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Armleuchter

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Armleuchter oder Kandelaber[1] (von lateinisch candelabrum für ‚Leuchter‘ bzw. candela, Kerze, über französisch candélabre) sind Ständer für Kerzen oder Leuchten, die sich über einem Sockel und einer zentralen Säule in mehrere Arme verzweigen und so die Aufnahme mehrerer Leuchtelemente ermöglichen.

Begriff

Der Begriff des Armleuchters, wie auch jener fast gleichbedeutende der Girandole (Tischleuchter mit geschwungenen Armen, seit der Mitte des 18. Jahrhunderts), beschränkt sich auf mobile Geräte, während ein Kandelaber auch ein im Freien, zur Beleuchtung von Straßen und Brücken dienendes Beleuchtungselement sein kann. Die begriffliche Abgrenzung ist nicht einheitlich. [2] Zur regionalen Wortverwendung: In der Schweiz, teilweise auch in Österreich und Süddeutschland, wird die Bezeichnung Kandelaber auch für einflammige Straßenlaternen verwendet.

Geschichte

Mehrarmige Leuchter sind seit der Antike bekannt, wurden damals aber noch mit Öl- oder Talglampen bestückt.

Die Menora aus dem jüdischen Tempel als Teil der Beute im Triumphzug. Rom, Titusbogen.
Siebenarmiger Leuchter im Essener Münster, Bronze, um 1000

Ein Leuchtertyp von geschichtlich lange nachwirkender Form ist der siebenarmige Leuchter, die Menora des Jerusalemer Tempels aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., der zu einem der wichtigsten Symbole des Judentums wurde.

Auch das christliche Mittelalter verwendete den aus der biblischen Tempelbeschreibung bekannten Typ des siebenarmigen Leuchters. Als große Standleuchter waren sie an prominenter Stelle im Kirchenraum platziert und sind seit karolingischer Zeit nachweisbar. (siehe den Hauptartikel Siebenarmiger Leuchter (Kirche)). Bodenstandleuchter mit 2 bis 6 Armen sind dagegen im Mittelalter seltener, auch die als Altarzubehör obligaten Kerzenhalter sind bis heute durchweg einflammig. Im profanen Hausrat dagegen erscheinen zweiflammige Kerzenhalter (Tischleuchter) aus Bronze oder Messing seit dem 15. Jahrhundert häufiger. In der Neuzeit wird für Alltagsgerät eher Messing, für aufwändig modellierte Leuchter weiterhin Bronze verwendet. [3] Der Armleuchter wird seit dem 18. Jahrhundert zum Prunkstück auf der festlich gedeckten Tafel, er ist jetzt möglichst aus Silber und lässt seine von Ornament und Blattwerk umspielten Arme auch wohl nach mehr als zwei Richtungen ausschwingen. Oft können die Arme vom Schaft abgenommen und durch eine Einzeltülle ersetzt werden. Mehrarmige Leuchter aus Porzellan oder gar anderem keramischen Material sind seltener als die aus Metallen, zu denen seit dem Spätbarock noch Zinn hinzukommt. Im Kunsthandwerk Italiens waren die Schäfte der Kandelaber oft aus Marmor.

Kandelaber zur Strassenbeleuchtung, vereinzelt seit dem 18. Jahrhundert, mit Aufkommen der Gasbeleuchtung im 19. Jahrhundert häufiger, erlangten seitdem eine hohe Bedeutung für den öffentlichen Raum.[4] Sie waren in den Anfängen eher geschmiedet[5] , später eher aus Eisen- oder Bronzeguss, vor allem, wenn sie aufwändiger gestaltet waren.

Weitere Bedeutung – Schimpfwort

Das Wort „Armleuchter“[6] wird auch als Schimpfwort verwendet. Der Ursprung dieser Verwendung ist unklar, aber vermutlich handelt es sich um ein Verschleierungswort aus dem Militärwesen, um das ähnlich anlautende obszöneArschloch“ zu vermeiden.
Eine ähnliche salopp verhüllende Zwischenform ist die seltener gebrauchte Form Armloch.[7] Sie meint damit auch in der Umgangssprache (verhüllend) das Schimpfwort Idiot.[8]

Einzelnachweise

  1. Heyses Fremdwörterbuch, 18. Auflage, Hannover und Berlin, 1903, Stichwort „Kandelaber“, S. 410, rechte Spalte.
  2. Mitunter werden auch einflammige, aber große Bodenstandleuchter als Kandelaber bezeichnet (Lexikon der Kunst, Bd. 2, Leipzig 1971, S. 524), während das Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd.1 Sp. 1088-1106 im Artikel [[armleuchter]] eine säulenhafte Mittelachse und nach allen Seiten ragende Arme als Kennzeichen des Kandelabers ansieht. Auf jeden Fall sind nie Hängeleuchter gemeint. Im englischen und niederländischen Sprachgebrauch ist Girandole eher ein mehrarmiger Wandleuchter, auch als integrierter Bestandteil eines Spiegelrahmens. (vgl. z.B. Collins Encyclopedia of Antiques, London 1973 und in der englischen Wikipedia. So neuerdings auch in deutschen, aus dem Englischen übersetzten Lexika). Die deutsche Literatur versteht unter "Girandole" sonst durchweg die mehrarmigen Tischleuchter des 18. und 19. Jahrhunderts.
  3. Zur Geschichte des Armleuchters im Kunsthandwerk vom Mittelalter zum Barock siehe: G. Barthel, Artikel Armleuchter, in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. 1, 1936, Sp. 1088-1106: [[armleuchter% RDK: Armleuchter]]
  4. Lichtblicke: Zur Geschichte der künstlichen Helligkeit im 19. Jahrhundert. Hanser, München/Wien 1983, ISBN 3-446-13793-9. Taschenbuch: Fischer-TB 16180, Frankfurt am Main 2004, ISBN 978-3-596-16180-5.
  5. Brockhaus' Konversations-Lexikon, 14., vollständig neubearbeitete Auflage in 16 Bänden. 10. Band, Leipzig, Berlin und Wien, 1896, Stichwort „Kandelaber“, S. 89.
  6. Büntig, Karl-Dieter Deutsches Wörterbuch, Chur/Schweiz, 1996, Stichwort „Armleuchter“: S. 88, linke Spalte: ‚Blödmann, Dummkopf‘ (umgangssprachlich, abwertende Bezeichnung).
  7. Duden.
  8. Karl Dieter Büntig, Deutsches Wörterbuch, 1996, Stichwort „Armloch“, S. 88, mittlere Spalte.

Literatur

Siehe auch

Weblinks

Wiktionary: Armleuchter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Armleuchter – Sammlung von Bildern
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Armleuchter aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.