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Annette von Droste-Hülshoff

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Annette von Droste-Hülshoff, Gemälde von Johann Joseph Sprick (1838)

Annette von Droste-Hülshoff (geb. 10. Januar 1797 auf Burg Hülshoff bei Münster als Anna Elisabeth Franzisca Adolphina Wilhelmina Ludovica Freiin von Droste zu Hülshoff; gest. 24. Mai 1848 auf der Burg Meersburg in Meersburg) war eine deutsche Schriftstellerin. Sie gilt als eine der bedeutendsten deutschen Dichterinnen.

Leben

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Annette von Droste-Hülshoff, Daguerreotypie. Eine von zwei 1845 entstandenen Fotografien der Dichterin.
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Droste-Hülshoffs Sterbezimmer in der Burg Meersburg, 2006
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Grabstein in Meersburg, 2006

Annette von Droste-Hülshoff stammte aus dem altwestfälischen, katholischen Adel. Sie wurde als Tochter von Clemens August von Droste-Hülshoff und Therese von Haxthausen am 10. Januar 1797[1][2][3] auf der westfälischen Burg Hülshoff zwischen Havixbeck und Roxel bei Münster geboren. Annette von Droste-Hülshoff führte ein zurückgezogenes und eingeengtes Leben. In ihrer Kindheit und Jugend war sie kränklich, bedingt durch ihre Frühgeburt. Außerdem war sie extrem kurzsichtig. Sie wurde in den Jahren 1812 bis 1819 von Professor Anton Matthias Sprickmann unterrichtet und gefördert. Nach dem Tod ihres Vaters 1826 wurde der Familienbesitz von ihrem Bruder Werner übernommen, sodass sie sowie ihre ältere Schwester Jenny von Droste zu Hülshoff mit ihrer Mutter auf deren Witwensitz, das Haus Rüschhaus, bei Nienberge übersiedelten.

Eine erste größere Reise führte sie 1825, ein Jahr vor dem Tod ihres Vaters, an den Rhein nach Köln, Bonn und Koblenz. In Bonn, wo ihr Vetter Clemens-August von Droste zu Hülshoff lebte, verband sie eine Freundschaft mit Sibylle Mertens-Schaaffhausen; zu deren Freundeskreis zählten außer Annette von Droste-Hülshoff Johanna und Adele Schopenhauer sowie Goethes Schwiegertochter Ottilie. In Bonn, das sie bis 1842 mehrfach besuchte, begegnete Annette von Droste-Hülshoff außerdem August Wilhelm Schlegel. Zwar stand Annette von Droste-Hülshoff in brieflichem Kontakt mit intellektuellen Zeitgenossen wie den Brüdern Grimm, sie entzog sich aber niemals den Anforderungen ihrer Familie, etwa wenn sie immer wieder als Krankenpflegerin herangezogen wurde. Da sie ständig selbst kränkelte, standen für sie ein Bruch mit der Familie oder der Versuch nie zur Debatte, durch ihre Schriftstellerei ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wohl aber sah sie ihre Berufung als Dichterin. Auch ihre Mutter erkannte dies und unterstützte ihre Tochter, indem sie beispielsweise versuchte, den Kontakt mit Christoph Bernhard Schlüter herzustellen, was aber zunächst misslang, da dieser die zugesandten Manuskripte für nicht ausreichend erachtete.

Annette von Droste-Hülshoff nahm ihre literarische Arbeit sehr ernst und war sich bewusst, große Kunst zu schaffen. Ihre Balladen wurden berühmt (Der Knabe im Moor), wie auch ihre Novelle Die Judenbuche. Ein wichtiges Dokument tiefer Religiosität ist ihr Gedichtzyklus Das geistliche Jahr, in dem aber – typisch für die Zeit – auch die Zerrissenheit des Menschen zwischen aufgeklärtem Bewusstsein und religiöser Suche gestaltet wird. Die Ausführungen in diesem Werk werden heute als biographisch erachtet, da sie über 20 Jahre an dem gesamten Zyklus arbeitete. Bedeutend für ihr literarisches Wirken waren ihre Reisen an den Bodensee, wo sie zunächst zusammen mit der Mutter ihre Schwester Jenny besuchte, die den Freiherrn Joseph von Laßberg („Sepp von Eppishusen“) geheiratet hatte, der sich mit mittelalterlicher Literatur beschäftigte.

Ab 1841 wohnte sie vorwiegend bei ihrem Schwager auf Schloss Meersburg am Bodensee, sah ihr Zuhause aber weiterhin im Rüschhaus bei Nienberge, wo unter anderem ihre Amme, die sie bis zu deren Tode pflegte, und ihre Mutter wohnten. Mit Levin Schücking verband sie seit 1837 eine Dichterfreundschaft. Er war der Sohn einer Freundin, die verstarb, als Schücking ca. 17 Jahre alt war. Durch Annette von Droste-Hülshoffs Vermittlung wurde er 1841 auf Schloss Meersburg Bibliothekar. Insbesondere unter dessen Inspiration entstand in Meersburg ein Großteil der „weltlichen“ Gedichte. Annette erwarb am 17. November 1843 ein Haus, das Fürstenhäusle, am Stadtrand inmitten der Weinberge in Meersburg. Am Nachmittag des 24. Mai 1848 verstarb Annette von Droste-Hülshoff auf Schloss Meersburg am Bodensee, vermutlich an einer schweren Lungenentzündung. Ihr Grab befindet sich auf dem Meersburger Friedhof.

