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Amy Bollag

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Amy Bollag

Amy Bollag (geb. 1924 in Baden in der Schweiz), Schweizer Illustrator und Kolumnist

Leben

(im Februar 2018 erschien anlässlich seines Rückzugs ins Privatleben im tachles folgendes Porträt:)

Der Illustrator und Kolumnist Amy Bollag zieht sich mit 93 Jahren langsam aus dem Berufsleben zurück – sein Werk stellt eine einzigartige Chronik dar.

Sein Leben dokumentierte Amy Bollag in seinen Illustrationen, mit denen er in der Schweiz einen grossen Bekanntheitsgrad erreichte. Bollag wurde am 12. Juli 1924 an der Burgstrasse in Baden geboren. Er schrieb und illustrierte über mehr als ein halbes Jahrhundert hinweg für verschiedene Schweizer Zeitungen. Heute ist Amy Bollag 93 Jahre alt und reduziert angesichts seines hohen Alters das Illustrieren und Schreiben seiner Kolumnen. Ende des letzten Jahres verabschiedete sich der Kolumnist und Zeichner vom «Einsiedler Anzeiger», womit eine langjährige Zusammenarbeit ihren Abschluss findet und mit ihr die Geschichten vom «Wiesel». Genau 34 Jahre hat Bollag jede Woche eine Geschichte seiner Comicfigur entworfen. In all den Jahren sind 1650 Wiesel im «Einsiedler Anzeiger» erschienen. Er habe Mühe mit den Augen, und könne dem Wiesel nur noch schwer sein Gesicht geben, äussert Bollag in einem Interview mit der Zeitung. Deshalb würde er sich nun zurückziehen, und seine Leserinnen und Leser könnten sich nun an die Zeit erinnern, als er mit dem Zeichnen und dem Schreiben seiner Kolumnen begonnen hatte.

Porträt einer Schweizer Kleinstadt

Auch weiss Bollag viele Geschichten über Baden zu erzählen. Schon als kleiner Junge spielte er auf den Strassen seiner Heimatstadt, als noch wenige Motorfahrzeuge, sondern vielmehr Pferdefuhrwerke die Stadt passierten. Die Wurzeln reichen tief; bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zog sein Urgrossvater mitsamt Familie von Endingen nach Baden. Doch anders als den Deutschen oder den Italienern wurde ihnen der Status als «Badener» verwehrt. Seine Mutter stammte aus Frankfurt, und ihre Ankunft in der Kleinstadt war für die damalige Bevölkerung eine Art Sensation. Auch im Baden der 1930er-Jahre verspürte man einen gewissen Antijudaismus. Als Neunjähriger musste sich Bollag üble Sprüche über die Juden anhören; in einer seiner Kolumnen des Badener Tagblatts über den dicken Knechtli beschreibt Bollag diese Zeit folgendermassen: «Wir Kinder fielen nur am Samstag auf, da wir schon am Tag vor Sonntag sonntäglich gekleidet waren. Die Hebräer haben es halt schön, man weiss ja, wo das Geld hockt, war das Mindeste, was wir Kleinen so mitbekamen.» Dazumal habe besagter Herr Knechtli, ein stattlicher Herr von 40 Jahren, die Kinder regelmässig mit Ausdrücken wie «Schmarotzerkinder» und «Faulenzer» drangsaliert. Schon damals bekam Bollag zu spüren, wie es um die Sympathie während der Kriegsjahre den Juden gegenüber stand. Um seine Verwandten im benachbarten Deutschland besuchen zu können, musste die Familie Demütigungen in Kauf nehmen und miterleben, wie erbarmungslos schliesslich der Gailinger Rabbiner und weitere Mitglieder der jüdischen Gemeinde und der Familie seiner Mutter aus Deutschland nach Auschwitz deportiert wurden.

So offenbart Bollag seit geraumer Zeit im «Badener Tagblatt» manchmal traurige, manchmal fröhliche, aber immer interessante Einblicke in das Leben einer jüdischen Familie in einer Schweizer Kleinstadt.

Vom «Börsi» zum «Power Bauer»

Er wisse gar nicht mehr recht, für wen er alles gezeichnet habe, meinte Bollag und zählt zu seiner Liste der «Einsiedler Zeitung» und der «Aargauer Zeitung» auch die «Schweiz am Wochenende» oder das «Zürcher Tagblatt» dazu. Ausserdem schrieb und zeichnete Bollag früher für bulgarische und israelische Zeitungen, für Musik und Theater. Für die «Handelszeitung» entwarf er den «Börsi», für die Bauernzeitung den «Power Bauer». Als Inspiration beschäftigte ihn stets auch seine Zeit in der Armee, in welcher er viel mit Pferden zu tun gehabt hatte, seine Liebe zu den Tieren sowie die Religion. Nun zieht er sich mit einem positiven Resumee langsam aus seiner Arbeit als Illustrator und Kolumnist zurück und verbringt seinen wohlverdienten Ruhestand mit seiner gleichaltrigen Frau Thea in Zürich. Mit Baden und Einsiedeln verbinden ihn jedoch noch viele Erinnerungen und ein Ferienhaus, das die beiden mit ihren Kindern und Kindeskinder regelmässig besuchen.