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Der amerikanische Heiratsvermittler

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Filmdaten
Deutscher TitelDer amerikanische Heiratsvermittler
OriginaltitelAmerikaner Schadchen
ProduktionslandUSA
Originalsprachejiddisch
Erscheinungsjahr1940
Länge2340,86 m (9 reels), 85 (DVD: 87) Minuten
Stab
RegieEdgar G. Ulmer
DrehbuchShirley Ulmer als S. Castle, nach Gustav H. Heimo
ProduktionEdgar G. Ulmer, Fame Films Inc.
MusikSam Morgenstern
KameraJ. Burgi Contner und Edward Hyland
SchnittHans E. Mandl
Besetzung

Außerdem:

  • Esther Adler, H. Appel, I. Arco, M. Boodkin, Charles Cohn, B. Gailing, A. Gross, Miriam Grossman, Sarah Krohner, M. Henig, M. Lerner, V. Luboff, William Mercur, Jacob Mestel, Adrienne Ulmer u. Arthur Winters

Der amerikanische Heiratsvermittler (Originaltitel: Amerikaner Schadchen; אמעריקאנער שגכן) ist der Titel eines jiddischen Tonfilms, den Edgar G. Ulmer 1940 für Fame Films Inc. nach einem Drehbuch inszenierte, das seine Ehefrau Shirley Ulmer unter dem Pseudonym S. Castle nach einer Geschichte von Gustav H. Heimo (eigentlich Gustav Horowitz, geb. am 4. Feber 1895 in Wien, gest. am 28. Feber 1986 in Kalifornien, USA, Cousin von Edgar G. Ulmer) geschrieben hatte. Die Dialoge verfasste B. Ressler. Die Hauptrolle spielte Leo Fuchs, den man in den jüdischen Theatern der Second Avenue als den »jiddischen Fred Astaire« kannte.[1] Ihm zur Seite stand Judith Abarbanel, die bereits in den jiddischen Filmen Uncle Moses (1932) und The Cantor's Son (1937) mitgewirkt hatte.[2]

Handlung

Der reiche jüdisch-amerikanische Geschäftsmann Nat Silver war schon sieben Mal verlobt und auch seine achte Verlobung ist dabei, wieder entzwei zu gehen. Schlau wie er ist, lernt er daraus, dass er es ist, der erst lernen muss, wie man eine gute Partie arrangiert, ehe er für sich selber eine geeignete Partnerin finden kann. So nimmt er einen neuen Namen an, nennt sich Nat Gold und wird ein Heiratsvermittler, auf jiddisch: ein shadkhn. Entgegen allen Traditionen startet er in sein Unternehmen -von dem er gar nichts versteht- in Morgenmantel und Plastronkrawatte, und weigert sich, für seine Dienste Geld zu nehmen, womit er die örtlichen shadkhonim gegen sich aufbringt. Der Gedanke an einen trust der Heiratsvermittler ist ihnen mindestens ebenso fremd wie es staff meetings und spektakuläre Reklame sind. In Amerikaner shadchen treffen die Sitten aus dem osteuropäischen shtetl auf verfeinerte New Yorker Lebensart und heraus kommt dabei eine romantische Komödie.[3]

Hintergrund

Die Aufnahmen entstanden in der Bronx. Das Bühnenbild entwarf William Saulter, die Innenausstattung stammte von W. Mack. Die Photographie besorgten J. Burgi Contner und Edward Hyland, die Tonaufnahmen machte Dean Cole. Dem Regisseur assistierten Anna Guskin und William Mercur . Hans E. Mandl schnitt den Film. Die Kostüme entwarfen Mme. Berthé und E. Rosenthal. Produktionsleiter war Gustav Horowitz. Die Filmmusik dirigierte Sam Morgenstern.[4] Die englischen Untertitel verfasste S. Rubinstein. Der Film war eine Produktion der Fame Films Inc. und wurde von der Fame-Pictures Distributors Inc. verliehen.[5]

“Amerikaner Shadkhn”, auf englisch The Matchmaker, wurde am 6. Mai 1940 in New York City uraufgeführt. Bis September blieb er sporadisch im Programm, jedoch ohne großen Erfolg an der Kasse.[6]

Filmmusik

Der Film enthält folgende, auf jiddisch gesungene Lieder, deren Worte William Mercur dichtete. Sie werden von Leo Fuchs vorgetragen:

  • Oj oj oj shpil [shpil mir a shtikhele] (Musik: trad.)
  • Ikh bin a shayner bocher (Musik: trad. )
  • Trink, Bruder, trink (Musik: trad. )[7]
  • Muzikalisher Tango (Musik: trad. )

An klassischer Musik werden zitiert:

Rezeption

Der Film wurde in der New York Times besprochen.[8] AMERIKANER SCHADCHEN, der 1900 spielt, zeigt einen Folgekonflikt der jüdischen Einwanderung in die USA, den Konflikt der "zweiten Generation", der Kinder mit ihren noch in Russland oder Polen geborenen Eltern.[9]

Stefan Grissemann[10] nennt Amerikaner Schadkhn Ulmers „amerikanischstes, paradoxerweise aber auch sein inhaltlich bislang persönlichstes Werk“.

