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Amathoús (Palästina)

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Der Ort Amathoús, auch Ammathoús (varia lectio) geschrieben (griech. Αμαθούς bzw. Αμμαθούς), wird vom jüdischen Schriftsteller Flavius Josephus (1. Jahrhundert n. Chr.) als Festungsstadt und Hauptort eines Bezirks im Ostjordanland erwähnt. Die genaue Lage ist umstritten.

Literarische Befund

Josephus nennt in seinen beiden Hauptwerken „Der jüdische Krieg“ (bell) und „Jüdische Altertümer“ (ant) je drei Mal Amathous. Es handelt sich um drei kurze, parallele Notizen: bell 1 86f. = ant 13 356; bell 1 89 = ant 13,374; bell 1,170 = ant 14,91. Nach der ersten Stelle gelang es dem jüdischen König Alexander Jannai (103–76 v. Chr.), Amathoús, das zum Herrschaftsbereich Theodoros, des Stadtfürsten von Philadelphia (Amman), gehörte, das „die zweifellos bedeutendste der Festungen jenseits des Jordans“ war und das „die kostbaren Schätze des Theodoros“ verwahrte, zu erobern; doch Theodoros konnte „seinen eigenen Besitz sowie den Troß des Königs“ Alexander Jannai (Alexander Jannäus) wiedererobern (bell 1 86f. par ant 13 356). Bald darauf fand Alexander Jannai bei einem zweiten Feldzug gegen Arabien (das Nabatäerreich) die Festung Amathoús „verlassen vor und schleifte sie“ (bell 1 89 par. ant 13,374)[1]. Ab diesem Zeitpunkt gehörte die zerstörte Festungsstadt (ant 13,374) zum jüdischen Königreich der Hasmonäer. Nach der Eroberung des hasmonäischen Königreichs durch den römischen Imperator Pompejus 63 v. Chr. wurde das Reich im Jahr 57 v. Chr. auf fünf Bezirkshauptstädte (Toparchien) mit jeweils einem Gerichtshof (synhedrion) aufgeteilt: Jerusalem, Jericho, Sepphoris westlich des Jordans, Gadara und Amathoús östlich des Jordans (bell 1 170 par. Ant 14 91). Bis auf Amathoús und Gadara ist die Ortslage aller anderen Orte bekannt. Sie sind inzwischen mit ihren antiken Bauwerken weltberühmt geworden.

Ortslage

Nach Josephus war Amathoús nicht nur die bedeutendste Festung im Ostjordangraben, sondern konnte als Festungsstadt zu einer Bezirkshauptstadt mit einem Gericht aufgewertet werden. Zur Lokalisierung stellt der Biblische Archäologe Siegfried Mittmann eine plausible Hypothese auf. Er bezieht eine siebte Stelle von Josephus mit ein; diese handelt über Zeno, den Vater von Theophilos: ant 13 393 par bell 1 104. Zeno verwahrte wie sein Sohn Theodorus den Staatsschatz außerhalb von Philadelphia, und zwar in Essa (ant 13 393) bzw. in Gerasa, dem heutigen Dscherasch (bell 1 104). Da Essa nur einmal in der Textüberlieferung der Josephusschriften auftaucht und in der Parallelstelle (bell 1 104) Gerasa lautet, wird der Name Essa allgemein für einen Schreibfehler gehalten (Rengstorf 2101; Marcus 424). Mittmann hingegen hält an der Ursprünglichkeit von Essa fest und erklärt die parallele Nennung von Gerasa (bell 1 104) für eine Verschreibung[2]. Denn Alexander Jannäus hätte es mit seinen geringen Kräften nach dieser Notiz gelingen müssen, die gewaltige antike Großstadt Gerasa mit „drei Ringwällen“ einzuschließen und „ohne Kampf“ zu erobern, ein Ding der Unmöglichkeit, da hellenistische Stadtbürger eine militärische Ausbildung (Ephebie) genossen haben und sich selbstverständlich bei Belagerungen verteidigen konnten. Selbst die militärisch nicht regulär ausgebildeten Juden haben vier Jahre lang Jerusalem gegen die Legionen des römischen Weltreiches verteidigen können (66–70 n. Chr.). Mittmann rückt Essa daher weit weg von Gerasa ganz in die Nähe von Amathoús. Zeno und sein Sohn hätten zwei benachbarte Festungen zur Aufbewahrung ihrer Schätze benutzt. Beide Festungen hätten im Tal des Jabboks gelegen. Essa war der westliche der Tulul adh-Dhahab, Amathoús war der wesentlich kleinere Festungsberg Tell Mganni, der drei Kilometer Luftlinie nach Westen sich befindet und den Ausgang des Jabboktales in den Jordangraben überblickt[3]. Auch Ralph Marcus und Allen Wikgren platzieren in der Karte im Anhang der Antiquitates XVI-XVII Amathoús nur wenige Kilometer nördlich von der Einmündung des Jabboks in das Jordantal. Doch dort lassen sich keine Überreste von der „stärksten Festung jenseits des Jordans“ ausmachen. Der Scheitel der Bergkuppe des Tells Mganni ist etwa 175 Meter lang, aber nur 20 bis 27 Meter breit, so dass der Tell lediglich mit einem Turm und einem schmalen Mauerkomplex bebaut werden konnte[4], aber nicht mit einer Stadt.[5]

