskussion auf exakte belegte Sperrantragsgründe zu begrenzen.
  3. Fast alle Beteiligten neigten zu Verallgemeinerung, Übertreibung und Polarisierung; nur wenige Beiträge verzichteten darauf und bemühten sich um Versachlichung.
  4. Nur wenige Voten machten das Gesamtinteresse des Projekts Wikipedia geltend, die Fähigkeit zur Kooperation dauerhaft zu erhalten.

Diese Merkmale sind jedoch nicht spezifisch für projektinterne Konflikte, in denen Antisemitismus eine Rolle spielt! Nur: Eine fehlende Kultur der Selbstbegrenzung, etwa durch die Frage "wem oder was nützt es, wenn ich hier dazusenfe", wirkt sich bei solchen brisanten Themen besonders verheerend aus. Undiszipliniertes Mitreden, nur um mitzureden, ist offenbar für viele allzu attraktiv. Spezifisch ist allerdings: Sobald die Vorwürfe "Antisemiten sind unter uns" und "Juden benutzen Antisemitenvorwürfe als Totschlagargument" erst einmal im Raum stehen, wird die Eskalation vollends maßlos und unkontrollierbar.

Man kann in dieser BSV-Debatte unschwer Merkmale für "sekundären Antisemitismus" feststellen: etwa die klassische Rückwendung "Juden sind Schuld am Antisemitismus, weil sie diesen schon durch ihr Dasein als personifizierter Vorwurf wecken und vermehren". [42] Man muss hier gar nicht historisch-gesellschaftliche "Erinnerungsabwehr" bemühen, da solche Argumentationsmuster bei dieser BSV-Debatte in großer Naivität und Ungehemmtheit auch von Usern vorgeführt wurden, die keinerlei Antiaufklärung und Extremismusblindheit verdächtig sind.

Der Konflikt Freud/Hubertl

Eskalation bei der Sperrdiskussion (16./17. Juli 2011)

Hubertl beteiligte sich ab 16. Juli 2011, ca. 23:00 an diesem Thread. Er strich einen Beitrag ("Da ist mehr als ein AS [Antisemit] dabei und das macht die Sache ja speziell ekelhaft") als "Beschimpfung übelster Art" durch und warnte, der Editor solle sich "vorsehen" (23:02).

Freud erklärte daraufhin mit Hinweis auf aktuelle Studien zu Antisemitismus in Deutschland: Antisemitismus bei WP sei real, wer diese Realität leugne und nichts dagegen tue, unterstütze sie. Er schlug eine Moderation des Verfahrens durch fachkompetente Mitarbeiter vor, die objektiv unzutreffende Sperrbegründungen ausschließen. Der Vorschlag wurde nicht diskutiert.

Es folgten verschärfte Vorwürfe und Gegenvorwürfe ("eine wichtige Unterstützungshandlung für die Ausbreitung von Antisemitismus ist es auch ständig und überall Antisemitismus vorzuwerfen" - "Es war schon immer so, daß die Nichtjuden den Juden gerne erklärt haben, was antisemitisch sei und was nicht…" - "Als Jude hast Du nicht die Bedeutungshoheit über den Begriff Antisemitismus gepachtet" - "Der Jude hat dem Nichtjuden schon immer Antisemitismus einreden wollen?")

Hubertl (17. Juli 2011, 12:20) wirft Freud vor, er ziehe "ständig" die "Rassenkarte, Opferkarte, Antisemitismuskarte, und wenn es dann gar nicht mehr geht, dann kommt die Holocaustkarte. Es ist nur eine Lebenslüge bestimmter Kreise, dass es ach gar so viel gäbe und sie quasi von Antisemiten umzingelt wären!"

Dies weist Bennsenson als "unerträglich", "Wiener Stammtisch" und Unkenntnis der gesellschaftlichen Realität zurück. Nur eine "offene Auseinandersetzung" könne offenen Antisemitismus verhindern. Im "Fahrwasser" des Verfahrens zeigten sich "typische antisemitische Stereotype". Adornix: Die weitaus meisten Wikipedianer wollten von Antisemitismus "ganz einfach nichts hören", gäben "den Juden" die Schuld daran, dass man auch bei diesem BSV davon sprechen müsse, und entzögen sich der Frage, ob sie mit ihrer Pro-Sperr-Stimme an der Seite von Antisemiten diese unterstützten. Diese "Abwehr" schlage "offenkundig um in eine umso beherztere Ausgrenzung eines Buhmanns". [43] Die BSV-Antragsteller hätten zwar selber nicht unbedingt antisemitische Motive, sie hätten aber damit "rechnen müssen, eine Festveranstaltung für antisemitisch motivierte MK-Hasser zu inszenieren". Freud: Das "Gesamtbild" der indefinite-Pro-Stimmbegründungen zeige ein auffälliges, "erschreckendes, mieses menschliches Klima" gegenüber einem realen Menschen.

