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Anastazy Jakub Pankiewicz

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Anastazy Jakub Pankiewicz

Anastazy Jakub Pankiewicz OFM (* 9. Juli 1882 als Jakub Pankiewicz in Nagórzany, Polen; † vermutlich 20. Mai 1942 bei Linz, Österreich) war ein polnischer Franziskanerpater, der vom deutschen NS-Regime umgebracht wurde. Er wird in der katholischen Kirche als Märtyrer und Seliger verehrt.

Leben

Jakub Pan­kie­wicz wuchs in einer kin­der­rei­chen Bau­ern­fa­mi­lie im Dorf Nagórzany (Gemeinde Bukowsko) auf. Nach­ der Grund­schule in sei­nem Hei­mat­dorf besuchte er von 1896 bis 1899 die Gym­na­sien in Sanok und Lwiw (Lemberg). Im Alter von sieb­zehn Jah­ren trat Jakub dem Orden der Fran­zis­ka­ner­ob­ser­van­ten (OFM) bei, am 2. Februar 1901 empfing er das erste Weihesakrament. Danach setzte er seine Aus­bil­dung am Gym­na­sium von Przemyśl fort. Anschließend studierte er von 1902 bis 1904 Philosophie im Kon­vent des Heiligen Kasi­mir in Krakau, danach bis 1906 Theologie im Kloster des Heiligen Andreas in Lemberg.[1]

Anlässlich seines Ordensgelübdes erhielt Jakub Pan­kie­wicz 1904 den Namen „Ana­st­a­sius“ (pol­nisch Ana­stazy). Nach seiner Priesterweihe am 1. Juli 1906 nahm er seine Arbeit als Prediger und Beichtvater im Klos­ter von Wieliczka auf. Von 1908 bis 1911 hatte er das Amt des Novizenmeisters in Włocławek inne, anschließend wirkte er als Erzieher der Kleriker am Konvent des Heiligen Andreas in Lemberg, später als Kaplan bei den Bernhardiner-Schwestern in Krakau. Während des Ersten Weltkriegs betreute Pankiewicz als Mili­tär­seel­sor­ger im Rang eines Kapi­täns polnische Soldaten in Ungarn. Nach dem Krieg war er bis 1930 Prior am Kloster des Heiligen Bernhardin von Siena in Krakau.[1]

Im Jahr 1930 erwarb Pankiewicz ein Grundstück in Łódź, um dort eine Schule, eine Kirche und ein Kloster zu errichten. 1932 entstand – mit finanzieller Unterstützung polnischer Gläubiger aus Kanada – das Kloster, dessen erster Prior er wurde. Im September 1936 nahm er drei Frauen in den Dritten Orden des Heiligen Franziskus auf und begründete damit den Orden der Antonius-Schwestern von Christus, dem König (polnisch: Siostry Antonianki od Chrystusa Króla). Ein Jahr später wurde ein weiteres großes Gebäude errichtet, in welches das neue Gymnasium des Heiligen Antonius einzog. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges und der Annexion der Region um Łódź durch das nationalsozialistische Deutschland wurde Pankiewicz die Möglichkeit genommen, die Schule weiterzuführen.[1]

Deportation und Tod

Am 2. Februar 1940 musste Pankiewicz das Schulgebäude verlassen. Als die deutschen Besatzer die Kirche übernahmen, um sie als Scheune zu nutzen, fand er beim Leiter des örtlichen Friedhofs ein Obdach. Am 1. April 1940 wurde Pankiewicz festgenommen und im Untersuchungsgefängnis in Łódź inhaftiert, 17 Tage später wurde er wieder freigelassen. Am 6. Oktober 1941 wurde er erneut verhaftet und nach kurzer Unterbringung in einem Lager in Kon­stan­tynów in das KZ Dachau deportiert. Dort musste er den Habit endgültig ablegen und eine Baracke im Priesterblock beziehen.[1]

Am 18. Mai 1942 wurde der inzwischen 60-jährige Pankiewicz, nachdem er als nicht mehr arbeitsfähig eingestuft worden war, für einen Invalidentransport in die Tötungsanstalt Hartheim selektiert, um dort vergast zu werden. Augenzeugenberichten zufolge geschah am 20. Mai 1942,[2] dem Tag des Transportes, Folgendes: Als einer der letzten, die das bereits mit 60 Gefangenen beladene Transportfahrzeug besteigen mussten, streckte er die Hände aus, um einem Mitgefangenen zu helfen. Als die SS-Männer in diesem Moment die schwere Eisentür des Fahrzeugs zuschlugen, wurden ihm beide Hände abgetrennt. Vermutlich verblutete Pankiewicz während des Transports; sollte er die schweren Verletzungen überlebt haben, wäre davon auszugehen, dass er bei der Ankunft in Hartheim sofort vergast wurde. Aus diesem Grunde wird der 20. Mai 1942 als Todesdatum angenommen,[2][1][3] andere Quellen nennen den 20. April 1942.[4][5][6] Die Leichname der Ermordeten wurden im Krematorium des Lagers verbrannt, die Asche wurde in einem Grab vor der heu­ti­gen Gedenk­stätte Schloss Hart­heim bestattet. In seinem Geburtsort Nagórzany erinnert heute ein Gedenkstein an Anastazy Jakub Pankiewicz.

Anastazy Jakub Pankiewicz wurde später als Mär­ty­rer aner­kannt und am 13. Juni 1999 zusam­men mit 107 wei­te­ren polnischen Märtyrern des deutschen Besatzungsregimes in Warschau von Papst Johannes Paul II. seliggespro­chen. Als Gedenktag wurde der 20. April festgelegt.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 P. Jakub Pankiewicz. In: Die Seli­gen des KZ Dachau. Abgerufen am 28. Juni 2016.
  2. 2,0 2,1 Założyciel. In: Orden der Anto­ni­us­schwes­tern von Chris­tus dem König. Abgerufen am 28. Juni 2016 (polnisch).
  3. BEATOS ANASTASIO PANKIEWICZ Y COMPAÑEROS, MÁRTIRES DE POLONIA († 1940-43). In: Directorio Franciscanos. Abgerufen am 28. Juni 2016 (spanisch).
  4. Britta Dörre: Häftlingsnummer 28176, Block 28/4, KZ Dachau. Pater Anastasius Pankiewicz OFM (1882-1942). In: Zenit.org. 20. April 2015, abgerufen am 28. Juni 2016.
  5. Fabio Arduino: Blessed Anastazy Jakub Pankiewicz, April 20. In: The Black Cordelias. Abgerufen am 28. Juni 2016 (englisch).
  6. Fabio Arduino: Beato Anastasio Giacomo (Anastazy Jakub) Pankiewicz. Abgerufen am 28. Juni 2016 (italienisch).

Weblinks

 Commons: Anastazy Pankiewicz – Sammlung von Bildern


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