Ehrungen

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Vorderseite des 20 DM-Scheins
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Büste im Garten von Burg Hülshoff, 2006
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Droste-Stein im Königslau einem Wald in der Nähe von Bökendorf, 2012

Ihre Schwester Jenny malte sie mehrmals. Eine Miniatur, die 1820 durch Jenny von Droste-Hülshoff geschaffen worden war, diente später als Vorlage für die Gestaltung der vierten Serie der 20-DM-Banknote mit ihrer berühmten Schwester.[4]

Annette von Droste-Hülshoff war zudem als Motiv auf zwei deutschen Briefmarken-Dauerserien zu sehen: ab 1961 im Rahmen der Serie Bedeutende Deutsche sowie ab 2002 im Rahmen der Serie Frauen der deutschen Geschichte.

Neben einer Zeichnung von Adele Schopenhauer aus dem Jahr 1840[4] existieren viele Gemälde von Johann Joseph Sprick (1808–1842), den sie häufiger finanziell unterstützte. Fotografisch porträtiert wurde sie von Friedrich Hundt, durch den Daguerreotypien von Annette von Droste-Hülshoff der Nachwelt erhalten blieben.[4] Bereits als Jugendliche war sie um 1818 von C. H. N. Oppermann gemalt worden.[5]

Im Garten von Burg Hülshoff befindet sich ein Denkmal von Anton Rüller und Heinrich Fleige[6] aus dem Jahr 1896.[7] Das Denkmal diente als Vorlage für eine Büste, die sich heute in der Nähe der Burg Meersburg befindet. Sie wurde kurz danach von Emil Stadelhofer gefertigt.[8]

Der Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis sowie der Droste-Preis der Stadt Meersburg wurden nach ihr benannt. Mehrere Schulen führen ihren Namen.

Im Münsteraner „Tatort“ bringen die Autoren immer wieder eine Hommage an Droste-Hülshoff unter, etwa in Folge 511 („Der dunkle Fleck“, 2002), an deren Anfang die Ballade Der Knabe im Moor gebracht wird, oder in Folge 659 („Ruhe sanft!“, 2007), in der in einer nächtlichen Friedhofsszene „Die tote Lerche“ rezitiert wird.

Der Droste-Stein im Königslau einem Wald in der Nähe von Bökendorf wurde im Jahr 1964 zur Erinnerung an Annette von Droste-Hülshoff errichtet. Der Hinweis auf den Standort der Judenbuche beruht auf einem Irrtum. Der Mord an dem Juden Soistmann Berend aus Ovenhausen am 10. Februar 1783, der die Droste zu ihrer Novelle Die Judenbuche anregte, geschah am Südhang des Berges auf dem Waldweg von Bökendorf nach Ovenhausen.

Literarische Rezeption

Sarah Kirsch[9] drückt in ihrem Gedicht Der Droste würde ich gerne Wasser reichen[10] ihre Bewunderung für die Kollegin aus, mit der sie, die „Spätgeborene“, „glucksend übers Moor“ geht, und interpretiert die Beziehung Droste-Hülshoffs zu Levin Schücking (Ihr Lewin, Beide lieben wir den Kühnen).

