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Anna Lindh

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Anna Lindh, 1995
Grab von Anna Lindh an der Katarina kyrka (Stockholm)
Anna Lindh Memorial am Medborgarplatsen (Stockholm)

Ylva Anna Maria Lindh (geb. 19. Juni 1957 in Enskede, Stockholm; gest. 11. September 2003 in Stockholm) war eine schwedische Politikerin (SAP).

Karriere

Anna Lindh wurde im Stockholmer Arbeitervorort Enskede geboren. Im Jahre 1982 schloss sie ihr Jurastudium ab. Von 1984 bis 1990 führte sie die sozialdemokratische Jugendorganisation. Seit 1982 im schwedischen Reichstag, fungierte sie ab 1990 als Kulturdezernentin von Stockholm.

Ministerin

1994 begann im Umweltministerium ihre Arbeit als Regierungsmitglied. 1998 wurde sie Außenministerin in der Regierung von Ministerpräsident Göran Persson und war, wegen ihrer Kompetenz und Popularität, als dessen einstmalige Nachfolgerin im Gespräch. Im ersten Halbjahr 2001 machte sie sich mit ihrer professionellen Amtsführung als Präsidentin des Rats der Europäischen Union auch international einen Namen.

Des Weiteren wurde sie durch ihr Eintreten für palästinensische Flüchtlingslager sowie durch ihre Kritik am Krieg 2003 gegen den Irak als Völkerrechtsbruch bekannt. Zuletzt setzte sie sich im Vorfeld eines Referendums für die Einführung des Euros in Schweden ein.

Ermordung

Anna Lindh hatte keine Leibwächter bei sich, als sie am Nachmittag des 10. September 2003 in der Damenabteilung des Stockholmer Kaufhauses NK das Opfer eines Messerattentats wurde. Trotz intensiver ärztlicher Bemühungen führten die inneren Blutungen am darauffolgenden frühen Morgen zu ihrem Tod. Sie hinterließ ihren Ehemann, den früheren schwedischen Innenminister Bo Holmberg, und zwei Söhne.

Bereits kurz nach dem Mord und nach intensiver Suche nach einem Verdächtigen im schwedischen Neonazimilieu wurde der zu diesem Zeitpunkt 25-jährige Mijailo Mijailović festgenommen, ein Schwede serbischer Abstammung (Untersuchungshaft ab dem 24. September 2003). Nach langem Leugnen der Tat gab er am 7. Januar 2004 zu, der Täter zu sein; genauere Angaben machte er bzw. sein Anwalt zunächst jedoch nicht. Ein politisches Motiv wird nunmehr – entgegen früheren Annahmen – allerdings nicht mehr vermutet. Zumindest aber wird Mijailovic von seinem Anwalt als geistig verwirrt dargestellt. Es wird behauptet, er habe bereits vor dem Attentat um psychiatrische Hilfe nachgesucht, die ihm aber verwehrt worden sei. Mijailovic selbst behauptete, er habe Frau Lindh nicht töten wollen, innere Stimmen hätten ihm die Tat befohlen. Ein psychiatrisches Gutachten Mitte Januar 2004 bescheinigte ihm volle Schuldfähigkeit. Am 23. März 2004 wurde Mijailo Mijailovic vom Stockholmer Amtsgericht zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht erkannte keine mildernden Umstände an. Am 8. Juli 2004 hob das Stockholmer Oberlandesgericht in einem Berufungsverfahren das Urteil aus erster Instanz auf: Aufgrund seiner „schweren psychischen Probleme“ verfügte das Gericht die Einweisung des Mörders in eine geschlossene psychiatrische Anstalt.

Anfang Dezember 2004 hat der Oberste Gerichtshof in Stockholm im dritten und letzten Prozess um den Mord endgültig sein Urteil gesprochen. Das Gericht stellte fest, Mijailo Mijailovic habe die Tat vorsätzlich begangen und mildernde Umstände lägen nicht vor. Der Angeklagte wird daher lebenslang inhaftiert.

Nach dem Attentat auf Olof Palme vom 28. Februar 1986 war Anna Lindh eine weitere prominente Persönlichkeit der schwedischen Politik, die einem Mordanschlag zum Opfer fiel. Im Gegensatz zur Ermordung Palmes war diesmal den Ermittlungsbehörden jedoch Erfolg beschieden. Der gewaltsame Tod der beliebten Politikerin führte in Schweden dazu, dass die Utopie einer „freien Gesellschaft“, in der z. B. Politiker ein sehr bürgernahes Leben führen, zunehmend in Frage gestellt wurde. Eine erste direkte Folge war, dass die Anzahl der Politiker, die vom nationalen Sicherheitsdienst beschützt werden sollen, vergrößert wurde.

2005 wurde ihr zu Ehren die Anna-Lindh-Stiftung gegründet.[1]

Literatur

  • Olle Svenning: Anna Lindh – en minnesbok. Norstedt Verlag, Stockholm 2003, ISBN 91-1-301315-7 (schwedisch)

Weblinks

 Commons: Anna Lindh – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
  • Anna Lindh. In: FemBio. Frauen-Biographieforschung. (inkl. Literaturangaben und Zitaten)

Einzelnachweise

  1. http://www.goethe.de/ges/pok/prj/ans/deindex.htm Goethe-Institut Anna-Lindh Stiftung


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Anna Lindh aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.