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Anna Werliková

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Anna Werliková (* 1968 in Haag i. OB als Solveig Kristin Kratzer) ist eine deutsche Sängerin und Regisseurin für Jüdischen Bühnengesang/ Klezmer deutsch-tschechischer sowie österreichisch-französisch-sardischer Abkunft sowie Kulturwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Judentumskunde.

Leben und künstlerisches Wirken

Familiärer Hintergrund und musikalische Einflüsse

Werliková, die ab ihrem vierten Lebensjahr 1972 mit ihrer Mutter – beeinflusst durch die Burg-Waldeck-Festivals – in München, Athen und Berlin internationale Lieder zu Gitarrenbegleitung vor Publikum sang und von den Volksmusikern Franzl Lang und Takeo Ishii in Bayern Jodel-Unterricht erhielt, absolvierte seit Mitte der 1980er Jahre in Berlin ihre musikalische Instrumentalausbildung in diversen Blockflöten, in Klavier bei Christoph Hagel und in Klassischer Konzertgitarre bei Hans-Gerhard Fey (Edition Margaux/ Verlag Neue Musik) sowie dem zeitgenössischen jüdisch-bolivianischen Komponisten Jaime Myrtenbaum Zenamon (La Paz/ Berlin).

Aufgewachsen in einer Familie von väterlicherseits im Nationalsozialismus z.T. rassisch Verfolgten ('Mischlinge'), war sie von 1987–1989 – nach ihrem Bühnendebüt mit eigenem Ensemble 1986 noch als Schülerin des Berliner musischen Erich-Hoepner-/ heute Heinz-Berggruen-Gymnasiums und Workshops bei dem Jiddisch- und Hebräisch-Bühneninterpreten Dany Bober (Israel) in Jiddischen und Hebräischen Liedern – Mitglied im Synagogenchor der Jüdischen Gemeinde West-Berlin in den Synagogen Herbartstraße unter Kantor Ralf Riess und Pestalozzistraße unter Oberkantor Estrongo Nachama mit aschkenasisch-liturgischen Werken von Louis Lewandowski. Musikalisch beeinflusst wurde sie in dieser Zeit von internationalen Interpreten Jiddischer Lieder wie Theodore Bikel, Peter Rohland, Hai & Topsy, Hana Hegerová, Gruppe Zupfgeigenhansel, Dany Bober, Jakob Lichtman & Ensemble Ja ka Scha, Manfred Lemm & Ensemble, Gruppe ESPE, Nizza Thobi, Jacques & Jossy Halland (LiLaLo), Lin Jaldati, Hélène Engel, Golda Tencer, Myriam Fuks, Chava Alberstein, Jalda Rebling, Miri Sorianu, Dany Delmin, Kapelye, The Klezmorim, The Klezmatics, von den israelisch-hebräischen Sängerinnen Esther Ofarim, Aviva Semadar, Ofra Haza und Achinoam Nini/ Noa, sowie den Instrumentalisten Schnuckenack Reinhardt, Joel Rubin, David Krakauer, Irith Gabriely und Giora Feidman, von denen sie einige auch persönlich kontaktierte und als Ausbilder gewinnen konnte.

Konzerte, Tourneen, Ausbildung

Nach Konzerten in Deutschland sowie Gastspielen im europäischen Ausland und in Israel sowie nach Jiddisch-Sprachstudien an der Maison de la Culture Yiddish/ Bibliothèque Medem 1991 in Paris und später an der Freien Universität Berlin absolvierte sie von 1994 bis 2000 in Berlin – gefördert als Stipendiatin der Gerda & Luigi Pradé Stiftung für musikalisch Hochbegabte und den Berliner Senat – eine sechsjährige klassische Gesangsausbildung in Internationalem Lied (Chanson/ Folk/ Folklore) mit Schwerpunkt Jüdisches Lied (Volkslied/ Kunstlied/ Jüdisches Musiktheater/ Israelische Populärmusik) bei Musiktheaterregisseur Armin Gröpler. Später vervollkommnete sie ihre Ausbildung in Jüdischem Bühnengesang von 2002–2004 in internationalen Meisterkursen an der Landesmusikakademie Berlin als Meisterschülerin bei Giora Feidman in Klezmer-Theorie, bei dessen Meisterschüler Helmut Eisel in Klezmer-Improvisation und bei Jiddisch-Weltstar Bente Kahan (Norwegen/ Polen) in Jiddischem Liedtheater/ Musiktheater sowie bei Daniel Kempin (Deutschland) in Jiddischem Bühnengesang.