Es folgt dieser versionsgelöschte Edit Hubertls. (Wortlaut wurde im Mai 2012 wieder zitiert, ist also weiterhin nachlesbar)

Administratives Einschreiten (17. Juli 2011)

  1. JBudissin löscht den Thread mit den wechselseitigen Vorwürfen als projektschädigend und sperrt die Seite befristet.
  2. MBq erledigt die VM zunächst ohne Sanktion
  3. Franz Jäger Berlin wird in einer anderen VM 2 Tage gesperrt für die Aussage "Verharmlosungen des Antisemitismus und seiner Folgen mal wieder zu ignorieren ist typisch für Wikipedia-Admins."
  4. MBq löscht die Version mit Hubertls Edit nach Protesten, darunter eine Analyse von Benutzer:Phi: Er fand in Hubertls Edits "die klassische Diskursstrategie des sekundären Antisemitismus: Die Deutschen haben demnach alle einen Judenknacks, die Juden sollen sich mal nicht so haben, Opfer waren ja schließlich auch andere." Die Duldung solcher Strategien sei Anlass, die Mitarbeit bei Wikipedia zu hinterfragen.
  5. Rax sperrt Hubertl für eine Woche, Begründung:

"Stammtischgeblubber - PA ('Abwertende Äußerungen im Zusammenhang mit der mutmaßlichen oder tatsächlichen Zugehörigkeit des Benutzers zu einer Gruppe') gegen eine ganze Reihe namentlich benannter Benutzer - hässliches gedankliches Spiel mit stereotypen Sprach-Bildern aus der antisemitischen Ecke - Diskussionsbeitrag ohne Zusammenhang mit Gegenstand der Diskussionsseite (da war er nicht der einzige, aber:) dabei bewusste Eskalation".

Diese Entscheidung benennt also antisemitische Stereotypen explizit als Sanktionsgrund.

Neue Diskussion (ab 13. Mai 2012)

  • Hier zitiert Freud Hubertls Edit vom 16. Juli 2011 ohne Namensnennung und stellt einen antisemitischen Gehalt darin zur Debatte.
  • Hier kündigt Freud eine öffentliche Initiative gegen Hubertls Wikipediafunktion an (mit Pauschalisierung: "meistens verstecken sich diese Typen hinter jedenfalls ihresgleichen überzeugenden Chiffres").

Neue Eskalation (ab 20. Mai 2012)

  • Freuds "Offener Brief": "...stellt sich [sic] Frage, wie Du die im Zitat ausgedrückte antisemitische Haltung mit einer entscheidungsvorbereitenden Tätigkeit im WP:CPB meinst vereinbaren zu können – insbesondere in Bezug darauf, daß Du einige Nutzer im zitierten Edit direkt, unter Namensnennung und im antisemitischen Kontext abwertend ansprichst" [sic, Präsens]. Ferner kündigt Freud eventuelle eigene, von Hubertls Antwort unabhängige Schritte an.
  • Bernd Wallisch stellt VM gegen Freud: "regelwidrige Wiederherstellung einer gelöschten Version, massives Mobbing"; ergänzt um PA: nennt Hubertl "Antisemit"

Hubertl verlangt 1 Monat Sperre Freuds, Versionslöschung seiner Aussagen und nennt seinen versionsgelöschten Beitrag "zugegeben scharf, satirisch, aus meiner Sicht auch heute noch im Gesamtzusammenhang berechtigt"

Adminreaktionen:

  1. Stefan64 wertet "offenen Brief" als Mittel, "einen Shitstorm loszutreten", ist gegen das Wiederherstellen versionsgelöschter Edits und empfiehlt Abregen bezüglich Hubertls Wahl in WP-Posten
  2. Koenraad sperrt Freud für 12 h ("Niemand darf Hubertl ernsthaft unterstellen ein Antisemit zu sein"); "Einen Menschen, der kein Antisemit ist, als Antisemiten zu bezeichnen, ist nicht tolerabel"
  3. öffnet die VM wieder, nachdem Freud seine Meinung über Hubertl hier, hier, hier und hier bekräftigt
  4. Drahreg schließt die VM, da weitere Maßnahmen keine weiteren Schäden für alle abwenden könnten.
  5. Pacogo7 verweist auf seine Initiative zum Erweitern von WP:KPA und rät zum strikten Trennen von objektiver Inhaltsanalyse von Edits und direkten Personentitulierungen [46]
  • Bis 31. Mai 2012 herrscht etwa 10 Tage lang relative Ruhe. Auf Freuds Disku wird über den antisemitischen Gehalt eines Satzes von Sarrazin diskutiert
  • Am 1. Juni 2012 fordert Atomiccocktail Hubertl auf einer Projektseite öffentlich auf: "nimm bitte zu deiner antisemitischen Äußerung Stellung" und deutet an, dass die Unkenntnis von Hubertls Edit von 2011 möglicherweise entscheidend für seine Wahl in den Projektbudgetausschuss gewesen sei. Eine Reihe User signiert die Aufforderung.
  • Hubertl lehnt die Antwort ab, weil sein Edit nicht antisemitisch gewesen sei [47]. Auch er findet Unterstützer.
  • Hubertl [48]: "Freud geht sogar noch einen Schritt weiter und bring seine eigene jüdische Mutter (wie ich zwingend annehmen muss) in die Diskussion ein, nur um damit zu unterstreichen, er wäre damit automatisch auch Fachmann für Antisemitismus. Er hat vielleicht in gewissen Situationen schiefe Blicke geerntet, wenn er seine Kippa im öffentlichen Raum nicht absetzt. ... Freud kokettiert doch nur mit diesem Jüdisch-Sein weil es ihm nützt. Von Judentum ist er für mich - und der Welt, die ich in einem jüdisch geprägtem Umfeld wahrnehme und die für mich zu einer gelebten Selbstverständlichkeit geworden ist - so weit entfernt wie ich heute vom Schön-Singen... Dieser Schluss, er wäre aufgrund seiner jüdischen Mutter automatisch auch Fachmann für Antisemitismusfragen, ist genau so falsch, als ob man davon ausgeht, dass ein pädophiler Triebtäter der einzig wahre Fachmann für Kindermissbrauch wäre."
  • Freud: [49] "Die Asche Julius Streichers hüpft vor Freude"

