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Arnold Odermatt

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Arnold Odermatt (links im Bild) & John Waters (rechts), Vernissage Fotomuseum Winterthur 2004.

Arnold Odermatt (* 29. Mai 1925 in Oberdorf, Kanton Nidwalden; † 19. Juni 2021 in Stans) war ein Schweizer Polizist und Fotograf.[1] Arnold Odermatts Arbeiten wurden 2001 von Harald Szeemann für die 49. Biennale Venedig ausgewählt. 2002 zeigte sie das The Art Institute of Chicago und 2004 das Fotomuseum Winterthur.

Biographie

Arnold Odermatt trat 1948 in die Nidwaldner Polizei ein. Unfallorte, zu denen er gerufen wurde, fotografierte er mit einer Rolleiflex, um das polizeiliche Protokoll mit Fotos zu ergänzen. In einer alten Toilette des Wachtpostens in Stans richtete er eine provisorische Dunkelkammer ein. Als die Wache Jahre später in ein neues Gebäude umzog, erhielt der vielleicht erste Polizeifotograf der Schweiz ein eigenes Labor.

Arnold Odermatts Vorbild war der Magnum-Photograph Werner Bischof. Er traf ihn zufällig – ohne ihn zu erkennen –, als er bei einem Sicherheitseinsatz auf dem Bürgenstock den Schauspieler Charlie Chaplin photographieren wollte. Odermatts eigener Stil war geprägt von strenger Sachlichkeit und konsequenter Reduktion auf das Wesentliche. Der spartanische sprachliche Ausdruck, der seine Polizeiberichte auszeichnete, findet sich auch in Odermatts Aufnahmen wieder. Die handwerkliche Meisterschaft ist unbestreitbar, nichts Wichtiges entgeht seinem photographischen Auge. In Karambolage, seiner bekanntesten Werkgruppe, sind nicht die versehrten Opfer zu sehen, sondern Autowracks als der Realität entrückte, surreale Schrottskulpturen.

Vierzig Jahre lang hielt Arnold Odermatt den Nidwaldner Polizeialltag in Fotos fest. Nur gelegentlich interessierte sich die Lokalpresse, das Gericht oder eine Versicherung für seine Aufnahmen. Anfang der neunziger Jahre wurden Arnold Odermatts Fotografien von seinem Sohn, dem Regisseur Urs Odermatt, bei den Recherchen zu dessen Spielfilm Wachtmeister Zumbühl entdeckt und zu einem zentralen Thema der Geschichte gemacht. Urs Odermatt stellte die Arbeiten zu den Werkgruppen Karambolage, Im Dienst, In zivil, Feierabend und Die Nidwaldner zusammen und gibt seither das Werk heraus.

Arnold Odermatt starb am 19. Juni 2021 in seinem Zuhause in Stans an den Folgen einer Alzheimererkrankung.

Einzelausstellungen

  • 1993 – Arnold Odermatt. Seeplatz 10, Buochs.
  • 1996 – Meine Welt. Viewpoint Gallery, Salford.
  • 1998 – Karambolage. Polizeipräsidium, Frankfurt am Main.
  • 2000 – Karambolagen und andere Photographien. Springer & Winckler Galerie, Berlin.
  • 2001 – Carambolages. Centre de la photographie, Genf.
  • 2002 – Karambolage. Museum Morsbroich, Leverkusen. ISBN 3-925520-64-3.
  • 2002 – Die Biennale-Auswahl. 32 Photographien für Venedig 2001. Springer & Winckler Galerie, Berlin. ISBN 3-00-009666-3.
  • 2002 – Karambolage. Centre rhénan de la photographie, Strassburg.
  • 2002 – Arnold Odermatt. The Art Institute of Chicago, Chicago. Katalog.
  • 2003 – Arnold Odermatt. Washington University Gallery of Art, St. Louis. Katalog.
  • 2003 – Arnold Odermatt. Paul Morris Gallery, New York.
  • 2004 – Arnold Odermatt. James Kelly Contemporary, Santa Fe.
  • 2004 – Arnold Odermatt. Galerie Sabine Knust, München.
  • 2004 – Karambolagen. Fotomuseum Winterthur, Winterthur.
  • 2004 – Karambolage. Rathaus, Fellbach.
  • 2004 – Arnold Odermatt. Galería Arnés y Röpke, Madrid.
  • 2004 – Kantonspolizei Nidwalden. Springer & Winckler Galerie, Berlin.
  • 2005 – Arnold Odermatt. Centro Cultural Okendo, San Sebastián. ISBN 84-96431-06-1.
  • 2005 – Arnold Odermatt. Museum im Bellpark, Kriens.
  • 2006 – Im Dienst. Springer & Winckler Galerie, Berlin.
  • 2008 – Focus Photographie: Arnold Odermatt. Galerie Lelong, Zürich.
  • 2009 – Project room: Arnold Odermatt. Galerie Georges-Philippe & Nathalie Vallois, Paris.
  • 2009 – Karambolage. Miesiąc Fotografii w Krakowie, Krakau. ISBN 978-83-928967-0-8.
  • 2010 – Arnold Odermatt. Leo Koenig Inc. Projekte, New York.
  • 2010 – In zivil. Springer & Winckler Galerie, Berlin.
  • 2010 – On Duty. Amador Gallery, New York.
  • 2011 – On and Off Duty. Galerie Georges-Philippe & Nathalie Vallois, Paris.
  • 2011 – Heimat. Buchmann Galerie, Berlin.
  • 2012 – Arnold Odermatt. L’Été photographique de Lectoure, Lectoure (Gascogne). ISBN 978-2-919077-12-0.
  • 2012 – Arnold Odermatt. Espace d’Art Contemporain Fernet Branca, Saint-Louis (Elsass).
  • 2012 – Arnold Odermatt. La Chambre, Strassburg.
  • 2013 – Das Dorf als Welt. Nidwaldner Museum, Stans.
  • 2014 – Karambolage 1948–1995, Unknown Works. Galerie Springer, Berlin.
  • 2015 – Karambolage. Atelier Jungwirth, Graz.
  • 2015 – Arnold Odermatt: 90th Birthday, Selected Works 1948–2015. Galerie Springer, Berlin.
  • 2017 – Werkausstellung. Photobastei, Zürich.[2]
  • 2017 – Feierabend. Galerie Springer, Berlin.
  • 2017 – Arnold Odermatt – Solo Show. Paris Photo, Paris.
  • 2020 – Die unglaublichen Bilder des Arnold Odermatt. Galerie im Stift, Bad Hersfeld.
  • 2020 – Arnold Odermatt – Polizist, Photograph, Schweizer. Kunsthalle Erfurt. Mit der Installation Die Dunkelkammer des Arnold Odermatt von Jasmin Morgan.