Tradierung und Erinnerungskultur

Letzterer übergab ihr als Anerkennung ihrer Bühnenreife schließlich den Jiddischn tojtngesang (Jüdischer Todessang; 1942) des 1943 in Auschwitz ermordeten Berliner Komponisten Rosebery d'Arguto, den dessen Mithäftling, der Sänger Aleksander Kulisiewicz nach der Shoah immer wieder bei Konzerten interpretierte und den laut Kempin nur noch wenige Leute tradieren: „Zwei Menschen auf der Welt singen dieses Lied noch – einer davon bin ich“.[1]

Extern studierte Anna Werliková zudem – u.a. an der Freien Universität Berlin in den Fächern Geschichte und Judaistik – Jüdische Kulturgeschichte und Sprache wie auch Lieder aus Liturgie und Folklore des Hebräischen, des Biblischen Aramäisch sowie des Judenspanischen und beschäftigte sich auch mit ostjüdisch-chassidischen Tänzen und Tänzen des Nahen Ostens.

Musikalische Zusammenarbeit

Seit ihrem Bühnendebüt als Jiddisch-Sängerin mit eigenem Ensemble oder Instrumentalbegleitern 1987 konzertiert und gastiert Anna Werliková als Sängerin mit verschiedenen Liedprogrammen, anfangs mit ihrem interreligiös und interkulturell besetzten Klezmer Music Ensemble, später mit Instrumentalsolisten, darunter der Musiktheaterregisseur Armin Gröpler (Piano), der Kirchenmusiker Johannes Pahlitzsch (Piano/ e-piano/ Akkordeon) und dessen Berliner Rock-Pop-Soul-Band Die Neapolitanische Allianz, Andreas Schuppner (Violine) – Klezmer-Begleiter der Jiddisch-Sängerin Christiane Gröpler, der Berlin-Chansonnier Lennard Körber (Akkordeon), der Jazz-Experte Andreas Malliaris (Gitarre) – Nachfolger von Joe Kučera beim Jazz Meeting Berlin, der Komponist und Konzertgitarrist Gunther Maria Nagel (Namibia/ Deutschland) sowie nun schon lange Jahre der international gefeierte Bach-Interpret auf der Konzertgitarre, Konstantin Popov (St. Petersburg/ Berlin).

Soloauftritte bei Festivals und Festspielen

Seit 1986 wirkte und wirkt sie bei zahlreichen nationalen wie internationalen Festivals mit – darunter der Deutsche Evangelische Kirchentag, das Nice Jazz Festival Nizza, die Kreuzberger Festlichen Tage Berlin, das Lincoln Center Festival New York City/ USA, das Acco Festival of Alternative Israeli Theatre, Akkon/ Israel, die Fête de la Musique Berlin, der Ökumenische Kirchentag, die Lange Nacht der Wissenschaften Berlin-Potsdam[2], 48 Stunden Neukölln, Klezmer-Fest Berlin – sowie bei internationalen Events, Konferenzen und Festivals für Menschen- und Bürgerrechte – u.a. für die SPD Berlin, den CVJM-Nordbund e.V., Act Up New York City, Greenpeace Intl., die International Art of Living Foundation u.v.m. – wie auch zum Thema Frieden im Nahen Osten.

Internationale Gastspiele und Tourneen

Anna Werliková gab mit ihrem Ensemble oder Instrumentalsolisten ab 1989 auch internationale Gastspiele und konzertierte auf internationalen Tourneen mit Aufführungen meist Jiddischen Solo-Bühnengesangs in Europa (Deutschland/ Frankreich/ Italien/ Niederlande/ Österreich/ Polen/ Schottland/ Spanien/ Tschechien), in Israel – u.a. im Beit Daniel Center for Progressive Judaism in Tel Aviv, den USA u. – a. am Brecht Forum New York City und im Zuge des Lincoln Center Festivals im Vivian Beaumont Theatre des Lincoln Center New York City sowie in Vermont – und in Indien – u.a. an Rabindranath Thakurs Visva-Bharati-Universität in Shantiniketan/ Westbengalen und den Synagogen des Sir Jacob Sassoon Trusts in Mumbai und Pune. Weitere Auftritte mit Internationalen Chansons waren das deutschsprachige Soloprogramm Happy Birthday, Marlene! – Hommage to a great Berliner (Hollaender-Chansons der 1920er und 1930er Jahre mit Akkordeonist Lennard Körber) anlässlich des hundertsten Geburtstages des Weltstars aus Berlin, Marlene Dietrich, sowie Darbietungen mit französischen Chansons von Edith Piaf mit Pianist Armin Gröpler im Berliner Künstlerhaus Bethanien.

