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Armin Langer

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Armin Langer
Armin Langer

Armin Langer (geb. 1990 als Sohn ungarischer Eltern in München; sein Vater ist Jude, seine Mutter römisch-katholisch) ist ein zum Judentum übergetretener,[1] zeitweise relegierter Rabbinerstudent am progressiven und egalitär ausgerichteten Abraham Geiger Kolleg in Potsdam.

Leben

Armin Langer ging in Ungarn zur Schule und hat, bevor er Ende August 2013 nach Berlin kam, an der Universität Budapest 2013 seinen ersten Studienabschluss in Philosophie gemacht. Anschliessend besuchte er noch eine Jeschiwa des Reformjudentums in Jerusalem.

2013 gründete er die »Salaam-Schalom«-Initiative im stellenweise arabisch geprägten Berlin-Neukölln. Dort ist Langer der einzige Jude, die anderen Personen sind Aktivisten der erzreaktionären, nationalistischen DITIB oder anderer reaktionärer Islamverbände.

Im Herbst 2014 äusserte er im Berliner Tagesspiegel die These, Muslime seien »die neuen Juden«.

Im Februar 2015 widersprach Langer erstmals öffentlich dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland: Josef Schuster hatte davor gewarnt, in sogenannten Problemvierteln, in denen viele muslimische Zuwanderer leben, eine Kippa zu tragen. Daraufhin schrieb Armin Langer als "angehender Rabbiner" in der taz: Mit Blick auf Pegida hat Josef Schuster anti-muslimischen Rassismus klar verurteilt. Jetzt schürt er selbst Vorurteile.

Im März 2015 hielt Langer einen Vortrag beim deutschen Zweig der islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (deren Gründer, der türkische Ex-Premier Necmettin Erbakan, Zionisten als »Bakterien« bezeichnete).

Ende des Jahres 2015 warf er in der »taz« dem Zentralratspräsidenten Josef Schuster »Rassismus« vor (Langer bezeichnete den Zentralrat, dem Schuster vorstehe, wörtlich als „Zentralrat der rassistischen Juden“).[2]

Am 10. Dezember 2015 liess der Direktor des Abraham Geiger Kollegs, Prof. Walter Homolka, Langer wissen, dass ein Disziplinarverfahren gegen Langer eröffnet werde.[3] Ende Januar 2016 fiel dann die Entscheidung: Er dürfe sein Studium am Rabbinerseminar nicht forsetzen, wegen seines schädlichen Engagements und seines Umgangs mit den Medien. Nach Ansicht des Kollegs hatte er, ohne (wie vereinbart) Erlaubnis einzuholen, Interviews gegeben und Artikel geschrieben.[4]

März 2016: Armin Langer hatte sich (wie viele meinen: nicht ernsthaft) bei Josef Schuster entschuldigt, und es wurde festgestellt, dass der Student Vereinbarungen mit dem Abraham Geiger Kolleg nicht eingehalten hat.[5]

In der Konsequenz entschied man sich, dass der Student zwar sein Studium fortsetzen dürfe, allerdings nur mit einem akademischen Abschluss und nicht mit einer Ordination zum Rabbiner.[6]

2016 führte Armin Langer die Aktion »Nicht in meinem Namen« durch, bei der ein paar Dutzend Menschen in Berlin gegen den Zentralrat der Juden protestierten – auf Plakaten wurde u. a. die Aufnahme von »sechs Millionen Flüchtlingen« gefordert.

Homosexualität

Armin Langer lebt offen homosexuell. In Ungarns Hauptstadt Budapest gibt es u. a. vier progressive Gemeinden, in denen Homosexuelle gleichberechtigt sind. In einer dieser Gemeinden, Sim Schalom, sitzt Armin Langer im Vorstand. „Obwohl schwule Rabbiner in Ungarn meist abgelehnt werden, habe ich in Budapest schon sogenannte schwulenfreundliche Gottesdienste geleitet“, sagt er. Auch in Berlin respektive in Potsdam möchte Langer nicht verbergen, dass er schwul ist. Vor Ablehnung oder möglichen Anfeindungen hat er keine Angst, sagt er.

„Wohin ich nach meiner Rabbinerordination gehe“, sagt Langer, „weiß ich noch nicht. Aber das Umfeld muss schon LGBTQ-freundlich sein.“ LGBTQ steht für lesbisch, schwul, bi- und transsexuell und queer und meint alle Menschen, die von der heterosexuellen Norm abweichen.