Ausgrabungen

Ein Team der TU Dortmund unter der Leitung von Thomas Pola führt seit 2005/2006 in Zusammenarbeit mit dem Jordanischen Antikendepartement (DOA) und einem Team der Universität Basel Ausgrabungen am westlichen Hügel der Tulul adh-Dhahab/Amathoús durch. Die Grabungen haben eine zuvor unbekannte mächtige Wehranlage erschlossen, die den einzig geeigneten Zuweg aus dem Tal zum Tell von Nordwesten her abriegelt. Auf dem überbauten obersten Plateau wurden Teile eines hellenistischen Säulenhofes mit charakteristischen herzförmigen Säulen freigelegt. Diese Anlage wurde in der römischen Zeit umgebaut. Infolge einer erfolgreichen römischen Belagerung gerieten die östlich gelegenen Nebengebäude der Peristylhöfe in Brand und wurden unbewohnbar. Erst etwa 200 Jahre später kamen auch die Peristylhöfe durch ein Erdbeben, vermutlich 363 n. Chr., zu Fall. Die Ausgrabungen werden ab 2010 fortgesetzt.

Literatur

Quellen

  • Flavius Josephus: De bello judaico. Der Jüdische Krieg. mit Anmerkungen von Otto Michel, Otto Bauernfeind, 3 Bde., Darmstadt 1959–1969.
  • Flavius Josephus: Jüdische Altertümer. 2. Aufl., mit Anmerkungen von Heinrich Clementz, Paragraphenzählung nach Benedictus Niese, Wiesbaden 2006.
  • Flavius Josephus: Jewish Antiquities XII-XIII. ed. a. transl. by Ralph Marcus, London 1957.
  • Flavius Josephus: Jewish Antiquities XVI-XVII. ed. a. transl. by Ralph Marcus/Allen Wikgren, 376f.
  • Karl Heinrich Rengstorf: A Complete Concordance to Flavius Josephus. 2 Bde., Leiden/Boston/Köln 2002.

Sekundärliteratur

Einzelnachweise

  1. Carl Ritter: Die Erdkunde von Asien. Reimer, Berlin 1851, In: Carl Ritter: Die Erdkunde im Verhältnis zur Natur und zur Geschichte des Menschen oder allgemeine vergleichende Geographie, als sichere Grundlage des Studiums und Unterrichts in physicalischen und historischen Wissenschaften. Zweite stark vermehrte und umgearbeitete Ausgabe, 15. Theil, S. 1090ff. (online auf Google.books)
  2. Siegfrid Mittmann: Amathous, Essa, Ragaba. Drei hellenistische Festungen im nördlichen Randbereich des mittleren Jordangrabens, Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins 103 (87), S. 56–58
  3. Siegfrid Mittmann: Amathous, Essa, Ragaba. Drei hellenistische Festungen im nördlichen Randbereich des mittleren Jordangrabens, Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins 103 (87), S. 49–60
  4. Siegfrid Mittmann: Amathous, Essa, Ragaba. Drei hellenistische Festungen im nördlichen Randbereich des mittleren Jordangrabens, Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins 103 (87), S. 55f.
  5. Siegfrid Mittmann: Amathous, Essa, Ragaba. Drei hellenistische Festungen im nördlichen Randbereich des mittleren Jordangrabens, Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins 103 (87), S. 49–66
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