Feste Auftrittsadressen

Zu Werlikovás festen Auftrittsadressen in Berlin gehören seit 1994 das Künstlerhaus Bethanien, die Institute für Arabistik, für Judaistik[3] und für Geschichte der Medizin der Freien Universität Berlin, die sie regelmäßig u.a. für die Lange Nacht der Wissenschaften Berlin-Potsdam einladen; auch konzertiert und gastiert sie in und für Gedenkstätten der Verfolgung im Nationalsozialismus, wie dem Berliner Gemeindezentrum Plötzensee, den Stolpersteinen Berlin, der Mahn-und Gedenkstätte des KZ-Berlin-Lichterfelde (Aussenlager des KZ Sachsenhausen) und der Mahn- und Gedenkstätte KZ Auschwitz-Birkenau/ Polen.

Theatermitwirkung

In der Spielzeit 1995/1996 wirkte Werliková an der professionell betriebenen privaten „Freien Bühne Witzleben“, Berlin-Charlottenburg unter der Regie von Heiner Neumann in Büchners Woyzeck, sowie in der Spielzeit 1996/97 in Goethes Urfaust mit - in der Hauptrolle des 'Gretchen' Julia Jentsch, bekannt u.a. als Sophie Scholl – Die letzten Tage.

Kulturjournalismus und Wissenschaft

Anna Werliková war unter ihrem bürgerlichen Mädchennamen Solveig (Kristin) Kratzer seit 1980 zudem als Kulturjournalistin (u.a. das letzte Interview vor dem Tod der Sängerin Jossy Halland mit dem Jiddisch-Kabarett LiLaLo aus Amsterdam), Bildende Künstlerin und Kulturwissenschaftlerin im Bereich Minderheitenforschung, Schwerpunkt Judentumskunde tätig.

Privat

Seit 2006 ist Anna Werliková mit dem Kunsthistoriker und Synagogenforscher Harold Hammer-Schenk verheiratet, ihr bürgerlicher Name lautet daher Solveig Hammer-Schenk; zusammen haben sie ein Kind[4] und leben als Familie in Berlin[5].

Auftragsarbeiten (Konzept, Regie, Gesang) in Auswahl

  • 8.–10. November 1988: Gedenken an die Pogromnacht für Chöre, Orchester und Solisten (u.a. mit Esther Kaiser und Finn Wiesner; Erich-Hoepner-Oberschule [heute: Heinz-Berggruen-Gymnasium Berlin-Charlottenburg) – Konzept, Regie und Gesang: Anna Werliková, in Zusammenarbeit mit Michael Pabel und Hartmut Hübner – Lichtdesign: Peter Messinger
  • 7.–11. Juni 1989: Gedenken an Plötzensee im Rahmen des 23. Dt. Evangelischen Kirchentages (Gemeindezentrum Plötzensee), Konzept, Regie und Gesang: Anna Werliková
  • 1995: The Oriental Garden Festival I – Israel meets Palestine (Institut für Arabistik der FU Berlin) – Konzept, Regie und Gesang: Anna Werliková, in Zusammenarbeit mit Johannes Pahlitzsch
  • 1996: The Oriental Garden Festival II – Palestine meets Israel (Institut für Arabistik der FU Berlin) – Konzept, Regie und Gesang: Anna Werliková, in Zusammenarbeit mit Johannes Pahlitzsch
  • 2006: Einführung in Jiddische Lieder – Ein Lehrkonzert zum Mitmachen[6] (Institut für Judaistik der FU Berlin auf der Langen Nacht der Wissenschaften Berlin-Potsdam)
  • 2007: un' dos entlein kwakt un' kwakt – Jiddische Kinderlieder[7] (Institut für Judaistik der FU Berlin auf der Langen Nacht der Wissenschaften Berlin-Potsdam)
  • 2007: Von Königin Shabbat zur New Yorker Näherin – Die Frau im Jiddischen Lied[8] (Institut für Judaistik der FU Berlin auf der Langen Nacht der Wissenschaften Berlin-Potsdam)

u.v.m.

