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Antoinette de Saint Léger

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Antoinette de Saint Léger (geb. 1856 in Russland; gest. 1948 in Intragna, Tessin) war von 1885 bis 1927 die Besitzerin der Isole di Brissago und eine bekannte Gastgeberin für Künstler und Schriftsteller der Jahrhundertwende.

Leben

Die geborene Antonietta Bayer kam im Russischen Kaiserreich zur Welt, möglicherweise als uneheliches Kind von Zar Alexander II. Ihre Mutter war die deutschstämmige Wilhelmine Bayer. 1873 heiratete Antoinette in erster Ehe in Portici bei Neapel F. Stolte, dann war sie mit dem sehr viel älteren G.A. Jaeger aus Messina verheiratet (dieser Ehe entspross ein Sohn, der 1950 verstarb). Seit 1881 war Antoinette mit Richard Fleming verheiratet, einem sehr vermögenden anglo-irischen Offizier, der nach dem Tod eines Onkels auch die – angeblich von Wilhelm dem Eroberer verliehenen – Titel eines Grafen von Doneraile und Barons von Saint Léger trug. Vor allem dank der einschlägigen botanischen Interessen des Ehegatten von Antoinette wurde der Garten der größeren Insel in einen botanischen Park verwandelt.

Von 1886 bis 1914 war die große Zeit der Antoinette de Saint Léger als Gastgeberin auf ihrer Inselresidenz. Die Maler Danielle Ranzoni, Filippo Franzoni und Giovanni Segantini kamen zu Gast. Auch der Komponist Ruggero Leoncavallo fand sich auf Brissago ein, später (nach 1918) auch James Joyce, Rainer Maria Rilke und Harry Graf Kessler. Antoinettes Position wurde aber nicht nur durch ihr fortschreitendes Alter sondern auch durch ihre Neigung zu geschäftlichen und sonstigen Abenteuern unterminiert. Sie investierte in die transkaukasische Eisenbahn, in rumänische Straßenbahnen und ähnlich riskante Projekte und erlitt dabei bedeutende Verluste. Ihr Ehemann zog sich angesichts der kommerziellen und erotischen Eskapaden seiner Frau 1897 nach Neapel zurück, wo er auf dem britischen Konsulat arbeitete und 1922 verstarb.

In den 1920er-Jahren lebte Antoinette, nunmehr bereits eine alte Frau, allein auf ihrem Inselgut. Sie stellte Puppen von berühmter Schönheit her, geriet aber nun auch durch ihre Neigung zu Prozessen und die damit verbundenen hohen Anwaltskosten in eine immer tiefere finanzielle Krise. Der Verkauf der Isole di Brissago an den reichen Hamburger Geschäfts- und Lebemann Max Emden im Jahr 1927 verbesserte ihre finanzielle Lage nur kurzfristig. Antoinette de Saint Léger verstarb, völlig verarmt, in einem Greisenasyl. Der Verbleib ihrer über 60 Bände Tagebücher ist ungeklärt.

Literatur


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