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Ben Zion Abba Shaul

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Ben Zion Abba Shaul
Rabbi Ben Zion Abba Shaul mit seinen Lehrern der Yeshivat Porat Yosef. Von links nach rechts: Rabbi Yaakov Ades, Rabbi Ben Zion Abba Shaul, Rabbi Ezra Attia, Rabbi Shimon Ben-Mansour, Rabbi Yosef Moshe Ades und Rabbi Moshe Porush

Chacham Ben Zion Abba Shaul (geb. 31. Juli 1924 / 29. Tammus 5684 in Jerusalem; gest. 13. Juli 1998 / 19. Tammus 5758 in Jerusalem), Verfasser des Schu't Or Lezijon, war einer der führenden sephardischen Rabbiner, Toragelehrten, Kabbalisten und Dezisoren seiner Zeit sowie während der letzten Jahre seines Lebens als Nachfolger von Jehuda Zadka Rosch Jeschiwa der Porat Josef-Jeschiwa in Jerusalem. Er gründete u. a. die Jeschiwa Gedola "Or Lezijon" und die Jeschiwa Ketana "Mischkan Zijon". Mit der Gründung des Maayan Hachinuch HaTorani-Netzwerkes von Toraschulen für sefardische Kinder bewirkte er ein religiöses Wiedererwachen unter den sefardischen Juden. Er war auch bekannt für seine Frömmigkeit und Bescheidenheit sowie für seine Fähigkeit, Segenswünsche zu erteilen, die in Erfüllung gingen.

Leben

Jugend

Seine in sehr bescheidenen Verhältnissen lebenden, streng religiösen Eltern waren Elijahu und Benaja Abba Shaul, Einwanderer aus dem Iran. Der Name der Familie stammt vom Familienoberhaupt aus Persien, der Raw Abba, Sohn des Reb Scha'ul war, und so nannte sich die Familie nach ihm "Abba Scha'ul". In jener Zeit regierte in der Stadt Laar in Persien ein grausamer Herrscher, der eines Tages beschloss, alle Juden aus der Stadt zu vertreiben, die nicht bereit waren, den Islam anzunehmen. Die Juden in Laar blieben ihrem Glauben treu und verliessen die Stadt. Auch die Familie Abba Scha'ul gesellte sich zu den Flüchtlingen und zog mit diesen gen Erez Jisrael. Danach stellte sich heraus, dass die Stadt Laar nach dieser Vertreibung von einem schweren Erdbeben heimgesucht wurde, das die ganze Stadt vollständig zerstörte. Unzählige Menschen wurden unter den Trümmern begraben, viele andere mussten die Stadt ebenfalls verlassen und die Übrigen lebten in schrecklicher Armut.

Ben Zions Vater, von Beruf Schuster, war Toragelehrter und Kabbalist sowie Ben Zions erster Lehrer und diente fünfzig Jahre lang als Gabbai der Ohel Rachel-Synagoge im bucharischen Viertel Jerusalems. Viele Jahre später wurde sein Sohn Ben Zion Rabbiner dieser Synagoge und ein anderer Sohn, Jakob, wurde dort Chasan. Ben Zion Abba Schaul war der älteste Sohn in einer Familie mit 16 Kindern.

Mit 11 Jahren ging Ben Zion Abba Shaul an die Jeschiwa Porat Josef, die führende sefardische Jeschiwa in Jerusalem. Sein erster Lehrer war Raw Jehuda Zadka, einer seiner Mitstudenten war der spätere israelische Oberrabbiner Ovadiah Yosef. Ben Zion Abba Shaul machte schnelle Fortschritte und erreichte die höchste Schiur-Stufe, für die Raw Ezra Attiya, der damalige Rosch Jeschiwa, verantwortlich zeichnete, zu dem er eine enge Verbindung knüpfte. Ben Zion Abba Shaul lernte mit riesigem Eifer, wiederholte den Stoff unzählige Male, bis er den Grossteil von Schass und Poskim auswendig beherrschte.