Internationale Festivalteilnahme (Auswahl)

Internationale Projektteilnahme (Auswahl)

  • seit 1986: CVJM-Nordbund-Friedensnetz-Treffen Osnabrück/ Deutschland
  • seit 1993: Netzwerk Friedenskooperative - Naher Osten, Israel/ Palästina
  • 2003: Greenpeace-No War-Aktion bei der Montagsdemo am Pariser Platz Berlin/ Deutschland
  • 2008ff.: Stolpersteine Berlin/ Deutschland
  • 2013: Unsere Vielfalt, Berlin/ Deutschland
  • 2013: 75 Jahre Pogromnacht - Erinnern. Gedenken. Mitgehen. (Offizielle Gedenkveranstaltung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und des Erzbistums Berlin), Auschwitz-Berlin
  • 2014: International Canaan Conference, Berlin/ Deutschland

u.v.m.

Internationale Auftrittsreferenzen (Auswahl)

Themenbezogene Sologesangsprogramme

  • Sing-she mir a lidele in Idish - Einführung in Jiddische Lieder
  • Der jüdische Festkreis und seine Lieder
  • In welchn shtot, in welchn hojs - Jiddische Lieder aus dem Schtetl
  • Chassidische Lieder
  • Shtejt s'ch dort in gessale - Das jüdische Haus im jiddischen Lied
  • Von Königin Shabbat zur New Yorker Näherin - Die Frau im Jiddischen Lied
  • Un' dos entlajn kwakt un' kwakt - Jiddische Kinderlieder
  • Hop, majne homntashn - Die koschere Küche im jiddischen Lied
  • Liebe und Leid im jiddischen Lied
  • Hemerl, hemerl, klop - Jiddische Handwerkerlieder
  • 'ch hob gehert sogn - Jiddische Lieder aus Verfolgung, Ghetto und Widerstand
  • Brenen sol Kolumbuses medine! - Jiddische Auswandererlieder aus USA und Israel
  • Schiru! - Singt! - Hebräische Lieder (nach der Kompilation von Daniel Kempin)
  • Triste estaba el rey David - Judenspanische Romanzen

Diskographie

  • Gedenken an die Pogromnacht Konzert für Chöre, Orchester und Solisten. Konzept, Regie und Gesang: Anna Werliková, in Zusammenarbeit mit Michael Pabel und Hartmut Hübner (1988; MC)
  • 'ch hob gehert sogn. Jiddische Lieder aus Verfolgung, Ghetto und Widerstand. Édition ASOY (mit Gunther Maria Nagel, Konzertgitarre) (2002; CD)

Filmografie (Musikfilme)

Theaterrollen (Sprechtheater)

Interviews (Print/ Video)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Jens Höhner: Mit dem moralischen Zeigefinger. Mazl un Shlamazl: Daniel Kempin singt jiddische Lieder vom Glück und Unglück. In: Westdeutsche Zeitung, 11. November 1995
  2. Lange Nacht der Wissenschaften Berlin-Potsdam 2006: 72. Kulturelle, literarische und religiöse Grenzbeziehungen zwischen Juden und Christen sowie Juden und Moslems / Institut für Judaistik der FU Berlin
  3. Lange Nacht der Wissenschaften Berlin-Potsdam 2006: 72. Kulturelle, literarische und religiöse Grenzbeziehungen zwischen Juden und Christen sowie Juden und Moslems / Institut für Judaistik der FU Berlin
  4. Schlangestehen für Rembrandt. In: Die Welt, 4. August 2006
  5. Sofia Shteingold: Eine Jiddisch-Sängerin in Berlin – Leute aus aller Welt erzählen über sich. In: Inlaender – Zeitung für Verständigung & Integration, Nr. 19, Juni 2008, S. 14
  6. Lange Nacht der Wissenschaften Berlin-Potsdam 2006: 72. Kulturelle, literarische und religiöse Grenzbeziehungen zwischen Juden und Christen sowie Juden und Moslems / Institut für Judaistik der FU Berlin
  7. Lange Nacht der Wissenschaften Berlin-Potsdam 2007: Jüdische Frauen – Frauen im Judentum / Institut für Judaistik der FU Berlin
  8. Lange Nacht der Wissenschaften Berlin-Potsdam 2007: Jüdische Frauen – Frauen im Judentum / Institut für Judaistik der FU Berlin


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