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Augsburger Prophetenfenster

Aus Jewiki
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König David
Prophet Jonas in Augsburg Cathedral.jpg Prophet Daniel in Augsburg Cathedral.jpg
Prophet Jona
Prophet Daniel
Prophet Hosea in Augsburg Cathedral.jpg Moses in Augsburg Cathedral.jpg
Prophet Hosea
Mose

Die Prophetenfenster im Augsburger Dom sind die ältesten großflächig erhaltenen Buntglasfenster. Sie stammen aus dem 11. oder 12. Jahrhundert und sind der Rest eines sehr viel umfangreicheren Bildprogramms, das wahrscheinlich 22 oder 24 Scheiben umfasste.[1]

Geschichte

Die fünf erhaltenen Scheiben sind heute im Obergaden der südlichen Mittelschiffwand montiert. Der Obergaden des Mittelschiffs war auch ihr ursprünglicher Standort. Geschaffen wurden sie für den 1065 geweihten romanischen Dombau. Als dieses Gebäude 1330 ein gotisches Gewölbe erhielt, wurden die Fenster versetzt, aber in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten. 1448 und 1534 entstanden Schäden durch Hagelschlag, die aber unmittelbar danach ausgebessert wurden und zwar unter Wahrung der romanischen Formen. Die Spuren dieser Reparatur sind heute noch identifizierbar.[2] Erst im 17. Jahrhundert erlitt der Zyklus massive Einbußen, als im Barock eine hellere Ausleuchtung der Kirchenräume gewünscht war und die Buntglasscheiben zum größten Teil durch farbloses Glas ersetzt wurden.[3] Auch die erhaltenen Scheiben wurden damals beschnitten: Ursprünglich waren die Figuren in ornamental gestalteten Borten gefasst, die heute weitgehend verloren und nur in Resten unter den Füßen der Figuren erhalten sind.[4] Die heutige Rahmung der Figuren ist modern.

Ikonographie

Erhalten sind die Darstellungen der Propheten Jona, Daniel, Hosea, David und Mose. Die Figuren sind über ihrem Kopf namentlich bezeichnet und halten jeweils ein Schriftband mit einer Bibelstelle aus einer „ihrer“ Schriften. Die Texte sind leicht angepasste Kurzzitate aus der Vulgata. Thema ist die Kirche als Heiligtum, in dem Gott anwesend ist und sein Volk lehrt.

Sie lauten (mit ausgeschriebenen Kürzeln):

  • Jona: RVRSVM VIDEBO TEMPLVM SANCTVM DOMINI „Ich werde den heiligen Tempel des Herrn wieder sehen.“ (Jona 2, 5)
  • Daniel: OSTENDE DOMINE FACIEM TVAM SVPER SANCTVARIVM TVVM „Zeige, Herr, dein Angesicht über deinem Heiligtum.“ (Daniel 9, 17)
  • David: BEATI QVI HABITANT IN DOMO TVA DOMINE „Selig, die in deinem Haus wohnen, Herr.“ (Psalm 83 <84>, 5)
  • Hosea: ECCE ERVDITOR OMNIVM DOMINVS „Siehe, der Herr ist der Lehrmeister aller.“ (Hosea 5, 2)
  • Mose: AUDI ISRAEL PRAECEPTA DOMINI „Höre, Israel, die Gebote des Herrn.“ (Deuteronomium 4, 1)

Den 12 Propheten des Alten Testaments standen vermutlich 12 Apostelfiguren gegenüber. In den Apsiden könnten den Zyklus Darstellungen von Maria und Christus vervollständigt haben. Die Fenster sind so nicht nur die ältesten großflächig erhaltenen Buntglasfenster, sondern auch das älteste erhaltene Beispiel eines in Kirchenfenstern niedergelegten theologischen Programms.[5] Außer König David, der eine Krone trägt, sind die übrigen Figuren durch Judenhüte als Juden gekennzeichnet.

Technik

Die Fenster sind etwa 2,20 m hoch, die einzelnen Scheiben 3 bis 7 mm dick und bis zu 20 cm groß. Die farblichen Veränderungen gegenüber dem Ursprungszustand verliefen – je nach Farbe – unterschiedlich. Besonders widerstandsfähig erwiesen sich die grünen Gläser. Die anderen Farben weisen größere Veränderungen auf. So ist die braune Farbe der Gesichter nicht ursprünglich.[6]

Drei der Scheiben sind nahezu original überkommen, die Figur des Moses ist in erheblichen Teilen ein Werk der Reparatur im 16. Jahrhundert und auch die Scheibe der Jonadarstellung ist teilweise ergänzt.[7]

Nach der letzten Restaurierung wurden die Scheiben zu ihrem Schutz in Glaskästen montiert, in denen sie wieder in die Fenster eingefügt wurden.

Datierung

Ursprünglich war die Annahme, die Fenster stammten aus der Zeit der Domweihe 1065. Da aber auch nichts dagegen spricht, dass sie erst nachträglich eingebaut wurden, gibt es auch spätere Datierungen, die bis 1125 reichen.[8] Das Problem bei der Datierung besteht vor allem darin, dass es kaum vergleichbare Stücke mit einer sicheren Datierung gibt und die nächst folgenden, von der Datierung her einigermaßen sicheren Scheiben, erst aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammen.[9]

Siehe auch

Literatur

Weblinks

 Commons: Stained glass windows of Augsburg Cathedral – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Grodecki, S. 52.
  2. Grodecki, S. 50.
  3. Grodecki, S. 52.
  4. Grodecki, S. 53.
  5. Grodecki, S. 52.
  6. Grodecki, S. 52.
  7. Die romanischen Glasfenster (Weblinks).
  8. Grodecki, S. 53f.
  9. Grodecki, S. 52.
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Augsburger Prophetenfenster aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.