Administrative Maßnahmen

Weitere Folgen im Projektraum und BNR

Bisherige Lösungsansätze

  1. Versionslöschungen aller gegenseitigen Angriffe ("Sachen, die da vorgefallen sind")
  2. gegenseitige Zusage, weitere Vorwürfe "speziell dieser Sache" (Edits als antisemitisch einzustufen) und deren "Aufwärmen" zu unterlassen
  3. Freud dann sofort zu entsperren
  4. ein direktes Treffen mit Atomiccocktail, Freud und einem von allen akzeptierten Moderator in Berlin
  5. dabei soll "der ganze Scheiß" diskutiert werden, der Anfang Mai 2012 war: "Danach werden wir sehen, ob wir uns zu einer Arbeitsform durchringen können, welche für alle von Vorteil ist."
  • [50] 5. Juni 2012: Freud und AC nehmen den Vorschlag ohne Vorbedingungen an; ein Moderator sei für sie unnötig.
  • [51] 7. Juni 2012: Hubertl bekräftigt, er habe das Treffen arrangiert, als Argument für seinen Entsperrantrag.
  • [52] 11. Juni 2012: TAM bietet Vermittlung an; Hubertl nimmt an mit der Bedingung, "alles auf einer Ebene zu belassen und zu einem Ergebnis zu kommen".
  • [53] 15. Juni 2012: Hubertl hat seinen Vorschlag laut AC per Mail an diesen offenbar zurückgezogen. AC kündigt an, die gesamte Problematik im Budgetausschuss anzusprechen.
  • [54] 17. Juni 2012: AC zufolge konnte er sich mit Hubertl auf einen denkbaren Lösungsweg verständigen: einen Gutachter (wohl für Benutzeredits mit eventuell antisemitischem Gehalt) zu bestellen, der bis zum 31. August 2012 seine Stellungnahme abgeben soll. [55] Hubertl stimmt zu und bekräftigt, dass sein Ausschluss aus dem Budgetausschuss nicht sachdienlich gewesen wäre.
  • 5. September 2012: Atomiccocktail macht bekannt,
dass er am 24. August die Kostenübernahme für das angestrebte Gutachten eines bereitwilligen Antisemitismusexperten beantragt hatte: Benutzer:Atomiccocktail/Antrag Finanzierung Gutachten
Wikimedia Deutschland e.V. dies per e-mail abgelehnt hat,
AC daraufhin aus dem Budgetausschuss austritt [56], [57]
  • In der Folgedebatte werden Antrags- und Ablehnungsgründe, Sinn und Thema des Gutachtens, Kosten diskutiert (eben diese nachträgliche Diskussion fand im Vereinsvorstand zuvor offensichtlich nicht oder fast nicht statt, wie Reaktionen anderer Vereinsmitglieder zeigen). Voten z.B.:
Pavel Richter: Das Gutachten habe einzelne Benutzeraussagen "bewerten" sollen, betreffe also nur "Fragen zwischen zwei Benutzern". Das mache keinen Sinn. Das unbestrittene Antisemitismusproblem bei WP lasse sich bei Interesse besser auf Admin-, WP- oder anderen Projektkonferenzen thematisieren. Nach einigen Protesten bietet er Kostenübernahme für ein Gutachten über "die Kennzeichen von Antisemitismus heute" an, also nicht projekt-, sondern gesellschaftsbezogen.
Mehrere User (Achim Raschka, Der Hexer, Mautpreller) sehen in dem von AC beantragten Gutachten einen Versuch, einen (seinen) Benutzerkonflikt mit Hubertl fortzusetzen, befürworten aber ein allgemeines Gutachten über "Antisemitismus bei Wikipedia" - ohne zu sagen, ob und wie dieses von Einzelfällen und konkreten Benutzeraussagen absehen kann und soll.
Andere lehnen jedes Gutachten als zwecklose Geldverschwendung ab, da keine äußere Autorität den internen Umgang mit Antisemitismus erleichtern und Einzelfallentscheidungen abnehmen könne.
  • Wikipedianer spenden privat 400,- Euro für die Gutachten-Kosten; AC stellt sein Konto für die Überweisung zur Verfügung und gibt den Namen der Gutachterin bekannt. Daraufhin mailt jemand sie an, worauf sie ihre Bereitschaft zur Begutachtung zurückzieht. Ergebnis laut AC, Zitat 11:51, 7. Sep. 2012:

Antisemitische Edits sind in der deutschsprachigen Wikipedia jederzeit und wiederholt möglich. Wie mit ihnen zukünftig umgegangen wird, wie darauf reagiert wird, bleibt unklar. Diese Unklarheit stellt auch weiterhin ein hohes Risiko für dieses Projekt dar.

Folgerungen

Da die dokumentierten Konflikte um Antisemitismus und Antisemitismusvorwürfe intern und teilweise auch extern Aufmerksamkeit erzeugt, weite Kreise gezogen haben und die Zusammenarbeit vieler Beteiligter nachhaltig erschweren und verunmöglichen können, besteht objektiv ein starkes Interesse an dauerhaften Lösungen. Sonst bestünde die permanente Gefahr von Wiederholung, Neuauflagen und Reaktivierung.

Es fehlen jedoch bisher sowohl ein angemessener Abschluss des speziellen Benutzerkonflikts als auch allgemeine Folgerungen, wie dergleichen künftig vermeidbar oder zumindest eher zu stoppen ist.

Abschluss des Benutzerkonflikts

Wünschenswert erscheinen:

  • eine öffentliche freiwillige Rücknahme der Edits aller Beteiligten, die als PAs mit Sperren geahndet und von Admins als antisemitisch bzw. als unzulässiger Antisemitismusvorwurf eingestuft wurden
  • konsentierte Versionslöschungen dieser Edits
  • eine Zusage und Übereinkunft, derartige Edits in Zukunft zu unterlassen