Werke

Literatur

  • Herbert Kraft: Annette von Droste-Hülshoff. 4. Auflage. Reinbek bei Hamburg 1998.
  • Ronald Schneider: Annette von Droste-Hülshoff. 2. vollständig neu bearbeitete Auflage. Stuttgart 1995.
  • Walter Gödden: „Sehnsucht in die Ferne“ – Reisen durch die Biedermeierzeit. Düsseldorf 1996.
  • Herbert Kraft: Annette von Droste-Hülshoff. Ein Gesellschaftsbild. 1996.
  • Doris Maurer: Annette von Droste-Hülshoff. Turm-Verlag, 1996, ISBN 3-929874-01-6.
  • Ursula Koch: Nur ein Leuchten dann und wann. Brunnen Verlag, Gießen 2001, ISBN 3-7655-1685-6.
  • Ortrun Niethammer (Hrsg.): Transformationen. Texte und Kontexte zum Abschluss der Historisch-kritischen Droste-Ausgabe. Festakt und Tagung in Münster am 6. Juli und am 13./14. Juli 2001. Aisthesis-Verlag, Bielefeld 2002, ISBN 3-89528-381-9 (=Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen. 6).
  • Gert Oberempt: Die Dichter und die Droste. Produktive Lektüre in der klassischen Moderne. Bielefeld 2002 (= Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen. 7).
  • Dieter Borchmeyer: Des Grauens Süße. Annette von Droste-Hülshoff. Hanser, München 1997.
    • Überarb. Neuaufl.: Annette von Droste-Hülshoff. Darf nur heimlich lösen mein Haar. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2003.
  • Winfried Woesler, Ulrich Wollheim (Hrsg.): Droste-Jahrbuch 5 (1999–2004). Münster 2004.
  • Ilse Pohl: Miniaturen – Über Cornelia Goethe, Adele Schopenhauer, Clara Schumann und Annette von Droste-Hülshoff. Verlag der Cornelia Goethe Akademie, 2005, ISBN 3-933800-06-4.
  • Monika Ditz, Doris Maurer: Annette von Droste-Hülshoff und ihre Freundinnen. Turm-Verlag, 2006, ISBN 3-929874-05-9.
  • Heiko Postma: „Und darf nur heimlich lösen mein Haar ...“ Über die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. jmb-Verlag, 2008, ISBN 978-3-940970-08-4.
  • Jochen Grywatsch, Winfried Woesler (Hrsg.): Droste-Jahrbuch 6, 2005/2006. Hannover 2007, ISBN 978-3-86525-066-7.
  • Aribert von Ostrowski: Droste (Second sight). Eine Ausstellung im Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde. hrsg. v. Jochen Grywatsch, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-89528-608-7.
  • Claudia Liebrand: Kreative Refakturen. Annette von Droste-Hülshoffs Texte. Freiburg 2008.
  • Jochen Grywatsch (Hrsg.): Raum. Ort. Topographien der Annette von Droste-Hülshoff. Droste-Jahrbuch 7, 2007/2008. Hannover 2009, ISBN 978-3-86525-117-6.
  • Claudia Liebrand, Irmtraud Hnilica, Thomas Wortmann (Hrsg.): Redigierte Tradition. Literaturhistorische Positionierungen Annette von Droste-Hülshoffs. Ferdinand Schoeningh, Paderborn 2010.
  • Günther Butkus, Frank Göhre (Hrsg.): So wie du mir. 19 Variationen über Die Judenbuche von Annette von Droste-Hülshoff. Bielefeld 2010, ISBN 978-3-86532-200-5.
  • Jochen Grywatsch (Hrsg.): Zimmer frei. Zehn museale Entwürfe für Annette von Droste-Hülshoff. Neue Wege der Literaturausstellung. Bielefeld 2011, ISBN 978-3-89528-869-2.
  • Jochen Grywatsch, Winfried Woesler (Hrsg.): Droste- Jahrbuch 8, 2009/2010. Hannover 2011, ISBN 978-3-86525-234-0.

Medien

  • Audio-Book: Annette von Droste-Hülshoff. HörVerlag, München 1997 (Inhalt: Walter Gödden, Nachtwandlungen. Hörspiel – Penny S. Michel liest Gedichte der Droste).
  • „Levin, lieber Junge“. Annette von Droste-Hülshoffs Briefwechsel mit Levin Schücking. Ardey-Verlag, Köln/ Münster 2000, ISBN 3-87023-119-X [Edition Nyland. zwei Audio CDs].
  • Annette von Droste-Hülshoff: Ledwina. Ein Hörfeature von Walter Gödden. Gelesen von Sabine Negulescu. Aschendorff, Münster 2007, ISBN 978-3-402-00435-7.
  • Allein mit meinem Zauberwort, Annette von Droste-Hülshoff am Bodensee. VHS-Video, SWR Landesschau 2000, SWR Media, Baden-Baden.

Einzelnachweise

  1. Biografie auf balladen.de, abgerufen am 24. Juni 2009
  2. nach anderen Quellen 12. oder 14. Januar, z.B. in der Biographie im Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren, abgerufen am 24. Juni 2009
  3. für den 14. Januar spricht ein wissenschaftlicher Aufsatz von August Schröder in den Beiträgen zur Westfälischen Familienforschung, Band 33–35, 1975–1977
  4. 4,0 4,1 4,2 lwl.org: LWL – Autorin, Zugriff am 11. November 2010
  5. lwl.org: LWL - Annette von Droste-Hülshoff - Die Autorin, Zugriff am 21. April 2012
  6. Fleige, Heinrich. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 41, Saur, München 2004, S. 140
  7. schule-bw.de: – Annette von Droste-Hülshoff in Meersburg, Zugriff am 10. November 2010
  8. suedkurier.de: Auf den Spuren eines vergessenen Künstlers, Südkurier vom 22. Januar 2009, Zugriff am 10. November 2010
  9. 1997 Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
  10. Sarah Kirsch: Zaubersprüche. München 1974, S. 42.

Weblinks

 Wikisource: Annette von Droste-Hülshoff – Quellen und Volltexte
 Commons: Annette von Droste-Hülshoff – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien


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