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Arthur Eichengrün

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Ernst Arthur Eichengrün (geb. 13. August 1867 in Aachen; gest. 23. Dezember 1949 in Bad Wiessee) war ein deutscher Chemiker. Er war nach eigener Behauptung, aber ohne Nachweis, (und eventuell zusammen mit Felix Hoffmann) Erfinder der Acetylsalicylsäure (ASS), dem Wirkstoff vieler Schmerztabletten. Der Kunststoff Cellon wurde von ihm entwickelt.

Leben

Eichengrün wurde als Sohn eines jüdischen Textilhändlers und -herstellers geboren und besuchte das Kaiser-Karls-Gymnasium in Aachen. Nach dem Abitur 1885 begann er in seiner Geburtsstadt ein Chemiestudium. Später setzte er es an der Universität Berlin fort. Er promovierte 1890 in Erlangen.

Ab 1896 arbeitete er im pharmazeutischen Forschungsinstitut der Bayer AG. Nach der Entwicklung von Aspirin wurde er Leiter der Forschungsabteilung. 1908 verließ er das Unternehmen und gründete eine pharmazeutische Fabrik, die Cellon-Werke, in Berlin. 1909 erhielt er ein Patent auf den Kunststoff Cellon.

Auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden besaß Eichengrün ein Ferienhaus nahe dem späteren Anwesen Hitlers, in dem er bis in die Zeit des Nationalsozialismus hinein den Sommer verbrachte.

1929 verlieh ihm die Technische Hochschule Hannover den Titel Doktor-Ingenieur Ehrenhalber, den sie ihm jedoch wenige Jahre später aus politischen Gründen bereits wieder aberkannte.[1]

Eichengrüns Unternehmen wurde 1938 von den Nationalsozialistenarisiert“. 1943 wurde er inhaftiert und zu vier Monaten Haft verurteilt, weil er es unterlassen hatte, das Wort Israel in den Namen seines Unternehmens einzufügen. Im Mai 1944 wurde er erneut aufgrund desselben Vorwurfs verurteilt, und in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort verbrachte er 14 Monate bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Nach seiner Befreiung kehrte er nach Berlin zurück. Eichengrün verließ die Stadt jedoch schon 1948 in Richtung Bad Wiessee (Bayern). Dort starb er im folgenden Jahr im Alter von 82 Jahren.

Leistungen

Eichengrün wurde für zahllose Entdeckungen, wie die Synthese verschiedener chemischer Substanzen berühmt. Er war im Besitz von 47 Patenten. Zweifelsohne kennt man ihn jedoch am besten für den Streit um die Frage, wer Aspirin (Acetylsalicylsäure) entwickelte.

Außerdem zählen „Schallplatten aus Cellon und das rauchlose Blitzlicht“ zu den Erfindungen Eichengrüns, die jedoch oft über den Streit um die Erfindung des Aspirins übersehen werden.[2]

In der Standardliteratur wird die Synthese medizinisch reiner Acetylsalicylsäure (ASS) im Jahr 1897 Felix Hoffmann, einem jungen Chemiker von Bayer, zugeschrieben. Anzumerken ist, dass unreine ASS bereits 1853 vom Franzosen Charles Frédéric Gerhardt synthetisiert wurde.

In einem Brief an die I.G. Farben (Bayer) während der letzten Tage seiner KZ-Inhaftierung, sowie in einer 1949 veröffentlichten Arbeit beanspruchte er die Verantwortung für die Planung und Koordination Aspirins, sowie einiger benötigter Hilfsstoffe. Er habe zudem die ersten heimlichen klinischen Tests mit Aspirin vorgenommen. Hoffmanns Arbeit sei eine rein ausführende Tätigkeit gewesen. Dessen Aufgabe sei allein die erstmalige Synthese gewesen, die auf Eichengrüns Prozess beruhte. Weitere von den Nazis propagierte Aspirin-Erfinder seien an der Entwicklung nie beteiligt gewesen.

Eichengrüns Version der Ereignisse wurde von Historikern bis 1999 ignoriert. Als Walter Sneader von der Abteilung Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Strathclyde in Glasgow den Fall 1999 erneut untersuchte, kam er zu dem Schluss, dass Eichengrüns Darstellung überzeugend und richtig sei und ihm die Ehre der Erfindung von Aspirin gebühre.[3] Bayer bestritt diese Theorie unmittelbar in einer Pressemitteilung. Bayer schreibt die Aspirin-Synthese weiterhin Hoffmann zu.

Bis jetzt (Stand 2011), ist die Frage ungeklärt. Obwohl Sneaders Version weithin berichtet wurde, gibt es keine unabhängigen Quellen, die eine der beiden Versionen als die richtige identifiziert. Das liegt auch daran, dass fachkompetente Zeitzeugen nicht mehr leben.

Auszeichnungen

  • 1929: Ehrendoktorwürde der Ingenieurswissenschaften der TH Hannover
  • 1948: Dr. rer. nat. honoris causa der Technischen Universität Berlin-Charlottenburg

Schriften

  • 50 Jahre Aspirin. - in: Pharmazie 1949,4. - S. 582-584
  • Über das Methodoxy-Oxy-Dihydrocarbostyril. - Erlangen, Univ. Diss., 1890

Literatur

  • Edgar Eichengrün: Eichengrün, Ernst Arthur. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, S. 373 f. (Onlinefassung).
  • Ernst Bahrdt: Prüfung und Begutachtung des Cellon-Feuerschutzes der Cellon-Werke Dr. Arthur Eichengrün, Charlottenburg. - Charlottenburg, Preussischer Feuerwehr-Beirat, 1924
  • Cellit-Lacke und Cellon-Fenster: Die Kunststoffe des Chemikers Arthur Eichengrün und ihre Bedeutung für den Zeppelinbau. In: Zeppelin Museum Friedrichshafen (Hrsg.): Wissenschaftliches Jahrbuch 2006, S. 56–75.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Simon Benne: Wäldners Liste. In der NS-Zeit erkannte die heute Leibniz-Uni missliebigen Akademikern ihre Titel ab - erst jetzt könnte es zu einer Rehabilitation kommen, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 20. Oktober 2011, S. 15
  2. Universität Erlangen: Biographie (abgerufen 1. Januar 2013)
  3. Spiegel Online vom 6. September 1999, Aspirin: Eine kriminelle Geschichte?


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Arthur Eichengrün aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.