Ausstellungsbeteiligungen

Bücher

  • Urs Odermatt: Wachtmeister Zumbühl. Drehbuch zu einem Spielfilm mit 79 Standphotos von Arnold Odermatt. Benteli Verlag, Bern 1994, ISBN 3-7165-0960-4.
  • Arnold Odermatt: Karambolage. Museum Morsbroich, Leverkusen 2002, ISBN 3-925520-64-3.
  • Arnold Odermatt: Die Biennale-Auswahl. 32 Photographien für Venedig 2001. Mit einem Text von Harald Szeemann. Galerie Springer & Winckler, Berlin 2002, ISBN 3-00-009666-3.
  • Arnold Odermatt: Meine Welt. Photographien/Photographs 1939–1993. Herausgegeben von Urs Odermatt. Benteli Verlag, Bern 1993, 2001 und 2006, ISBN 3-7165-0910-8. Kodak-Fotobuch-Preis 1993.
  • Arnold Odermatt: Karambolage. Herausgegeben von Urs Odermatt. Deutsch, Französisch, Englisch. Steidl Verlag, Göttingen 2003, ISBN 3-88243-866-5.
  • Arnold Odermatt: Im Dienst. En service. On Duty. Herausgegeben von Urs Odermatt. Steidl Verlag, Göttingen 2006, ISBN 3-86521-271-9. Deutscher Fotobuchpreis 2008.
  • Arnold Odermatt: In zivil. Hors service. Off Duty. Herausgegeben von Urs Odermatt. Steidl Verlag, Göttingen 2010, ISBN 978-3-86521-796-7.
  • Arnold Odermatt. Mit einem Text von Caroline Recher. Diaphane éditions, Montreuil sur Brèche 2012, ISBN 978-2-919077-12-0.
  • Caroline Recher: Arnold Odermatt, par-delà les sept montagnes. L’œil candide de l’artiste non-homologué. In: Études photographiques 28, Paris 2011.
  • Arnold Odertmatt: Karambolage.Herausgegeben von Urs Odermatt. Steidl Verlag, Göttingen 2013. ISBN 978-3-88243-866-6
  • Arnold Odermatt: Feierabend. Après le boulot. After Work. Herausgegeben von Urs Odermatt. Steidl Verlag, Göttingen 2016. ISBN 978-3-86930-973-6.
  • Arnold Odermatt: Ein gutes Bild muss scharf sein! Herausgegeben von Markus Hartmann. Hartmann Projects, Stuttgart 2017. ISBN 978-3-96070-009-8.

Film

In den sechziger Jahren dokumentierte Arnold Odermatt den frühen Schweizer Autobahnbau bei Acheregg und am Loppertunnel mit umfangreichem Photo- und 16-mm-Schwarzweissfilmmaterial. Urs Odermatt hat 1991 aus diesem historischen Filmmaterial den Dokumentarfilm Lopper zusammengestellt.

Als Standphotograph hat Arnold Odermatt in den neunziger Jahren bei den Kinofilmen Rotlicht!, Gekauftes Glück und Wachtmeister Zumbühl von Urs Odermatt die Dreharbeiten begleitet.

In Wachtmeister Zumbühl erzählt Urs Odermatt die Geschichte eines leidenschaftlich photographierenden Polizisten. Arnold Odermatt photographiert als Standphotograph sein Alter Ego Michael Gwisdek, der die Titelfigur spielt.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Mark Herren: Biografie von Arnold Odermatt im Onlinewerk über die historische Fotografie in der Schweiz, fotoCH, abgerufen am 12. Januar 2021.
  2. Monica Boirar: Arnold Odermatt – Opus Magnum eines Dorfpolizisten. In: Fotointern, 22. Januar 2017, abgerufen am 26. September 2020.
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Arnold Odermatt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.