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Anlage 1391

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Anlage 1391 bzw. Facility 1391 ist ein Militärgefängnis für "Hochrisikogefangene" in Israel. Sein Standort wurde jahrelang von israelischen Behörden mit hohem Aufwand geheim gehalten. Es existieren zahlreiche Zeugenaussagen und Hinweise zu Menschenrechtsverletzungen in der Anlage.

Lage

Das Gefängnis liegt südwestlich von Kafr-Qara, wenige Kilometer von der Kreuzung der beiden Schnellstraßen 65 und 6 entfernt. Die nächste größere Stadt ist Pardes Hanna-Karkur.

Geschichte

Die Verhaftungen im Zuge der Operation Schutzwall veranlassten HaMoked im Oktober 2002 per Gericht die Behörden zu zwingen, ihre Klienten Haftrichtern vorzuführen und deren Aufenthaltsort bekanntzugeben. Amtlich bestätigt wurde dabei auch eine Anlage Barak; vermutet wird eine Weitere bei Tel Aviv namens Sarafend. Obwohl im Dezember 2003 das Oberste Gericht Israels entschied, dass die Regierung Informationen über die Lage von Anlage 1391 herausgeben müsse[1], blieb der Standort bis Mitte 2004 ein Geheimnis. Der israelische Historiker Gad Kroizer stieß in diesem Jahr auf eine 70 Jahre alte Karte, auf der 62 Polizeiposten aus der britischen Mandatszeit verzeichnet waren. Ein verzeichneter Posten namens Meretz fehlte auf allen modernen israelischen Karten. Im März 2004 veröffentlichte Kroizer einen Artikel in einer akademischen Zeitschrift, in dem er seine Annahme äußerte, bei Meretz handle es sich um Anlage 1391. Daraufhin bekam die Redaktion des Magazins einen Anruf vom Militär, weshalb der Artikel nicht zur Zensur vorgelegt worden war.[2] Die Geheimhaltung wird damit begründet, „Schaden von der Sicherheit des Landes abzuwenden“. Hinweise auf Landkarten und Luftaufnahmen wurden entfernt.[3] Einige Inhaftierte wurden zu Verwandtenbesuchen in das nahe gelegene Haifa gefahren. Die Anlage ist unter der Kontrolle einer Einheit des Aman und löste in ihrer Funktion vermutlich in den 1970er-Jahren den alten Militärposten in Gedera bei Tel Aviv ab.

Inhaftierte

Nach Aussagen ehemaliger Inhaftierter wie Mustafa Dirani (Amal-Miliz) handelt es sich überwiegend um Gefangene aus der 18-jährigen Besetzungszeit des Südlibanon (Operation Litani). Bis zur Operation Schutzwall (israelischer Einmarsch ins Westjordanland, April 2002) befanden sich in dem Verhörzentrum vermutlich überwiegend Ausländer wie Jordanier, Libanesen, Syrer, Ägypter und Iraner, darunter Abdel Karim Obeid (Hisbollah). Später waren es Palästinenser wie Marwan Barghuthi, Generalsekretär der Fatah. Vorübergehend Verhaftete unterlagen dem Schin Bet, dem auch die Verhöre in normalen Gefangenenzentren unterliegen; Ausländer wurden von der Einheit 504 des Aman (Militärgeheimdienst) befragt.

Menschenrechtsverletzungen

Die schwedische Sektion der International Commission of Jurists brachte den Fall 2003 wegen Verstoßes gegen Beschlüsse der UN-Generalversammlung (Resolution 43/173 von 1988[4]) und die Genfer Konvention III vor den Obersten Gerichtshof in Jerusalem. Danach ist den Inhaftierten, die zu 68 % der Folter unterzogen werden, der Zugang zu Anwälten und das Wissen um den Ort des Aufenthalts verwehrt, Familienkontakt nur selten möglich. [5] Es gibt fensterlose Isolationshaft in kleinen Zellen mit Dauerbeleuchtung, was als mentale Folter gilt und zum DDD-Syndrom führt.

Quellen

  1. Israel court lifts prison secrecy. BBC News, 2. Dezember 2003, abgerufen am 13. Februar 2013.
  2. SECRETS OF UNIT 1391. Newsweek Magazine, 27. Juni 2004, archiviert vom Original am 16. August 2011, abgerufen am 13. Februar 2013.
  3. Le Monde diplomatique, 21. November 2003
  4. http://www.un.org/documents/ga/res/43/a43r173.htm
  5. “FACILITY 1391” – a secret prison (PDF-Datei; 231 kB) Hamoked 2005
32.46944444444435.023611111111


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