Toragelehrter

Als er zwanzig Jahre alt war, wurde er von Raw Attiya dazu ausersehen, von Raw Eliezer Silver geprüft zu werden, der, aus Amerika kommend, mit einem potentiellen Geldgeber Erez Israel besuchte. Raw Attiya hatte in Erfahrung gebracht, dass in einer anderen Jeschiwa, die vom selben Philanthropen besucht worden war, nur ein Student in der Lage war, die Frage des Rabbiners zu beantworten, und das auch erst nach zwanzig Minuten. Raw Silver befragte Ben Zion Abba Shaul zu einem schwierigen Sachverhalt aus der Ordnung Tohorot. Nachdem Ben Zion Abba Shaul geantwortet hatte, berichtete Raw Silver mit grosser Verwunderung, dass er dieselbe Frage 40 Jahre zuvor dem Gadol Meir Simcha von Dvinsk gestellt und dass dieser genau dieselbe Antwort gegeben hatte. Ben Zion Abba Shaul teilte Raw Attiya später im Vertrauen mit, dass er eine gleichwertige zweite Antwort auf die Frage hätte geben können, er jedoch, nachdem durch die erste Antwort die Spende des Donators sichergestellt war, nicht unbescheiden oder gar als Angeber hätte auftreten wollen.

Im Jahr 1948 heiratete Ben Zion Abba Shaul Hadassah, die Tochter von Raw Yosef Shaharbani (Josef Chajim Scharabani), der ein Toragelehrter und Sohn des Kabbalisten Raw Jehoschua Shaharbani war, der noch beim Ben Isch Chai studiert hatte. Ben Zion Abba Shaul lernte intensiv gemeinsam mit seinem Schwiegervater. Ben Zions Frau nahm an den öffentlichen Vorträgen ihres Mannes an jedem Schabbat teil und nahm dessen Jeschiwa-Vorträge auf Tonband auf; diese Aufzeichnungen bildeten die Grundlage vieler späterer Veröffentlichungen.

Das Paar blieb viele Jahre lang kinderlos. Nach zehn (!) Fehlgeburten besuchte Ben Zion Abba Shaul den Chazon Ish sowie den Belzer Rebben und nötigte beide, ihm einen Segen zu geben, dass das Ehepaar ein Kind haben soll. Ihr einziger Sohn, Elijahu, erhielt seinen Namen nach Ben Zions Vater.

Nach seiner Hochzeit wurde Ben Zion Abba Shaul Lehrer an der Bnei Zion-Talmud Tora, die er in seiner Jugend besucht hatte, studierte aber weiter an der Porat Yosef-Jeschiwa. Raw Attiya hatte ihm die Position des Rosch Jeschiwa angeboten, Ben Zion Abba Shaul lehnte dies aber ab, solange sein erster Lehrer dort, Jehuda Zadka, lebte. Andererseits erklärte er sich ohne Weiteres einverstanden, dort zu unterrichten.

Rosch Jeschiwa

Als Jehuda Zadka schliesslich starb, war der Hinderungsgrund weggefallen und Ben Zion Abba Shaul folgte ihm in der Leitung nach. Er installierte ein umfassendes und intensives Lehrprogramm, seine Gewissenhaftigkeit und sein Eifer im Tora-Studium waren legendär, es wird erzählt, dass er nach seinen Schiurim von Schweiss vollkommen durchnässt gewesen sei. Ebenfalls war er sehr bewandert in der Kabbala, die er ausgiebig studierte. Zu diesem Zweck hatte er gar die Emet VeShalom-Jeschiwa gegründet (1962, im Bet Haknesset "Ohel Rachel" auf der Schmuel Hanawi-Strasse in Jerusalem), in der nachts Kabbala studiert wurde. Einmal jährlich, zur Jahrzeit des Raschasch, besuchte er die dort Studierenden und bewies seine grossen Kenntnisse in den esoterischen Weisheiten. Er verfasste auch Tausende halachische Responsen betreffend ein grosses Spektrum von Anfragen, die ihn erreichten. Diese Responsen sind zum Teil veröffentlicht, aber sie werden auch in den Responsen von Ovadiah Yosef zitiert, der ihm immer ein guter Freund geblieben war.

