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Avital Ben-Chorin

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Avital Ben-Chorin (2013)

Avital Ben-Chorin (geb. am 25. Februar 1923 in Eisenach als Erika Fackenheim; gest. am 6. Oktober 2017 in Haifa) war eine israelische Hebräischlehrerin, Übersetzerin, literarische Sekretärin und Publizistin. Sie lebte und arbeitete in Jerusalem.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Schalom Ben-Chorin war sie eine Pionierin des deutsch-israelischen Jugendaustauschs und Mitgründerin der ersten jüdischen Reformgemeinde in Israel. Mit Schalom Ben-Chorin war sie seit 1943 bis zu dessen Tod 1999 verheiratet. Das Paar hat eine Tochter, Ariela (geb. 1958).

Familie

Avital Ben-Chorin war das einzige Kind[1] von Alfred und Herta Fackenheim, geb. Oppenheim. Ihr Großvater, Sanitätsrat Dr. Julius Fackenheim, war ein angesehener Eisenacher Arzt.

Die Eltern und andere Familienangehörige wurden 1944 in Auschwitz ermordet; der Großvater Julius Fackenheim erlitt in Theresienstadt den Hungertod.[2]

Leben und Wirken

Ab 1933 engagierte sich Erika Fackenheim im Jüdischen Pfadfinderbund Deutschlands (IPD).[3] Im Jahr 1936 nahm sie auf Anraten ihrer Eltern die Möglichkeit der Jugendalija wahr und reiste mit einer Gruppe des Berliner Kinderheims „Ahawah“ nach Palästina aus.

Von 1936 bis 1940 lebte sie im Kinder- und Jugendheim „Ahawah“ in Kirjat Bialik bei Haifa. Sie war dann Vorstandsmitglied in der Nachfolgeeinrichtung des „Ahawah“-Heims, dem Kinderheim „Neve Hannah“ in Kirjat Gat; sie beteiligte sich dort an der Betreuung der deutschsprachigen Volontäre.

Ab 1940 arbeitete sie als Kindergartenhelferin in Ramat Gan und studierte Pädagogik. Ab 1942 setzte sie ihre Ausbildung am Lehrerseminar in Jerusalem fort. Im Jahr 1943 heiratete sie Schalom Ben-Chorin.

Als israelische Soldatin nahm sie 1948 während der Belagerung Jerusalems am Unabhängigkeitskrieg teil. Von 1949 an arbeitete sie als Hebräischlehrerin (u.a. am Schwedisch-Theologischen Seminar) und als Übersetzerin. Journalistisch war sie unter anderem in der Redaktion der Jugendabteilung des Jüdischen Nationalfonds (KKL) tätig. Im Hause des Staatspräsidenten Jizchak Ben Zwi und seiner Ehefrau Rachel Yanait übernahm sie die Aufgabe der literarischen Sekretärin.

In Jerusalem knüpfte Avital Ben-Chorin vielfältige literarische Kontakte, unter anderem zu Max Brod, Martin Buber, Lola Landau, Else Lasker-Schüler[4] und Arnold Zweig. In besonderer Weise trug sie zum literarischen, theologischen und religionsphilosophischen Lebenswerk ihres Ehemannes Schalom Ben-Chorin bei. Sie widmete sich schliesslich der Pflege seines literarischen und wissenschaftlichen Nachlasses.

Gemeinsam mit ihm und anderen Gleichgesinnten gehörte sie 1958 zum Gründerkreis der jüdischen Reformbewegung in Israel, deren erstes Zentrum die von ihr damals mitgegründete Har El-Gemeinde[5] in Jerusalem war. Als Mitglied verschiedener Gremien war sie bis zum Schluss in der Har El-Gemeinde aktiv.

Avital Ben-Chorin war Mitbegründerin und Mitglied des israelischen Zweiges der Women’s International League for Peace and Freedom (WILPF).[6]

Israelisch-deutscher und jüdisch-christlicher Dialog

Im Jahr 1956 besuchte Avital Ben-Chorin zum ersten Mal seit ihrer Alija 1936 Deutschland, um ihren Ehemann zu dessen Vorträgen zu begleiten. Später hielt sie selbst Vorträge in München, Erlangen und Düsseldorf.

Von 1961 an engagierte sie sich in der Aktion Sühnezeichen, unmittelbar nachdem diese Organisation ihre Arbeit in Israel aufgenommen hatte. Sie war dann aktiv im Freundeskreis der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) und der HaGoschrim/Dienste in Israel.[7]

Von 1963 bis 1973 organisierte Avital Ben-Chorin – teils allein, teils mit ihrem Ehemann – erste Reisen von israelischen Jugendgruppen nach Deutschland.

Seit den 1970er Jahren hielt sie Vorträge in Israel, Deutschland und der Schweiz zu Fragen des israelisch-deutschen und des jüdisch-christlichen Dialogs vor dem Hintergrund ihrer eigenen Lebenserfahrungen. Sie stand zahlreichen Besuchergruppen aus Deutschland und deutschen Volontären in Israel als Gesprächspartnerin für Einführungen in das Judentum und für einen Gedankenaustausch über die israelisch-deutschen Beziehungen zur Verfügung.

Zu den Einladenden in Deutschland gehörten Landeszentralen für politische Bildung, Deutsch-Israelische Gesellschaften (DIG), Bildungswerke der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit (unter anderem im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit), Kirchentage, Stadtverwaltungen (für Ansprachen zum Gedenken an die Novemberpogrome 1938) und Universitäten.

Ehrungen

  • 2013: Bundesverdienstkreuz[8]
  • 2012: Ehrenbürgerwürde der Stadt Eisenach[9]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Siehe Avital Ben-Chorin erzählt aus ihrem Leben, Mitteilungsblatt der Vereinigung der Israelis mitteleuropäischer Herkunft Nr. 224, April 2008.
  2. Siehe Eisenach ehrt Avital Ben-Chorin mit höchsten Würden, Thüringer Allgemeine vom 13. August 2012.
  3. Vgl. Die jüdischen Bünde in der Zeit des Nationalsozialismus, Portal „Jugend in Deutschland 1918-1945“.
  4. Vgl. Gedenkstunde auf dem Ölberg, Bergische Blätter vom 28. August 2010, S. 8-9. Avital Ben-Chorin ist Mitglied der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft, Wuppertal
  5. Siehe Website Kehilat Har-El.
  6. Siehe Website der International League for Peace and Freedom.
  7. Siehe Website Die Brückenbauer.
  8. Ordensverleihung für Frau Avital Ben-Chorin, Mitteilung der Deutschen Botschaft Tel Aviv vom 4. Juli 2013
  9. Eisenach ehrt Avital Ben-Chorin mit Verleihung der Ehrenbürgerrechte, Thüringer Allgemeine vom 9. August 2012


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