Pragmatische Lösungsschritte

Weil ausufernde Schlammschlachten auf Projektseiten ein generelles WP-Problem sind, erscheinen generelle Schritte notwendig. Es fehlt ein einheitliches Vorgehen von Admins, das Ausufern und Verfestigen von projektschädigenden Vorwürfen künftig wirksamer und rechtzeitig zu unterbinden. Überlegenswert für ein BSV und/oder Meinungsbilder, die das Thema Antisemitismus berühren, wären etwa:

  • ein Kommentierverbot im Abstimmbereich,
  • ein Beleggebot mit konkreten Diffs und kühlen Bezügen auf kodifizierte Sperrgründe,
  • ein Ausschluss unsachgemäß begründeter Stimmen
  • ein Streichen aller Voten, die ad-hominem, direkte und indirekte PAs enthalten (so hätte man Votum Nr. 110 im BSV Kühntopf - "Katharsis", Reinigung durch Austreiben des Bösen - als antisemitischen Zungenschlag erkennen und behandeln können)
  • eine Moderation der Diskussionsseite auch durch sofortiges administratives Abräumen von off-topic-Beiträgen und PAs, notfalls befristetes Sperren der Diskussionsseite. Dies erscheint umso notwendiger, wenn das Ausufern zur Schlammschlacht durch Verhalten des Sperrkandidaten begünstigt und vorhersehbar wird.

Ächten

Edits mit antisemitischen Stereotypen und Antisemitismusvorwürfe haben sich oft genug als destruktiv für jede Art von projektinterner Problemstellung erwiesen: schon weil sie 1. immer auf Personen und innere Einstellungen zielen und 2. so gut wie nie eindeutig beweisbar sind. Beide Art Edits müssten also nicht nur als unerwünscht, sondern als destruktives No-Go "geächtet" und behandelt werden.

Aber wie? Kann und muss man dazu Kriterien aus der Antisemitismusforschung auf projektinterne Vorgänge und Einzeledits anwenden? Ist das sinnvoll oder trägt man damit nur zur POV-isierung und Ideologisierung von an sich schon evidenten Wikiquetteverstößen bei?

"Ächten" kann man Äußerungen, die unbewusst oder bewusst stereotype Argumentationsmuster von Antisemiten übernehmen, ihnen ähneln oder sie imitieren, im virtuellen Raum m.E. kaum: weil und solange deren Autoren in den meisten Fällen keine bekennenden Antisemiten sind und sich auch nicht so sehen, sondern oft "nur" polemisieren und aus Gewohnheit und wegen der projektinternen Duldung solcher Polemik ihre Lust am Provozieren ausleben.

Hier kann nur ein langfristig einzuschärfendes Bewusstsein weiterhelfen, dass auf Personen zielende oder als solches Zielen verstehbare Bezugnahmen auf Judesein und Judentum, das rhetorische Spielen mit Zweideutigkeiten, Andeutungen, Unterstellungen und Polemik generell als Konfliktschürung wirken und schon deshalb zu unterbleiben haben. Also nicht erst, weil sich nachweisen ließe, dass sie latenter oder manifester Antisemitismus wären, sondern wegen der evidenten Folgen im Projekt und für das Projekt.

Das gilt auch für den an sich sehr verständlichen Juckreiz, auf solche konfliktschürende Polemik mit Antisemitismusvorwürfen zu reagieren. Dabei geht es nicht um abstrakte Gleichbehandlung von Ursachen und Wirkungen, sondern um die empirische Einsicht: Diese auf eine Person ausgedehnten Vorwürfe bringen auch dann niemand und nichts voran, wenn ein Edit wirklich antisemitisch war und dies wahrscheinlich gemacht werden kann. Denn es ist bei Wikipedia einfach generell sinnlos, oft schädlich, sich über unsichtbare Motive anderer Wikipedianer zu äußern, die man nie 100-prozentig belegen kann. Also soll man es einfach einsichtig sein lassen.

WP:KPA muss in jedem Fall konsequent angewandt werden, also auch das Verursacherprinzip: Jeder ist für SEINEN Hass verantwortlich und kann Hass anderer nie als Ausrede benutzen. Was andere sich herausnehmen, rechtfertigt nie mein Tun. Der lange bestehende Grundkonsens, antisemitische Edits auch ohne direkten Personenbezug als PAs zu behandeln, muss bewahrt und selbstverständlicher angewandt werden im Adminalltag. Verbesserbar ist nicht die Regelseite WP:KPA, sondern die gemeinsame Durchsetzung und das administrative Handling der dortigen Kriterien.