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Antifaschistische Stadtrundfahrt (Bremerhaven)

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Die Antifaschistische Stadtrundfahrt führt in Bremerhaven zu den Stätten faschistischer Verfolgung und des antifaschistischen Widerstandes in der Stadt.

Diese Fahrt ist von der Sozialistischen Jugend/Falken (Kreisverband Bremerhaven) 1983 zusammengestellt.

Stationen

Langlütjen II

Langlütjen II wurde als ehemaliges Fort der kaiserlichen Marine in der Zeit von Juli 1933 bis Januar 1934 als Konzentrationslager genutzt.

Polizeikaserne Jacobistraße

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Stadthaus 4 – in der NS-Zeit Polizeikaserne (Jacobistraße) der politischen Polizei

Im heutigen Stadthaus 4 (Hinrich Schmalfeldstraße) hatte die politische Polizei ihr Quartier. Das „Rollkommando Weikensdorfer“ sollte politischen Gegnern schnelle Geständnisse bei Vernehmungen abringen[1]. Auf dieser Internetseite gibt es weitere Informationen über das Rollkommando Weikensdorfer (Memento vom 10. Dezember 2008 im Internet Archive)

Judenfriedhof

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Israelitischer Friedhof in Bremerhaven-Lehe[2]

Der jüdische Friedhof in Bremerhaven-Lehe befindet sich in der Kreuzburger Straße östlich der Pferdebade. In der Reichspogromnacht wurde er fast völlig zerstört und erst nach dem Kriege als mahnende Stätte hergerichtet.

Gewerkschaftshaus „Eintracht“

Das Gewerkschaftshaus, in dem die SPD ihr Parteibüro und einige Einzelgewerkschaften ihren Sitz hatten, stand in der Deichstr. 55

„Seppl Kein“ und „Zum 1/2 l Fritz“

Die beiden Lokale standen in der heutigen Prager Straße (damals Lange Str.). Es waren die Verkehrslokale der Kommunisten und der Sozialdemokraten.

Die Synagoge in der Schulstraße

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Gedenkstein mit Kranz an der Stelle der Synagoge bis zum 9. November 1938

1879 hatte die Synagogengemeinde an der Unterweser in der Schulstr. 5 ihren religiösen Mittelpunkt in der Synagoge – bis zur Zerstörung in der Reichspogromnacht.[3] Nach dem Krieg wurde es das Geschäftshaus Berding und danach ein Fachmarktzentrum, an der Kreuzung in der Ludwigstraße wurde ein Gedenkstein aufgestellt.

Gestapohaus Hohenzollernring 1

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Ecke Elbestraße/Friedrich Ebert-Straße – in der NS-Zeit Gestapohaus – nach dem Krieg Haus der SPD – heute „Tanzclub Capitol“

Am damaligen Hohenzollernring – heute Friedrich Ebert-Str. / Kreuzung Elbestr. – hatte bis März 1933 die „Norddeutsche Volksstimme“, ein Parteiorgan der SPD, ihren Sitz. Das Gebäude wurde von der Gestapo übernommen und umgebaut. Gefoltert wurden hier Häftlinge vor allem im Keller.

NSDAP-Parteibüro Kehdinger Str. 5

In der Kehdinger Str. 5 – eine Parallelstraße zur Bismarckstraße vom Hauptbahnhof aus – richtete die NSDAP ihre Kreisleitung ein und organisierte von dort aus ihre Aktivitäten.

Fahrradgeschäft Müller

Georg Müller wurde als Widerstandskämpfer mehrfach verhaftet[4]. Er führte das Geschäft seines Vaters Wilhelm für Fahrräder, Nähmaschinen und Waffen in der Borriesstr. 1a weiter. Es wurde der Haupttreffpunkt von Widerstandskämpfern in Bremerhaven.

Gedenkstätte Wulsdorf

Auf dem Friedhof Wulsdorf an der Weserstraße hat die Stadt Bremerhaven eine Gedenkstätte für Opfer der NS-Herrschaft eingerichtet.

„Säuberungsaktion“ im Fischereihafen

Im Seemansheim im Fischereihafen hatte die Marine-SA ihre Unterkunft. Andersdenkende, vor allem Sozialdemokraten und Kommunisten wurden vom „Rollkommando Weikensdorfer“, das aus der Polizeikaserne Jacobistraße (siehe oben) hierher umgezogen war, misshandelt. Im August 1933 mussten in einer „Säuberungsaktion“ Anhänger der kommunistischen und sozialdemokratischen Partei mit Zahnbürsten und Schrubbern Friedenslosungen entfernen.

Hermanns Hotel

Das Hotel existiert heute nicht mehr, es stand an der Ecke Löningstraße/Schleswiger Straße. Hier wurde am 8. Januar 1922 die NSDAP-Ortsgruppe Unterweser gegründet. Von 70 Anwesenden wurden 32 Mitglieder.

Bücherverbrennung

Auf dem Marktplatz (heute: Theodor-Heuss-Platz) verbrannten am 6. Mai 1933 die Nationalsozialisten marxistische Bücher, Symbole, Fahnen und Flugblätter, die sie in den Gewerkschaftshäusern vorgefunden hatten. Die NS-Organisationen marschierten mit Fahnen auf, eine Kapelle spielte. Am 8. Mai schrieb die Nordwestdeutsche Zeitung: „Lustig prasselte die Glut, und immer höher lodersten die Flammen gegen den nachtdunklen Himmel.“ Diese „Aktion wider den undeutschen Geist“ fand in vielen Städten Deutschlands statt, sie wurde vor allem von der Deutschen Studentenschaft organisiert.[5]

Hansestadt Bremisches Amt – Polizeihaus

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Hansestadt Bremisches Amt – um 1900

Das Hansestadt Bremische Amt stand auf dem Platz, der später bis 2003 Stadtbad war (neben dem Stadttheater). Das war der Hauptsitz der Bremerhavener Polizei. Auch dort wurden von der politischen Polizei „Vernehmungen“ durchgeführt.

