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Amtliche Zeit

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Als amtliche Zeit, amtliche Uhrzeit, gesetzliche (Uhr-)Zeit oder offizielle (Uhr-)Zeit bezeichnet man die durch Rechtssetzung vorgeschriebene verbindliche Zeitmessung und Angabe der Uhrzeit. Sie heißt auch bürgerliche Zeit zur Unterscheidung von verschiedenen anderen, zum Beispiel in der Astronomie, der Navigation oder den Wissenschaften verwendeten Zeitskalen. In Mitteleuropa ist die amtliche Zeit seit Ende des 19. Jahrhunderts die Mitteleuropäische Zeit, seit 1980 in den Sommermonaten die Mitteleuropäische Sommerzeit.

Geschichtliche Übersicht

Die Einführung amtlich verordneter Zeitangaben geht in das 19. Jahrhundert zurück, als – primär wegen des Ausbaues der Bahnverbindungen – die bis dahin üblichen Ortszeiten durch ein gemeinsames, zentral erfasstes Zeitnormal (Etalon) ersetzt wurden. Damit wurde auch die Zeit in das amtliche Eich- und Vermessungswesen aufgenommen, das vorher primär für Maße und Gewichte zuständig war.

Anfangs wurde die amtliche Zeit durch akustische (wie Uhrschlag, Kanonensignale) oder optische (Zeitball u.ä.) lokal weiterverteilt (Zeitvergleich, fachlich: Disemination), später durch transportable hochgenaue geeichte Uhren für den landesweiten Uhrvergleich. Dann nutzte man zunehmend Telegraphie beziehungsweise das Telefon (Zeitansage). Seit den 1900ern gibt es funkgesteuerte Zeitsignale (Zeitzeichensender, anfangs primär für die Schifffahrt, dann auch den Luftverkehr; siehe Geschichtliche Entwicklung der Zeitübertragung per Funk), Zeitsignale wurden dann auch in Radio und Fernsehen übermittelt. Seit den 1980ern wird das amtliche Zeitsignal auch über das Internet verteilt (Zeitserver per ntp). Seit den 2000ern ist auch GPS die allgemein übliche Zeitverteilung.[1]

Bis heute ist die Ermittlung der gesetzlichen Zeit hoheitliche souveräne Aufgabe der Staaten, diese Zeiten sind aber in einem weltweiten Netzwerk harmonisiert, der Koordinierten Weltzeit (UTC).

Daneben umfasst die amtliche Zeit auch die Regelungen zur konkreten Angabe der Uhrzeit. Schon 1884 wurde eine verbindliche Weltzeit eingeführt (seinerzeit die Greenwichzeit GMT), die die vorher landesspezifischen Bezugspunkte ersetzte, und Zeitzonen geschaffen. Damit wurden die Zonenzeiten amtliche Zeiten. Zusätzlich kamen ab den 1940ern Regelungen über Normalzeit und Sommerzeit (saisonelle Zeitumstellungen). Seit 1972 wird die Universal Time (UT) auch bezüglich notwendiger Schaltsekunden weltweit als UTC harmonisiert. Die nationalen amtlichen Zeitnormale bilden dabei einen Beitrag zur Ermittlung der UTC-Zeitskala.

Liste von amtlichen Zeiten

ZS amtliche Zeitskala
Institution Zeitinstitute und andere zuständige Organisationen
NZ amtliche Normalzeit – sortiert sich nach UTC±## (genaueres siehe Liste der Zonenzeiten)
SZ saisonelle Zeitumstellungen (genaueres siehe Sommerzeit)
§§ Rechtsgrundlage
seit Gültigkeit der amtlichen Zeit seit
Quellen wichtigere Zeitdienste und Quellen des Zeitsignals(NTP)
Historisches (sortiert sich nach der ursprünglichen Einführung einer amtlichen Zeit)
Land ZS Institution NZ SZ §§ seit Quellen Historisches
weltweit UTC Bureau International des Poids et Mesures (BIPM) UTC+0 Norm: ITU-R TF.460-6 1972 Meridiankonferenz 1884: GMT, 1928: UT
OsterreichÖsterreich Österreich UTC(BEV)[2] Bundesamt für Eich- und Vermessungs­wesen (BEV) MEZ (UTC+1) * Zeit­zählungs­gesetz[3] 1976 Tel 0810 001503; bevtime1.metrologie.at[4] 1910 in Wien:[5] Universitäts­sternwarte; Urania (bis 1952)
SchweizSchweiz Schweiz UTC(CH)[6] Eidgenössisches Institut für Metrologie (METAS) MEZ (UTC+1) * Messgesetz[7] 1980[8] Tel 161; ntp.metas.ch[9] 1848 Berner Zeit, MEZ seit 1894;[10] HBG (Sender, 2011 eingest.)
DeutschlandDeutschland Deutschland UTC(PTB)[11] Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) MEZ (UTC+1) * Einheiten- und Zeitgesetz 1978 (2008) DCF77 (Sender Frankfurt);
Tel 0180 4 100100; ptbtime1.ptb.de[12]
gesetzliche Zeit seit 1893
NamibiaNamibia Namibia (NST = Namibia Standard Time) GMT+1 (UTC+1, WAT) * Namibian Time Act[13] 1994
China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China UTC(NTSC) National Time Service Center (NTSC) [14] CST[15] (UTC+8, u. a.) ? 1949 BPM (Sender Xi’an) 1912 fünf Zeitzonen; in Aufbau: Beidou Time System (BDT)
NeuseelandNeuseeland Neuseeland UTC(MSL)[16] Measurement Standards Laboratory (MSL) NZST (UTC+12, u. a.) * Time Act 1974 Radio New Zealand: PIPS, Tel; msltime1.irl.cri.nz[16] 1868 New Zealand Mean Time (NZMT, GMT+11:30), 1940/46 +12[17]
kostenpflichtig
(NTP) bei Zeitservern, deren Namen eine «1» enthalten, gibt es meist einen oder mehrere weitere Adressen; diese sind hier nicht explizit aufgeführt
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Literatur