Veröffentlichungen

  • Armin Langer, Ein Jude in Neukölln: Mein Weg zum Miteinander der Religionen, Berlin 2016, Aufbau Verlag, 304 Seiten, ISBN 978-3-351-03659-1

Fussnoten und Einzelnachweise

  1. Reform-Übertritt
  2. Im November 2015 forderte Josef Schuster, Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Obergrenzen für Flüchtlinge. Zur Integration der früheren muslimischen Einwanderer sagte Schuster: Wenn ich mir die Orte in Europa anschaue, in denen es die größten Probleme gibt, könnte man zu dem Schluss kommen, hier handele es sich nicht um ein religiöses Problem, sondern um ein ethnisches.
  3. Der Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs, Walter Homolka, war auch durch den später erfolgenden Entschuldigungsversuch Langers nicht zu besänftigen. Langer „gefährdet mein Lebenswerk durch sein dummes und freches Vorgehen“, schrieb er in einer internen Mail an Leslie Bergman, Präsident der europäischen Union des progressiven Judentums. Bergman hatte versucht zu vermitteln: „Bei Studenten ist es normal, radikal zu sein, bei Erwachsenen nicht.“
  4. Das Abraham-Geiger-Kolleg unterstützte zwei Jahre lang Langers Dialogarbeit mit Muslimen und duldete auch seine Interviews gegen die Stigmatisierung Neuköllns als No-Go-Area für Juden, in denen er dem Berliner Rabbiner Daniel Alter widersprach: Eine der wichtigsten Werte des Judentums und der jüdischen Zivilisation ist die Kultur des Streits. Streit ist koscher und Streit soll befürwortet werden. Im Geiger-Kolleg herrschte noch Harmonie, als am 1. August 2014 Bundespräsident Joachim Gauck Mitglieder der Salaam-Schalom-Initiative im Schloss Bellevue empfing, darunter Langer. In der Berichterstattung wurde er als Rabbinerstudent gefeiert - das Kolleg freute sich wohl. Der namensgebende Rabbiner Abraham Geiger war einer der wichtigsten Vordenker des Reformjudentums, und das Kolleg beteiligt sich an mehreren Projekten mit Muslimen, zum Beispiel am "House of One", das in einem Gebäude gleichzeitig eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee beherbergen soll.
  5. Rektor Walter Homolka: Da geht es grundsätzlich um die Anerkenntnis der Tatsache, dass man in dem Augenblick, wo man im Rabbinerseminar ist, dass man keine Privatperson mehr ist, sondern man ist immer auch Repräsentant der jüdischen Gemeinschaft und des Abraham-Geiger-Kollegs. Und dann zu glauben, es gäbe die Schublade - hier bin ich privat und hier bin ich offiziell - die ist überhaupt nicht durchhaltbar. Die 31 Absolventen des Geiger-Kollegs müssen sich ihren Gemeinden anpassen, sagt Rektor Walter Homolka. Denn ein Rabbiner und ein Kantor ist kein freier Beruf, sondern ein geistliches Amt im Rahmen einer Religionsgemeinschaft. Glauben Sie, dass jemand, der Kardinal Marx ins Gesicht spuckt, dass der dann Priester werden kann? Ich meine, das ist doch irreal! Und das ist im Rahmen abgedeckt: Die Meinungsfreiheit endet da, wo die Religionsfreiheit beginnt. Und die Religionsfreiheit heißt, dass eine Religionsgemeinschaft, übrigens ohne Angabe von Gründen, sich aussuchen kann, wer ihr religiöses Personal ist.
  6. Das Kolleg hat eine Vereinbarung mit seinen Studenten, in der festgehalten ist, dass mediale Auftritte mit der Presseabteilung des Kollegs abzustimmen seien. Sie handeln nun nicht mehr als Privatpersonen, sondern als Repräsentanten des Judentums und des Kollegs. Laut Abraham Geiger Kolleg wurde der Student bereits im März 2015 darauf hingewiesen, dass auch er sich an diese Vereinbarung halten müsse. Pressekontakte sollten über die Presseabteilung des Kollegs erfolgen. Nach der provokativen Äusserung Langers entschieden die Verantwortlichen für die Rabbinerausbildung am Abraham Geiger Kolleg, das Board of Rabbis, den Studenten von dieser Ausbildung auszuschließen, verbunden mit der Möglichkeit, sich nach 12 Monaten erneut zu bewerben. Die ganze Angelegenheit wurde mit den Studenten des Kollegs in einer Fragen an den Rektor-Sitzung, also nicht hinter verschlossenen Türen, besprochen. In der folgenden Presse-Berichterstattung wurde aber genau dies teilweise behauptet, was den falschen Anschein erweckte, dass die Institution keinen jüdisch-muslimischen Dialog wolle. Was aber gar nicht der Fall ist.

Weblinks (Auswahl)

Andere Wikis


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