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KZ-Außenlager

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Den Begriff KZ-Außenlager benutzen Historiker, die das komplexe System der ehemaligen NS-Haftstätten im Deutschen Reich erforschen.[1] Er dient der Unterscheidung zwischen nationalsozialistischen Konzentrationslagern (Liste der Stammlager) und den ihnen von der SS-WVHA zugeordneten Außenlagern beziehungsweise Außenkommandos. In den KZ-Außenlagern gab es in vielen Fällen schlechtere Überlebensbedingungen für die Gefangenen als in den Stammlagern.

Entstehung des Begriffs

Innerhalb eines Konzentrationslagers mussten Häftlinge verschiedene Arbeiten erledigen. Sie sollten nicht unbeschäftigt inhaftiert sein. Die Arbeiten konnten auch sinnlos und schikanös sein, ohne dass ein wirtschaftlicher Nutzen daraus folgte. In Anlehnung an den militärischen Sprachgebrauch bezeichnete die SS solche Häftlings-Arbeitseinsätze als Kommando, Oberbegriff waren die Arbeitskommandos eines Lagers. So gab es beispielsweise im KZ Dachau ab 1940 ein Arbeitskommando Krematorium, das sich aus einer Gruppe von KZ-Häftlingen zusammensetzte, die getrennt untergebracht waren und keinen Kontakt zu anderen Häftlingen haben durften. Kommandos die mit Bauarbeiten beauftragt waren, wurden von Kapos beaufsichtigt.

Die Einteilung zu einem leichteren oder körperlich schweren Kommando beeinflusste die Überlebenschancen der Häftlinge.[2] Ein Kommando innerhalb eines Gebäudes, beispielsweise handwerkliche Arbeiten, war für Häftlinge erträglicher als Kommandos die im Winter bei eisigen Temperaturen unter freiem Himmel stattfanden.

KZ-Außenkommandos

Das KZ Dachau war das erste KZ, das der Reichsführer-SS Himmler errichten ließ. Es existierte bereits 1933 und entwickelte sich zum Prototyp für spätere KZ wie Buchenwald, das 1937 entstand. Bereits das KZ Dachau war räumlich keineswegs auf den Ort Dachau beschränkt. Zu den Kommandos, die innerhalb des Lagers verrichten werden mussten, kamen bald Kommandos, die außerhalb des Lagers stattfanden, wie z. B. das Kommando der Kräuterplantage oder Arbeitskommandos die zum Torfstechen eingeteilt wurden. Die SS setzte Häftlinge immer häufiger außerhalb des jeweiligen KZ ein und ließ Einrichtungen wie Straßen, Wassergräben, Kasernen oder SS-Erholungsheime erbauen. Jedoch auch für private Zwecke von NS-Größen kamen KZ-Häftlinge zum Einsatz: Für Oswald Pohls Landhaus „Brüningsau“, für Himmlers Jagdhaus und ebenso wie für das Landhaus von Hans Loritz, der Kommandant des KZ Dachau war. Auch Eleonore Baur, eine persönliche Freundin Hitlers, bekam ein eigenes Kommando zugeteilt.

Viele Arbeitskommandos bestanden nur Wochen oder Monate und die Belegstärke variierte. Der damalige Sprachgebrauch bezeichnete Kommandos, bei denen Häftlinge auch außerhalb des KZ nächtigten, auch als Außenkommando.[3]

Außenkommandos entwickelten sich in einigen Fällen zu neuen, eigenständigen Konzentrationslagern: Das KZ Mauthausen begann im August 1938 mit dem Eintreffen eines ersten Häftlingskommandos aus Dachau. Auch das KZ Niederhagen entstand aus einem KZ-Außenkommando. Das KZ Mittelbau-Dora war anfangs Außenlager von Buchenwald und wurde später ein eigenständiges KZ.

KZ-Außenlager

Erdhütten im KZ-Kommando Kaufering, in denen Häftlinge untergebracht waren

Mit Kriegsbeginn setzte die SS Häftlinge verstärkt in Rüstungsbetrieben ein. Die Häftlinge waren entweder provisorisch an diversen Schlafstätten untergebracht, in anderen Fällen ließ die SS eigene Lager mit Wachtürmen und Zäunen errichten. Manche KZ-Außenlager hatten räumlich eine ähnliche Struktur wie ein KZ. Auch gab es dort SS-Lagerführer und Funktionshäftlinge wie „Lagerältester“ oder „Blockältester“.

Die Lager sind heute unter Begriffen wie KZ-Außenlager und Nebenlager bekannt. Teilweise wird umgangssprachlich auch die bekanntere Kurzform "KZ" benutzt.

In der Hierarchie des NS-Lagersystems unterstanden Außenlager jeweils einem KZ, das beispielsweise die Häftlingskartei und das Sterberegister führte. Oft war die Versorgung mit Nahrungsmitteln schlechter als im Stammlager, ganz abgesehen von den sanitären Einrichtungen oder den Schlafstätten für KZ-Häftlinge. In späteren NS-Dokumenten findet sich für Außenlager teils auch die Bezeichnung Arbeitslager.[4]

Listen

Die folgenden Listen beinhalten Außen- oder Nebenlager einzelner Stammlager genannter Konzentrationslager:

  1. Liste der Außenlager des KZ Auschwitz I
  2. Liste der Außenlager des KZ Buchenwald
  3. Liste der Außenlager des KZ Dachau
  4. Liste der Außenlager des KZ Flossenbürg
  5. Liste der Außenlager des KZ Groß-Rosen
  6. Liste der Außenlager des KZ Hinzert
  7. Liste der Außenlager des KZ Majdanek
  8. Liste der Außenlager des KZ Mauthausen
  9. Liste der Außenlager des KZ Mittelbau
  10. Liste der Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof
  11. Liste der Außenlager des KZ Neuengamme
  12. Liste der Außenlager des KZ Sachsenhausen
  13. Liste der Außenlager des KZ Stutthof

Literatur

  • Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): KZ-Außenlager. Geschichte und Erinnerung. In: Dachauer Hefte Nr. 15, Verlag Dachauer Hefte, 1999.
  • Joanna Skibinska: Die letzten Zeugen. Gespräche mit Überlebenden des KZ-Außenlagers „Katzbach“ in den Adlerwerken Frankfurt am Main. Hanau 2005.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. KZ-Außenlager in Bayern, Tagung, November 2006. KZ-Außenlager im Ruhrgebiet, Tagung, Dezember 2009.
  2. Stanislav Zámečník: Das war Dachau. Luxemburg, 2002, ISBN 2-87996-948-4. S. 150, Kapitel „Überlebensbedingungen“
  3. Verzeichnis der Konzentrationslager und ihrer Außenkommandos gemäß § 42 Abs. 2 BEG
  4. Zámečník, S. 303. Kapitel Außenkommandos und Nebenlager


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