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Atta Troll

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Titelblatt der ersten Buchausgabe 1847

„Atta Troll. Ein Sommernachtstraum“ ist ein Versepos von Heinrich Heine, das 1841 geschrieben und 1843 in der „Zeitung für die elegante Welt“ erschien, unvollständig und niemals vervollständigt, wie Heine 1846 im Vorwort zu einer auf 1847 datierten Buchausgabe bemerkt: „Ich hegte die Absicht, in späterer Vervollständigung das Ganze herauszugeben, aber es blieb immer bei dem lobenswerten Vorsatze, und wie allen großen Werken der Deutschen, wie dem Kölner Dome, dem Schellingschen Gotte, der preußischen Konstitution usw., ging es auch dem »Atta Troll« – er ward nicht fertig“. Im letzten Kapitel (Caput XXVII) schreibt Heine: "Ach, es ist vielleicht das letzte / Freie Waldlied der Romantik", die romantische Dichtung als Epoche beendend.

Atta Troll thematisiert wie Franz Kafkas Ein Bericht für eine Akademie anhand eines Tanzbärenlebens den Drang des Menschen zur Freiheit und stellt den trägen Menschen einen ungebändigen Bärenhelden gegenüber. Eine spezifische Lehre des Werkes lässt sich jedoch nicht ausmachen und soll auch nicht herauskommen, wie der Autor unter anderem im dritten Kapitel bemerkt. Besonders gegen die politisierte Literatur seiner Zeit spricht sich Heine aus und schreibt vor der Hand nur „um der Kunst willen“.

Poetik

Atta Troll zählt zu den virtuosesten Werken Heines, an dessen Mikrostruktur er besonders intensiv gefeilt hat. Die Leichtigkeit der ungereimten vierhebigen Trochäen, die sprachliche Dichte und der Witz sind, wie die zahlreichen Manuskripte ausweisen, harter Arbeit geschuldet.

Inhalt

Im französischen Kurort Cauterets (heute Region Midi-Pyrénées) lässt an einem Sommernachmittag auf dem Marktplatz ein Abenteurer mit turbulenter Vergangenheit, der Bärenführer geworden ist, zwei Bären tanzen. Es sind Atta Troll und seine Frau, die Bärin Mumma. Atta sprengt seine Ketten und kann entkommen. Mumma lässt der Flüchtige zurück.

Attas Höhle liegt im geschichtsträchtigen Tal von Roncesvalles. Dort vermisst er schmerzlich seine Mumma, ist jedoch wieder bei seinen sechs Bärenkindern. Vor ihnen sinniert er über Dünkel und Schlechtigkeit der Menschen, die sich die Tierwelt untertan gemacht haben, und die dazu aus dem ursprünglich frommen Kultus des Tanzes frivol einen Kult gemacht haben. Attas umstürzlerische Vision ist, "das Regiment schnöden Monopols" abzuschaffen und ein "gerechts Animalreich" zu stiften.

Die Erzählsituation wandelt sich und der Erzähler geht höchst persönlich in den Pyrenäen auf Bärenjagd. Geführt wird er von Laskaro, der stumm und schweigsam ist wie ein wandelnder Toter. Sie überschreiten die spanische Grenze und kommen zu der Hexe Uraka. Sie ist Laskaros Mutter. In ihrer Hütte gießen Mutter und Sohn während der Johannisnacht die "Schicksalskugel", die für Atta Troll bestimmt ist. Der Erzähler sucht das Freie und sieht in einer Schlucht, beschienen vom Vollmond, eine Wilde Jagd, einen Gespensterzug. In der vielgestaltigen Reihe entdeckt er auch zwei Dichter namens Wolfgang und William. Angeführt wird das bunte mitternächtliche Defilee von drei schönen Reiterinnen, deren ohnehin kurze Kleidung der Wind flatternd verkürzt. Es sind Diana, die Fee Abunde und Herodias. Diese Jüdin, das "liebliche Gespenst", beeindruckt ihn am stärksten.

Eine Nacht später sieht der Erzähler in der Hütte der Uraka mit an, wie diese ihren Sohn, den wandelnden Toten, mit Hexensalbe belebt. Am nächsten Tag kommt er zu seiner Verwunderung mit dem Mops der Uraka ins Gespräche. Der war ursprünglich ein schwäbischer Dichter, der seinen Schulgenossen in die Kunst entlaufen ist. In seinen Dichtungen hatte er vor allem die Tugend gepriesen. Die Hexe hatte ihn "vermopst", weil er ihr nicht erlauben wollte, sich an seiner Tugend zu "vergreifen". Die Tugend stecke bei ihm gleichsam in "ledernen Unterhosen". Zur Strafe muss er nun als Mops in der Hexenküche den Kessel rühren. Erlöst werden kann er nur von einer reinen Jungfrau, wenn diese an Silvester, ohne einzuschlafen, die Gedichte Gustav Pfizers vorliest. Da das selbst der Erzähler nicht schafft, ohne einzuschlafen, muss er wohl für immer Mops bleiben.

Atta Troll beschleicht Todesahnung, als er mit seinen Jungen spricht. Gleich darauf hört er die Stimme seiner Bärin Mumma, die er bitter vermisst. Doch es ist nicht Mumma, die ruft, sondern die Hexe Uraka, die Mummas Stimme imitiert. Atta Troll läuft aus der schützenden Höhle Laskaro vor die Flinte. Der Bärentöter wird in den baskischen Dörfern als Held gefeiert, wofür er sich stotternd bedankt - zu seiner Überraschung und der der Umstehenden, da er zum ersten Mal spricht. Atta Troll wird abgehäutet. Nachdem sein Pelz durch mehrere Hände gegangen ist, gelangt er nach Paris und wird Bettvorleger von Juliette, der Freundin des Erzählers.

Bei einem Spaziergang mit Juliette im Jardin des Plantes trifft der Erzähler Mumma wieder, Attas Witwe. Sie lebt hier in der Bärengrube und hat neues Liebesglück gefunden mit einem sibirischen Bären.

„Atta Troll“ enthält Anspielungen auf Personen des öffentlichen Lebens der Zeit. Auf die Schippe genommen werden hier neben Gustav Pfizer auch beispielsweise Hans Ferdinand Maßmann und Ludwig Uhland. Welcher schwäbische Dichter zur Strafe für seine „Tugendhaftigkeit“ zum Mops wurde, muss der Leser selbst herausfinden.

Spott und Dichterrivalität stecken auch hinter der häufigen Erwähnung von Freiligraths zeitgenössischem Gedicht „ Der Mohrenfürst“, dessen Schicksal (er endet in Sklaverei) oft mit dem von Atta verglichen wird. Diesem „Mohrenfürst“ begegnet der Erzähler im Ausklang vor Mummas Grube im Jardin des Plantes. Er wurde Bären-Wärter, ist nicht mehr versklavt, sondern verheiratet und wird gut bekocht.

Das Tierepos ist Karl August Varnhagen von Ense gewidmet.

Weblinks

Literatur

  • Stefan Heym: Atta Troll. Versuch einer Analyse. C. Bertelsmann, München 1983.
  • Gerhard Höhn (Hrsg.): Heine-Handbuch. Zeit, Person, Werk. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, Metzler, Stuttgart 2004, S. 81-95. (mit Literaturangaben)


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