  • Claude Audoin, Bernard Guinot: The Measurement of Time. Cambridge University Press, 2001.
  • Peter Rusterholz, Rupert R. Moser: Zeit: Zeitverständnis in Wissenschaft und Lebenswelt. Reihe Kulturhistorische Vorlesungen, Verlag Lang, 1997, ISBN 978-3-906759-07-4.

Einzelnachweise

  1. T. Schildknecht, G. Beutler, W. Gurtner, M. Rothacher: Towards sub-nanosecond GPS time transfer using geodetic processing technique. In: Proc. 4th European time and frequency forum, 1990, S. 335–346;
    P. Baeriswyl, T. Schildknecht, W. Gurtner, G. Beutler: Frequency and time transfer with geodetic GPS receivers. In: Proc.7th European time and frequency forum, 1993, S. 119–124.
  2. Zeit und Frequenz im BEV. Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (metrologie.at).
  3. Bundesgesetz vom 27. Jänner 1976 über die Zeitzählung (Zeitzählungsgesetz), StF: BGBl. Nr. 78/1976 (i.d.g.F. online, ris.bka);
    § 1. Darstellung der Maßeinheiten für die Zeit der Verordnung des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen über die Darstellungsverfahren der gesetzlichen Maßeinheiten für die Zeit und FrequenzVorlage:§§/Wartung/alt-URL Amtsblatt für das Eichwesen Doppel-Nr. 3-4/2008 (pdf, bev.gv.at).
  4. auch bevtime2.metrologie.at, time.metrologie.at
  5. per Gemeinderatsbeschluss, eine explizite gesetzliche Festlegung erfolgte nicht; davor war die Wiener Zeit im k.u.k. Eisbahnwesen verbindlich, vor 1878 aber die Prager Zeit
  6. Zeit und Frequenz, Zeitskalen, beide Eidgenössisches Institut für Metrologie (metas.ch)
  7. Bundesgesetz über das Messwesen vom 17. Juni 2011Vorlage:§§/Wartung/alt-URL, SR 941.20; SommerzeitverordnungVorlage:§§/Wartung/alt-URL (admin.ch)
  8. ein erstes Gesetz war 1978 abgelehnt worden: Schweiz, 28. Mai 1978 : Zeitgesetz, Database and Search Engine for Direct Democracy, sudd.ch
  9. Zeitübertragungsdienste, Network Time Protocol (NTP), beide metas.ch
  10. Weisung des Berner Regierungsrats vom 18. Mai 1894, per 1. Juni; dem folgte dann die ganze Schweiz; Zeitsysteme, in: Historisches Lexikon der Schweiz online.
  11. Darstellung der gesetzlichen Zeit, Koordinierte Weltzeitskala UTC, beide Physikalisch-Technische Bundesanstalt (ptb.de).
  12. ptbtime1.ptb.de, ptbtime2.ptb.de, ptbtime3.ptb.de; Zeitsynchronisation von Rechnern mit Hilfe des „Network Time Protocol“ (NTP), ptb.de.
  13. Act to differentiate the standard time of Namibia for the summer periods and winter periods; an to provide for matters incidental therto (Namibian Time Act, 1994)Vorlage:§§/Wartung/alt-URL, Act No.3, 1994, GGN Nr. 811, 4. März 1994 (pdf, parliament.gov.na).
  14. U.S. Naval Observatory: Timekeeping of NTSC in recent years (pdf, tycho.usno.navy.mil)
  15. China Standard Time; Beijing Time (北京时间)
  16. 16,0 16,1 Time and Frequency Standards Services, Measurement Standards Laboratory (msl.irl.cri.nz)
  17. Standard Time Act 1945
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