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Ausbausprache

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Die Artikel Ausbaudialekt und Ausbausprache überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zu vereinigen. Beteilige dich dazu an der Diskussion über diese Überschneidungen. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz. B.A.Enz (Diskussion) 17:01, 4. Mär. 2016 (CET)

Unter Ausbausprache versteht man in der Linguistik im Anschluss an Heinz Kloss eine Sprachvarietät, die so weit entwickelt ist, dass sie für anspruchsvolle kommunikative Zwecke (z. B. Sachprosa) dienen kann. Zum Ausbau der Sprache gehört ein gewisser Grad der Normierung in Bezug auf die Grammatik, Orthographie und den Wortschatz. Ausbausprachen unterscheiden sich von den Abstandsprachen darin, dass sie aufgrund des eher geringen sprachlichen Abstandes zu den benachbarten Varietäten nicht unbedingt als „Sprachen“ anzusehen sind, infolge der Anwendung für Hochliteratur, Sachprosa, Wissenschaft, Verwaltung usw. aber dennoch die Positionen einer Standardsprache einnehmen, also in ihrem Gebrauch entsprechend „ausgebaut“ sind. Beispiele für Ausbausprachen sind das Jiddische, das Galicische oder das Mazedonische. Auch das Luxemburgische wird oft als Ausbausprache angesehen, obgleich als Amtssprachen Französisch und Deutsch immer noch sehr dominant sind.

Der Ausbau einer Varietät (siehe auch den Artikel Abstand und Ausbau) erfordert eine gewisse Zeit und kann in unterschiedlichem Tempo verlaufen. Meist ist mit dem Ausbau auch eine Erweiterung des Wortschatzes verbunden. Solange der Prozess des Sprachausbaus noch in den Anfängen steckt, ist es oft schwierig zu entscheiden, ob es sich um eine Ausbauvarietät handelt oder nicht. Auch der umgekehrte Prozess kommt vor, nämlich dass ein Standard nicht gepflegt wird und eine Sprache so wieder zur Umgangsvarietät wird. Diesen Vorgang nennt man auch Destandardisierung. Dieses ist zum Beispiel mit einigen neuindischen Sprachen geschehen, die mit der Expansion des Hindi wieder zu Dialekten des Hindi wurden, obwohl sie einst Ausbausprachen waren (beispielsweise Rajasthani, Bihari).

Auch viele Gebärdensprachen haben einen Prozess des Ausbaus durchlaufen, wobei die Schreibung von Gebärdensprachen noch in den Kinderschuhen steckt und man deshalb auch keine Regeln zur Orthographie erwarten kann. Das über den Wortschatz und die Grammatik Gesagte gilt aber auch für Gebärdensprachen.

Nicht zu verwechseln mit dem Begriff Ausbausprache ist derjenige der nationalen Varietät. Schweizer Hochdeutsch etwa baut nicht auf den schweizerdeutschen Dialekten auf, sondern weicht nur in einer überschaubaren Anzahl Punkten von der deutschen oder der österreichischen Standardvarietät ab, mit denen zusammen es die deutsche Standardsprache bildet.

Die Begriffe Ausbausprache, Abstandsprache und Dachsprache wurden vom Sprachsoziologen Heinz Kloss geprägt.

Siehe auch

Literatur

  • Georg Bossong: Die romanischen Sprachen. Eine vergleichende Einführung. Buske, Hamburg 2008. (Insbesondere S. 25–28.)
  • Helmut Glück (Hrsg.), unter Mitarbeit von Friederike Schmöe: Metzler Lexikon Sprache. Dritte, neubearbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart/ Weimar 2005. ISBN 978-3-476-02056-7
  • Harald Haarmann: Abstandsprache – Ausbausprache. In: Ulrich Ammon, Norbert Dittmar, Klaus J. Mattheier & Peter Trudgill: Soziolinguistik. Ein internationales Handbuch zur Wissenschaft von Sprache und Gesellschaft, Band 1. de Gruyter, Berlin/ New York 2004 (2. Auflage), S. 238 ff.
  • Heinz Kloss: Die Entwicklung neuer germanischer Kultursprachen seit 1800. 2., erweiterte Auflage. Schwann, Düsseldorf 1978. ISBN 3-590-15637-6
  • Snježana Kordić: Plurizentrische Sprachen, Ausbausprachen, Abstandsprachen und die Serbokroatistik. In: Zeitschrift für Balkanologie. 45, Nr. 2, Wiesbaden 2009, ISSN 0044-2356, S. 210–215 (online, abgerufen am 6. Dezember 2013).
  • Heinrich Löffler: Germanistische Soziolinguistik. Erich Schmidt Verlag, Berlin 1985. S. 63–65. ISBN 3-503-02231-7

Weblinks


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