Ben Zion Abba Shaul kümmerte sich sehr um alle seine Studenten und war für sie wie ein Vater. Er versuchte sicherzustellen, dass alle heiraten konnten, die Rebbetzin unterstützte entsprechende Schidduchim durch Vorschläge passender Partien aus dem grossen Fundus junger Frauen, die sie dadurch, dass diese im Hause des Rabbiners Hilfstätigkeiten wahrnahmen, kennenlernen konnte. Als er sah, dass einige verheiratete Studenten finanziell nicht in der Lage waren, an einem Kollel zu lernen, etablierte Ben Zion Abba Shaul einen speziellen Freitags-Kollel und unternahm Reisen in die Vereinigten Staaten, um dafür entsprechende Gelder einzuwerben. Seine Aktivitäten, darunter die Gründung des Maayan Hachinuch HaTorani-Netzwerkes von Toraschulen, brachten ein religiöses Wiedererwachen unter sefardischen Juden hervor. Er gab das Versprechen ab, dass er nötigenfalls für die Finanzierung des Betriebes des ersten Jahres jeder Talmud Tora-Schule an jedem beliebigen Ort sorgen würde, wo vorher keine entsprechende Bildungseinrichtung existiert hatte. Er arbeitete auch für die Unterstützung sefardischer Gemeinden in anderen Ländern, reiste nach England, Frankreich, Italien, in den Iran, nach Mexiko, Panama, Kolumbien und in die USA, um Batei Din zu errichten, Kaschrut und Schechita zu ermöglichen und die Versorgung mit Rabbinern und Mohalim sicherzustellen. Er kämpfte für die Ermöglichung eines toratreuen Lebens und schloss diesbezüglich auch Allianzen mit anderen Toragrössen, die z. B. die Schabbatbefolgung betrafen oder das Verhindern gemischtgeschlechtlichen Badens oder das Autopsieverbot für Menschen, die ein religiöses Leben geführt hatten. 1972 setzte er sich gemeinsam mit Yehuda Tzadka und anderen an die Spitze der Bewegung, die den seinerzeitigen Vorschlag der Regierung, eine obligatorische Militärpflicht für junge Frauen einzuführen, bekämpfte. Das von ihm und Raw Tzadka entsprechend ausgearbeitete halachische Gutachten wurde schliesslich von 400 Torapersönlichkeiten in ganz Israel unterzeichnet.

Seine Segenssprüche

Ben Zion Abba Shaul war bekannt als jemand, dessen Segenssprüche eintrafen. Er dawente und weinte aus tiefstem Herzen für den ganzen Klal Jisrael. Einmal kam eine Frau zu ihm, die dreimal per Kaiserschnitt entbunden und der man medizinischerseits während der aktuellen Schwangerschaft wieder eine Schnittentbindung vorausgesagt hatte. Sie setzte ihm bei ihrem Besuch zu und sagte, sie würde den Raum nicht verlassen, bevor er ihr garantieren würde, dass sie diesmal auf natürlichem Wege entbinden würde. Er sagte dies zu. Nachdem die Frau ihn verlassen hatte, fragte ihn sein Bruder: "Wie kannst du ihr das garantieren?" Er antwortete: "Ich kann gar nichts garantieren, aber was soll ich tun? Ich würde sie sonst nicht loswerden." Die Frau hatte eine natürliche Geburt. Als deren Ehemann später in die Synagoge kam, um "das Wunder" zu verkünden, beschwerte sich Ben Zion Abba Shaul: "Sie machen einen Admor aus mir!" Sein Assistent fragte ihn, warum seine Segenssprüche wirksam seien. Er antwortete: "Wenn du jeden in Klal Jisrael liebst, kannst du es genauso." Einem anderen antwortete er: "G'tt sagte zu Abraham, 'Ich will die segnen, die dich segnen'. Leute, die zu mir kommen, küssen mir die Hand und segnen mich. Wenn jemand einen Juden segnet, bekommt er den Segen zurück."