Miriam Strube[11] findet, dass Amerikaner Schadkhn deutlich ein Vorläufer von Filmen wie Woody Allen’s Annie Hall gewesen sei. Denn es gehe auch darin um Fragen der jüdischen Identität: um Verantwortlichkeit, das Gefühl des Verschiedenseins von der Gesellschaft der WASPs, die intellektuelle Lebensauffassung, städtische Verhältnisse, neurotische Verunsicherung und, in Verbindung damit, das Interesse an – ebenso wie das Infragestellen der – Psychoanalyse Freuds und an Problemen der Geschlechterbeziehung. Schon der Filmtitel, meint sie, verbinde die sehr traditionelle jüdische Figur des schadchen mit amerikanischer Identität und spiele damit auf das Aufeinandertreffen von Kulturen an, dessen Folgen unausweichlich Ambivalenz und gespaltenes Bewusstsein seien. Wenn der Protagonist Nat sich nach dem Scheitern seiner achten Verlobung dazu entschließt, ein schadchen zu werden, folgt er nicht nur dem Beispiel seines Onkels Shya, der in der Alten Welt ein erfolgreicher Heiratsvermittler war, sondern modernisiert quasi das Bild dieses Berufs, amerikanisiert das Geschäft, das er betreiben will. Er legt Bart und Hut ab, wie sie die alten schadchonim trugen, kleidet sich stattdessen eher wie ein Diplomat, und sein Firmenschild weist ihn als advisor for human relations aus.

Aufführungen in neuerer Zeit

The National Center for Jewish Film brachte “Amerikaner Shadkhn” 1998 in restaurierter Fassung und mit neuen englischen Untertiteln als Bestandteil seiner Reihe The Yiddish Features of Edgar Ulmer auf DVD heraus[12] ; die restaurierte Fassung ist 2 Minuten länger als die Fassung von 1940.[13]

“Amerikaner Shadkhn” wurde am 10. August 2005 auf dem Rhode Island International Film Festival gezeigt.[14]

Mit einer Einführung durch die Co-Direktorin des National Center for Jewish Film, Lisa Rivo, wurde der Film auch auf dem Washington Jewish Film Festival (WJFF) am Sonntag, den 22.Februar 2015 um 12:30 pm im Goethe Institut Washington aufgeführt.

Literatur

  • Micha Brumlik, Ronny Loewy : Das Jiddische Kino. Verlag: Deutsches Filmmuseum, 1982. ISBN 9783887990022. Länge 120 Seiten, hier S. 7–8, 117
  • Gabriele Coen, Isotta Toso (Hrsg.) : Klezmer! la musica popolare ebraica dallo shtetl a John Zorn. Verlag: Castelvecchi, 2000. ISBN 9788882101084. Länge 230 Seiten, hier S. 123–125
  • Bill Crohn : Film Comment Edgar G. Ulmer. Published by Film Society of Lincoln Center. on line bei filmcomment.com
  • Guido Fink : Non solo Woody Allen: la tradizione ebraica nel cinema americano. (= Biblioteca Marsilio (Saggi Marsilio)). Verlag Marsilio, 2001. ISBN 9788831770743. Länge 299 Seiten, hier S. 74, 289
  • Roger Fristoe : Americaner Schadchen (1940), on line bei tcm.com
  • Stefan Grissemann : Mann im Schatten: der Filmemacher Edgar G. Ulmer. Verlag: Zsolnay, 2003. ISBN 9783552052277. Länge 394 Seiten, hier S. 93, 128, 138 ff., 142, 150, 375
  • Bernd Herzogenrath (Hrsg.) : The Films of Edgar G. Ulmer. Illustrierte Ausgabe, Verlag Scarecrow Press, 2009. ISBN 9780810867369. Länge 354 Seiten, hier S. 82, 100-103
  • Jim [d.i. James Lewis] Hoberman : Bridge of Light: Yiddish Film Between Two Worlds (= Interfaces, studies in visual culture, Autor J. Hoberman) National Center for Jewish Film, Museum of Modern Art (New York, N.Y.), illustrierte Ausgabe. Verlag UPNE, 2010. ISBN 9781584658702. Länge 416 Seiten, hier S. 191, 314, 316-322, 360
  • Jan-Christopher Horak : Fluchtpunkt Hollywood: eine Dokumentation zur Filmemigration nach 1933. Verlag: MAkS, 1986. ISBN 9783888113031. Länge 193 Seiten, hier S. 152, 172, 191-192
  • Elèna Mortara Di Veroli, Laura Quercioli Mincer (Hrsg.) : Il mondo yiddish: saggi, Band 2 (= Band 62, Ausgaben 1-2 von La rassegna mensile di Israel. Gennaio-Agosto 1996) Verlag: Unione della Comunità Ebraiche Italiane, 1996, Länge 403 Seiten, hier S. 384
  • Rudolf Ulrich : Österreicher in Hollywood. Überarbeitete 2.Ausgabe, Verlag: Filmarchiv Austria, 2004. ISBN 9783901932298, Länge 622 Seiten, hier S. 151-152, 538
  • Anne-Lise Weidmann, Samuel Bréan : Traduire le yiddish. Le yiddish au cinéma – le cinéma yiddish. On line bei ataa.fr (französisch)

Weblinks

Filmausschnitte

Einzelnachweise

  1. vgl. Fristoe a.a.O.
  2. Photo der Künstlerin, aufgen. 1937
  3. yiddishcinema.net, [1]
  4. vgl. Nachruf Sam Morgenstern, Composer, 83 in der New York Times, published: December 30, 1989
  5. vgl. IMDb/release dates
  6. so Grissemann S. 144
  7. Standphoto der Szene bei ataa.fr
  8. vgl. Of Local Origin in nytimes.com, 7. Mai 1940, S. 31
  9. Brumlik - Loewy 1982, S. 8
  10. Grissemann S. 139
  11. in Herzogenrath S. 100 f.
  12. zusammen mit dem jiddischen Kurzfilm I Want to Be A Boarder (איך וויל זיין א בארדער / Ikh Vil Zayn a Boarder, USA 1937, mit Leo Fuchs und Yetta Zwerling, Regie: Joseph Seiden), vgl. jewishfilm.org
  13. vgl. IMDb/trivia
  14. vgl. IMDb/releaseinfo


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