Das Gespensterschiff

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Gedenktafel „Gespensterschiff“ am Alten Hafen

Auf dem „Gespensterschiff“ wurden vom Frühjahr bis zum Oktober 1933 Folterungsmethoden angewandt, um von Gefangenen Geständnisse zu erpressen.

Haus der Metallarbeitergewerkschaft

Die Metallarbeitergewerkschaft hatte ihren Sitz im Haus Ecke Grazer Straße/Sonnenstraße. In ihr waren viele Werftarbeiter Mitglied. Sie beteiligte sich am Widerstand gegen die Nationalsozialisten, deshalb war das Haus oft Ziel von Durchsuchungen und Zerstörungen.

Die „Rudelsburg“

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Die „Rudelsburg“ war ein SA-Vereinslokal in der NS-Zeit

An der Ecke Pestalozzistraße/Goethestraße gibt es ein Lokal, das in der NS-Zeit das Vereinslokal der SA war.

Gestapo, Lange Straße

Die Gestapo (Geheime Staatspolizei) entstand Mitte der 1930er Jahre aus der Politischen Polizei. Sie hatte ihren Sitz in der Langen Straße, heute ist dort das Eichamt Bremerhaven untergebracht.

Literatur

  • Melf Grantz & Dieter Bijsterveld, Antifaschistische Stadtrundfahrt, Stätten faschistischer Verfolgung und des antifaschistischen Widerstandes in Bremerhaven, 1983 (enthält auch einen Historischen Überblick und die Kapitel Widerstand und Verfolgung (allgemein), Einzelschicksal des Bremerhavener Widerstandskämpfers Georg Müller sowie Judenverfolgung an der Unterweser)
  • Burchard Scheper, Die jüngere Geschichte der Stadt Bremerhaven, 1977
  • Wolfgang Wippermann, Aufstieg und Machtergreifung der NSDAP in Bremerhaven und Wesermünde, Sonderdruck aus dem Jahrbuch 57, Heimatbund Männer vom Morgenstern, Bremerhaven 1978

Einzelnachweise

  1. Auf dieser Internetseite gibt es weitere Informationen über das Rollkommando Weikensdorfer (Memento vom 10. Dezember 2008 im Internet Archive)
  2. Text auf der Info-Tafel am Eingang des israelitischen Friedhofs in Bremerhaven (Kreuzburgerstraße):"Seit 1731 lebten nachweislich Juden in Lehe. Der israelitische Friedhof wurde erstmals in der um 1765 entstandenen 'Kurhannoverschen Landesaufnahme' unter der Bezeichnung 'Juden-Kirchhoff' erwähnt und ist damit der älteste erhaltene Friedhof auf Bremerhavener Stadtgebiet. Wie damals bei jüdischen Friedhöfen üblich, wurde er außerhalb Lehes auf freier Flur angelegt. Zu erreichen war er über eine 280 Meter lange Allee von der Spadener Straße aus. Die wirtschaftliche Entwicklung durch die Gründung Bremerhavens, 1827, führte zu einem Aufschwung der israelitischen Gemeinde; 1933 gehörten ihr mehr als 300 Menschen an. Mit dem Zuwachs an jüdischen Mitbürgern wurde der Friedhof mehrfach vergrößert und 1925 ein repräsentativer Andachtsraum errichtet. Nach jüdischen Religionsvorschriften genießen die Toten ewiges Ruherecht. Grabstätten dürfen deshalb nicht neu belegt werden. Da nach jüdischem Glauben mit dem Tod kein Geld verdient werden darf, war der 1861 gegründete ehrenamtliche 'Beerdigungs- und Wohltätigkeitesverein' ('Chewra Kaddischa'), dem viele Gemeindeglieder angehörten, für Bestattungen und Friedhofsbetrieb zuständig. Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren schlichte Grabsteine und kein Blumenschmuck üblich. Die allmähliche Anpassung der deutschen Juden an ihre Umgebung zeigt sich auch auf diesem Friedhof: Während die ältesten Grabsteine ausschließlich hebräische Inschriften aufweisen, wurden später hebräische und deutsche Texte gleichzeitig und seit Beginn dieses Jahrhunderts nur noch deutsche Texte verwendet. Der nationalsozialistische Völkermord an den Juden ist auf diesem Friedhof mittelbar dadurch ablesbar, daß mit Beginn der 40er Jahre der Friedhofsbetrieb plötzlich abbrach und bis heute nur noch wenige Bestattungen erfolgten. Nach dem Kriege konnte sich keine jüdische Gemeinde mehr um diesen kultischen Ort kümmern. 1953 übernahm das Gartenbauamt die Pflege des durch Bomben zerstörten Friedhofes und richtete ihn an Anlehnung an die jüdische Friedhofskultur wieder her. Als Gegenleistung erhielt die Stadt Bremerhaven die noch unbelegte, östliche Hälfte des Friedhofsgeländes mit der alten Zuwegung und der Ruine des Andachtsraumes, die 1957 abgerissen wurde. Der Friedhof gehört heute der israelisitschen Gemeinde im Lande Bremen. Er ist das letzte Zeugnis der einstmals lebendigen jüdischen Kultur in Bremerhaven."
  3. Pogromnacht 1938 in Bremerhaven
  4. Grantz/Bijsterveld, S. 22–41, siehe Literatur
  5. Internetseite „Verbrannte Bücher“


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