Krankheit und Tod

1983 erlitt er eine Hirnblutung, nachdem er den Hesped auf seinen guten Freund, Raw Jakow Muzafi, der niftar geworden war, beendet hatte; ab diesem Zeitpunkt war er halbseitig gelähmt und sprach nur noch schwach und undeutlich. In den folgenden 15 Jahren erlitt er weitere Schlaganfälle, die ihn schliesslich an den Rollstuhl fesselten. Dennoch studierte er unvermindert weiter und kümmerte sich um alle Gemeindeangelegenheiten.

In seinen letzten Lebensjahren wurde die Grösse seiner Gelehrtheit und der schiere Umfang seines Wissens nur umso deutlicher. Als seine Sehfähigkeit nachliess, bat er regelmässig verschiedene Studenten, ihm aus dem Talmud vorzulesen, wobei er sie dann immer aus dem Kopf korrigierte, sobald sie falsch lasen. Solche Korrekturen sind in mindestens drei Fällen bezeugt: für den Raschi-Text im Traktat Nasir, für den Traktat Gittin und für einen Rambam-Text, dessen Korrektur Ben Zions Sohn bezeugte.

Auch als er dabei war, fast gänzlich zu erblinden, gab er täglich einen Daf Jomi-Schiur für die Ba'ale Batim der Gegend. Und obwohl er eine Gemara auf dem Ständer vor sich liegen hatte, zitierte Raw Benzion Abba Shaul die ganze Sugja Wort für Wort mit Raschi und Tosafot, ohne hineinzuschauen, da er alles auswendig kannte.

Ben Zion Abba Shaul starb in Jerusalem am 13. Juli 1998. Etwa 200 000 Menschen aller jüdischen Richtungen nahmen an seiner Beerdigung teil. Er hinterliess seinen einzigen Sohn Elijahu, der Rosch Jeschiwa der Jeschiwa Ohr LeZion in Jerusalem ist.

Eine Episode aus seiner Jugend

Illustration der Jüdischen Zeitung, Ausgabe vom 21. Juni 2013, Seite 20

Schon in seiner frühen Jugend konnte Raw Ben Zijon an seinen aussergewöhnlichen Eigenschaften erkannt werden. Die Sorge um seine Mitmenschen war beispielhaft, und er legte grossen Wert auf die Würde eines anderen Menschen.

Dies ist auch anhand folgender Begebenheit ersichtlich: Auf seinem Weg zur Talmud Tora machte Ben Zijon täglich einen Umweg, um beim Schuhgeschäft seines Vaters vorbeizuschauen, um ihn zu erfreuen und einen guten Morgen zu wünschen. An einem Tag erschien er jedoch nicht. Er ging zwar am Morgen in die Richtung des Geschäftes, jedoch erkannte er plötzlich beim Esel des Milchmannes, dass etwas nicht in Ordnung ist. Von beiden Seiten des Esels hingen Milchkannen und der Milchmann schöpfte daraus und teilte die Milch seinen Kunden aus.

Nun konnte der Junge erkennen, wie Milch aus einer Kanne tropfte und eine kleine Pfütze bildete. Es ist doch eine ausdrückliche Halacha, dachte er sich, dass man jüdisches Geld vor Verlust retten muss. Jemand, der den Verlust vermeiden kann und es nicht tut, ist "vom Himmel aus" verpflichtet, diesen Verlust zu ersetzen (Baba Kama 56a). Der Junge nahm also flink den Deckel der Kanne herunter und fing damit die auslaufenden Milchtropfen auf. Sobald der Deckel voll war, goss er ihn von oben wieder in die Kanne. Dies tat der gutherzige Junge, bis der Milchmann seine Arbeit beendet hatte und den Jungen zurück in die Talmud Tora schickte.

Zitat

Raw Ben Zijon sagte einmal: "Ich bin am Jahrzeittag von Raschi geboren und habe mich während meines Lebens sehr darum bemüht, seine Meinung und seine Kommentare zu erklären. Ich bemühte mich einige Male so sehr, dass ich fast ohnmächtig wurde, bis ich verstand, was Raschi meinte. Es bestehen keine Zweifel, dass er mich nach meinem Tod empfangen wird!"

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