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Armin Nassehi

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Armin Nassehi, 2019

Armin Nassehi (* 9. Februar 1960 in Tübingen) ist ein deutscher Soziologe.

Biographie

Nassehi ist in Tübingen, München, Landshut, Teheran und Gelsenkirchen aufgewachsen. Nassehi studierte von 1979 bis 1985 Erziehungswissenschaften, Philosophie und Soziologie in Münster und an der Fernuniversität in Hagen. Von 1988 bis 1994 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Münster. 1992 wurde er in Soziologie mit der Arbeit Die Zeit der Gesellschaft promoviert, 1994 folgte die Habilitation mit einer biografieanalytischen Arbeit über ehemalige Insassen sowjetischer Zwangsarbeitslager. Anschließend lehrte er als Privatdozent in Münster. Nach Lehrstuhlvertretungen in Münster und München übernahm er 1998 als Nachfolger von Walter L. Bühl den Lehrstuhl I für Soziologie an der Universität München.

Im Jahre 2012 wurde Nassehi durch das Interkulturelle Dialogzentrum in München mit dem IDIZEM-Dialogpreis in der Kategorie „Akademiker“ ausgezeichnet. In der Jurybegründung hieß es, Nassehi trage als Wissenschaftler beispielhaft zur Förderung und Bereicherung kultureller Werte und deren Anwendung in der Gesellschaft bei.[1]

Ebenfalls 2012 wurde Nassehi vom Bischof von Hildesheim, Norbert Trelle, zum Mitglied des Vorstands der Stiftung Forschungsinstitut für Philosophie Hannover (fiph) ernannt.[2]

Im Jahre 2018 wurde Nassehi von der Deutschen Gesellschaft für Soziologie mit dem Preis für "Herausragende Leistungen auf dem Gebiet der öffentlichen Wirksamkeit der Soziologie" ausgezeichnet.[3]

Seit 2018 ist er Mitglied im Stiftungsrat der Katholischen Universität Eichstätt.[4]

Wissenschaftliche Arbeit

Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeit von Armin Nassehi sind Kultursoziologie, Politische Soziologie, Religionssoziologie sowie Wissens- und Wissenschaftssoziologie. Seine Soziologie schließt vor allem an die Systemtheorie nach Niklas Luhmann an, deren Potenzial er für die Methodologie qualitativer Sozialforschung nutzbar macht. Gesellschaftstheoretisch arbeitet Nassehi an einem Konzept der „Gesellschaft der Gegenwarten“, das den Gesellschaftsbegriff von seinen substantialistischen Elementen zugunsten eines operativen Verständnisses zu befreien trachtet.

Neben der Weiterentwicklung soziologischer System- und Praxistheorie forscht Nassehi vor allem auf dem Gebiet der empirischen Ethikforschung, über medizinische, juristische, ethische und politische Entscheidungen bezüglich multiprofessioneller Organisation von Sterbebegleitung beziehungsweise -hilfe, sowie im Rahmen eines internationalen EU-Projekts über den Transfer wissenschaftlichen Wissens in politische Entscheidungen.

In seinem 2019 veröffentlichten Buch Muster.Theorie der digitalen Gesellschaft unternimmt Nassehi den Versuch, die Digitaltechnik und den Prozess der Digitalisierung in der Moderne selbst zu fundieren.[5][6][7][8][9][10][11][12][13]

Publizistische Arbeit

Gemeinsam mit Sabine Maasen, Irmhild Saake und Tobias Wolbring gab Nassehi die soziologische Fachzeitschrift Soziale Welt heraus.

Seit 2001 ist er auch als Vortragender und Berater für Unternehmen unterschiedlicher Branchen tätig.

Im Sommer 2010 strahlte der TV-Sender BR-alpha dreizehn Folgen zum Thema „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ aus, in der Nassehi zu soziologischen Themen spricht. Die Reihe wurde im März 2016 erneut ausgestrahlt.

Am 24. und 25. Januar 2013 veranstaltete Nassehi die 1. Münchner Theoriegespräche zum Thema Ist Gesellschaft ein soziologisch gehaltvoller Begriff?, unterstützt durch die Nemetschek-Stiftung München, in den Räumen der Siemens-Stiftung am Nymphenburger Schloss in München.[14]

Seit 2012 ist Nassehi Herausgeber der Zeitschrift Kursbuch. Zudem schreibt er im Wechsel mit Peter Felixberger, ebenfalls Kursbuch-Herausgeber, die Kolumne "Montagsblock" auf der Website des Kursbuchs.[15]

Publikationen (Auswahl)

Artikel

Weblinks

 Commons: Armin Nassehi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Interviews

Einzelnachweise

  1. DIE WELT: Nachrichten: Bayern. 14. Oktober 2012.
  2. http://idw-online.de/de/news499576 Pressemitteilung vom 2. Oktober 2012
  3. DGS - Deutsche Gesellschaft für Soziologie: Preis für öffentliche Wirksamkeit der Deutschen Gesellschaft für Soziologie an Armin Nassehi. Abgerufen am 11. November 2018 (deutsch).
  4. Stiftungsrat - Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt. Abgerufen am 11. November 2018.
  5. Armin Nassehi: Muster. Theorie der digitalen Gesellschaft. C.H. Beck, München 2019, ISBN 978-3-406-74024-4.
  6. Soziologe Armin Nassehi über Digitalisierung - "Dritte Entdeckung der Gesellschaft". Deutschlandfunk Kultur, 24. August 2019, abgerufen am 27. August 2019.
  7. Jürgen Kaube: Überhitzungsmaschine Internet: So scheint es zu sein. (https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/juergen-kaube-ueber-armin-nassehis-buch-muster-16349381.html).
  8. Marc Reichwein: „Muster“: Armin Nassehis Theorie der digitalen Gesellschaft. 2019-08-27 (https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article199188109/Muster-Armin-Nassehis-Theorie-der-digitalen-Gesellschaft.html).
  9. Armin Nassehi: Gefährdete Privatheit in der digitalen Gesellschaft | Digital Society Blog. HIIG – Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft, 26. August 2019, abgerufen am 27. August 2019.
  10. Vera Linß: Armin Nassehi: "Muster" - Wie Technik die Moderne sichtbar macht. Deutschlandfunk Kultur, 30. August 2019, abgerufen am 30. August 2019.
  11. «Muster» von Armin Nassehi - Warum wir Daten anhäufen ohne Ende. SRF, Sternstunde Philosophie, 31. August 2019, abgerufen am 31. August 2019.
  12. Armin Nassehi: Für welches Problem ist die Digitalisierung eine Lösung? Abgerufen am 5. September 2019.
  13. Steffen Richter: Die Digitalisierung ist schon seit dem 19. Jahrhundert ein Erfolg. Der Tagesspiegel, abgerufen am 9. September 2019.
  14. Münchner Theoriegespräche - Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie - LMU München.
  15. Kursbuch MONTAGSBLOCK | KURSBUCH. Abgerufen am 15. August 2018 (deutsch).
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Armin Nassehi aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.